Charles Howard Hinton
Charles Howard Hinton (* 1853; † 30. April 1907 in Washington, D.C.) war ein britischer Mathematiker, Autor früher Science Fiction und Exzentriker. Er hat das Wort Tesserakt geprägt, ist aber besser bekannt für seine Arbeit an Methoden zur Visualisierung der Geometrie von höheren Dimensionen. Er war ebenfalls stark an Theosophie interessiert. Als Autor ist sein Einfluss auf H. G. Wells und dessen Roman Die Zeitmaschine deutlich zu erkennen.
In dem Artikel What is the fourth dimension? (Was ist die vierte Dimension?, 1880), bezeichnet Hinton die Zeit als vierte Dimension. Diese Idee wurde von Albert Einstein in seiner Relativitätstheorie aufgegriffen. Später stellte Hinton ein Gedankenexperiment vor, das dem Menschen ermöglichen sollte, den vierdimensionalen Raum (Hyperraum) zu sehen. Er stellte sich einen großen Würfel vor, zusammengesetzt aus 36 × 36 × 36 (insgesamt 46656) jeweils ein Inch großen, kleineren Würfeln, und gab jedem der kleineren Würfel einen lateinischen Namen. Gerüchte besagen, dass Nachahmer dieses Gedankenexperiments verrückt geworden seien. Seine Thesen verpackte Hinton in seinen Scientific Romances (Wissenschaftliche Erzählungen, 1888) aber:
„Hinton ist kein Erzähler, er ist ein einsamer Vernünftler, der sich instinktiv in einer Welt von Spekulationen verschanzt, die ihn, den Schöpfer und Quell, nie im Stich läßt.“
Während seines Studiums in Oxford lehrte Hinton gleichzeitig am Cheltenham Ladies College. 1877 erhielt er den Bachelor. Von 1880 bis 1886 unterrichtete er an der Uppingham School in Rutland. Seinen Master of Arts erhielt er 1886 in Oxford.
In England wurde Hinton der Bigamie überführt. Er war sowohl mit Mary Ellen (der Tochter von Mary Everest Boole und George Boole, dem Begründer der modernen mathematischen Logik), als auch mit Maud Wheldon verheiratet. Er verbüßte einen Tag seiner Strafe und ging 1886 zuerst nach Japan und von dort 1893 als Dozent für Mathematik an die Princeton University.
1897 baute er für das Baseball-Team der Universität eine mit Schießpulver betriebene Baseballwurfmaschine. Als er von Princeton an die University of Minnesota wechselte, nahm er die Maschine mit. Er blieb bis 1900 in Minnesota und ging von dort an das United States Naval Observatory in Washington D.C.
Am Ende seines Lebens arbeitete er als Patentprüfer in Washington D.C.
Hinton starb am 30. April 1907 unerwartet an einer Gehirnblutung.
Auf Deutsch veröffentlicht[Bearbeiten]
- Wissenschaftliche Erzählungen Edition Weitbrecht, Stuttgart 1983, ISBN 978-3-522-71100-5
- Wissenschaftliche Erzählungen in der Büchergilde Gutenberg, 2007, ISBN 978-3-7632-5810-9
In der Populärkultur und Rezeption[Bearbeiten]
Jorge Luis Borges zählt zu den wichtigsten Vermittlern von Hintons Werk im hispanischen Raum. Er erwähnte Hinton in mehreren Essays, darunter „Avatares de la tortuga“ und „La doctrina de los ciclos“, und integrierte Anspielungen auf dessen Ideen auch in seine fiktionalen Texte. So wird Hinton unter anderem im Kontext der Konstruktion von „Tlön, Uqbar, Orbis Tertius“ sowie in „There Are More Things“ im Zusammenhang mit den „falschen Hinton-Würfeln“ erwähnt. Die Rezeption dieser Bezüge wurde unter anderem von Antonio Cajero Vázquez untersucht.<ref name="cajero2008">Antonio Cajero Vázquez: „Infinito y cuarta dimensión en 'There Are More Things'“, Variaciones Borges, Nr. 26, 2008.</ref>
Der Schriftsteller und Filmemacher Carlos Atanes ist Autor des Theaterstücks Un genio olvidado (Un rato en la vida de Charles Howard Hinton), das 2015 uraufgeführt wurde und überwiegend während Hintons Aufenthalt in Yokohama im Jahr 1893 spielt. Das Stück rekonstruiert eine Phase seines Lebens, in der er über seine persönliche und wissenschaftliche Entwicklung reflektiert, wobei seine Theorien zur vierten Dimension als dramaturgischer Schwerpunkt dienen.<ref>„Un genio olvidado: Hinton y la cuarta dimensión“, El Plural, 2015. https://www.elplural.com/revista-bando/coctelera/un-genio-olvidado-hinton-y-la-cuarta-dimension_73207102</ref><ref>Arantxa Vela Buendía: „Fantástica crítica de 'Un genio olvidado'“, La Casa de la Portera, 16. Juli 2015. https://lacasadelaportera.wordpress.com/2015/07/16/fantastica-critica-de-un-genio-olvidado-por-arantxa-vela-buendia-los-sabados-de-julio-en-la-pension-de-las-pulgas/</ref>
In Solenoide (2015) von Mircea Cărtărescu sind Hintons Theorien zur vierten Dimension, zu Tesserakten und farbigen Würfeln ein zentraler Bestandteil eines der Hauptkapitel des Romans und prägen dessen philosophische und symbolische Struktur.<ref>Mircea Cărtărescu: Solenoide, Humanitas, 2015.</ref>
In dem Roman Jerusalem (2016) von Alan Moore tritt Hinton als historische Figur auf. Seine Untersuchungen zur vierten Dimension und zu farbigen Würfeln werden dabei in die metaphysische Struktur des Werks integriert. Moores Interesse an Hinton wurde unter anderem in der Biografie von Lance Parkin beschrieben.<ref name="parkin2013">Lance Parkin: Magic Words: The Extraordinary Life of Alan Moore, Aurum Press, 2013.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Charles Howard Hinton im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Charles Howard Hinton in der Internet Speculative Fiction Database (englisch)
- Werke von Charles Howard Hinton bei Open Library
- Hintons Schriften auf Englisch
- Charles Howard Hinton in der Datenbank zbMATH
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Hinton, Charles Howard |
| KURZBESCHREIBUNG | britischer Mathematiker, Autor früher Science Fiction und Exzentriker |
| GEBURTSDATUM | 1853 |
| STERBEDATUM | 30. April 1907 |
| STERBEORT | Washington, D.C. |