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Haus Basse

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(Weitergeleitet von Bassebank)
Datei:Haus Basse, Georgstraße 54 Hannover, Frontalansicht.jpg
„Haus Basse“ hinter Platanen in der Georgstraße 54, heute unter anderem Spielstätte für das Neue Theater

Das Haus Basse in Hannover,<ref name="DTBD">Gerd Weiß, Marianne Zehnpfennig: Georgstraße. In: Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland / Baudenkmale in Niedersachsen / Stadt Hannover, Teil 1, (Bd.) 10.1, hrsg. von Hans-Herbert Möller, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege, Braunschweig/Wiesbaden: Friedr. Vieweg & Sohn Verlagsgesellschaft mbh, 1983, ISBN 3-528-06203-7, S. 80ff.; sowie Mitte, im Addendum Verzeichnis der Baudenkmale gem. § 4 (NDSchG) (ausgenommen Baudenkmale der archäologischen Denkmalpflege), Stand 1. Juli 1985, Stadt Hannover, Niedersächsisches Landesverwaltungsamt - Institut für Denkmalpflege, S. 6f.</ref> auch als Bankhaus Basse oder Bassebank bezeichnet, war eine im 19. Jahrhundert gegründete Privatbank.<ref name="SLH">Waldemar R. Röhrbein: Bassebank. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 51.</ref> Standort des auch schlicht als „Bankhaus Wilhelm Basse“ bezeichneten, heute denkmalgeschützten Bankhauses, zugleich das älteste erhaltene Gebäude unmittelbar an der Georgstraße, ist die Georgstraße 54 im hannoverschen Stadtteil Mitte.<ref name="DTBD"/><ref group="Anm.">Davon abweichend wird verschiedentlich die Georgstraße 34 genannt, vergleiche etwa Hugo Thielen: Steinitz, (2) Kate Trauman. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein, Hugo Thielen: Hannoversches Biographisches Lexikon. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2002, ISBN 3-87706-706-9, S. 348; Vorschau über Google-Bücher, oder auch Peter Struck: Hannover in 3 Tagen. Ein kurzweiliger Kulturführer, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2008, ISBN 978-3-89993-659-9, passim; online über Google-Bücher</ref>

Geschichte[Bearbeiten]

Das Bankinstitut wurde in der späten Gründerzeit des Deutschen Kaiserreichs im Jahr 1890 gegründet von Wilhelm Basse, dem Sohn des Bankiers August Basse. Zu seinem Kundenstamm zählte das Bankhaus von Anfang an die Familie der Welfen, die nach der Annexion des Königreichs Hannover durch Preußen ins Exil emigriert war. Als eines der angesehensten privaten Bankhäuser der ehemaligen Residenzstadt Hannover bediente das Haus Basse zudem sämtliche Sparten des Bankgeschäfts.<ref name="SLH"/>

Datei:Wilhelm Hoffmann AG AK 01421 B Hannover. Georgstraße. Bildseite Blick vom Georgsplatz in Richtung Kröpcke, farbig lithografierter Lichtdruck.jpg
Ursprünglich bekrönten zwei Turmhelme das Haus Basse (2. Haus von links);
rechts die Hannoversche Bank am Georgsplatz;
farbig lithographierte Ansichtskarte Nr. 1421 B der Wilhelm Hoffmann AG, Dresden
Datei:Haus Basse, Georgstraße 54 Hannover, Zugang und Fenster im ersten Stock.jpg
Sockelgeschoss über zwei Geschosse; im Salon von Käte Steinitz in der Bel Etage gab sich die internationale Avantgarde ein Stelldichein

In den Jahren zwischen 1891 und 1895 ließ sich Wilhelm Basse den seinerzeitigen Neubau an der Georgstraße errichten.<ref name="DTBD"/> Der Architekt Friedrich Geb<ref>Reinhard Glaß: Geb, Friedrich Gottfried in der Datenbank Architekten und Künstler mit direktem Bezug zu Conrad Wilhelm Hase (1818–1902), in der Version vom 3. März 2016</ref> verkleidete die zur Straßenseite gelegene symmetrische Fassade mit Werkstein-Platten, während der Gebäudeschmuck in den Formen der Neorenaissance und des Neobarock ausformuliert wurde. Vorgezeichnet waren die Ausbildung des Sockelgeschosses über zwei Geschosse sowie das Vorspringen der oberen Etagen durch Erker und Balustrade.<ref name="DTBD"/>

Datei:Haus Basse, Georgstraße 54, Hannover, Treppenaufgang zum ersten Stock mit Brandflecken.jpg
Bewusst belassene Brandflecken auf den Treppenstufen zum Ersten Stockwerk

Einige der bekanntesten Mieter von Wilhelm Basse,<ref name="HBL Steinitz">Hugo Thielen: STEINITZ, (2) Kate Trauman. In: Hannoversches Biographisches Lexikon, S. 348 u.ö.; Vorschau über Google-Bücher</ref> der unter anderem einer „der wichtigsten Mäzene der Kestner-Gesellschaft“ war,<ref>Ines Katenhusen: Anmerkung 1105 [mit zahlreichen Literaturhinweisen], in: Kunst und Politik. Hannovers Auseinandersetzungen mit der Moderne in der Weimarer Republik, zugleich Dissertation an der Universität Hannover unter dem Titel Das Verständnis für eine Zeit gewinnt man vielleicht am besten aus ihrer Kunst, in der Reihe Hannoversche Studien, Schriftenreihe des Stadtarchivs Hannover, Band 5, Hannover: Hahn, 1998, ISBN 3-7752-4955-9, S. 346</ref> waren das Ehepaar Käte und Ernst Steinitz, das nach dem Ersten Weltkrieg und zu Beginn der Weimarer Republik von Berlin nach Hannover gezogen war. In der Wohnung des Ehepaares im Haus Basse,<ref name="HBL Steinitz"/> im Salon von Käte Steinitz in der Bel Etage, traf sich bald die internationale Avantgarde<ref name="Peter Struck">Peter Struck: Hannover in 3 Tagen. Ein kurzweiliger Kulturführer, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 2008, ISBN 978-3-89993-659-9, passim; online über Google-Bücher</ref> der seinerzeitigen Kunst- und Geistesszene, darunter beispielsweise Kurt Schwitters, Christof Spengemann, El Lissitzky, Mary Wigman oder Herwarth Walden, aber auch Raoul Hausmann, Lazlo Moholy-Nagy, Ludwig Hilbesheimer,<ref name="HBL Steinitz"/> Vertreter der Bohème wie Ada und Theodor Lessing, Claire Waldoff und Lucy Otto-Hillebrand<ref>Barbara Fleischer: Frauen an der Leine. Ein Stadtspaziergang auf den Spuren berühmter Hannoveranerinnen, 3., erweiterte und neu überarbeitete Auflage, Berlin: Lehmanns Media, 2011, ISBN 978-3-86541-428-1, Vorschau über Google-Bücher</ref> und viele andere. Käte Steinitz schrieb unter anderem Beiträge für das Feuilleton<ref name="HBL Steinitz"/> der im benachbarten Kurierhaus herausgegebenen Tageszeitung Hannoverscher Kurier.<ref>Helmut Knocke, Hugo Thielen: Georgstraße 52. In: Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon, Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 122</ref>

Ende der 1920er Jahre schrieb der Sohn des Bankengründers, Wilfried Basse, Filmgeschichte, als er im Haus Basse seine Arbeit als Dokumentarfilmer aufnahm. Einer der häufigen Gäste von Käte Steinnitz im Hause<ref name="Peter Struck"/> war aber auch ihr Journalisten-Kollege Curt Habicht, den die später in die Vereinigten Staaten von Amerika emigrierte Künstlerin nachträglich in ihrem Gästebuch durchstreichen sollte mit den Worten: „Hat Bücher verbrannt.“ Gemeint war die Änderung der scheinbaren Gesinnung ihres ehemaligen Gastes Habicht im Haus Basse nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten, gemeint war Habichts aktive Teilhabe an der Bücherverbrennung in Hannover.<ref>Ines Katenhusen: „unklare wissenschaftliche Gesinnung erzeugt unklare wissenschaftliche Ergebnisse ...“ Der Kunsthistoriker, Kritiker und Schriftsteller Victor Curt Habicht, in dies.: Kunst und Politik. Hannovers Auseinandersetzungen ..., S. 493–509</ref>

Nachdem später auch jüdische Einrichtungen brannten wie etwa die Neue Synagoge 1938 während der sogenannten „Reichskristallnacht“, dann auch millionenfach Menschen in den Vernichtungslagern der Nationalsozialisten, wurde auch das Haus Basse während der Luftangriffe auf Hannover ein Opfer der Flammen: In der Kriegsnacht vom 8. auf den 9. Oktober 1943 zerstörte eine Brandbombe<ref name="Brandtafel">Vergleiche die Dokumentation beispielsweise durch das Foto der Gedenktafel im Treppenaufgang von Haus Basse</ref> der Alliierten der Anti-Hitler-Koalition Teile des Gebäudes, insbesondere das Dachgeschoss.<ref name="DTBD"/>

Datei:Haus Basse, Georgstraße 54 Hannover, Tafel mit Kacheln der Mieter und Nutzer.jpg
Zu den Mietern zählte auch das „Orientteppich-Museum Hannover“
Datei:Haus Basse, Georgstraße 54, Durchgang zum Fahrstuhl, Seiteneingang, Neues Theater, Restauration.jpg
Zugang zu Neuem Theater und Restauration

Nach dem Ende des Krieges und der Sanierung des Gebäudes beließ die Eigentümerin der Immobilie ganz bewusst einige Brandspuren auf den hölzernen Stufen im Treppenhaus der Bassebank, brachte hierzu eigens eine erläuternde Gedenktafel im ersten Obergeschoss des Bankhauses an.<ref name="Brandtafel"/>

1985 wurde die Bassebank – die vorletzte hannoversche Privatbank – „[...] wegen Zahlungsunfähigkeit durch das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen“ geschlossen.<ref name="SLH"/>

Literatur[Bearbeiten]

  • Kate T. Steinitz: Kurt Schwitters. Erinnerungen aus den Jahren 1918 - 1930, enthält u. a. Erinnerungen an musikalische Anlässe und Persönlichkeiten sowie Notenbeispiele in Faksimile sowie Fotos und Zeichnungen, Zürich: Verlag Die Arche, 1963

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Haus Basse (Hannover) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 52° 22′ 16,6″ N, 9° 44′ 28,3″ O

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