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Landesfunkhaus Niedersachsen

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(Weitergeleitet von Funkhaus Hannover)
Datei:Landesfunkhaus Hannover Eingang.jpg
Haupteingang zum Verwaltungsbau des Landesfunkhauses Niedersachsen

Das Landesfunkhaus Niedersachsen in Hannover,<ref name="HKuKL">Helmut Knocke, Hugo Thielen: Rud.-v.-Bennigsen-Ufer 22. In: Dirk Böttcher, Klaus Mlynek (Hrsg.): Hannover. Kunst- und Kultur-Lexikon (HKuKL), Neuausgabe, 4., aktualisierte und erweiterte Auflage, Springe: zu Klampen, 2007, ISBN 978-3-934920-53-8, S. 191</ref> anfangs auch Funkhaus Hannover genannt,<ref name="SLH NDR">Hugo Thielen: Norddeutscher Rundfunk. In: Stadtlexikon Hannover, S. 480f.</ref> ist ein Ensemble von Rundfunkgebäuden des Norddeutschen Rundfunks (NDR) im Bundesland Niedersachsen. Die weitläufige Baugruppe am Maschsee unter der Adresse Rudolf-von-Bennigsen-Ufer 22 in der Südstadt war der erste öffentliche Großbau nach dem Zweiten Weltkrieg in der niedersächsischen Landeshauptstadt. Sie besteht heute aus den vier Hauptteilen des Verwaltungsgebäudes mit dem Haupteingang am Maschsee, dem sogenannten Kleinen Sendesaal, dahinter und rechts davon der dominierenden Masse des Großen Sendesaals sowie der so elegant wie instabil wirkenden Betonnadel des Antennenturms. Foyer und Kleiner Sendesaal sollen zu den „schönsten Raumschöpfungen der 1950er Jahre in der Bundesrepublik Deutschland“ gehören.<ref name="HKuKL" />

Landesfunkhaus Niedersachsen ist daneben auch die Bezeichnung einer Direktion des NDR mit Sitz in Hannover, die verantwortlich ist für die niedersächsischen Landesprogramme und Studios des Senders.<ref>NDR-Organigramm 2022, abgerufen am 6. Mai 2022</ref>

Baubeschreibung[Bearbeiten]

Datei:NDR-Funkhaus broadcast station Rudolf-von-Bennigsen-Ufer Suedstadt Hannover Germany 01.jpg
Der 1963 fertiggestellte Große Sendesaal, darunter das Foyer, im Hintergrund die 46,21 Meter hohe, 1969 errichtete Betonnadel des Antennenturms
Datei:Aufführung des Konzerts für Klarinette und Orchester (2018) von Thorsten Encke mit der Klarinettistin Sharon Kam und der NDR Radiophilharmonie in Hannover am 11. Januar 2019, Konzert am Tag nach der Uraufführung (11).jpg
Konzert im Großen Sendesaal, 2019
Datei:Landesfunkhaus Hannover Foyer aussen.jpg
Blick in das Foyer, darüber der Große Sendesaal

Das Funkhaus Hannover entstand von 1949 bis 1952 als dreischiffige Baugruppe, in deren Mitte einzelne, durch Höfe getrennte Studiobauten nach dem Konzept einer „Funkfabrik“ errichtet wurden: Deren Teile sollten bei Bedarf jeweils einzeln erneuert werden können.<ref name="HKuKL" /> Architekten der Gebäudegruppe mit Sendesaal, Studios und Verwaltungsräumen waren Friedrich Wilhelm Kraemer, Gerd Lichtenhahn und Dieter Oesterlen.<ref name="Barke">Georg Barke, Wilhelm Hatopp (Bearb.): Funkhaus Hannover, in dies.: Neues Bauen in Hannover: Bauherren, Architekten, Baugewerbe, Bauindustrie berichten über Planung und Ausführung der Aufbaujahre 1948 bis 1954 (= Monographien des Bauwesens, Folge 23), Bd. 1, hrsg. vom Presseamt der Hauptstadt Hannover in Zusammenarbeit mit der Städtischen Bauverwaltung, Stuttgart: Aweg Verlag Max Kurz, 1955, S. 84ff.</ref>

Der zum Maschsee liegende dreigeschossige Verwaltungsbau zeigt sich als ruhige Lochfassade mit hellgelben Platten aus Keramik. Seine rechte Seite wird unregelmäßig betont durch den Haupteingang sowie den Aufsatz auf dem Dach. Ein lichtes Foyer mit einer Glaswand führt zu dem Schmuckhof, in dem die 1951 durch den Bildhauer Kurt Lehmann geschaffene Plastik Badende installiert ist.<ref name="HKuKL" />

Die Garderobe sowie der Kleine Sendesaal sind mit Stabhölzern schwingend-fließend verkleidet, teils mit farbigen Wellen, die Friedrich Wilhelm Kraemer als eine „Architektur der erstarrten Musik“ bezeichnete.<ref name="HKuKL" />

Der Große Sendesaal ist ein auf einem sechseckigen Grundriss aufsetzender weißer, als „Bassgeige“ gedachter Block, der scheinbar beweglich auf dem gläsernen Foyer aufliegt.<ref name="HKuKL" />

Lavespreis[Bearbeiten]

1954 wurde das Funkhaus Hannover mit dem Laves-Preis ausgezeichnet. Im Urteil der Jury hieß es:

„Die Aufgabe, in der Uferlandschaft des Maschsees einen Zweckbau zu errichten, ist in meisterhafter Leichtigkeit und unter Betonung des Studio-Charakters der Anlage gelöst worden.“

– Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Georg Barke, Wilhelm Hatopp: Neues Bauen in Hannover: Bauherren, Architekten, Baugewerbe, Bauindustrie berichten über Planung und Ausführung der Aufbaujahre 1948 bis 1954<ref name="Barke" />

Geschichte[Bearbeiten]

In Hannover konnten bereits zur Zeit der Weimarer Republik ab 1924 erste Radiosendungen vom NORAG-Nebensender Hannover aus einem Fabrikgebäude der Hanomag übertragen werden.<ref name="HKuKL" />

Nachdem Anfang Mai 1945 die Nordische Rundfunk AG (NORAG) mit Sitz in Hamburg in die Hände der Britischen Besatzungsmacht gelangt war, wurde 1946 ein neues hannoversches Rundfunkbüro im Anzeiger-Hochhaus eingerichtet. Die ersten Konzerte wurden dann aber aus den Gebäuden der Pädagogischen Hochschule übertragen.<ref name="SLH NDR" />

Am 1. Februar 1948 nahm der inzwischen gegründete Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) von Hannover aus einen regelmäßigen Sendebetrieb auf. Ab dem 1. März des Jahres wurden erstmals Konzerte des Niedersächsischen Symphonie-Orchesters unter der Leitung von Wilhelm Stephan gesendet sowie die anlässlich der zweiten Export-Messe neu gegründete Sendereihe Funkbilder aus Niedersachsen. Bald folgten weitere in Hannover produzierte Sendereihen wie etwa der Landfunk.<ref name="SLH NDR" />

Ab Ende 1948 begannen die Planungen für ein eigenständiges Funkhaus in Hannover, Ausdruck der Kulturhoheit des neu gegründeten Landes Niedersachsen. Den Standort für die zu errichtenden Gebäude hatte der damalige hannoversche Stadtbaurat Rudolf Hillebrecht durchgesetzt, der damit ein maßgebendes Vorbild für die zukünftige am Maschsee zu errichtende aufgelockerte Uferbebauung geben wollte. Nach einem Architekturwettbewerb verschmolzen die eingereichten Entwürfe der Architekten Friedrich Wilhelm Kraemer, Gerd Lichtenhahn und Dieter Oesterlen unter Federführung von Kraemer. Ihnen gemeinsam lag das Konzept eines Gegenbildes zur Architektur des Dritten Reiches zugrunde. Zugleich wandten sich die Entwürfe von der radikalen Moderne des Neuen Bauens ab.<ref name="HKuKL" />

Unterdessen war 1949 Franz B. Zons erster Direktor des hannoverschen Funkhauses geworden,<ref name="SLH NDR" /> während der neue Gebäudekomplex gerade im Entstehen begriffen war.<ref name="HKuKL" /> Ebenfalls 1949 wurden die Sender des NWDR unabhängig und die Rundfunkgebühren zur Zahlung an die Deutsche Bundespost eingeführt.<ref name="SLH NDR" />

Im Jahr der Gründung der ARD 1950 wurde auch das Funkhaus Hannover fertiggestellt, das am 20. Januar 1951 mit seinen technischen Innovationen feierlich eingeweiht wurde<ref name="SLH NDR" /> und sogleich als das modernste Funkhaus in Europa galt.<ref name="HAZ Fotoarchiv Denkmalschutz 5">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.kommentierte Fotografie (Memento vom 25. Juli 2016 im Internet Archive) auf der Seite der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung (o. D.), zuletzt abgerufen am 25. Juli 2016</ref><ref group="Anm.">Abweichend nennt die Untertitelung des Fotos das Datum 1952 als Jahr der Eröffnung des Funkhauses</ref>

Ebenfalls ab 1952 sendete das Funkhaus Hannover die Konzerte Junger Künstler,<ref name="SLH NDR" /> die Margarethe Gehrig bereits 1949 initiiert hatte.<ref>Drucksache Nr. 2595/2010 … der Landeshauptstadt Hannover vom 17. Dezember 2010 auf der Seite e-government.hannover-stadt.de, zuletzt abgerufen am 25. Juli 2016</ref>

1954 wurden die Redaktionen der Sendungen Kulturelles Wort sowie Kirchenwort von Hamburg nach Hannover verlegt.<ref name="SLH NDR" />

Nach der Teilung des NWDR 1955 in den NDR mit Sitz in Hamburg und den Westdeutschen Rundfunk (WDR) mit Sitz in Köln wurde per Staatsvertrag zum 1. Januar 1956 der NDR als Drei-Länder-Anstalt eingerichtet mit Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Doch erst zum Beginn des Jahres 1958 wurde die Redaktion im Funkhaus Hannover eingerichtet.<ref name="SLH NDR" />

In den Jahren von 1960 bis 1963<ref name="HKuKL" /> entstand nach Plänen des Architekten Dieter Oesterlen der Anbau des Großen Sendesaales, der dann feierlich eingeweiht und zur Spielstätte des mittlerweile zur NDR Radiophilharmonie erweiterten Rundfunkorchesters wurde. Der Große Sendesaal diente zudem ab 1964 der Aufführung der sogenannten „Abonnentskonzerte“.<ref name="SLH NDR" />

Nachdem Schleswig-Holstein den Staatsvertrag 1978 gekündigt hatte und – nach juristischen Auseinandersetzungen – zum 1. Januar 1981 ein neuer Staatsvertrag geschlossen worden war, erhielt das Funkhaus Hannover seinen neuen Namen Landesfunkhaus Niedersachsen.<ref name="SLH NDR" />

Laut dem früheren Präsidenten des Niedersächsischen Landesamtes für Denkmalpflege, Stefan Winghart, wurde das Landesfunkhaus 1989 unter Denkmalschutz gestellt.<ref name="HAZ Fotoarchiv Denkmalschutz 5" />

Persönlichkeiten (unvollständig)[Bearbeiten]

Leiter und Direktoren[Bearbeiten]

Leiter beziehungsweise Direktoren des NORAG-Nebensenders Hannover, ab 1948 des Funkhauses Hannover und ab 1981 des Landesfunkhauses Niedersachsen waren oder sind

Weitere Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): 60 Jahre Rundfunk in Hannover. 1924–1984, Katalog mit Beiträgen zur gleichnamigen Ausstellung im Historischen Museum am Hohen Ufer, Hannover: Historisches Museum am Hohen Ufer, 1984; Inhaltsverzeichnis
  • Wolfram Köhler (Hrsg.): Das Funkhaus Hannover. Beiträge zur Geschichte des Rundfunks in Niedersachsen, berücksichtigt auch Musiksendungen und Musikpflege des Senders und enthält ein Kapitel vom Rundfunkorchester, Hannover: Schlütersche Verlagsgesellschaft, 1987, ISBN 3-87706-227-X; Inhaltsverzeichnis
  • Dieter Oesterlen: Über den Bau des Funkhauses in Hannover (1949–1963). Aus der Erinnerung eines beteiligten Architekten, in Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.): 60 Jahre Rundfunk in Hannover. 1924–1984 (164 Seiten mit zahlreichen Illustrationen), Beiträge zur Ausstellung im Historischen Museum am Hohen Ufer, Hannover: Historisches Museum am Hohen Ufer, 1984, S. 154f.
  • Hans-Ulrich Wagner: Hamburgs „Kleines Haus“: Das Funkhaus Hannover, in ders. Peter von Rüden (Hrsg.): Die Geschichte des Nordwestdeutschen Rundfunks, Bd. 1, 1. Auflage, Hamburg: Hoffmann und Campe, 2005, ISBN 978-3-455-09530-2 und ISBN 3-455-09530-5
  • Hugo Thielen: Norddeutscher Rundfunk. In: Klaus Mlynek, Waldemar R. Röhrbein (Hrsg.) u. a.: Stadtlexikon Hannover. Von den Anfängen bis in die Gegenwart. Schlütersche, Hannover 2009, ISBN 978-3-89993-662-9, S. 480f.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Landesfunkhaus Niedersachsen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten]

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Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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Koordinaten: 52° 21′ 38,5″ N, 9° 44′ 30,3″ O

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