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Ektoplasma (Parapsychologie)

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Ektoplasma (von altgriechisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ektos „außen“ und {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) plásma „Gebildetes“) bezeichnet eine hypothetische Substanz, die bei Medien aus dem Körper austreten und sich zu sichtbaren Formen verdichten soll.

Der Begriff wurde vom französischen Physiologen und Nobelpreisträger Charles Richet eingeführt und später von Forschern wie Gustave Geley, Albert von Schrenck-Notzing, William J. Crawford und Harry Price übernommen.<ref name="Richet1922">Charles Richet: Traité de Métapsychique. Félix Alcan, Paris 1922.</ref> Der Ausdruck ist von dem bereits früher in der Biologie verwendeten Begriff Ektoplasma abgeleitet, wurde jedoch in der Parapsychologie in einem anderen Sinn verwendet.

Begriff und Definition[Bearbeiten]

Richet definierte Ektoplasma als eine vom Organismus abgesonderte, formbare Substanz, die sich in abgedunkelten Räumen zu Gesichtern, Händen oder Körperteilen verdichten könne.<ref name="Richet1922" /> Beschrieben wurden grauweiße, rosafarbene, schaumige oder fadenförmige Gebilde, die als lichtempfindlich gelten und sich bei normaler Beleuchtung zurückziehen oder auflösen.

Die Bezeichnung ist eine Fehltrennung des biologischen Begriffs „Ektoplasma“ (äußere Schicht des Cytoplasmas), wurde in der parapsychologischen Literatur jedoch unabhängig davon verwendet.

Historisch zugeschriebene Wirkungsbereiche[Bearbeiten]

Zu den im historischen Kontext beschriebenen Erscheinungen zählen neben Materialisationen auch sogenannte Apporte sowie spontane Objektbewegungen.

In der historischen Forschung wurden Ektoplasma und die damit in Verbindung gebrachten Phänomene oft als zusammengehöriger Komplex untersucht. Forscher wie Richet, Geley, Schrenck-Notzing und Crawford betrachteten die vermeintliche Substanz als Grundlage für Telekinese, Apporte sowie akustische Effekte (Klopfgeräusche, Schritte).

In der späteren parapsychologischen Forschung führte der amerikanische Parapsychologe William G. Roll den neutralen Begriff RSPK (Recurrent Spontaneous Psychokinesis) ein, um solche gemeinsam auftretenden spontanen Ereignisse wertfrei zu beschreiben.<ref name="Roll1977">William G. Roll: Recurrent Spontaneous Psychokinesis. In: Journal of the American Society for Psychical Research, 71 (1977), S. 217–247.</ref> Während Roll vor allem eine Häufung von RSPK-Phänomenen bei Jugendlichen beschrieb, berichtete der deutsche Arzt Friedrich Schwab bereits in den 1920er-Jahren über ähnliche Erscheinungen in hormonellen Umbruchphasen wie den Wechseljahren.<ref name="Schwab1983">Friedrich Schwab: Teleplasma und Telekinese. Ergebnisse meiner zweijährigen Experimentalsitzungen mit dem Berliner Medium Maria Vollhardt. 1983.</ref>

Historisch zugeschriebene physische und psychische Auswirkungen[Bearbeiten]

In späteren Untersuchungen, insbesondere in Brasilien durch Autoren wie den Psychiater Luciano Munari und den Ingenieur Matthieu Tubino, wurde das Augenmerk auf körperliche und psychische Belastungszustände gerichtet. Diese wurden als Ausdruck eines „ektoplasmatischen Potentials“ gedeutet.<ref name="Munari2008">Luciano Munari: Ectoplasma: Descobertas de um médico psiquiatra. Conhecimento Editorial, São Paulo 2008.</ref><ref name="Tubino2009">Matthieu Tubino: Saúde e Ectoplasma: A ação do ectoplasma – visão prática e dissertações filosóficas. Astipaela, São Paulo 2009.</ref>

Berichtete Symptome im Zusammenhang mit ektoplasmatischen Prozessen umfassen nach diesen Autoren:

  • Subjektive Wahrnehmungen: Kribbeln, Kälte- oder Wärmeempfindungen, Schweregefühl in den Extremitäten oder Druckgefühle im Solarplexus.
  • Vegetative Reaktionen: Tränenfluss, verstärkter Speichelfluss, Veränderungen der Herzfrequenz oder der Atmung sowie Übelkeit und Schwindel.
  • Emotionale Symptome: Innere Unruhe, Reizbarkeit, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen.

Diese Zuschreibungen gelten heute als Teil historischer oder grenzwissenschaftlicher Deutungsmuster und werden wissenschaftsgeschichtlich eingeordnet.

Begriffsgeschichte[Bearbeiten]

Frühe Prägung und Materialisationsstudien (1894–1930)[Bearbeiten]

Richet führte den Begriff Ende des 19. Jahrhunderts ein. Zwischen 1910 und 1930 führten Forscher wie Geley in Paris, Schrenck-Notzing in München und Schwab in Berlin umfangreiche Sitzungsreihen mit physikalischen Medien durch.<ref>Gustave Geley: L’Ectoplasmie et la Clairvoyance. Félix Alcan, Paris 1924.</ref><ref name="Schwab1983" /> William J. Crawford und Harry Price untersuchten vergleichbare Phänomene in England.<ref>William J. Crawford: The Reality of Psychic Phenomena. Watkins, London 1916.</ref>

Betrugsvorwürfe und Rückgang der Forschung[Bearbeiten]

Kritiker wiesen früh auf methodische Schwächen und Täuschungen hin. Die Society for Psychical Research (SPR) deckte zahlreiche Fälschungen auf, bei denen Medien Materialien wie Mull, Gaze, Papier oder Tierorgane verwendeten, um ektoplasmatische Strukturen vorzutäuschen.<ref name="Price1939">Harry Price: Fifty Years of Psychical Research. Longmans, London 1939.</ref> Ab der Mitte des 20. Jahrhunderts verlor das Thema in der westlichen Wissenschaft weitgehend an Bedeutung.

21. Jahrhundert: Brasilianische Modelle[Bearbeiten]

In Brasilien wurde die Thematik weiterverfolgt. Autoren wie Munari und Tubino entwickelten Modelle, nach denen Ektoplasma ein Ausdruck eines erweiterten physiologischen Prozesses sei, der mit Stressphysiologie und psychosomatischen Mustern in Verbindung stehe.<ref name="Munari2008" /><ref name="Tubino2009" />

Historische Forschung und Fotografie[Bearbeiten]

In Berichten von Richet, Schrenck-Notzing und Geley wurden schaumartige, fadenförmige oder gallertartige Gebilde beschrieben. Auf historischen Fotografien sind häufig schleier- oder membranartige Formen zu sehen, die von Körperöffnungen ausgehen. Schrenck-Notzing und Geley setzten zur Dokumentation aufwendige Verfahren mit bis zu sieben gleichzeitig betriebenen Kameras ein.<ref>Albert von Schrenck-Notzing: Materialisationsphänomene. 2. Aufl. 1924.</ref>

Kulturgeschichtliche Parallelen[Bearbeiten]

In religionsgeschichtlicher Hinsicht werden gelegentlich Parallelen zu antiken Konzepten wie Äther, Pneuma oder vitalistischen Lebenskräften gezogen.

Einige Autoren diskutieren biblische Berichte als mögliche frühe Beschreibungen ähnlicher Manifestationen, darunter die „schreibende Hand“ (Dan 5,5 EU), die Heilung der blutflüssigen Frau (Mk 5,25–34 EU) oder Berichte über Materialvermehrungen. Diese Vergleiche dienen der kulturgeschichtlichen Einordnung und werden nicht als empirische Belege gewertet.

Ektoplasma in Popkultur und Fiktion[Bearbeiten]

In der modernen Popkultur hat der Begriff meist keinen Bezug mehr zu den historischen Forschungsberichten. Bekannte Beispiele sind:

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Historische Forschung

  • Charles Richet: Traité de Métapsychique. Félix Alcan, Paris 1922.
  • Gustave Geley: L’Ectoplasmie et la Clairvoyance. Félix Alcan, Paris 1924.
  • Albert von Schrenck-Notzing: Materialisationsphänomene. Ein Beitrag zur Erforschung der mediumistischen Teleplastie. 2. Aufl. 1924.
  • William J. Crawford: The Reality of Psychic Phenomena. Watkins, London 1916.
  • Harry Price: Fifty Years of Psychical Research. Longmans, London 1939.
  • Friedrich Schwab: Teleplasma und Telekinese. Ergebnisse meiner zweijährigen Experimentalsitzungen mit dem Berliner Medium Maria Vollhardt. 1983.

Moderne Interpretationen und RSPK-Forschung

  • William G. Roll: The Poltergeist. Doubleday, 1972.
  • William G. Roll: Recurrent Spontaneous Psychokinesis. In: Journal of the American Society for Psychical Research, 71 (1977), S. 217–247.
  • Luciano Munari: Ectoplasma: Descobertas de um médico psiquiatra. Conhecimento Editorial, São Paulo 2008.
  • Matthieu Tubino: Saúde e Ectoplasma: A ação do ectoplasma – visão prática e dissertações filosóficas. Astipaela, São Paulo 2009.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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