CTM Festival
CTM Festival (ehemals club transmediale) ist ein Festival für experimentelle und elektronische Musik sowie weitere Künste in Berlin. Es trägt den Untertitel „Adventurous Music and Art“. Die einzelnen Ausgaben des Festivals stehen jeweils unter einem speziellen Motto. Vor der COVID-19-Pandemie zählte das Festivaljährlich bis zu 37.000 Besuchende an meist zehn Tagen mit rund 200 Veranstaltungen und 350 Teilnehmenden.<ref name=":2">Tobi Müller: CTM-Festival in Berlin: Erst Geräusche, dann ein Gläschen Sekt. In: Der Spiegel. 30. Januar 2020, ISSN 2195-1349 (spiegel.de).</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Gründung 1999[Bearbeiten]
Es wurde 1999 als Begleitveranstaltung zur transmediale – Festival für Kunst und digitale Kultur – gegründet.<ref name=":0">Patrick Wagner: CTM-Festival in Berlin: Neues von der Schwelle. In: Die Tageszeitung: taz. 24. Januar 2020, ISSN 0931-9085 (taz.de).</ref> Die Idee entstand, weil Jan Rohlf und seine Mitstreiter regelmäßige Gäste der transmediale waren und feststellten, dass Musik und Sound als Medium in der Medienkunstschau des Festivals nicht berücksichtigt wurden.<ref name="ludwig" details="S. 74, Fußnote 30">Bianca Ludwig: Transmedia Festivals. Eine Ethnografie der Avantgarde in der zeitgenössischen Musikszene. Böhlau/V&R unipress, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22237-8, doi:10.7767/9783205222385.</ref> Die erste Ausgabe trug den vollständigen Titel CTM.99 – 10 Tage an den Schnittstellen von Bild und Ton und fand im Club Maria am Ostbahnhof statt.<ref name="ctmhistory">History. In: CTM Festival (Archivwebsite 2013–2020). Abgerufen am 11. Mai 2026.</ref> Seitdem hat sich CTM zu einem eigenständigen Festival entwickelt, das weiterhin in Kooperation mit der transmediale veranstaltet wird.<ref>CTM Festival. In: Berlin.de. Abgerufen am 26. Januar 2023.</ref> So teilen sich beide Festivals auch heute noch Künstler und Ideen.<ref name=":3">Jenseits aller Grenzen – Das CTM-Festival in Berlin. In: Rolling Stone. 25. Januar 2013, abgerufen am 26. Januar 2023.</ref> Es präsentiert als festival for adventurous music and related arts jährlich aktuelle Trends der elektronischen und experimentellen Musik sowie künstlerische Projekte aus dem Umfeld zeitgenössischer Musikkultur.<ref name=":1">deutschlandfunk.de: 15 Jahre CTM-Festival – „Klares Konzept für jedes Festival“. Abgerufen am 26. Januar 2023.</ref>
Aufbauphase 2000–2005[Bearbeiten]
2001 konnte das Festival mangels Förderung nicht stattfinden. CTM.02 – Go Public! (2002, E-Werk) war mit 13 Tagen die bislang längste Ausgabe.<ref name="ctmhistory" /> Ab CTM.03 kehrte das Festival zur Maria am Ostbahnhof (zweiter Standort) zurück und blieb dort bis 2009.
Nach der Ausgabe 2005 verließ Marc Weiser das kuratorische Team, um sich auf seine eigene Musik zu konzentrieren; er verantwortet heute das Programm in der Galiläakirche in Berlin-Friedrichshain.<ref>Andreas Hartmann: Porträt von Marc Weiser: Auch Free Jazz kann geil sein. In: Die Tageszeitung: taz. 21. Dezember 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de).</ref> Als Konsequenz änderte das Festival ab CTM.06 – Being Bold! seinen Untertitel von Festival of Electronic Music and Related Visual Arts zu Festival of Adventurous Music and Art – eine programmatische Öffnung weg von festen Genres hin zu Haltungen und Methoden.<ref name="ctmhistory" />
Entwicklung ab 2006[Bearbeiten]
Seit 2005 wird das Festival vom Verein DISK – Initiative Bild und Ton e. V. veranstaltet, seit 2018 gemeinsam mit der Baurhenn, Rohlf, Schuurbiers GbR.<ref name=":1" /> CTM präsentiert seit 2005 alle Genres experimenteller Musik. 2010, zur elften Ausgabe, stand das Akronym CTM nicht mehr für „Club Transmediale“; die Website lautete jedoch bis 2011 noch clubtransmediale.de.<ref name="ludwig" details="S. 98, Fußnote 47"/>
CTM 2016 – New Geographies setzte erstmals explizit einen postkolonialen kuratorischen Ansatz um, in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk Norient – Network for Local and Global Sounds and Media Culture.<ref name="ludwig" details="S. 68"/>
Leitungswechsel ab 2025[Bearbeiten]
Nach der Ausgabe 2024 schieden Oliver Baurhenn und Remco Schuurbiers aus dem Leitungsteam aus; seit 2025 leitet nur noch Jan Rohlf das Festival.<ref>Tobi Müller: Berliner Festivals: Der Kampf um die Kunst der Nacht. In: Die Zeit. 11. Februar 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de).</ref> Laut Deutschem Musikinformationszentrum umfasste die künstlerische Leitung und Geschäftsführung zuletzt Jan Rohlf, Karen Grzemba, James Grabsch, Michail Stangl, Anita Jóri, Lucia Udvardyová und Taïca Replansky.<ref>CTM Festival – Festival for Adventurous Music and Arts. In: Deutsches Musikinformationszentrum. 4. März 2024, abgerufen am 11. Mai 2026.</ref>
COVID-19-Pandemie 2021–2022[Bearbeiten]
2021 musste das Festival auf Grund der COVID-19-Pandemie in Deutschland neue Wege gehen. Da ein Clubbesuch nicht möglich war und auch Ausstellungsräume gesperrt waren, wurde das Festival zweigeteilt. Im Januar 2021 fanden Online-Veranstaltungen über Youtube und Twitch statt, während im September Freiluft-Konzerte stattfanden. Auch wurde ein Club im Computerspiel Minecraft erstellt, wo ebenfalls Musik gespielt wurde.<ref name=":0" /> Auch 2022 wurde das Festival zweigeteilt.<ref>CTM Festival 2022 Part 2: Der zweite Teil ist immer der beste. In: tipBerlin. Abgerufen am 26. Januar 2023.</ref><ref>CTM Festival und Ultraschall Berlin: Tänzeln oder sitzen. In: Die Zeit. Abgerufen am 26. Januar 2023.</ref> Als Reaktion auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine wurden Vertreter der ukrainischen Diaspora eingeladen.<ref name=":4">Julian Weber: Kurator über Musikfestival CTM in Berlin: „Eine Geschichte der Befreiung“. In: Die Tageszeitung: taz. 26. Januar 2023, ISSN 0931-9085 (taz.de).</ref>
Veranstaltungsorte[Bearbeiten]
