Akademische Fliegerschaft

Akademische Fliegerschaften sind Studentenverbindungen, die nach dem Ersten Weltkrieg entstanden und in der frühen Zeit des Nationalsozialismus weitgehend verschwanden.
Entwicklung[Bearbeiten]
Allgemeines[Bearbeiten]
Als es Deutschland und Österreich nach dem Friedensvertrag von Versailles und dem Friedensvertrag von Saint-Germain verboten war, weiterhin Luftstreitkräfte zu unterhalten, wurden in der Zwischenkriegszeit an vielen Universitäten Fliegerschaften gegründet. Analog zu den neugegründeten Wehrschaften (die militärisches Wissen vermittelten) sollten die Fliegerschaften unter den Studenten Luftfahrtkenntnisse verbreiten. Die Fliegerschaften trugen Couleur und waren in der Regel freischlagend.
Geschichte[Bearbeiten]
Ehemalige Kampfflieger und Flugbegeisterte an Hoch- und Fachschulen schlossen sich zu neuen Korporationen, den Fliegerschaften zusammen. Die älteste war die am 28. Oktober 1919, dem Todestag Oswald Boelckes, in Breslau gegründete Akademische Fliegerschaft Daedalia mit den Farben Silber-Hellblau-Schwarz und dem Grundsatz der unbedingten Satisfaktion. Es folgten am 21. April 1922 Daedalia/Ikarus Leipzig, am 1. Juli 1922 Palaio-Marcomannia Halle, am 21. April 1924 Marcho-Silesia Breslau, am 4. Juni 1924 Wieland-Staufen Graz, am 7. November 1924 Lilienthal Berlin, am 18. November 1924 Boelcke Heidelberg, am 21. April 1927 Rossitten/Preußen Königsberg, am 12. Oktober 1928 Marcho-Tuiskonia Berlin-Halle und zuletzt am 29. November 1930 Manfred von Richthofen Darmstadt.
Verband[Bearbeiten]
Als Korporationsverband der Fliegerschaften wurde am 28. Oktober 1924<ref>Peter Krause: O alte Burschenherrlichkeit. Die Studenten und ihr Brauchtum. 5. Auflage. Graz, Wien, Köln 1997, S. 175</ref> der Akademische Fliegerring gegründet. In ihm ging der 1923 von den Fliegerschaften Daedalia Breslau und Daedalia Leipzig gegründete Ring akademischer Fliegerschaften auf. Als Verbandsblatt wurde die Akademische Fliegerzeitung herausgegeben. Der Verband wurde wie die meisten Korporationsverbände im Zuge des Gleichschaltungsdrucks 1935 aufgelöst.
Nachleben[Bearbeiten]
Dem Altherrenverband der Akademischen Fliegerschaft Marcho-Silesia Breslau gelang 1939 die Übernahme einer Kameradschaft des NSD-Studentenbundes. Die Kameradschaft Werner Blech verstand sich explizit als „Fliegerkameradschaft“. 1942/1943 nahm der AHV die Mustersatzung des NS-Altherrenbundes an und erhielt von der Reichsstudentenführung die Förderung der fliegerischen Tätigkeit als besonderen Zweck genehmigt. Die Tradition der Fliegerschaft konnte so auch während des Nationalsozialismus fortbestehen.<ref>Bernhard Grün: Faszination Fliegen – vom Gleitflug zur Mondlandung. Die Fliegerschaft Marcho-Silesia Breslau am Firmament der Zeiten (1924 bis 2024). Bad Buchau 2026, ISBN 978-3-948-502-28-7, S. 67–74.</ref> Nach dem Krieg bestand seit 1956 eine Traditionsgemeinschaft der Marcho-Silesia, die ehemaliger Fliegerschafter und Kameradschafter vereinigte und auch Bandverleihungen vornahm. Das letzte Mitglied verstarb 2022.<ref>Bernhard Grün: Faszination Fliegen – vom Gleitflug zur Mondlandung. Die Fliegerschaft Marcho-Silesia Breslau am Firmament der Zeiten (1924 bis 2024). Bad Buchau 2026, ISBN 978-3-948-502-28-7, S. 74–93.</ref>
Die einzige heute noch existierende Fliegerschaft ist die Akademische Fliegerschaft Wieland-Staufen in Graz.<ref>Peter Krause: O alte Burschenherrlichkeit. Die Studenten und ihr Brauchtum. 5. Auflage. Graz, Wien, Köln 1997, S. 178</ref>
Mitglieder des Akademischen Fliegerrings[Bearbeiten]
Mitglieder des Akademischen Fliegerrings waren:
- Lilienthal Berlin
- Daedalia Breslau
- Richthofen Darmstadt
- Wieland Graz
- Marcho-Tuiskonia Halle
- Palaio-Markomannia Halle
- Boelcke Heidelberg
- Rossiten Königsberg (später umbenannt in: Preußen Königsberg)<ref>Die Preußenfahne wurde 1970 an die A.F. Wieland-Staufen Graz übergeben.</ref>
- Daedalia Leipzig
- Ikarus Leipzig
Bekannte Fliegerschafter[Bearbeiten]
Siehe auch[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Ernst Hans Eberhard: Handbuch des studentischen Verbindungswesens. Leipzig 1924/25, S. 226.
- Paulgerhard Gladen: Geschichte der studentischen Korporationsverbände. Band 2, Würzburg 1985, S. 44–45.
- Bernhard Grün, Christoph Vogel: Die Fuxenstunde. Handbuch des Korporationsstudententums. Bad Buchau 2014, S. 195–196, ISBN 978-3-925171-92-5.
- Bernhard Grün: Faszination Fliegen – vom Gleitflug zur Mondlandung. Die Fliegerschaft Marcho-Silesia Breslau. In: Einst und Jetzt, Bd. 71 (2026), S. 193–228.
- Harald Lönnecker: Rudern, Segeln, Fliegen – Aktivitäten akademischer Verbindungen und Vereine zwischen Sport und Politik ca. 1885–1945. In: Thomas Alkemeyer, Wolfgang Buss, Lorenz Peiffer, Bero Rigauer (Hrsg.): Sport in Nordwestdeutschland. Göttingen 2009, S. 7–36.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />