Argentoratum
Jünger Argentoratum oder älter Argentorate ist der Name des Römerlagers an der Stelle des heutigen Straßburgs im Elsass. Der Mittelpunkt von Argentoratum befand sich auf der Grande Île, einer von zwei Armen der Ill umflossenen Insel, auf der sich noch heute das Zentrum Straßburgs befindet.<ref>Cardo: Rue du Dôme, Decumanus: Rue des Hallebardes Argentorate: description (französisch)</ref>
Name[Bearbeiten]
Argentorate ist eine Zusammensetzung von gallisch Argento-, wahrscheinlich ein Flussname, und -rate ‘Befestigung’.<ref name="donb">Deutsches Ortsnamenbuch. Hrsg. von Manfred Niemeyer. De Gruyter, Berlin/Boston 2012, S. 615.</ref> Die ältere Forschung deutete den Namen als keltisch für „Weiße Burg“.<ref>Argentoratum als Beispiel in der Enciclopedia Italiana zu Toponomastica (1937).</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Argentorate wurde als militärischer Außenposten von dem römischen Feldherren Drusus im Jahre 12 v. Chr. in der späteren Provinz Germania superior (Verwaltungseinheit Civitas Tribocorum) gegründet. In dessen Nähe befand sich bereits eine gallische Siedlung.<ref>Des origines à la Pax Romana (französisch)</ref>
Unter dem Kommando von Gnaeus Pinarius Cornelius Clemens errichtete die Legio VIII Augusta in den Jahren 73/74 die so genannte Kinzigtalstraße von Augusta Vindelicorum (Augsburg) durch das Kinzigtal nach Argentoratum (Straßburg), mit Anschluss beim Kastell und Vicus von Offenburg an die Rheintalstraße nach Mogontiacum (Mainz) und Vindonissa (Windisch).
Ab 90 war die Legio VIII permanent in Argentoratum stationiert.<ref>Le camp de la Legio VIII Augusta à Strasbourg (französisch)</ref> Das Lager bedeckte zu dieser Zeit eine Fläche von 20 Hektar und beherbergte auch eine Kavallerieabteilung der Legion.<ref>4 rue Brûlée (französisch)</ref> Weitere temporär in Argentoratum stationierte Legionen waren die Legio XIV Gemina und die Legio XXI Rapax, Letztere unter der Herrschaft Neros.<ref>Argentorate sous Néron (französisch)</ref>
Straßburg war möglicherweise ab dem 4. Jahrhundert Bischofssitz. 357 fand in der Umgebung die Schlacht von Argentoratum statt. Ab dem frühen 5. Jahrhundert hatte der Comes tractus Argentoratensis hier sein Hauptquartier. Nach Auflösung des römischen Grenzschutzes wurde die Stadt durch Alamannen, Hunnen und Franken erobert.
Funde[Bearbeiten]
Systematische archäologische Ausgrabungen unter der Leitung von Jean-Jacques Hatt ließen zwischen 1947 und 1953 zahlreiche Spuren des antiken Straßburgs zutage treten. Diese Ausgrabungen wurden durch die in der Altstadt verursachten Kriegszerstörungen ermöglicht. Dabei wurde festgestellt, dass das Lager zwischen dem ersten und dem fünften Jahrhundert unserer Zeit insgesamt sechs Mal niedergebrannt und wieder aufgebaut worden war: In den Jahren 70, 97, 235, 355, im letzten Viertel des 4. Jahrhunderts und in den ersten Jahren des 5. Jahrhunderts.
Unter Trajan und nach dem Brand von 97 hatte Argentoratum seine größte Ausdehnung und stärkste Befestigung erreicht. Zahlreiche archäologische Überreste der römischen Ansiedlung wurden auch im westlichen Stadtviertel Koenigshoffen entlang der ehemaligen Römerstraße, der heutigen Route des Romains gefunden.<ref>Argentoratum.com: Les fouilles archéologiques (französisch)</ref> An dieser Stelle befanden sich die ausgedehntesten Nekropolen und am dichtesten besiedelten Niederlassungen der Zivilbevölkerung (Vicus) um das Lager.<ref>Le vicus et les canabae (französisch)</ref>
In den Jahren 1911–12 wurden in Koenigshoffen von Hatts Vorgänger Robert Forrer zahlreiche Fragmente eines großen Mithräums ausgegraben, das in der Spätantike, vermutlich im 4. Jahrhundert, zerschlagen worden war.<ref>Robert Forrer: Das Mithra-Heiligtum von Königshofen bei Strassburg. Stuttgart 1915; Manfred Clauss: The Roman Cult of Mithras. 2001, S. 170–171.</ref>
1956 wurden unterhalb der heutigen Église Saint-Étienne Überreste eines spätantiken Apsidenbaus ausgegraben, der als Kirche interpretiert wurde.<ref>Jean-Jacques Hatt: Fouilles romaines sous l’église Saint-Étienne à Strasbourg. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 1956, S. 476–479 (Volltext).</ref>
Die Funde aus dem römischen Straßburg sind im Musée archéologique de Strasbourg ausgestellt.
„Argentoratum“ als Verlagsort[Bearbeiten]
Im Mittelalter war „Argentoratum“ eine übliche Bezeichnung der Stadt Straßburg in lateinischen Schriften. Dies blieb auch in der Frühen Neuzeit üblich, unter anderem zur Angabe des Druckortes einer Publikation. Als Verlagsort findet sich „Argentorati“ (lateinisch: zu Argentoratum) noch im 20. Jahrhundert im Impressum.<ref>Higini Anglès (Hrsg.): In memoriam Jacques Handschin. Heitz, Argentorati 1962.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Robert Forrer: Strasbourg – Argentorate: préhistorique, gallo-romain et mérovingien. 2 Bände, Istra, Strasbourg 1927.
- Jean-Jacques Hatt: Résultats historiques et topographiques des dernières fouilles de Strasbourg, de 1949 à 1951. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 1952, S. 97–100 (Volltext).
- Jean-Jacques Hatt: Les fouilles de Strasbourg et de Seltz en 1952 et 1953. In: Comptes rendus des séances de l’Académie des Inscriptions et Belles-Lettres 1953, S. 211–215 (Volltext).
- Jean-Jacques Hatt: Argentorate – Strasbourg. Presses Universitaires de Lyon, Lyon 1993, ISBN 2-7297-0471-X.
- Bernadette Schnitzler, Gertrud Kuhnle (Hrsg.): Strasbourg–Argentorate, un camp légionnaire sur le Rhin. Musées de la ville de Strasbourg, Straßburg 2010, ISBN 978-2-35125-086-0.
- Maximilian Ihm: Argentorate. In: Paulys Realencyclopädie der classischen Altertumswissenschaft (RE). Band II,1, Stuttgart 1895, Sp. 713 f.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
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