Das CTM Festival (club transmediale) hat mehrfach den Veranstaltungsort gewechselt. 1999 fand es im Berliner Club Maria am Ostbahnhof statt. Im Jahr 2000 in einer verwaisten Etage des Hauses des Lehrers am Alexanderplatz. Im Jahr 2002 im E-Werk, einem der maßgeblichen Techno-Clubs des Berlins der frühen 1990er Jahre. Seit 2003 war es wieder im mittlerweile umgezogenen Maria am Ostbahnhof. 2010 fand ein Umzug in die neuen Spielorte WMF (Abendveranstaltungen) und HBC (Tagesprogramm) statt. Über die Jahre sind einzelne Veranstaltungen an andere Spielorte ausgelagert worden (Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz, Ballhaus Naunynstrasse, Kino Babylon und andere). Seit 2011 bespielt das Festival eine größere Anzahl von Spielorten, u. a. HAU, Berghain, Kunstraum Kreuzberg / Bethanien, Festsaal Kreuzberg, Passionskirche und weitere.<ref name=":1" />
Programmgestaltung[Bearbeiten]
Die einzelnen Jahresausgaben standen bis einschließlich der Ausgabe 2024 unter einem bestimmten Motto. Diese Themen gaben die Leitlinien des Festivals vor. Diese Tradition wurde mit dem Festival 2025 aufgegeben.<ref>CTM Festival. Abgerufen am 6. März 2025.</ref> Grundsätzlich ist es dem Macher ein Anliegen, die „unterschiedlichsten Szenen, Felder, Entwicklungslinien von Musik“<ref name=":1" /> zusammenzubringen. Anfänglich als Festival für elektronische Musik konzipiert, präsentiert CTM seit 2005 alle Genres experimenteller Musik. Mit mehreren tausend Besuchern und einem 6–13 Tage umfassenden Programm, das Konzerte, Film-Screenings, Workshops, Installationen und Gesprächsveranstaltungen beinhaltet, ist es heute die größte Veranstaltung seiner Art im deutschsprachigen Raum.<ref name=":1" /> Das Line-up ist divers und seit mehreren Jahren auch mit der queeren Subkultur verbunden. So finden regelmäßig auch Veranstaltungen im SchwuZ statt.<ref name=":0" />
Musikalisch wird die komplette Bandbreite elektronischer Musik abgebildet und vor allem auch experimenteller Musik ein Rahmen gegeben.<ref name=":3" /><ref>Berghain und mehr: CTM, zehn Tage Festival für abenteuerliche Musik. Abgerufen am 26. Januar 2023.</ref>
Kuratorisches Profil[Bearbeiten]
Die Ursprungsidee des Festivals war nach Aussage der Gründer, es wie ein Kunstprojekt zu führen: ohne institutionelle Zweckorientierung, ohne nationale Verankerung und ohne Anpassung an den Mainstream-Musikmarkt.<ref name="ludwig" details="S. 84"/> Im Musikprogramm war über viele Jahre Michail Stangl als Co-Kurator aktiv; 2016 kam erstmals Rabih Beaini als weitere Co-Kuration hinzu. Im Diskursprogramm übernahmen mit den Jahren auch weibliche Co-Kuratorinnen Verantwortung, darunter Annie Goh (2014 und 2015).<ref name="ludwig" details="S. 67, Fußnote 25"/>
Publikum und Reichweite[Bearbeiten]
Laut Eigenprofilen des Festivals entwickelten sich die Besucherzahlen wie folgt: 2013 zählte das Festival rund 23.000 Besucher (Kernzielgruppe 19–45 Jahre; 45 % internationale, 15 % nationale, 40 % regionale Gäste), 2017 rund 37.000 (Altersschnitt 18–35 Jahre, 50 % internationale Gäste) und 2018 rund 35.000 bei rund 1.000 akkreditierten Fachbesucher.<ref name="ludwig" details="S. 134"/> In den ersten 15 Jahren (bis 2014) präsentierte das Festival insgesamt über 3.000 Vortragende im Diskursprogramm sowie rund 4.300 auftretende Künstler.<ref name="ludwig" details="S. 134"/>
Projektraum General Public[Bearbeiten]
Die CTM-Kuratoren betrieben gemeinsam mit anderen Kulturarbeiterinnen von 2005 bis faktisch 2013 den unabhängigen Berliner Projektraum General Public, der von dem Verein DISK - Initiative Bild & Ton e. V. getragen wurde und Ausstellungen, Künstlerpräsentationen, Diskussionen, Filmvorführungen und Performances produzierte. Die Räumlichkeiten gingen den Betreibern im Oktober 2013 verloren; dieser Teil des Vereins wurde Ende 2015 offiziell aufgelöst.<ref name="ludwig" details="S. 84"/><ref name="ludwig" details="S. 134"/><ref>DISK/CTM Festival. In: ENCAC – European Network of Cultural Centres. Abgerufen am 11. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Netzwerke und internationale Kooperationen[Bearbeiten]
