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Gämswurzen

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Gämswurzen

Kalk-Gämswurz (Doronicum glaciale subsp. calcareum)

Systematik
Euasteriden II
Ordnung: Asternartige (Asterales)
Familie: Korbblütler (Asteraceae)
Unterfamilie: Asteroideae
Tribus: Senecioneae
Gattung: Gämswurzen
Wissenschaftlicher Name
Doronicum
L.

Die Gämswurzen (Doronicum), auch Gamswurzen und Gemswurzen genannt, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die etwa 35 Arten sind in Eurasien und Nordafrika verbreitet. Sorten weniger Arten werden als Zierpflanzen für Parks und Gärten in den Gemäßigten Breiten verwendet.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Doronicum pardalianches Sturm56.jpg
Illustration aus Sturm der Kriechenden Gämswurz (Doronicum pardalianches)
Datei:Atlas der Alpenflora (10190589225).jpg
Illustration aus Atlas der Alpenflora, 1882 der Österreichischen Gämswurz (Doronicum austriacum)
Datei:Dcarpetanum3.jpg
Blütenkörbe von der Seite mit den Hüllblättern des Involucrum von Doronicum carpetanum
Datei:2007-03-28Doronicum orientale03.jpg
Blütenkorb mit gelben Strahlen- und Röhrenblüten von Doronicum orientale
Datei:Doronicum orientale20100414 36.jpg
Achänen von Doronicum orientale

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Gämswurz-Arten sind ausdauernde krautige Pflanzen, die Wuchshöhen von meist 10 bis 60 (selten bis 90, und nur in Ausnahmen über 150) Zentimetern erreichen. Sie bilden meist Rhizome aus. Die Stängel sind einfach oder wenig verzweigt.

Die gestielten oder sitzenden Laubblätter stehen grundständig oder wechselständig am Stängel verteilt. Die einfache Blattspreite ist meist elliptisch, lanzettlich, eiförmig-kreisförmig oder eiförmig, selten länglich, geigen- oder spatelförmig. Die Blattflächen sind kahl oder spinnwebartig bis weich, manchmal drüsig-flaumig behaart, besonders entlang der Blattadern. Der Blattrand ist glatt, gekerbt oder gezähnt.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die meist relativ großen körbchenförmigen Blütenstände stehen einzeln oder zu mehreren in schirmtraubigen Gesamtblütenständen auf oft langen, drüsig-flaumig behaarten Blütenstandsschäften zusammen. Die Blütenstandshülle ist glockenförmig bis halbkugelig oder breiter und 22 bis 40 Millimetern groß. Die 21 bis über 30 haltbaren, aufrechten bis ausgebreiteten Hüllblätter stehen in zwei bis mehr als drei Reihen, frei oder fast frei, lanzettlich bis lineal oder pfriemförmig, mehr oder weniger gleich, deren Ränder oft bewimpert aber selten trockenhäutig sind. Die Blütenstandsböden sind konvex gewölbt bis halbkugelig und enthalten keine Spreublätter, häufig aber kurze Haare.

Die Blütenkörbe enthalten stets Röhren- und Zungenblüten. Am Rand steht eine Reihe aus selten 13 bis, meist 21 bis über 40 (bei gefülltblühenden Kulturformen sind es mehr) Zungenblüten, die weiblich und fertil sind. Innen stehen selten 50 bis, meist 100 bis über 250 Röhrenblüten (= Scheibenblüten), die zwittrig und fertil sind. Die fünf gelben Kronblätter sind röhrig verwachsen.

Die abgeflachten, breit verkehrt-eiförmigen Achänen sind fünf- oder zehnrippig, kahl oder behaart. Der haltbare Pappus besteht aus 40 bis 60 weißen bis strohfarbenen bärtigen Borsten, die in ein bis zwei Reihen stehen. Manchmal fehlt bei Zungenblüten ein Pappus, beispielsweise bei der Kriechenden Gämswurz (Doronicum pardalianches).

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 30.

Ökologie[Bearbeiten]

Die Ausbreitung der Diasporen, es sind die Achänen, erfolgt durch Wind.

Datei:Doronicum orientalis 'Little Leo'.JPG
Doronicum orientale Sorte ‘Little Leo’

Vorkommen[Bearbeiten]

Das weite Verbreitungsgebiet der Gattung Doronicum umfasst Eurasien und Nordafrika (Marokko und nordöstliches Algerien).<ref name="Fernández2003" /> Etwa zwölf Arten sind in Europa heimisch. Im deutschsprachigen Raum kommen Österreichische Gämswurz (Doronicum austriacum), Clusius-Gämswurz, auch Zottige Gämswurz (Doronicum clusii), Herzblättrige Gämswurz (Doronicum columnae), Großblütige Gämswurz (Doronicum grandiflorum) und Kriechende Gämswurz (Doronicum pardalianches) vor.

Doronicum-Arten gedeihen in Wäldern, auf offenen felsigen Standorten mit feuchten Böden, Wiesen und in der Nähe von Fließgewässern in Höhenlagen von 0 bis 5000 Metern.<ref name="Fernández2003" />

Einige Arten werden als Zierpflanzen genutzt und verwildern manchmal. In Nordamerika gibt es nur Bestände von verwilderten Arten: Doronicum orientale, Doronicum plantagineum, Doronicum pardalianches.

