Zum Inhalt springen

Europäischer Gewerkschaftsbund

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Datei:Etuc logo.png
Logo des Europäischen Gewerkschaftsbunds

Der Europäische Gewerkschaftsbund (EGB; {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)) ist der europäische Dachverband der Gewerkschaften mit Sitz in Brüssel (Belgien). Er vertritt 90 nationale (sektorübergreifende) Gewerkschaftsbünde aus 39 Ländern und 10 europäische (sektorale) Gewerkschaftsverbände mit insgesamt 45 Millionen Mitgliedern.<ref>Homepage des EGB, dort rechts unten "About us", abgerufen am 24. März 2019</ref>

Er ist nicht auf die Europäische Union beschränkt.

Geschichte[Bearbeiten]

Datei:Bundesarchiv B 145 Bild-F055064-0028, Köln, SPD-Parteitag, Vetter.jpg
Heinz Oskar Vetter, Vorsitzender von 1974 bis 1979
Datei:Georges Debunne (1983).jpg
Georges Debunne, Vorsitzender von 1982 bis 1985

Die sektor- und nationenübergreifende Organisation wurde am 9. Februar 1973 von 17 Gewerkschaftsbünden aus 15 Staaten gegründet und vertrat rund 29 Millionen gewerkschaftlich organisierte Mitglieder. Es ist eine Nachfolgeorganisation des Europäischen Bundes freier Gewerkschaften in der EWG und des "Gewerkschaftskongresses" der EFTA-Staaten.

Der erste Präsident des EGB war Victor Feather (Großbritannien), der von drei Vizepräsidenten unterstützt wurde, darunter Heinz Oskar Vetter vom Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Der erste Generalsekretär des EGB war Theo Rasschaert (Belgien).

1974 wurden erste christliche Gewerkschaften und die erste früher kommunistische Gewerkschaft Mitglied. 1991 werden die Europäischen Gewerkschaftsverbände zu Vollmitgliedern; der EGB führt den Beobachterstatus ein, den zehn Bünde aus Ostmittel- und Osteuropa erhalten. 1995 werden erstmals Bünde aus Ostmittel- und Osteuropa als Vollmitglieder aufgenommen.<ref>Jon Erik Dølvik: Die Spitze des Eisbergs? Der EGB und die Entwicklung eines Euro-Korporatismus. 1999, S. 247.</ref>

Seit der Gründung fanden die folgenden Kongresse statt:

Satzungsregelungen[Bearbeiten]

In der Präambel der Satzung des EGB<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Satzung des EGB (Memento vom 17. März 2018 im Internet Archive) (englisch, französisch), abgerufen am 28. März 2018</ref> werden

  • die Ziele des EGB beschrieben,
  • als Adressaten der Aktivitäten insbesondere die Europäische Union, aber auch der Europarat, die EFTA sowie "andere europäische Institutionen und europäische Arbeitgeberorganisationen genannt,
  • die Zusammenarbeit mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund und seinen regionalen Organisationen sowie weiteren Organisationen festgeschrieben.

Struktur[Bearbeiten]

Kongress (Artikel 8–11 der Satzung)

Der Kongress ist das oberste Gremium des EGB. Er wird alle vier Jahre einberufen. Der letzte Kongress fand im Jahr 2023 in Berlin statt. Der Kongress wählt neben den Mitgliedern des Exekutivausschusses auch den Präsidenten bzw. die Präsidentin. Des Weiteren bestimmt er den Generalsekretär und dessen zwei Stellvertreter.

Exekutivausschuss (Artikel 12–19 der Satzung)

Der Ausschuss trifft sich viermal im Jahr und besteht aus Vertretern der Mitgliedsorganisationen. Er entscheidet über Mandat und Zusammensetzung der Delegationen für den Europäischen Sozialdialog.

Lenkungsausschuss (Artikel 20–23 der Satzung)

Der Lenkungsausschuss ist dafür verantwortlich, dass die Entscheidungen des Exekutivausschusses umgesetzt werden. Dieses kleinste der EGB-Gremien trifft sich acht Mal pro Jahr.

Aktuelle Situation[Bearbeiten]

Dem EGB gehören (Stand: August 2024) 94 nationale Gewerkschaftsbünde aus 40 europäischen Staaten und 10 europäische Branchenverbände mit insgesamt 45 Millionen Mitgliedern an.

Präsident des EGB ist seit 2023 der Österreicher Wolfgang Katzian. Generalsekretärin des EGB ist Esther Lynch. Stellvertretende Generalsekretäre sind Isabelle Schönmann und Claes-Mikael Stahl.<ref>https://www.etuc.org/en/organisation-and-people, abgerufen am 17. Jänner 2025</ref>

Der EGB arbeitet mit gewerkschaftlichen Akteuren aus den mit der EU assoziierten Ländern und Regionen zusammen und kooperiert auch mit dem Internationalen Gewerkschaftsbund. Der EGB ist im Rahmen des Paneuropäischen Regionalrats (PERR) auch im IGB vertreten. Der PERR wurde einem Beschluss des im November 2006 in Wien abgehaltenen IGB-Gründungskongresses folgend anlässlich der Gründungsversammlung vom 19. März 2007 in Rom offiziell aus der Taufe gehoben.<ref name="EGB-Broschüre">Die Stimme der europäischen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. (Broschüre des EGB; PDF; 1,2 MB), abgerufen am 16. März 2018</ref>

11. Kongress (2007, Sevilla)[Bearbeiten]

Der 11. EGB-Kongress (21. bis 24. Mai 2007 in Sevilla) nahm u. a. das „Sevilla-Manifest“<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Sevilla-Manifest (Memento vom 16. März 2018 im Internet Archive) (PDF)</ref> an. Danach plant der EGB, „in fünf zentralen Bereichen in die Offensive zu gehen“:

  • Für einen europäischen Arbeitsmarkt
  • Für den sozialen Dialog, Tarifverhandlungen und Arbeitnehmerbeteiligung
  • Für eine effektivere wirtschaftliche, soziale und ökologische Governance in Europa
  • Für eine stärkere EU
  • Für stärkere Gewerkschaften und einen stärkeren EGB

12. Kongress (2011, Athen)[Bearbeiten]

Unter dem Motto „Mobilising for social Europe“ fand der 12. EGB-Kongress vom 16. bis 19. Mai in Athen statt. Vier Tage debattierten 500 Delegierte aus 36 Mitgliedsländern über die Ausrichtung der europäischen Gewerkschaftspolitik für die nächsten vier Jahre. Die DGB-Delegation war mit 27 Vertretern vor Ort.

Im „Athener Manifest“<ref>"Das Athener Manifest" (PDF, 4 S.), abgerufen am 15. März 2018</ref> sind die wichtigsten Prioritäten zusammengefasst, mit denen sich die Gewerkschaften gegen die Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise, gegen rigide Sparkonzepte und Beschäftigungsabbau stemmen.

So werden sich die europäischen Arbeitnehmerverbände aktiv für qualitatives Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung und ein belastungsfähiges europäisches Sozialmodell einsetzen. Sie fordern die Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die Harmonisierung der Besteuerungsgrundlagen und obligatorische Mindeststeuersätze für Unternehmen sowie die Auflage von EURO-Anleihen.

Der EGB fordert durchgreifende Regeln zur Kontrolle der Finanzmärkte und der privaten Ratingagenturen, die Schließung von Steuerparadiesen und die Unterbindung von überzogenen Managergehältern, zu Unrecht gewährten Bonuszahlungen und Abfindungen.<ref>"Europäische Gewerkschaften beschließen 'Athener Manifest' zur Wirtschafts- und Finanzkrise" Pressemitteilung des DGB v. 19. Mai 2011, abgerufen am 15. März 2018</ref>

13. Kongress (2015, Paris)[Bearbeiten]

Ergebnisse:

  • Das "Manifest von Paris"<ref>"Das Manifest von Paris" (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.PDF, 7 S. (Memento vom 17. März 2018 im Internet Archive)), abgerufen am 15. März 2018</ref> mit dem
    Motto "Solidarisch für hochwertige Arbeitsplätze, Arbeitnehmerrechte und eine gerechte Gesellschaft in Europe einstehen" und
    den "Prioritäten":
  • A. Eine starke Wirtschaft, die den Menschen dient
  • B. Stärkere Gewerkschaften für demokratische Werte und Demokratie bei der Arbeit
  • C. Ein Kern ehrgeiziger Sozialstandards

Außerdem verabschiedete der Kongress Dringlichkeitsanträge zu den Themen:

  • Flüchtlingskrise in Europa
  • Grundrechten in Spanien
  • Nordirland
  • Solidarität mit den griechischen Arbeitnehmern
  • Tisa
  • Neuverhandlungsstrategie für das EU-Referendum im VK
  • Betrieblicher Gesundheits- und Gefahrenschutz
  • Solidarität mit den türkischen und kurdischen Journalisten, die Opfer der Repression sind

Nationale Gewerkschaftsbünde und europäische Gewerkschaftsverbände im EGB[Bearbeiten]

Nationale Gewerkschaftsbünde[Bearbeiten]

Europäische Gewerkschaftsverbände[Bearbeiten]

Dem EGB gehören die folgenden europäischen Gewerkschaftsverbände an:<ref>European Trade Union Federations (10) (list of members), Seite des EGB, abgerufen am 17. März 2018</ref>

Der EGB ist Mitglied in der Europäischen Bewegung International.

Interregionale Gewerkschaftsräte[Bearbeiten]

Seit 1976 bestehen innerhalb des EGB Interregionale Gewerkschaftsräte als Strukturen zur Kooperation von Mitgliedsorganisationen in grenzüberschreitenden Regionen


Vorsitzende und Generalsekretäre[Bearbeiten]

Datei:Rudy De Leeuw (cropped).jpg
Ehemaliger Vorsitzender des Europäischen Gewerkschaftsbunds von 2015 bis 2019 Rudy De Leeuw
Vorsitzender<ref name="iisg.nl">European Trade Union Confederation Archives; Instituut voor Sociale Geschiedenis</ref><ref name="books.google.be"></ref> Amtszeit Mitglied Land
Victor Feather 1973–1974 TUC Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Heinz Oskar Vetter 1974–1979 DGB Deutschland Deutschland
Wim Kok 1979–1982 FNV Niederlande Niederlande
Georges Debunne 1982–1985 ABVV Belgien Belgien
Ernst Breit 1985–1991 DGB Deutschland Deutschland
Norman Willis 1991–1993 TUC Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Fritz Verzetnitsch 1993–2003 ÖGB Osterreich Österreich
Cándido Méndez Rodríguez 2003–2007 UGT Spanien Spanien
Wanja Lundby-Wedin 2007–2011 LO Schweden Schweden
Ignacio Fernández Toxo 2011–2015 CC.OO Spanien Spanien
Rudy De Leeuw 2015–2019 ABVV Belgien Belgien
Laurent Berger 2019–2023 CFDT Frankreich Frankreich
Wolfgang Katzian<ref>ÖGB-Chef Katzian Präsident des Europäischen Gewerkschaftsbundes. In: Kleine Zeitung. 26. Mai 2023, abgerufen am 26. Mai 2023.</ref> 2023– ÖGB Osterreich Österreich
Generalsekretär<ref name="iisg.nl" /><ref name="books.google.be" /> Amtszeit Mitglied Land
Théo Rasschaert 1973–1975 ABVV Belgien Belgien
Peer Carlsen 1975–1976 LO Danemark Dänemark
Mathias Hinterscheid 1976–1991 LAV Luxemburg Luxemburg
Emilio Gabaglio 1991–2003 CISL Italien Italien
John Monks 2003–2011 TUC Vereinigtes Konigreich Vereinigtes Königreich
Bernadette Ségol 2011–2015 CGT Frankreich Frankreich
Luca Visentini 2015 – 2022 UIL Italien Italien
Esther Lynch 2022 – ICTU Irland Irland

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Willy Buschak, Der Europäische Gewerkschaftsbund und die Europäischen Gewerkschaftsverbände (PDF; 262 kB) in: "Europäische Gewerkschaftsorganisationen – Bestände im Archiv der sozialen Demokratie und in der Bibliothek der Friedrich-Ebert-Stiftung", hrsg. für die Friedrich-Ebert-Stiftung von U. Optenhögel, M. Schneider, R. Zimmermann, Bonn, 2003, S. 9–19
  • Andrea Ciampani, Pierre Tilly: National trade unions and the ETUC: A history of unity and diversity. Brüssel (ETUI) 2017 (Seite des ETUI zum Buch)
  • Christophe Degryse, Pierre Tilly: 1973-2013 : 40 years of history of the European Trade Union Confederation, Brüssel (ETUI) 2017 (Seite des ETUI zum Buch)
  • Jon Erik Dølvik: Die Spitze des Eisbergs? Der EGB und die Entwicklung eines Euro-Korporatismus. Westfälisches Dampfboot, Münster 1999, ISBN 3-89691-447-2.
  • Bernhard Pfitzner (2018): Materialien zum Thema "Europäische Gewerkschaftsarbeit" (32 S., PDF)

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: European Trade Union Confederation – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive/>

Vorlage:Hinweisbaustein