Kreuzspinnen
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| Kreuzspinnen | ||||||||||||
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| Datei:Araneus diadematus, Livorno 1.JPG
Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) | ||||||||||||
| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Araneus | ||||||||||||
| Clerck, 1757 |
Die Kreuzspinnen (Araneus) sind mit mehreren hundert Arten eine der artenreichsten Gattungen der Familie der Echten Radnetzspinnen.
Es gilt heute als erwiesen, dass die Gattung polyphyletisch ist, Arten sind an ganz verschiedenen Stellen in die Familie eingestreut. Da Arten, die bisher der Gattung zugeordnet werden, beinahe weltweit verbreitet sind, ist eine Revision sehr schwierig. Die Gattung wird daher, bis zu einer Revision, provisorisch im bisherigen Umfang aufrechterhalten.
Namensgebung[Bearbeiten]
Der Trivialname der Gattung geht zurück auf die charakteristische weiße Kreuzzeichnung auf dem Hinterleib bei der bekanntesten Art, der Gartenkreuzspinne. Bei dem weißen Farbstoff handelt es sich um Stoffwechselprodukte, die unter dem Integument abgelagert werden.<ref name="Foelix 79" /> Andere Arten der Gattung weisen hier andere Zeichnungsmuster auf oder sind ganz ungezeichnet. Die Kreuzzeichnung ist also kein typisches Merkmal der Kreuzspinnen insgesamt.<ref>https://www.deutschewildtierstiftung.de/wildtiere/kreuzspinnen</ref>
Der wissenschaftliche Name Araneus war einfach das lateinische Wort für Spinne.
Merkmale[Bearbeiten]
Fig.1 männliche Gehörnte Kreuzspinne,
Fig.2 weibliche Gehörnte Kreuzspinne,
Fig.3 Diagramm der Augen
Araneus ist eine vielgestaltige Gattung, ihre Arten weisen nur wenig gemeinsame Merkmale auf. Sie umfasst viele große oder mittelgroße Arten, aber es gehören auch kleine dazu. So sind Weibchen der Schulterkreuzspinne (Araneus sturmi) nur 5 Millimeter lang, solche der Vierfleckkreuzspinne (Araneus quadratus) können bis 20 Millimeter Körperlänge erreichen. Bei vielen Arten ist das Weibchen erheblich größer als das Männchen (Sexualdimorphismus), bei manchen Arten aber auch gleich groß. Viele Arten sind sehr variabel in ihrer Färbung und Zeichnung, so dass sie daran nur schwer erkennbar sind. Viele Arten, die anhand von Färbungsmerkmalen beschrieben wurden, mussten daher später synonymisiert werden.<ref name="Levi1991" /> Zudem sind die Geschlechter nicht selten verschieden gefärbt und gezeichnet und auf den ersten Blick nicht als zusammengehörig erkennbar. Auch hier wurden vielfach Männchen und Weibchen zunächst oft als verschiedene Arten beschrieben. Einige Arten weisen, bei sehr unterschiedlicher Färbung, zumindest eine charakteristische Zeichnung auf.<ref name="Bee" />
Als gemeinsame Merkmale werden angegeben:<ref name="Levi1991" /> Weibchen mit einem meist behaarten Hinterleib von in Aufsicht fast kreisförmiger bis ovaler oder abgerundet dreieckiger Gestalt, nicht selten vorn seitlich mit zwei vorstehenden Höckern (aber nicht mit einem einzelnen, mittig vorstehenden Höcker wie bei der Gattung Larinia). Meist ist er etwas breiter als lang. Der vordere Abschnitt des Cephalothorax ist relativ schmal, die Mittelaugen sitzen etwas weiter vorn als die Seitenaugen. Die hinteren Mittelaugen sind das größte der vier Augenpaare (wie bei allen Araneidae sitzen die ungefähr gleich großen acht Augen in zwei Querreihen). Das erste Beinpaar ist immer länger als das vierte. Bei allen Arten weist der Vorderrand der Epigyne einen markanten Fortsatz, Scapus genannt, auf. Dieser weist eine geringelte Oberflächenstruktur auf. Er ist, je nach Art, von sehr verschiedener Länge. Oft ist er nach hinten gebogen.
Männchen sind oft kleiner als die Weibchen, typischerweise mit vorn stärker verengtem Cephalothorax und im Verhältnis längeren Beinen. Die Tibia des zweiten Beinpaares ist bei vielen Arten gebogen, sie weist fast immer prominente Stacheln auf. Der Hinterleib ist normalerweise oval und nach hinten etwas zugespitzt. Für die Diagnose ist aber die Gestalt verschiedener Sklerite des Bulbus ausschlaggebend. Typisch für die meisten Arten ist, dass die Spitze des Embolus eine Sollbruchstelle aufweist, an der er bei der Kopula beim Einführen in die Epigyne abbricht. Dies soll möglicherweise später hinzukommende Männchen an einer weiteren Kopula hindern.
Verbreitung[Bearbeiten]
Kreuzspinnen sind in der ganzen Welt vorzufinden. Von den mehreren hundert Arten sind lediglich zehn in Mitteleuropa beheimatet, wovon die Gartenkreuzspinne die bekannteste und die am weitesten verbreitete Art ist.
Systematik und Taxonomie[Bearbeiten]
Der Gattungsname Araneus wurde eingeführt durch den bedeutenden Spinnenforscher Carl Alexander Clerck 1757 in Aranei Svecici. Dieses Werk wurde als so bedeutend angesehen, dass es, als einziges Werk, in der Taxonomie weiter verwendet wird, obwohl es vor der zehnten Auflage der Systema Naturae von Carl von Linné 1758, dem Startpunkt der zoologischen Namensgebung, erschienen ist. Linné selbst nannte die Gattung dann Aranea. Hier hat aber Clercks Name Priorität.
Die Gattung umfasst, in gegenwärtiger Umschreibung, mehr als 600 Arten.<ref name="wsc" /> Dies liegt zum Teil daran, dass die Gattung lange Zeit als „Papierkorb-Taxon“ für allerlei vage ähnliche Arten verwendet wurde. So gehört von den etwa 90 aus Australien beschriebenen Arten der Gattung wohl keine einzige tatsächlich hierher.<ref name="Framenau" /> Viele der Namen sind tatsächlich Nomina dubia, zweifelhafte Arten, oft nur vage beschrieben und nach der Erstbeschreibung nie wieder erwähnt, so dass unklar ist, um was es sich gehandelt hat.
Die Gattung Araneus erwies sich bei genetischen Untersuchungen klar und eindeutig als polyphyletisch, das heißt, die verschiedenen Arten sind zwar in der Körpergestalt ähnlich, aber tatsächlich nicht näher miteinander verwandt.<ref name="Scharff" /> Dabei erwies sich die Artengruppe um die Gartenkreuzspinne (Araneus diadematus) als wohl nicht näher verwandt mit der, zunächst nicht mit getesteten, Gehörnten Kreuzspinne (Araneus angulatus), der Typusart der Gattung Araneus.<ref name="Breitling" /> Demnach ist die Gattung Araneus in gegenwärtiger Umschreibung keine natürliche Einheit und muss aufgelöst werden, in mindestens neun neue Gattungen, möglicherweise noch mehr. Wegen der großen Artenzahl und der weiten Verbreitung der Gattung ist das aber schwierig, so dass, Stand 2026, sich noch kein Taxonom herangetraut hat. Die Gattung wird daher provisorisch weiter aufrechterhalten.
Arten[Bearbeiten]
Bekannte mitteleuropäisch verbreitete Arten der Gattung sind:
- Sumpfkreuzspinne, Araneus alsine (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Walckenaer, 1802)
- Gehörnte Kreuzspinne, Araneus angulatus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Clerck, 1757; die Gehörnte Kreuzspinne ist die Typusart der Gattung der Kreuzspinnen<ref name="Biswas" />
- Araneus cavaticus (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Keyserling, 1882)
- Araneus circe (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Audouin, 1826)
- Gartenkreuzspinne, Araneus diadematus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Clerck, 1757
- Riesenkreuzspinne, Araneus grossus (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.C. L. Koch, 1844)
- Marmorierte Kreuzspinne, Araneus marmoreus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Clerck, 1757
- Araneus nordmanni (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Thorell, 1870)
- Vierfleckkreuzspinne, Araneus quadratus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Clerck, 1757
- Araneus saevus (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. Koch, 1872)
- Schulterkreuzspinne, Araneus sturmi (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hahn, 1831)
- Araneus triguttatus (Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fabricius, 1793)
Viele weitere Arten, darunter die paläarktisch verbreitete Eichblatt-Radspinne Aculepeira ceropegia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Walckenaer, 1802) und die Kürbisspinne Araniella cucurbitina werden häufig in älterer Literatur als Araneus ceropegia bzw. Araneus cucurbitina geführt. Sie werden heute aber nicht mehr zu der Gattung der Kreuzspinnen gezählt.<ref name="wsc" />
Gefährdung für den Menschen[Bearbeiten]
Die großen Kreuzspinnen-Arten gehören zu den wenigen Spinnenarten Mitteleuropas, die mit ihrem Biss die menschliche Haut unter Umständen durchdringen können. Der Biss ist medizinisch harmlos. Als Symptome werden genannt: schnell vorübergehender, milder Schmerz, geringfügige Rötung und Schwellung im Bissbereich.<ref name="Nentwig" />
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Bee">Lawrence Bee, Geoff Oxford, Helen Smith: Britain´s Spiders. A field guide. Princeton University Press, 2nd edition 2020. ISBN 978-0-691-20474-1.</ref> <ref name="Biswas">V. Biswas, D. Raychaudhuri: ORB-weaving siders of Bangladesh-I: Genus Araneus Clerck (Araneae: Araneidae) with Two new species. In: Records of the Zoological Survey of India, Band 113, Nr. 2, 2013, S. 157—162 (PDF).</ref> <ref name="Breitling">Rainer Breitling (2021): A completely resolved phylogenetic tree of British spiders. Ecologica Montenegrina 46: 1–51. doi:10.37828/em.2021.46.1</ref> <ref name="Foelix 79">Rainer Foelix: Biologie der Spinnen. Georg Thieme Verlag, Stuttgart 1979, ISBN 3-13-575801-X.</ref> <ref name="Framenau">Volker W. Framenau (2019): Generic and family transfers, and numina dubia for orb-weaving spiders (Araneae, Araneidae) in the Australasian, Oriental and Pacific regions. Evolutionary Systematics 3 (1): 1–27. doi:10.3897/evolsyst.3.33454</ref> <ref name="Levi1991">Herbert W. Levi (1991): The neotropical and Mexican species of the orb-weaver genera Araneus, Dubiepeira, and Aculepeira (Araneae: Araneidae).Bulletin of the Museum of Comparative Zoology 152 (4): 167-315.</ref> <ref name="Nentwig">Wolfgang Nentwig, Jutta Ansorg, Angelo Bolzern, Holger Frick, Anne-Sarah Ganske, Ambros Hänggi, Christian Kropf, Anna Stäubli: Spinnen – Alles, was man wissen muss. Springer, Berlin 2022. ISBN 978-3-662-63397-7. S. 69.</ref> <ref name="Scharff">Nikolaj Scharff, Jonathan A. Coddington, Todd A. Blackledge, Ingi Agnarsson, Volker W. Framenau, Tamás Szüts, Cheryl Y. Hayashi, Dimitar Dimitrov (2019): Phylogeny of the orb-weaving spider family Araneidae (Araneae: Araneoidea). Cladistics 36 (1): 1–21. doi:10.1111/cla.12382</ref> <ref name="wsc">Araneus Clerck, 1757. World Spider Catalog, 2026, Natural History Museum Bern.</ref> </references>