Datei:Doronicum austriacum a5.jpg
Habitus und Blütenkörbe der Österreichischen Gämswurz (Doronicum austriacum)
Datei:Dcarpetanum1.jpg
Doronicum carpetanum
Datei:Doronicum clusii a5.jpg
Clusius-Gämswurz (Doronicum clusii)
Datei:Doronicum columnae 01DH.jpg
Habitus und Blütenkörbe der Herzblättrigen Gämswurz (Doronicum columnae)
Datei:Doronicum corsicum.jpg
Blätter und Blütenkörbe von Doronicum corsicum
Datei:Doronicum grandiflorum 1.JPG
Habitus und Blütenkörbe der Großblütigen Gämswurz (Doronicum grandiflorum)
Datei:Doronicum orientale a1.jpg
Kaukasus-Gämswurz (Doronicum orientale)
Datei:Gämswurz (Doronicum turkestanicum) 5656.JPG
Blütenkorb im Detail von Doronicum turkestanicum

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Der Gattungsname Doronicum wurde 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, Seite 885–886<ref name="Linné1753" /> erstveröffentlicht. Typusart ist Doronicum pardalianches Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. Der Gattungsname Doronicum wurde vor Carl von Linné für mindestens sechs Pflanzenarten verwendet.

Der älteste Beleg für die Herkunft des Gattungsnamens Doronicum ist das mittelfranzösische Wort deronic in einem von Olivier de La Haye übersetzten Gedicht (Poème sur la Grande Peste) von 1425, das angeblich auf eine arabisch-persische Quelle zurückgeht. Wahrscheinlich haben sich die arabischen und persischen Bezeichnungen lediglich auf ebenfalls goldgelbe Blüten bezogen. Derart lässt sich der Name dann vom altpersischen daraniya für Gold ableiten.<ref name="Genaust" />

Die Gattung Doronicum gehört zur Tribus Senecioneae in der Unterfamilie Asteroideae innerhalb der Familie Asteraceae.

Es gibt 26<ref name="Fernández2003" /> bis 35 oder bis zu 40<ref name="FoC" />Doronicum-Arten (Auswahl):<ref name="EuroMed" />

Historische medizinische Anwendung[Bearbeiten]

Nach John Gerard (1545–1612) war die Wurzel der Gämswurz (englischer Name Leopard's Bane) giftig für Tiere wie Panther, Schweine, Wölfe, aber nicht für Menschen<ref>John Gerarde, The Herball or General Historie of Plantes. London, Norton, 1597, 619-622</ref>. Tabor nimmt daher an, dass es sich bei der Pflanze, mit der Imogen in Shakespeares Cymbeline in einen totenähnlichen Schlaf versetzt wird, um Gämswurz handeln könne<ref>Edward Tabor, Plant Poisons in Shakespeare. Economic Botany 24/1, 1970, 86</ref>.

Nicholas Culpeper (1616–1654) klassifiziert die Gämswurz (keine Art angegeben) als heiß und trocken. Die Wurzel stärke das Herz und schütze vor der Pest. Ferner helfe sie bei Schwindel, gegen den Biss giftiger Tiere, nach der Einnahme von zu viel Opium und gegen Lethargie<ref>Nicholas Culpeper, Culpeper's Complete Herbal, A book of remedies for ancient ills. Ware, Wordsworth 1995, 312</ref>.

Quellen[Bearbeiten]

  • Amy Trauth Nare: Doronicum. In: , textgleich online wie gedrucktes Werk. (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik).
  • Ines Álvarez Fernández: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 90, Nr. 3, 2003, S. 319–389, doi:10.2307/3298534, eingescannt bei biodiversitylibrary.org (Abschnitte Beschreibung, Verbreitung und Systematik).
  • Ines Álvarez Fernández, Javier Fuertes Aguilar, Jose L. Panero, Gonzalo Nieto Feliner: A phylogenetic analysis of Doronicum (Asteraceae, Senecioneae) based on morphological, nuclear ribosomal (ITS), and chloroplast (trnL-F) evidence. In: Molecular Phylogenetics and Evolution. Band 20, Nr. 1, 2001, S. 41–64, DOI:10.1006/mpev.2001.0954, PDF-Datei.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Genaust"> Helmut Genaust: Etymologisches Wörterbuch der botanischen Pflanzennamen. 3., vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage. Nikol, Hamburg 2005, ISBN 3-937872-16-7 (Nachdruck von 1996).</ref> <ref name="EuroMed"> Eintrag bei Werner Greuter, Eckhard von Raab-Straube (Hrsg.): Compositae. In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="Fernández2003"> Ines Álvarez Fernández: Systematics of Eurasian and North African Doronicum (Asteraceae: Senecioneae). In: Annals of the Missouri Botanical Garden. Band 90, Nr. 3, 2003, S. 319–389. doi:10.2307/3298534 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum, 2, 1753, S. 885–886 eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="FONepal"> Eintrag in der Flora of Nepal. </ref> <ref name="FoC"> Yilin Chen, Bertil Nordenstam: Doronicum S. 372–374 In: Tribe Senecioneae. S. 371–496 – textgleich online wie gedrucktes Werk, In: Wu Zheng-yi, Peter H. Raven & Deyuan Hong (Hrsg.): Flora of China, Volume 20 – Asteraceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 2011. ISBN 978-1-935641-07-0 </ref> </references>

Literatur für die in Mitteleuropa vorkommenden Arten[Bearbeiten]

  • Hans Ernst Hess, Elias Landolt, Rosemarie Hirzel: Bestimmungsschlüssel zur Flora der Schweiz. 3. Auflage, Birkhäuser, Basel 1991, ISBN 3-7643-2606-9.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Gämswurzen (Doronicum) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien