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Propan-1,3-sulton

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(Weitergeleitet von 1,3-Propansulton)
Strukturformel
Struktur von Propan-1,3-sulton
Allgemeines
Name Propan-1,3-sulton
Andere Namen
  • 1,2-Oxathiolan-2,2-dioxid (IUPAC)
  • 1,3-Propansulton
  • Propio-1,3-sulton
  • 3-Hydroxypropan-1-sulfonsäure-γ-sulton
  • Propan-1-sulfonsäure-3-hydroxysulton
Summenformel C3H6O3S
Kurzbeschreibung

farblose, kristalline Masse<ref name="Römpp" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 214-317-9
ECHA-InfoCard 100.013.017
PubChem 14264
ChemSpider 13626
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 122,14 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte
Schmelzpunkt

31 °C<ref name="Römpp" /><ref name="Fischer">R. F. Fischer: PROPANESULTONE. In: Industrial & Engineering Chemistry. Band 56, Nr. 3, 1. März 1964, S. 41–45, doi:10.1021/ie50651a008.</ref><ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

96 °C (1,3 hPa)<ref name="Römpp" />

Dampfdruck

0,48 Pa (20 °C)<ref name="Römpp" />

Löslichkeit
  • sehr gering in Wasser (0,025 Mol-% bei 25 °C, langsame Hydrolyse)<ref name="Fischer" />
  • gut löslich in Alkoholen, Ketonen und aromatischen Kohlenwasserstoffen<ref name="Römpp" /><ref name="Fischer" />
  • schwer löslich in aliphatischen Lösungsmitteln<ref name="Fischer" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),<ref name="CLP_100.013.017">Eintrag zu 1,3-propanesultone in der Datenbank ECHA CHEM der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA)Vorlage:Abrufdatum Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.</ref> ggf. erweitert<ref name="GESTIS">Eintrag zu 1,3-Propansulton in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 301​‐​311​‐​332​‐​315​‐​318​‐​341​‐​350
P: 201​‐​260​‐​280​‐​303+361+353​‐​305+351+338​‐​308+313<ref name="GESTIS" />
Zulassungs­verfahren unter REACH

besonders besorgnis­erregend: krebs­erzeugend (CMR)<ref name="SVHC_100.013.017">Eintrag in der SVHC-Liste der Europäischen ChemikalienagenturVorlage:Abrufdatum</ref>

Toxikologische Daten

100 mg·kg−1 (LD50, Ratte, oral)<ref name="GESTIS" />

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Propan-1,3-sulton ist eine chemische Verbindung aus der Stoffgruppe der Sultone. Es kann als innerer, cyclischer Ester der γ-Hydroxypropansulfonsäure gesehen werden.

Darstellung und Gewinnung[Bearbeiten]

Die Synthese der Verbindung erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Schritt wird durch eine radikalische Addition von Natriumhydrogensulfit an Allylalkohol in Gegenwart von Luftsauerstoff oder von Peroxiden als Initiatoren Natrium-3-hydroxypropansulfonat hergestellt. Die Zielverbindung erhält man im zweiten Schritt durch saure Dehydratisierung der Zwischenverbindung.<ref name="Römpp" /> Eine weitere Synthese startet mit einer Reed-Reaktion mit n-Propylchlorid, Chlor und Schwefeldioxid. Das resultierende γ-Chlorpropansulfonsäurechlorid wird zur freien Säure hydrolysiert und anschließend unter Chlorwasserstoffabgabe zyklisiert.<ref name="Fischer" />

Eigenschaften[Bearbeiten]

Propan-1,3-sulton ist eine farblose, kristalline Masse, die bei 31 °C schmilzt. Die Verbindung kann nur unter reduziertem Druck verdampft werden. In der Hitze erfolgt die Zersetzung der Substanz.<ref name="GESTIS" />

Siedetemperaturen unter reduziertem Druck<ref name="Fischer" />
Druck / mbar 1,33 6,67 13,32 40
Siedetemperatur / °C 100 134 150 180

In Wasser ist die Verbindung nur gering löslich. Bei 25 °C lösen sich 0,025 Mol-%, bei 70 °C 0,062 Mol-% in Wasser.<ref name="Fischer" /> Umgekehrt lösen sich bei 25 °C 0,75 Mol-%, bei 70 °C 0,475 Mol-% Wasser in Propan-1,3-sulton.<ref name="Fischer" /> In Wasser erfolgt eine langsame Hydrolyse, die sich mit zunehmender Temperatur beschleunigt.<ref name="Fischer" /> Als Produkt der Reaktion mit Wasser entsteht 3-Hydroxypropansulfonsäure.

Hydrolyse von Propan-1,3-sulton
Hydrolyse von Propan-1,3-sulton

Die Hydrolysereaktion kann bei Wasserüberschuss als Reaktion erster Ordnung gesehen werden, deren Halbwertszeiten bezüglich der Propan-1,3-sultonkonzentration bestimmt worden sind.<ref name="Fischer" /><ref name="Bordwell">F. G. Bordwell, C. Edward Osborne, Richard D. Chapman: The Hydrolysis of Sultones. The Effect of Methyl Groups on the Rates of Ring-opening Solvolyses. In: Journal of the American Chemical Society. Band 81, Nr. 11, 1. Juni 1959, S. 2698–2705, doi:10.1021/ja01520a029.</ref>

Hydrolysegeschwindigkeit<ref name="Fischer" /><ref name="Bordwell" />
Temperatur / °C 20 30 40 70
Halbwertszeit / h 14,8 4,8 1,6 0,11

Die Umsetzung der Verbindung mit Alkoholen oder Alkoholaten ergibt die entsprechenden 3-Alkoxypropansulfonsäuren.<ref name="Fischer" /> Propan-1,3-sulton wirkt gegenüber vielen Stoffen als Alkylierungsmittel. So werden mit Harnstoff oder Thioharnstoff die O- bzw. S-alkylierten Produkte gebildet. Mit Carbonsäuren resultieren 3-Sulfopropylester. In Gegenwart von Aluminiumchlorid gelingt die Friedel-Crafts-Alkylierung von Aromaten.<ref name="Fischer" />

Verwendung[Bearbeiten]

Die Verbindung kann zur Herstellung von Polyethersulfonen und speziellen, zwitterionischen Polymeren verwendet werden.<ref name="Römpp" /> Zudem ist sie Bestandteil von Batterieelektrolyten und photographischen Materialien.<ref name="Römpp" /> In der organischen Chemie wird sie Ausgangsverbindung für die Synthese von Sultainen, Sulfobetainen, Heterocyclen und anderen sulfonylfunktionalisierten Verbindungen genutzt.<ref name="Römpp" />

Gesundheitsgefahren[Bearbeiten]

Eine akute Vergiftung zeichnet sich im Tierversuch durch Apathie, zunehmende Atemnot, blutige Durchfälle, Tremor und Krämpfe aus.<ref name=":0">Manfred Metzler, Frank J. Hennecke: Toxikologie für Naturwissenschaftler und Mediziner Stoffe, Mechanismen, Prüfverfahren. 3., überarb. und aktualisierte Auflage. Weinheim 2005, ISBN 978-3-527-30989-4, S. 267–268.</ref> Der Tod trat Stunden bis Tage nach einer akuten Vergiftung durch Lungenödeme, schwerste Darmblutungen und Hirnödeme auf.<ref name=":0" /> LD50-Werte sind für die orale Aufnahme an der Ratte (157–350 mg/kg KG) und für die intravenöse Gabe (210 mg/kg KG) beschrieben.<ref name=":0" />

In einer Vielzahl von Mutagenitätstests erwies es sich als mutagen.<ref name=":0" /> Es ist eindeutig kanzerogen und induziert lokale sowie systemische Tumoren.<ref name=":0" /> Der Stoff wurde am 17. Dezember 2015 in der Liste der besonders besorgniserregenden Stoffe im Anhang der Gefahrstoffverordnung aufgenommen.<ref name="SVHC_100.013.017" />

Propan-1,3-sulton ist nach REACH als besonders gefährlicher krebserzeugender Stoff eingestuft und darf nur in geschlossenen Anlagen hergestellt oder verwendet werden.<ref name="SVHC_100.013.017" />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Propan-1,3-sulton – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />