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Phenethylamin

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(Weitergeleitet von 2-Phenylethylamin)
Strukturformel
Strukturformel von Phenethylamin
Allgemeines
Name Phenethylamin
Andere Namen
  • 2-Phenylethan-1-amin (IUPAC)
  • β-Phenylethylamin
  • 2-Phenylethylamin
  • 2-Phenyl-1-aminoethan
Summenformel C8H11N
Kurzbeschreibung

farblose Flüssigkeit mit aminartigem Geruch<ref name="GESTIS">Eintrag zu Phenethylamin in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN
EG-Nummer 200-574-4
ECHA-InfoCard 100.000.523
PubChem 1001
ChemSpider 13856352
DrugBank DB04325
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 121,18 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig

Dichte

0,96 g·cm−3 (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Schmelzpunkt

< −60 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

200–202 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

40 Pa (20 °C)<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit

schlecht in Wasser (4,3 g·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />

Brechungsindex

1,5290 (25 °C)<ref name="CRC90_3_34">David R. Lide (Hrsg.): CRC Handbook of Chemistry and Physics. 90. Auflage. (Internet-Version: 2010), CRC Press / Taylor and Francis, Boca Raton FL, Physical Constants of Organic Compounds, S. 3-34.</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 290​‐​301​‐​314
P: 234​‐​280​‐​303+361+353​‐​304+340+310​‐​305+351+338​‐​363<ref name="GESTIS" />
Toxikologische Daten

200 mg·kg−1 (LD50, Meer­schweinchen, oral)<ref>National Technical Information Service, OTS0555348</ref>

Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

Phenethylamin (auch β-Phenylethylamin, 2-Phenylethylamin oder 2-Phenylethan-1-amin, Abkürzung PEA) ist eine organische Verbindung und gehört zu den biogenen Aminen, die aus Aminosäuren gebildet werden, und zu den Spurenaminen, welche wichtige regulierende Funktionen im zentralen Nervensystem erfüllen. Es ist außerdem die Stammsubstanz der Stoffgruppe der Phenylethylamine, zu der die Katecholamine (Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin) und die Amphetamine gehören.

Vorkommen[Bearbeiten]

Phenylethylamin kommt im Gehirn aller Tiere vor, die bisher darauf untersucht wurden (also auch im Menschen), die Konzentrationen von PEA ist mit wenigen Nanogramm pro Gramm Gehirngewebe allerdings sehr niedrig.<ref name=":0">Mark D. Berry: Mammalian central nervous system trace amines. Pharmacologic amphetamines, physiologic neuromodulators. In: Journal of Neurochemistry. Band 90, Nr. 2, 2004, S. 257–271, doi:10.1111/j.1471-4159.2004.02501.x.</ref> Auch viele Pflanzen enthalten PEA.<ref name=":1">Meredith Irsfeld, Matthew Spadafore, Birgit M. Prüß: β-phenylethylamine, a small molecule with a large impact. In: WebmedCentral. Band 4, Nr. 9, 30. September 2013, S. 4409, PMID 24482732, PMC 3904499 (freier Volltext).</ref>

Außerdem ist PEA ein Stoffwechselprodukt verschiedener Bakterien, weswegen es in fermentierten oder verdorbenen Lebensmitteln (z. B. Käse, Fleisch) vorkommt. Auch thermisch behandelte Lebensmittel wie Schokolade enthalten geringe Mengen an PEA.<ref name=":1" /><ref name=":2">Human Metabolome Database: Showing metabocard for Phenylethylamine (HMDB0012275). Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 10. Oktober 2025; abgerufen am 14. Juni 2026.</ref>

Einer Untersuchung des Departments of Cell Biology and Neurobiology an der Harvard Medical School<ref name="pnas.1103317108">David M. Ferrero, Jamie K. Lemon, Daniela Fluegge, Stan L. Pashkovski, Wayne J. Korzan, Sandeep Robert Datta, Marc Spehr, Markus Fendt, and Stephen D. Liberles: Detection and avoidance of a carnivore odor by prey In: Proceedings of the National Academy of Sciences PNAS July 5, 2011 Vol. 108 No. 27 11235–11240.</ref> zufolge enthält der Urin einiger Raubsäuger erhöhte Mengen von Phenethylamin. Bestimmte Beutetiere (hier: Mäuse und Ratten) nehmen die Substanz olfaktorisch wahr und meiden mit Raubsäugerurin kontaminierte Bereiche.

Pharmakologie[Bearbeiten]

Pharmakodynamik[Bearbeiten]

Phenylethylamin ist ein Neuromodulator und beeinflusst die Signalübertragung zwischen Neuronen durch die Monoamine Dopamin und Noradrenalin.<ref name=":0" /> Dieser Effekt entsteht durch die Bindung von PEA an die Spurenamin-assoziierten Rezeptoren (trace amin-associated receptor, TAAR), vor allem an TAAR1.<ref name=":0" /><ref name=":3">Zhihua Xie, Gregory M. Miller: β-Phenylethylamine Alters Monoamine Transporter Function via Trace Amine-Associated Receptor 1: Implication for Modulatory Roles of Trace Amines in Brain. In: The Journal of Pharmacology and Experimental Therapeutics. Band 325, Nr. 2, 1. Mai 2008, S. 617–628, doi:10.1124/jpet.107.134247, PMID 18182557.</ref> Durch die Aktivierung dieses Rezeptors wird die Sensibilität von Neuronen gegenüber den Monoaminen verstärkt.<ref name=":0" />

Darüber hinaus kann Phenylethylamin eine den Amphetaminen ähnliche Wirkung aufweisen. Dazu gehören die Ausschüttung und Wiederaufnahmehemmung der Monoamine Dopamin, Noradrenalin und Serotonin.<ref name=":0" /><ref name=":3" /> Diese Effekte zeigen sich jedoch nur bei Konzentrationen, die weit über den endogenen Konzentrationen liegen.<ref name=":0" />

Oral aufgenommenes PEA, beispielsweise über Nahrungsmittel, besitzt normalerweise keine Wirkung, da es verstoffwechselt wird, bevor es in signifikanten Mengen das Gehirn erreichen kann.<ref name=":0" /><ref name=":2" />

Pharmakokinetik[Bearbeiten]

Phenylethylamin wird im Organismus aus der essentiellen Aminosäure Phenylalain hergestellt, indem diese durch die Aromatische-L-Aminosäure-Decarboxylase (AADC) decarboxyliert wird.<ref name=":0" /><ref name=":1" /> Dieser Prozess kann reguliert werden, weil die Aktivität von AADC (beispielsweise im Striatum) durch Agonisten der D1- und D2-Rezeptoren verringert und durch Antagonisten dieser Rezeptoren erhöht wird.<ref name=":0" /> Auch kann Amphetamin durch Ausschüttung von Dopamin die Aktivität der AADC und dadurch die Konzentration von PEA senken.<ref name=":0" />

Phenylethylamin wird selektiv von der Monoaminooxidase B (MAO-B) zu Phenylessigsäure abgebaut.<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":2" /><ref name=":4">Seiichiro Shimazu, Ildikó Miklya, Pharmacological studies with endogenous enhancer substances: β-phenylethylamine, tryptamine, and their synthetic derivatives, Progress in Neuro-Psychopharmacology and Biological Psychiatry, Volume 28, Issue 3, 2004, Pages 421–427, doi:10.1016/j.pnpbp.2003.11.016. (abgerufen am 14. Juni 2026)</ref> Dieser Prozess verläuft sehr schnell<ref name=":0" /><ref name=":2" />, die Plasmahalbwertszeit von PEA ist mit 5–10 Minuten<ref>PubChem: Phenethylamine. Abgerufen am 14. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> so klein, dass über Nahrungsmittel aufgenommene Mengen von PEA metabolisiert werden, bevor sie das Gehirn in wirksamen Mengen erreichen.<ref name=":2" /> Endogenes PEA hat sogar eine Halbwertszeit von nur 30 Sekunden, in der es abgebaut und durch neues ersetzt wird.<ref name=":0" /> Zwar gibt es andere Stoffwechselwege, diese spielen jedoch eine untergeordnete Rolle.<ref name=":0" />

Die Konzentration von Phenylethylamin im Gehirn kann durch MAO-B-Hemmer, beispielsweise Selegilin, um ein Vielfaches erhöht werden, was eine erhöhte Sensibilität von Neuronen gegenüber Dopamin und anderen Agonisten von Dopaminrezeptoren bewirkt. Dieser Effekt erreich sein Maximum bei einer Verdreifachung der PEA-Konzentration auf ca. 5–6 ng/g durch eine Hemmung von MAO-B um 75 %.<ref name=":0" />

Medizinische Bedeutung[Bearbeiten]

Veränderte Konzentrationen von Phenylethylamin (und anderen Spurenaminen) werden mit einigen Erkrankungen assoziiert beziehungsweise gehen mit diesen einher. Dazu zählen Migräne<ref name=":0" /><ref name=":4" />, Depression<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":4" />, Schizophrenie<ref name=":0" /><ref name=":1" /><ref name=":4" />, das Parkinson-Syndrom<ref name=":0" /><ref name=":4" />, das Rett-Syndrom und einige weitere.<ref name=":4" /> Auch wird die PEA-Konzentration im Urin als potentieller Biomarker für ADHS diskutiert.<ref name=":1" /><ref>Akira Kusaga, Yushiro Yamashita, Tastuya Koeda, Michio Hiratani, Mika Kaneko, Shigeto Yamada, Toyojiro Matsuishi: Increased urine phenylethylamine after methylphenidate treatment in children with ADHD. In: Annals of Neurology. Band 52, Nr. 3, 2002, S. 372–374, doi:10.1002/ana.10302.</ref>

Chemie[Bearbeiten]

Strukturbetrachtung[Bearbeiten]

→ Hauptartikel: Phenylethylamine

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Technisch ist die Verbindung unter anderem durch katalytische Hydrierung von Benzylcyanid bei Temperaturen von 130 °C und Drücken von 140 bar an Raney-Nickel-Katalysatoren in flüssigem Ammoniak zugänglich.<ref name="OrgSynth">J. C. Robinson Jr., H. R. Snyder: β-Phenylethylamin In: Organic Syntheses. 23, 1943, S. 71, doi:10.15227/orgsyn.023.0071 (PDF).</ref>

Katalytische Hydrierung von Benzylcyanid zu Phenethylamin in Gegenwart eines Raney-Nickel Katalysator in flüssigem Ammoniak
Katalytische Hydrierung von Benzylcyanid zu Phenethylamin in Gegenwart eines Raney-Nickel Katalysator in flüssigem Ammoniak

In einer weiteren möglichen Synthesevariante wird Benzaldehyd mit Nitromethan im Rahmen einer Henry-Reaktion zum Nitrostyrol kondensiert. Nach dessen Reduktion (Hydrierung) erhält man Phenethylamin.<ref name="RÖMPP">Eintrag zu Phenethylamine. In: Römpp Online. Georg Thieme VerlagVorlage:Abrufdatum</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Phenethylamin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />