Antonow An-32
| Antonow An-32 | |
|---|---|
| [[Hilfe:Cache|Fehler beim Thumbnail-Erstellen]]: Antonow An-32B | |
| Typ | Transportflugzeug |
| Entwurfsland | |
| Hersteller | OKB Antonow |
| Erstflug | 9. Juli 1976 |
| Stückzahl | 373<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.реестр самолётов типа Антонов Ан-32 ( vom 10. September 2015 im Internet Archive)</ref> |
Die Antonow An-32 (NATO-Codename: Cline) ist ein in der Sowjetunion entwickeltes und in der heutigen Ukraine gebautes Frachtflugzeug. Die Maschine ist als Schulterdecker ausgelegt. Der Grundentwurf stammt von der Antonow An-26. Wie diese verfügt sie über zwei Turboprop-Triebwerke und ein einziehbares Fahrwerk. Unterscheidungsmerkmale sind die wesentlich vergrößerten und höher an den Tragflächen montierten Motorgondeln sowie die größeren Vierblattpropeller. Unter dem Rumpfheck befinden sich zwei vergrößerte Stabilisierungsflächen. Die Maschine ist speziell für den Einsatz von hoch gelegenen oder besonders heißen Flugplätzen ausgelegt (bis 50 °C bei 4500 m Höhe). Sie verfügt über eine klimatisierte Druckkabine. Um von Bodenausrüstung unabhängig zu sein, ist die Maschine mit einem Hilfstriebwerk ausgestattet.
Geschichte[Bearbeiten]
Der Prototyp der An-32 flog erstmals am 9. Juli 1976. Die Produktion fand im Werk Nr. 473 von Kiew statt.<ref>Ulf Gerber: Das große Buch der sowjetischen Luftfahrt 1920–1990. Entwicklung, Produktion und Einsatz der Flugzeuge. Rockstuhl, Bad Langensalza 2019, ISBN 978-3-95966-403-5, S. 625.</ref> Der Typ wird auch von verschiedenen Streitkräften zu Transportaufgaben verwendet. Es existieren verschiedene Varianten. Je nach Version können bis zu 50 Passagiere, 42 Soldaten, 38 Fallschirmspringer oder 24 Liegen für Verwundete transportiert werden. Die Standardversion ist die An-32B.
Die An-32P ist ein Feuerlöschflugzeug, das bis zu 8000 Liter Löschmittel (typisch Wasser) transportieren oder auch 30 Feuerwehrleute per Fallschirm absetzen kann (s. Feuerspringer). Diese Variante ist seit 1995 im Einsatz, kommerziell nur 2 Exemplare (UR-UZH, UR-UZQ) bei der ukrainischen Fluggesellschaft Xena (Stand 2025).<ref>Patrick Zwerger: Feuerlöschflugzeug im Dauereinsatz : Ukrainische Antonow An-32P stellt Rekorde auf. In: flugrevue.de. 1. Dezember 2025, abgerufen am 2. Dezember 2025.</ref> An-32P wurden auch in Spanien und Portugal eingesetzt.
In der Frachtausführung können Güter bis zu elf Metern Länge und einer Gesamtmasse zwischen 6800 kg und 7500 kg – je nach Ausführung – transportiert werden. Die Maschine verfügt dabei über eine Heckrampe und eigene Anschlagmittel, die bis zu drei Tonnen heben können. Im Ladeboden können Kugelrollen montiert werden, die ein leichtes Verschieben der Ladung ermöglichen.
Die An-32B-100 ist eine Variante mit höherer Zuladung und Startmasse. Modifizierte Triebwerke (AI-20D5M) mit längeren Wartungsintervallen verbessern die Wirtschaftlichkeit.
Die An-32B-200 basiert auf der An-32W-100, zeigt aber tiefgreifende Verbesserungen. Das Cockpit erlaubt den Betrieb mit nur zwei Piloten. Bei Bedarf können äußere Zusatztanks von 3000 l Fassungsvermögen installiert werden, die eine Reichweite bis zu 3200 km ermöglichen. Die Gesamteinsatzzeit wurde auf 25 Jahre verlängert. Die Wartungsintervalle wurden entsprechend dem Nutzungsprofil variabel gestaltet.
Viele Maschinen sind in Schwellenländern wie Sri Lanka, Kolumbien, Peru, Mexiko, Afghanistan sowie einer Anzahl afrikanischer Länder im Einsatz.
Bewaffnung[Bearbeiten]
Bei Bedarf können seitlich im unteren Rumpfsegment vier Außenlaststationen und zwei unter den Tragflächen befestigt werden, womit aus dem Transporter ein Hilfsbomber oder bewaffnetes Patrouillenflugzeug wird.
Bewaffnung bis zu 2500 kg an sechs Außenlaststationen
Ungelenkte Luft-Boden-Raketen
- 2 × UB-32A-57-Raketen-Rohrstartbehälter für 32 ungelenkte Luft-Boden-Raketen S-5 im Kaliber 57 mm
Ungelenkte Freifallbomben
- 6 × FAB-250 (250-kg-Freifallbombe)
Selbstverteidigungssysteme[Bearbeiten]
- 1 × Adros KUW 26-50Е (Täuschkörperwerfer mit 40 × 50-mm-Täuschkörperpatronen)
Varianten[Bearbeiten]
- An-32 „Sutlej“: militärische Transportvariante für die indische Luftwaffe
- An-32: militärische Basistransportvariante
- An-32A: Transportvariante für die afghanische Luftwaffe
- An-32B: verbesserte Transportvariante mit amerikanischem Honeywell-Primus-500-Wetterradar und Höhenradar.
- An-32B-100: verbesserte Transportvariante mit erhöhter Nutzlast (bis 7500 kg).
- An-32B-110: Dank neuer russischer Avionik kann das Flugzeug von einer zweiköpfigen Besatzung geflogen werden.
- An-32B-120: Variante mit westlicher Avionik
- An-32B-200: modernisierte Transportvariante, die NATO-Standard aufweisen soll. Das Cockpit wurde mit Avionik von Rockwell Collins und Litton nach STANAG- und MIL-STD-1553В-Standards ausgerüstet.
- An-32B-300: Variante mit Allison AE2100D-Turboprop-Triebwerk ausgerüstet.
- An-32MP: Küstenüberwachungsvariante mit FLIR, Honeywell-Primus-500-Wetterradar, Rundsichtradar im Rumpf, Suchscheinwerfer an der Tragflächenspitze, zwei Beobachterstationen im Heck, vier zusätzlichen 260-Gallonen-Treibstofftanks im Rumpf, automatischer Richtungsfinder ARK-UD, abwerfbaren Rettungsbooten, Radarbedienerstation, Toilette und Waschraum sowie Außenlastträgern am Rumpf und unter den Tragflächen.
- An-32P: Feuerlöschvariante für 8000 kg Löschmittel in zwei externen Tanks mit je zwei Kammern, der Frachtraum bleibt erhalten, etwa um Feuerspringer mit Fallschirmen abzusetzen. Die Tanks werden via Schlauch befüllt, wenn die Maschine am Boden steht. Eine Zurückrüstung zum Transporter ist innerhalb kurzer Zeit möglich, die demontierten Außentanks passen in den Frachtraum.<ref>Patrick Zwerger: Fliegt „wie eine Rakete“ : Das gefragteste Spezialflugzeug der Ukraine. In: flugrevue.de. 10. August 2026, abgerufen am 10. August 2026.</ref>
- An-32W: vorgesehene Bezeichnung der militärischen Transportvariante in den 1990er-Jahren, nie verwendet, da noch genug Flugzeuge auf Halde gebaut.
- An-132D: Eine Version, die gemeinsam mit Saudi-Arabien entwickelt werden sollte. Der Erstflug des einzigen Prototyps fand am 31. März 2017 statt. Serienflugzeuge sollten ebenso wie der Prototyp Pratt&Whitney-Canada-PW150-Turbinen und westliche Avionik ohne russische Teile erhalten.<ref>Juliusz Sabak: An-132 Fuselage Is Ready. Maiden Flight Planned This Year. In: www.defence24.com. 18. Februar 2016, abgerufen am 11. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Dienstag, der 20. Dezember 2016 – n-tv.de. In: n-tv.de. 20. Dezember 2016, abgerufen am 20. Dezember 2016.</ref><ref>Stephen Trimble: Antonov completes first flight of An-132D. 31. März 2017, abgerufen am 11. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Matthias Benz: Antonow muss neu starten. Neue Zürcher Zeitung, 3. Juni 2017, abgerufen am 11. Oktober 2021.</ref> 2019 wurde die Entwicklung eingestellt.<ref>Ukraine’s Antonov confirms the suspension of its An-132D development. www.rusaviainsider.com, 29. April 2019, abgerufen am 14. Februar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>Ukraine suspends joint venture with Saudi Arabia to build An-132 aircraft – Middle East Monitor. www.middleeastmonitor.com, 29. April 2019, abgerufen am 14. Februar 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Zwischenfälle[Bearbeiten]
Vom Erstflug 1976 bis Juli 2026 kam es mit An-32 zu 85 Totalschäden. Bei 41 davon kamen 640 Menschen ums Leben.<ref>Unfallstatistik Antonow An-32. Abgerufen am 29. August 2026 (englisch). Aviation Safety Network</ref> Beispiele:
- Die erste An-32 verunglückte vor 1990 auf einem Testflug, genaues Datum und Ort sind jedoch unbekannt.<ref>Unfallbericht AN-32A – unbekannt, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 9. März 2019.</ref>
- Am 22. November 1995 wurde eine Antonow An-32B der Luftstreitkräfte Sri Lankas (Luftfahrzeugkennzeichen CR862) im Landeanflug nahe dem Flughafen Jaffna, Sri Lanka während eines nächtlichen Anfluges ins Meer geflogen. Es handelte sich um einen Controlled flight into water. Der Flugkapitän hatte kurz vor dem Aufprall die Flugsicherung gebeten, die Landebahnbefeuerung einzuschalten. Bei dem Unfall starben alle 62 Insassen der Maschine.<ref>Flugunfalldaten und -bericht AN-32B CR862 im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
- Am 8. Januar 1996 raste ein überladenes Antonow-An-32B-Frachtflugzeug der russischen Moscow Airways (RA-26222) nach missglücktem Start vom kongolesischen Flughafen N’Dolo in einen Marktplatz, wo mindestens 297 Menschen starben (einige Quellen berichten von über 350 Toten). Vier der sechs Besatzungsmitglieder überlebten<ref>Flugunfalldaten und -bericht des Flugunfalles der AN-32 RA-26222 vom 8. Januar 1996 in der Accident Database von Plane Crash Info</ref> (einige Quellen geben an, dass alle Crewmitglieder überlebten). Das Flugzeug der Moscow Airways war von zwei alkoholisierten russischen Piloten geflogen worden. Es war offiziell von der Scibe Airlift geleast worden, da die African Air (ein Scheinunternehmen des Scibe-Eigentümers) keine Lizenz zum Betrieb eines solchen Flugzeuges hatte. Scibe Airlift und Air Africa wurden zur Zahlung von 1,4 Mio. USD an die Opfer und ihre Hinterbliebenen verurteilt (siehe auch Flugzeugkatastrophe von Kinshasa).<ref>Unfallbericht AN-32 RA-26222, Aviation Safety Network (englisch), abgerufen am 14. Mai 2017.</ref><ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.The Forgotten Disaster in Zaire ( vom 24. Januar 2016 im Internet Archive)</ref>
- Am 24. August 1998 verunglückte eine Antonow An-32 der kolumbianischen SADELCA (HK-4007X) auf dem Flughafen von Leticia (Kolumbien) bei einem missglückten Startabbruch. Die um eine halbe Tonne überladenen Maschine ließ sich nicht abheben; beim zu späten Startabbruch überrollte das Flugzeug das Startbahnende um 80 Meter und wurde irreparabel beschädigt. Bei den sechs Insassen des Frachtfluges kam es nicht zu Personenschäden.<ref>Flugunfalldaten und -bericht AN-32 HK-4007X im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
- Am 13. April 2008 verunglückte eine Antonow An-32 der sudanesischen Kata Air Transport (ST-AZL) am Flughafen Chișinău bei der Landung. Die Maschine war direkt aus der Wartung gekommen, allerdings kehrten die Piloten aufgrund eines Defekts gleich nach dem Start von Chișinău wieder um. Alle acht Insassen der Frachtmaschine kamen bei dem Absturz ums Leben.<ref>Flugunfalldaten und -bericht AN-32 ST-AZL im Aviation Safety Network (englisch)Vorlage:Abrufdatum</ref>
- Am 16. April 2008 stürzte eine Antonow An-32 der Luftstreitkräfte Äquatorialguineas (3C-5GE) nahe dem Flughafen Annobón (Äquatorialguinea) ins Meer, nachdem sie bei starkem Wind und Regen von der Landebahn gerutscht war. Alle 13 Insassen, Besatzungsmitglieder und Passagiere, wurden getötet.<ref>Unfallbericht AN-32 3C-5GE, Aviation Safety Network WikiBase (englisch), abgerufen am 24. Januar 2025.</ref>
- Am 12. Dezember 2014 verunglückte eine Antonow An-32B der Luftstreitkräfte Sri Lankas (SCM-864) in Hokandara (Sri Lanka). Alle fünf Insassen starben. Die Maschine kam vom Bandaranaike International Airport und befand sich im Anflug auf den Ratmalana Airport.<ref>Unfallbericht einer An-32 der Luftstreitkräfte Sri Lankas (SCM-864). Abgerufen am 29. August 2026 (englisch). Aviation Safety Network</ref>
- Am 22. Juli 2016 verschwand eine Transportmaschine des Typs An-32 der indischen Luftstreitkräfte (K2743) auf einem Versorgungsflug von Chennai nach Port Blair auf den Andamaneninseln im Golf von Bengalen (Indien). Alle 29 Personen an Bord kamen bei dem Unfall ums Leben. Das Wrack wurde später 310 Kilometer östlich von Chennai auf dem Meeresboden lokalisiert.<ref>Unfallbericht einer An-32 der indischen Luftstreitkräfte (K2743). Abgerufen am 29. August 2026 (englisch). Aviation Safety Network</ref>
- Am 3. Juni 2019 verunglückte eine Antonow An-32 der indischen Luftstreitkräfte (K2752) in einem extrem bergigen und abgelegenen Gebiet im Osten des Himalayas, 16 Kilometer nördlich von Lipo. Das Wrack der Maschine wurde erst am 11. Juni 2019 durch die Besatzung einer Mil Mi-17 gefunden. Alle 13 Insassen starben bei dem Unfall.<ref>Unfallbericht einer An-32 der indischen Luftstreitkräfte (K2752). Abgerufen am 29. August 2026 (englisch). Aviation Safety Network</ref>
- Am 13. Juni 2026 verunglückte eine Antonow An-32RE der indischen Luftstreitkräfte (KA2678) während der Landung am Flughafen Jorhat, als die Maschine von der Landebahn abkam und in Flammen aufging. Von den 6 Insassen an Bord überlebte nur der Co-Pilot schwer verletzt.<ref>Unfallbericht einer An-32 der indischen Luftstreitkräfte (KA2678). Abgerufen am 29. August 2026 (englisch). Aviation Safety Network</ref>
Technische Daten[Bearbeiten]
| Kenngröße | An-32B | An-32P | An-132<ref>AN-132. In: www.antonov.com. Abgerufen am 11. Oktober 2021 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> |
|---|---|---|---|
| Besatzung | 3–5 | ||
| Passagiere | bis zu 50 | 75 Soldaten / 46 Fallschirmspringer | |
| Länge | 24,26 m | 24,53 m | |
| Spannweite | 29,20 m | ||
| Höhe | 8,58 m | 8,80 m | |
| Flügelfläche | 74,98 m² | ||
| Flügelstreckung | 11,4 | ||
| Leermasse | 16.800 kg | ||
| max. Startmasse | 27.000 kg | 29.700 kg | 31.500 kg |
| Reisegeschwindigkeit | 530 km/h | 550 km/h | |
| Höchstgeschwindigkeit | 640 km/h | ||
| Dienstgipfelhöhe | 9.400 m | 8.230 m | |
| Reichweite | 1.050 km | 3.500 km bei 6000 kg Nutzlast | |
| Triebwerke | 2 × Iwtschenko AI-20DM, je 3.807 kW (5.176 PS) |
2 × Iwtschenko AI-20M, je 3.124 kW (4.247 PS) |
2 × Pratt & Whitney Canada PW150D |
Weblinks[Bearbeiten]
- Herstellerseite (englisch)
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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| Passagierflugzeuge: |
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| Aufklärungs- und Überwachungsflugzeuge: | ||
| Versuchsflugzeuge: | ||
| Segelflugzeuge: |
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