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Franz Emanuel Weinert

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Franz Emanuel Weinert (* 9. September 1930 in Komotau, Tschechoslowakei; † 7. März 2001 in München) war ein deutscher Psychologe, ordentlicher Professor für Psychologie und unter anderem Vizepräsident der Max-Planck-Gesellschaft.

Leben[Bearbeiten]

Weinert besuchte gegen Ende der 1940er Jahre die Lehrerbildungsanstalt Bamberg, an der er 1950 die Erste Prüfung für das Lehramt an Volksschulen ablegte. In der Folge wirkte er nach Absolvierung des zweiten Staatsexamens bis zum Ende der 1950er Jahre als Lehrer und Schulleiter an mehreren Volksschulen in Oberfranken, zuletzt als Ausbildungslehrer an der Pädagogischen Hochschule Bamberg. Parallel dazu begann er 1952 das Studium der Psychologie an der Universität Erlangen, das er 1955 mit dem Diplom abschloss Im Jahr 1958 wurde er zum Dr. phil. promoviert. 1960 erhielt er eine Assistentenstelle bei Hans Thomae an der Universität Bonn. 1966 habilitierte er sich dort mit einer Arbeit zu „Persönlichkeit und Lernen“. 1967 erfolgte ein Ruf als ordentlicher Professor für Psychologie an die Pädagogische Hochschule Bamberg. Auch nach seinem Wechsel nach Heidelberg wirkte er dort noch einige Jahre als Hochschullehrer bis zur Wiederbesetzung der Bamberger Professur.

Weinert wurde 1968 an die Universität Heidelberg berufen. Er besetzte dort den neu geschaffenen Lehrstuhl für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie. In diesen beiden Bereichen war er in den nachfolgenden Jahren als ordentlicher Professor und Institutsdirektor auch besonders wirkmächtig, besonders während der Studentenunruhen der 68er-Bewegung konnten er und Carl Friedrich Graumann durch persönlichen Einsatz dafür sorgen, dass der Lehrbetrieb aufrechterhalten blieb. Von 1975 bis 1979 war Weinert Dekan der Philosophischen Fakultät. Bedeutsam sind auch seine Verdienste als Mentor und seine Aktivitäten im Rahmen der Deutschen Forschungsgemeinschaft sowie der Max-Planck-Gesellschaft. In seiner Heidelberger Zeit erhielt er Rufe an die Universitäten Graz, Hamburg und Trier, die er aber alle ablehnte.

Im Jahr 1980 wurde er einer der Gründungsdirektoren des Max-Planck-Instituts für psychologische Forschung in München. Dort konnte er als Leiter und Wissenschaftliches Mitglied ein umfassendes Programm kognitionspsychologischer und entwicklungspsychologischer Forschung aufbauen. Von 1984 bis 1986 war er Präsident der Deutschen Gesellschaft für Psychologie.

Datei:Karl Oppenrieder Granitgrabmal.jpg
Grabdenkmal von Franz Emanuel Weinert

Franz Emanuel Weinert war katholisch, ab 1955 verheiratet mit Anne Weinert und hatte zwei Töchter (Barbara und Sabine). Er starb 2001 im Alter von 70 Jahren. Seine 1957 geborene Tochter Sabine Weinert wurde ebenfalls Psychologin.

Lehre und Wirkung[Bearbeiten]

Besonders wirkmächtig ist Weinerts Definition des Kompetenzbegriffs, die aus einem englischsprachigen Gutachten für die OECD zu Kompetenz-Begriffen und -Theorien heraus entstanden, aber dann nur auf Deutsch formuliert und unabhängig davon veröffentlicht worden ist.<ref>Franz E. Weinert (Hrsg.): Leistungsmessung in Schulen. Weinheim und Basel: Beltz, 2001: 27f.</ref> Dieser Kompetenzbegriff liegt der „Klieme-Expertise“ zugrunde und hat damit die Bildungsreform seit den 2000er Jahren in Deutschland maßgeblich geprägt.<ref>Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung Qualität, München: Kompetenz, mehr als nur Wissen</ref> In den zwei groß angelegten Münchner Längsschnittstudien LOGIK (Longitudinalstudie zur Genese individueller Kompetenzen) und SCHOLASTIK (Schulorganisierte Lernangebote und Sozialisation von Talenten, Interessen und Kompetenzen) wurde die komplexe Wechselwirkung zwischen kognitiven, motivationalen und sozialen Entwicklungsprozessen und pädagogischen Kontextmerkmalen von der frühen Kindheit bis zum Jugendalter untersucht. Zu Beginn der 1990er Jahre hat Weinert das Datenmaterial der von Kurt Gottschaldt 1937 begonnenen Längsschnittstudien mit ein- und zweieiigen Zwillingen neu aktiviert und fortgeführt; in dieser GOLD Studie (Genetisch orientierte Lebensspannenstudien zur differentiellen Entwicklung) konnte die Entwicklung von motivationalen, moralischen und sozialen Fähigkeiten über einen Zeitraum von über 60 Jahren verfolgt werden.

Ehrungen[Bearbeiten]

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • mit F. H. Simons und W. Essing: Schreiblehrmethode und Schreibentwicklung (= Theorie und Praxix der Schulpsychologie. Band 5). Beltz, Weinheim 1967.
  • als Hrsg.: Pädagogische Psychologie. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1968; 5. Auflage ebenda 1970.
  • mit anderen: Funk-Kolleg Pädagogische Psychologie. 2 Bände. Fischer, 1974.
  • als Hrsg. mit Bernhard Treiber: Lehr-Lern-Forschung. Urban & Schwarzenberg, München/Berlin 1981.
  • als Hrsg. mit Rainer H. Kluwe: Metakognition, Motivation und Lernen. Kohlhammer, Stuttgart 1982.
  • mit B. Treiber: Gute Schulleistungen für alle? Aschendorff. Münster 1985.
  • mit M. Waldmann: Intelligenz und Denken – Perspektiven der Hochbegabungsforschung. Verlag für Psychologie, Göttingen 1990.
  • als Hrsg. mit A. Helmke: Entwicklung im Grundschulalter. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1997.
  • als Hrsg.: Entwicklung im Kindesalter. Psychologie Verlags Union, Weinheim 1998.
  • als Hrsg. mit W. Schneider: Individual development from 3 to 12: Findings from the Munich Longitudinal Study. Cambridge University Press, New York 1999.
  • Konzepte der Kompetenz. OECD, Paris 1999.
  • als Hrsg.: Leistungsmessungen in Schulen. Beltz, Weinheim 2001.
  • als Hrsg.: Pädagogische Psychologie. Kiepenheuer & Witsch 1972 („Reihe Neue Wissenschaftliche Bibliothek“).
  • mit Sabine Weinert: Entwicklung, Lernen, Erziehung. In: Detlef Rost, Jörn Sparfeldt, Susanne Buch (Hrsg.): Handwörterbuch Pädagogische Psychologie. 5., überarbeitete und erweiterte Auflage. Beltz, Weinheim 2018, S. 127–140.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Franz Emanuel Weinert – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references/>

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