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Karibische Sprachen

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(Weitergeleitet von Carib-Sprachen)
Aktuelle Orte, an denen karibische Sprachen noch gesprochen werden (ca. 2000).

Die karibischen Sprachen bilden eine indigene Sprachfamilie mit insgesamt rund 50.000 Sprechern im Norden Südamerikas, großenteils in der Region Guayana. Die Ethnien, zu denen ihre Sprecher gehören, werden zusammenfassend auch als Kariben bezeichnet, wofür die Ethnie der Kalina (Galibi) und ihre Sprache namensgebend waren. Die 29 lebenden karibischen Sprachen wurden von Marshall Durbin 1977 in einen nördlichen Zweig (21 Sprachen) und einen südlichen Zweig (8 Sprachen) aufgeteilt. Neuere Arbeiten von Spike Gildea und Sergio Meira gehen darüber hinaus und entwickeln komplexere Einteilungen.

Die sprecherreichsten karibischen Sprachen[Bearbeiten]

Während es im Amazonasbecken in dieser Sprachfamilie eine Reihe von Kleinstsprachen mit nur noch wenigen Dutzend Sprechern gibt, stechen drei Sprachen durch vergleichsweise große Sprecherzahlen und regionale Vitalität hervor.

Das Macushi mit rund 25.000 bis 30.000 Sprechern, das im Grenzgebiet zwischen dem südlichen Guyana (Rupununi-Savanne), Venezuela und dem Norden Brasiliens (Bundesstaat Roraima) gesprochen wird, gilt heute als die sprecherreichste und vitalste Sprache der karibischen Familie. In vielen Dörfern der Rupununi-Savanne lernen Kinder Macushi noch als echte erste Muttersprache.

Das Pemón gilt mit seinen etwa 24.000 Sprechern, die in Venezuela (Region Gran Sabana / Nationalpark Canaima), aber auch in Randgebieten Guyanas und Brasiliens leben, ebenfalls als sehr vital. Da die Pemon-Gemeinschaften in Venezuela geografisch relativ isoliert leben, ist die Sprache im Alltag, bei Festen und in der lokalen Selbstverwaltung fest verankert und wird auch von jüngeren Generationen aktiv gesprochen.

Das Ye’kwana oder Maquiritari hat etwa 7000 bis 8000 Sprecher im südlichen Venezuela (Orinoco-Becken) und im nördlichen Brasilien wird ebenfalls noch an die junge Generation weitergegeben, verbunden mit einem starken ethnischen Bewusstsein.

Das Kalina oder Galibi, auch Kari'nja oder Kali'na, war namensgebend für die Sprachfamilie. Es wird in geografisch weit verstreuten Sprachinseln in Venezuela, Guyana, Suriname, Französisch-Guyana und in Brasilien gesprochen. Etwa 7400 der rund 45.000 Kalina – großenteils aus der Großeltern-Generation – sprechen noch ihre Sprache als Muttersprache. Das Kari'nja wird in der Mehrheit der Familien nicht mehr an die Kinder weitergegeben, die inzwischen fast vollständig mit Spanisch, Englisch, Niederländisch, Französisch oder Portugiesisch aufwachsen.

Eine nur kleine Sprechergemeinschaft mit rund 600 Menschen bildet das Hixkaryána im Amazonasgebiet Brasiliens, das unter Linguisten wegen seines Satzbaus Aufmerksamkeit fand: Es ist eine Sprache mit der Grundwortstellung Objekt-Verb-Subjekt (OVS), von der zuvor angenommen wurde, dass sie in keiner Sprache existierte.

Abgrenzung zum Garifuna[Bearbeiten]

Die heute in Mittelamerika (v. a. Honduras, Belize und Guatemala) gesprochene Sprache Garifuna (historisch auch als „Insel-Karibisch“ bezeichnet) wird in der älteren Literatur fälschlicherweise oft den karibischen Sprachen zugerechnet. Die moderne Linguistik klassifiziert Garifuna jedoch eindeutig als eine Sprache der arawakischen Sprachfamilie (nahe verwandt mit dem ausgestorbenen Taíno und dem Lokono).<ref>Alexandra Y. Aikhenvald: The Languages of the Amazon. Oxford University Press, Oxford 2012, ISBN 978-0199593569, S. 44–48.</ref> Der historische Bezug zur karibischen Sprachfamilie beschränkt sich auf ein soziolinguistisches Phänomen: Nach der kriegerischen Unterwerfung der ursprünglichen arawakischen Inselbevölkerung durch festländische Kariben im 14. und 15. Jahrhundert bildete sich eine Mischsprache heraus. Während die grammatikalische Struktur, die Syntax und der Alltagswortschatz der Frauen rein arawakisch blieben, nutzten die Männer untereinander einen spezialisierten, stark karibisch geprägten Wortschatz. Dieses historische Erbe spiegelt sich bis heute in zahlreichen karibischen Lehnwörtern im Garifuna wider, betrifft jedoch nicht dessen genetische Sprachklassifikation.<ref>Douglas Taylor: Languages of the West Indies. Johns Hopkins University Press, Baltimore 1977, S. 81–94.</ref>

Unterteilung[Bearbeiten]

Die Karib-Sprachfamilie lässt sich möglicherweise mit den Je-Sprachen und den Pano-Sprachen zu einem „Je-Pano-Karibisch-Stamm“ erweitern. Die karibischen Sprachen selbst werden vorläufig in zwei bis vier Zweige unterteilt:

Nordkaribische Sprachen[Bearbeiten]

Südkaribische Sprachen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Durbin, Marshall (1977): A Survey of the Carib Language Family. In: Anthropological Papers of the University of Arizona Press 28, S. 23–38.
  • Gildea, Spike (1998): On reconstructing grammar: comparative Cariban morphosyntax. New York, Oxford: Oxford University Press.
  • Kausen, Ernst: Die Sprachfamilien der Welt. Teil 2: Afrika – Indopazifik – Australien – Amerika. Buske, Hamburg 2014, ISBN 978-3-87548-656-8 (Kapitel 14).
  • Meira, Sérgio (2006): Cariban languages. In: Keith Brown (Hg.): Encyclopedia of language and linguistics. Oxford, UK: Elsevier, S. 199–203.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />