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Parathion

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(Weitergeleitet von E605)
Strukturformel
Strukturformel von Parathion
Allgemeines
Name Parathion
Andere Namen
  • O,O-Diethyl-O-(p-nitrophenyl)thiophosphorsäureester
  • O,O-Diethyl-O-(4-nitrophenyl)thiophosphorsäureester
  • Nitrophenolthiophosphorsäureester
  • Ethylparathion
  • E 605
  • Nitrostigmin
Summenformel C10H14NO5PS
Kurzbeschreibung

farblose, beinahe geruchslose Flüssigkeit, im Handel vergällt zu einer braunen Flüssigkeit mit knoblauchartigem Geruch<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer Vorlage:CASRN Fehler im Ausdruck: Unerwarteter Operator <
EG-Nummer 200-271-7
ECHA-InfoCard 100.000.247
PubChem 991
ChemSpider 13844817
Wikidata [[:d:Skriptfehler: Ein solches Modul „Wikidata“ ist nicht vorhanden.|Skriptfehler: Ein solches Modul „Wikidata“ ist nicht vorhanden.]]
Eigenschaften
Molare Masse 291,3 g·mol−1
Aggregatzustand

flüssig<ref name="GESTIS" />

Dichte

1,27 g·cm−3<ref name="GESTIS">Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>

Schmelzpunkt

6,1 °C<ref name="GESTIS" />

Siedepunkt

375 °C<ref name="GESTIS" />

Dampfdruck

7,81·10−4 Pa (20 °C)<ref name="Gückel">Gückel, W.; Kästel, R.; Lewerenz, J.; Synnatschke, G.: A Method for Determinating the Volatility of Active Ingredients Used in Plant Protection. Part III: The Temperature Relationship Between Vapour Presure and Evaporation Rate in Pestic. Sci. 13 (1982) 161–168.</ref>

Löslichkeit

praktisch unlöslich in Wasser (24 mg·l−1 bei 20 °C)<ref name="GESTIS" />

Brechungsindex

1,5370 (25 °C)<ref name="CRC90_3_410">Vorlage:CRC Handbook</ref>

Sicherheitshinweise
GHS-GefahrstoffkennzeichnungVorlage:CLH-ECHA<ref name="GESTIS" />
Gefahrensymbol Gefahrensymbol Gefahrensymbol

Gefahr

H- und P-Sätze H: 300+310+330​‐​372​‐​410
P: 262​‐​264​‐​280​‐​302+352+310​‐​304+340+310<ref name="GESTIS" />
MAK

DFG/Schweiz: 0,1 mg·m−3 (gemessen als einatembarer Staub)<ref name="GESTIS" /><ref>Vorlage:SUVA-MAK</ref>

Toxikologische Daten
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). Brechungsindex: Na-D-Linie, 20 °C

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Parathion (Synonym E 605, Folidol), ein Alkylphosphat, ist ein Ester der Thiophosphorsäure (siehe auch Phosphorsäureester) und wird daher auch Thiophos genannt. Im Volksmund wird für das Pflanzenschutzmittel auch der Begriff „Schwiegermuttergift“ verwendet, da das Insektizid für viele bekannt gewordene Suizide und Morde missbraucht wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Substanz und ihre Wirksamkeit wurde 1944 von Gerhard Schrader im Rahmen seiner Arbeiten über Phosphorsäureester entwickelt und untersucht. Nachdem die Unterlagen und Patente 1945 zu den Alliierten übergegangen waren,<ref name="H. P. Plate, E. Frömming" /> wurde Parathion ab 1947 unter anderem von American Cyanamid und Monsanto vermarktet, in Europa ab 1948 von der Bayer AG.<ref name="G. Matolcsy, M. Nádasy, V. Andriska">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref><ref name="Jørgen Stenersen">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref>

Bayer produzierte Parathion (Diäthyl-para-nitrophenolmonothiophosphat) unter der Bezeichnung „E 605“. Dies führt immer wieder zu Verwechslungen mit den von der Europäischen Union verwalteten E-Nummern für Lebensmittelzusatzstoffe. Parathion steht mit diesen in keinerlei Verbindung, da die E-Nummern viel später eingeführt wurden und es keinen Lebensmittelzusatzstoff mit der Kennung „E 605“ gibt. Das E von „E 605“ resultiert vielmehr aus der Tatsache, dass das Laborjournal mit den Versuchen zu neu entwickelten Chemikalien mit insektiziden Eigenschaften in jener Zeit von einer Chemotechnikerin namens E. Ewe geführt wurde.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Unter diesen Substanzen befanden sich viele weitere Phosphorsäureester (zum Beispiel auch Potasan, E 838).<ref name="H. P. Plate, E. Frömming">Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Literatur“ ist nicht vorhanden.</ref> Das E bei den Lebensmittelzusatzstoffen steht dagegen für „Europa“ bzw. „Europäische Union“ und für englisch edible (‚essbar‘).

Später wurden auf Basis der Struktur von Parathion viele weitere Verbindungen mit ähnlichen Eigenschaften wie Parathion-methyl (ab 1949 produziert) oder Fenitrothion entwickelt und vermarktet.<ref name="G. Matolcsy, M. Nádasy, V. Andriska" />

Im Jahr 1949 wurden bei der Verwendung von „Bayer E 605“ Gesundheitsschäden festgestellt. Da schon die beim Einstäuben der Pflanzen im Freien eingeatmete Menge ausreicht, um schwerste Gesundheitsschäden herbeizuführen, wurde amtlicherseits auf strenge Befolgung der Gebrauchsanweisung ausdrücklich hingewiesen.<ref>Mitteilung des Innenministeriums Württemberg-Baden, zitiert nach: Vorlage:HessAmtsBL</ref>

Der weltweit erste dokumentierte Mord mit E 605 wurde 1952 von Christa Lehmann verübt.

Parathion ist unter dem Rotterdamer Übereinkommen über das Verfahren der vorherigen Zustimmung nach Inkenntnissetzung für bestimmte gefährliche Chemikalien sowie Pestizide im internationalen Handel (Anlage III) geregelt.<ref>Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. In: Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:Internetquelle“ ist nicht vorhanden. Ehemals im Vorlage:Referrer (nicht mehr online verfügbar);Skriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref>

Datei:E605-Staub.jpg
E-605-Staub in einer 1-kg-Dose von ca. 1960

Gewinnung und Darstellung[Bearbeiten]

Parathion 2 kann durch Reaktion von Diethylphosphorthionchloridat 1 mit Natrium-p-nitrophenolat gewonnen werden.<ref name="G. Matolcsy, M. Nádasy, V. Andriska" /><ref name="Kracher 2007">Kracher, R. et al. (2007): Lexikon der Chemie. 2. Band (Gest bis Pere), Jokers edition. Heidelberg: Spektrum Verlag, S. 460, ISBN 978-3-8274-1909-5.</ref>

Synthese von Parathion
Synthese von Parathion

Eigenschaften[Bearbeiten]

Parathion ist eine Flüssigkeit, die äußerst toxisch gegen Insekten und Warmblüter wirkt. Es zeigt jedoch keine Giftwirkung gegen Pflanzen. Die Flüssigkeit ist im reinen Zustand farblos und fast geruchlos, die in den Handel kommende technische Verbindung ist aus Sicherheitsgründen gelbbraun gefärbt und mit einem stechend knoblauchartigen Geruch aromatisiert.

Parathion löst sich zu 24 mg/l in Wasser<ref name="GESTIS" /> und wird im sauren bis neutralen pH-Bereich nur langsam, im alkalischen dagegen rasch hydrolysiert. Parathion blockiert das Enzym Acetylcholinesterase irreversibel, nachdem es durch oxidative Entschwefelung in sein Sauerstoffanalogon Paraoxon (E 600) umgewandelt wurde. Es wirkt als Kontaktgift und darf daher nicht mit der Haut in Berührung kommen. Die Wirkung des Parathions beruht auf einer anhaltenden Erregung von muskarinischen und nikotinischen Acetylcholinrezeptoren, die aus dem verminderten Abbau des ausgeschütteten Acetylcholins resultiert. Es kommt zu Erbrechen, Durchfall, Schweißausbrüchen, Muskelzuckungen, Kopfschmerzen, Atemlähmungen und schweren Krämpfen. Parathion ist verwandt mit verschiedenen chemischen Kampfstoffen wie Tabun, Sarin und Soman, die jedoch erheblich effektiver die Acetylcholinesterase blockieren.

Eine Bewertung der IARC vom März 2015 kommt zum Ergebnis, dass Parathion aufgrund der Untersuchungen bei Ratten und Mäusen in die Kategorie 2B (möglicherweise krebserzeugend für den Menschen, possibly carcinogenic to humans) eingestuft wird.<ref>IARC-Presseerklärung vom 20. März 2015 IARC Monographs Volume 112: evaluation of five organophosphate inscecticides and herbicides, abgerufen am 23. März 2015.</ref>

Die Verbindung ist thermisch instabil. Oberhalb von 150 °C wird eine stark exotherme, autokatalytisch verlaufende Zersetzungsreaktion mit einer Zersetzungswärme von −326 kJ·mol−1 beobachtet. Als primäre Zersetzungsprodukte wurden aus Umlagerungen resultierende Verbindungen gefunden.<ref name="Andreozzi">Andreozzi, R.; Ialongo, G.; Marotta, R.; Sanchirico, R.: Thermal decomposition of ethyl parathion. In: Journal of Loss Prevention in the Process Industries. 12, 1999, S. 315–319, doi:10.1016/S0950-4230(98)00055-2.</ref>

Verwendung[Bearbeiten]

Datei:E605-forte.jpg
E 605 forte

Parathion wird als Insektizid und Akarizid eingesetzt. Folidol ist ein mit Parathion versetztes Paraffinöl, das länger haftet und wirkt als die wässrige Anwendung.

Im Handel als Pflanzenschutzmittel durfte „E 605 forte“ nur nach Vorlage eines Personalausweises verkauft werden, da in der Literatur bereits zahlreiche Fälle von Vergiftungen und Tötungsdelikten mit Parathion geschildert wurden. Das Pflanzenschutzmittel ist vergällt, damit es nicht versehentlich geschluckt werden kann. Häufig ist auch ein stechender Geruch festzustellen.

Am 9. Juli 2001 erließ die Europäische Kommission eine Entscheidung, welche die Abgabe, Einfuhr, Anwendung und Zulassung von Parathion enthaltenden Pflanzenschutzmitteln verbot. Nicht verboten wurde die Abgabe zur Lagerung mit anschließender Ausfuhr aus dem Gebiet der Europäischen Union. Ferner mussten alle bereits erteilten Zulassungen für solche Pflanzenschutzmittel binnen sechs Monaten zurückgenommen werden.<ref>Vorlage:CELEX.</ref><ref>Vorlage:CELEXSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden. des Rates vom 15. Juli 1991 über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln.</ref> In der Schweiz gibt es ebenfalls keine Zulassung als Pflanzenschutzwirkstoff mehr.<ref name="PSM">Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit der Europäischen Kommission: Eintrag zu Vorlage:Linktext-Check in der EU-Pestiziddatenbank; Eintrag im nationalen Pflanzenschutzmittelverzeichnis der SchweizVorlage:AbrufdatumSkriptfehler: Ein solches Modul „TemplatePar“ ist nicht vorhanden.</ref> Seit dem 8. Januar 2002, als die Zulassung parathionhaltiger Pflanzenschutzmittel (E 605 forte, E Combi, P-O-X) auslief, gilt ein generelles Verbot für den Verkauf von „E 605 forte“ im Handel sowie dessen weitere Anwendung.

Parathion blockiert die Acetylcholinesterase irreversibel und eignet sich deshalb nicht zur medizinischen Verwendung.

Gegengifte[Bearbeiten]

Gegen eine Vergiftung durch Parathion wurde lange Zeit hochdosiertes Atropin durch den Rettungsdienst eingesetzt. Atropin bindet an dieselben Rezeptoren wie Acetylcholin, ohne sie jedoch zu aktivieren. Dadurch wird das übermäßige Auslösen neuer Nervenreize vermindert. Da aber eine Überdosierung von Atropin ihrerseits eine Vergiftung darstellt, wurde die einmalige Hochdosisbehandlung ersetzt durch viele kleinere Atropingaben entsprechend der Symptomatik des Patienten.

Um die vom Parathion stammende Phosphatgruppe von der Acetylcholinesterase wieder zu lösen und die Acetylcholinesterase wieder funktionsfähig zu machen, können zudem Oxime (Obidoxim, Pralidoxim) verabreicht werden. Diese Reaktivierung der blockierten Acetylcholinesterase ist jedoch nur unmittelbar nach der Exposition mit Parathion möglich und erfordert zudem intensivmedizinische Betreuung.

Weblinks[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive />

Vorlage:HinweisbausteinVorlage:Wikidata-Registrierung