ECAS / ICAS[Bearbeiten]
CTM war 2007 Mitgründer des europäischen Festivalnetzwerks ECAS – European Cities of Advanced Sound, das aus einem Zusammenschluss von ORF musikprotokoll im steirischen herbst, CTM und weiteren europäischen Veranstaltern entstand und sich kurz darauf zum internationalen Netzwerk ICAS – International Cities of Advanced Sound erweiterte.<ref name="ludwig" details="S. 74, Fußnote 31"/>
SHAPE / SHAPE+[Bearbeiten]
CTM war außerdem maßgeblich am EU-Projekt SHAPE (Sound, Heterogeneous Art and Performance in Europe) beteiligt, einer von der EU kofinanzierten Plattform für innovative Musik und audiovisuelle Kunst. Das Folgeprojekt SHAPE+ lief bis mindestens 2025.<ref name="ludwig" details="S. 97-98"/>
Weitere Partnerfestivals[Bearbeiten]
CTM unterhielt eine Anzahl von Partnerschaften mit internationalen Festivals, darunter dem TodaysArt Festival (Den Haag), Mutek (Montréal), Les Siestes Electroniques (Toulouse), Unsound (Krakau) und Dis-Patch (Belgrad). Remco Schuurbiers war parallel zu seiner CTM-Tätigkeit seit 2007 Programmdirektor des TodaysArt Festivals.<ref>Feature: TodaysArt SELECTED #1 – Remco Schuurbiers. In: TodaysArt. Abgerufen am 11. Mai 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Förderung[Bearbeiten]
Das Festival erhielt mehrfach Projektförderungen vom Hauptstadtkulturfonds sowie der Kulturstiftung des Bundes und weiteren Fördereinrichtungen.<ref name=":1" /> 2020 erhielt das Festival erstmals eine spartenoffene Förderung des Berliner Kultursenats über vier Jahre. Mit 650.000 Euro erhielt es den größten Anteil der insgesamt 26 geförderten Projekte.<ref name=":2" /><ref name=":4" /> Für die Förderperiode 2024–2027 wurde die Förderung auf 600.000 Euro gekürzt.<ref>Förderergebnisse Spartenoffene Förderung. In: Berlin.de. Senat von Berlin, 3. April 2023, abgerufen am 5. April 2025.</ref>
Kontroverse[Bearbeiten]
Der Berliner Senat kündigte nach dem antisemitischen Skandal um die Documenta fifteen sowie den antisemitischen Ausschreitungen während des Krieges in Israel und Gaza 2023 eine Antidiskriminierungsklausel für Fördergelder an, die sich unter anderem auf die IHRA-Definition des Antisemitismus beruft. Das Festival sagte, es habe mit dieser Klausel seine Probleme und ihm entstehe dadurch Rechtsunsicherheit. Nichtsdestotrotz versucht sich das Festival daran zu halten. Aus Protest dagegen sagten sechs Künstler dem CTM-Festival ab, da sie einem Boykott von Strike Germany folgen.<ref>Julian Weber: CTM und die Antisemitismusklausel: Parole und Karriere. In: Wochentaz. 19. Januar 2024, ISSN 0931-9085, S. 41 (taz.de).</ref>
Ausgaben[Bearbeiten]
Publikationen[Bearbeiten]
- Meike Jansen, club transmediale (Hrsg.): Gendertronics – Der Körper in der elektronischen Musik. Suhrkamp Verlag, 2005.
- Bianca Ludwig: Transmedia Festivals. Eine Ethnografie der Avantgarde in der zeitgenössischen Musikszene. Böhlau/V&R unipress, Wien 2025, ISBN 978-3-205-22237-8 (Open Access, CC BY 4.0, doi:10.7767/9783205222385).
Weblinks[Bearbeiten]
- Website
- ECAS – European Cities of Advances Sound sowie ICAS – International Cities of Advances Sound
- Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Blogartikel über das CTM Festival 2011 ( vom 10. April 2011 im Internet Archive) (Internet Archive)
- Artikel im Musikexpress über die CTM.13
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />