Reusenfallen-Arten sind wurzellose, rosettenförmige, einjährige oder mehrjährige krautige Pflanzen. Die Blattrosetten haben einen Durchmesser von 1 bis 8 Zentimetern, die Blütenstände sind bis 50 cm hoch. Ein erheblicher Teil der Blätter wächst unterirdisch und dient dem Beutefang.
Zwei Blatttypen sind zu unterscheiden, nämlich die oberirdischen assimilierenden grünen Blätter und die bleichen, wurzelähnlich aussehenden unterirdischen Fallen, die Reusenblätter („Rhizophylle“).
Die oberirdischen Blätter stehen in einer Rosette, sind hellgrün und 3 bis 50 Millimeter lang. Sie sind meist spatelförmig, vereinzelt spatelförmig-verkehrt-eiförmig; ihre Oberfläche ist glatt und ohne sichtbare Nervatur. Bei manchen Arten wie zum Beispiel Genlisea aurea sind die Blätter mit einem schleimigen Sekret überzogen, dessen Funktion noch unklar ist.
Die Fallen sind eigentlich unterirdische Blätter, sogenannte Rhizophylle, also von einem Rhizom ausgehende Blätter. Die Pflanzen locken ihre Beute wahrscheinlich durch chemische Lockstoffe an, die von den Rhizophyllen abgegeben werden. Bei der Beute handelt es sich um Wimpertierchen, Fadenwürmer und andere kleine Bodenbewohner. Arten mit größeren Blasen erbeuten aber auch Strudelwürmer und Wenigborster.
Die Rhizophylle haben die Form eines umgedrehten Ypsilons, wobei die beiden Arme jeweils korkenzieherartig verdreht sind; entlang des „Gewindes“ sind schlitzförmige Öffnungen verteilt. Zuvor aber verdickt sich der Stiel nach mehreren Millimetern in eine Blase, die die Funktion eines Verdauungsorgans hat. Zwischen den Gewinden und der weiter oben gelegenen Blase ist das Rhizophyll hohl und in Kammern unterteilt, die durch gerichtete Härchen voneinander getrennt sind. Die gerichteten Härchen erlauben den einmal durch die Öffnung eingedrungenen Beutetieren nur die Bewegung in Richtung der Blase, daher der deutsche Name „Reusenfalle“. In der Blase und auch in der übrigen Falle sitzen Drüsen, die der Verdauung der Beute dienen. Es ist unklar, warum die gelösten Nährstoffe nicht wieder aus der Falle heraussickern; vermutet wurden unter anderem schwache Unterdrücke, die die Fallen wie Pumpen wirken lassen würden.
Die bereits von Charles Darwin vermutete Karnivorie der Gattung Genlisea wurde erst 1998 definitiv belegt.
Die Blütenstandsschäfte ragen mit bis zu 50 Zentimetern Höhe wie bei allen Karnivoren weit über die Pflanze selbst hinaus. An ihrem Ende tragen sie traubenförmige Blütenstände mit bis zu vier Blüten.
Die zwittrigen Blüten sind zygomorph. Die Blüten sind meist violett oder (bei einigen amerikanischen Arten) gelb und gespornt.
Die Früchte sind kleine runde Kapselfrüchte. Die Art, wie die Früchte sich öffnen, um die Saat freizugeben, die Dehiszenz, dient als Unterscheidungsmerkmal der beiden Untergattungen (siehe unten): Die Kapselfrüchte von Arten der Untergattung Tayloria öffnen sich entlang länglicher Schlitze, bei den Kapselfrüchte der Untergattung Genlisea hingegen hebt sich die Spitze der Kapselfrucht am Ende eines spiralförmigen Einschnitts ab. In den Früchten sind einige wenige kleine Samen enthalten. Die Samen sind nur kurze Zeit keimfähig.
Genlisea-Arten gedeihen in den Tropen. Ihre Verbreitungsgebiete sind gleichmäßig zum einen Afrika und Madagaskar sowie zum anderen Mittel- und Südamerika. Die Untergattung Tayloria (siehe unten) ist dabei in ihren Vorkommen auf Ostbrasilien beschränkt. Keine der Arten kommt auf beiden Kontinenten vor. Anders als bisher angenommen, ist diese evolutionäre Trennung nicht auf das Auseinanderdriften der früher zusammengehörigen Kontinente zurückzuführen (Gondwanatheorie), sondern auf nachträgliche Verbringung einer Stammform von Afrika nach Südamerika.
Das Zentrum der Vorkommen in der Neotropis ist der Nordosten Südamerikas, hier vor allem Brasilien. Von den elf amerikanischen Arten finden sich dort neun, davon vier als Endemiten. Im benachbarten Venezuela sind sieben Arten beheimatet, zwei endemisch. Nebenvorkommen finden sich in Guyana, Kolumbien, Bolivien und Paraguay, nach Norden hin strahlt die Gattung über Zentralamerika (Honduras) noch bis zu den Inseln Trinidad und Kuba aus.
Alle Arten besiedeln hauptsächlich extreme, nährstoffarme und humusarme, feuchte bis nasse Standorte vor allem auf Inselbergen und Ferricreten (Eisenkrustenböden), in denen sie häufig gemeinsam mit anderen Karnivoren (insbesondere Wasserschläuchen und Sonnentauen), aber auch Vertretern der Eriocaulaceae, Xyridaceae und Burmanniaceae vorkommen. Daneben finden sich Reusenfallen aber gelegentlich auch in Weißsandsavannen oder Sümpfen, einige wenige semi-aquatische Arten wie Genlisea repens bevorzugen Gewässerränder als Lebensraum.
Da die Inselbergareale, in denen die meisten Arten beheimatet sind, seltene Lebensräume darstellen, sind die Arten zwar selten, sie sind jedoch nicht als bedroht anzusehen.
Die Gattung Genlisea wurde 1883 durch Auguste Saint-Hilaire in Voyage dans le District des Diamans, 2, S. 428 aufgestellt.<ref name="WCSP" /> Der botanische Gattungsname Genlisea ehrt die französische Schriftstellerin Félicité de Genlis (Stéphanie Félicité du Crest de Saint-Aubin, Comtesse de Genlis, Marquise de Sillery) (1746–1830).<ref name="Burkhardt2018" />
Die GattungGenlisea umfasst etwa 29 Arten. Sie wird nach Fleischmann 2012 in zwei Untergattungen gegliedert: Tayloria und Genlisea. Die letztere wird wiederum in drei Sektionen geteilt wie folgt:<ref name="Fleischmann2012" />
Hier die Liste der Arten und ihre Verbreitung nach WCSP:<ref name="WCSP" />
Untergattung Genlisea: Es gibt drei Sektionen:
Sektion RecurvataeDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.Fleischm., Kai Müll., Barthlott & Eb.Fisch.: Die drei Arten kommen in Afrika und Madagaskar vor:
Genlisea stapfiiDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.Chev.: Sie kommt im westlichen und westlich-zentralen tropischen Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea africanaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Oliv.: Sie kommt von Guinea bis Liberia und vom westlichen Tansania bis zum südlichen tropischen Afrika vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea guianensisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.N.E.Br.: Sie kommt vom östlichen Bolivien bis Brasilien und vom südöstlichen Venezuela bis zum westlichen Guayana vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea nigrocaulisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Steyerm.: Sie kommt vom südlichen Venezuela bis Guayana und dem zentralen Brasilien vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea pygmaeaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A.St.-Hil.: Sie kommt vom südöstlichen Kolumbien bis zum südlichen Venezuela und im zentralen Brasilien vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea tuberosaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rivadavia, Gonella & A.Fleischm.: Sie kommt im zentralen und östlichen Brasilien vor.<ref name="WCSP" />
Untergattung TayloriaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Fromm) Eb.Fisch., Porembski & Barthlott: Die etwa acht Arten kommen nur in Brasilien vor:
Genlisea flexuosaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rivadavia, A.Fleischm. & Gonella: Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor.<ref name="WCSP" />
Genlisea nebulicolaDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Rivadavia, Gonella & A.Fleischm.: Sie kommt im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais vor.<ref name="WCSP" />
Mit 63,4 Mbp für Genlisea margaretae bzw. 63,6 Mbp für Genlisea aurea enthält die Gattung die beiden Arten mit den kleinsten bekanntesten Genomen aller bedecktsamigen Pflanzen. Bemerkenswert ist auch die Größe der einzelnen Chromosomen, die sich mit 2,1 Mbp für Genlisea aurea in den Größenordnungen von Bakterien bewegen.<ref name="Greilhuber2006" />
Ab den frühen 1990er Jahren kamen die ersten Arten bei Karnivorenliebhabern vereinzelt in Kultur. Ähnlich wie ihre Verwandten, die Wasserschläuche, führen sie in entsprechenden Sammlungen jedoch meist ein Schattendasein. Ansonsten wird die Gattung vom Menschen nicht genutzt.
Barry A. Meyers-Rice: Are Genlisea traps active? A crude calculation. In: Carnivorous Plant Newsletter. Band 23, Nr. 2, 1994, ISSN0190-9215, S. 40–42, (sarracenia.com)
Kai Müller, Thomas Borsch, Laurent Legendre, Stefan Porembski, Inge Theisen, Wilhelm Barthlott: Evolution of Carnivory in Lentibulariaceae and the Lamiales. In: Plant Biology. Band 6, Nr. 4, 2004, ISSN0894-4563, S. 477–490, doi:10.1055/s-2004-817909.
Wilhelm Barthlott, Stefan Porembski, Rüdiger Seine, Inge Theisen: Karnivoren. Biologie und Kultur fleischfressender Pflanzen. Ulmer, Stuttgart 2004, ISBN 3-8001-4144-2.
Wilhelm Barthlott, S. Porembski, E. Fischer, B. Gemmel: First protozoa-trapping plant found. In: Nature. Band 392, Nr. 6675, 1998, S. 447. doi:10.1038/33037. PMID 9548248.
J. Greilhuber, T. Borsch, K. Müller, A. Worberg, S. Porembski, W. Barthlott: Smallest angiosperm genomes found in Lentibulariaceae, with chromosomes of bacterial size. In: Plant Biology. Band 8, 2006, S. 770–777. doi:10.1055/s-2006-924101.
Andreas Fleischmann: Monograph of the Genus Genlisea. Redfern Natural History Productions, Poole 2012, ISBN 978-1-908787-00-2.
<references>
<ref name="WCSP">
Vorlage:WCSP
</ref>
<ref name="Fleischmann2012">
Andreas Fleischmann: Monograph of the genus Genlisea. Redfern Natural History Productions Ltd., Poole 2012, ISBN 978-1-908787-00-2, S. 266–272.
</ref>
<ref name="Greilhuber2006">
Johann Greilhuber, Thomas Borsch, Kai Müller, Andreas Worberg, Stefan Porembski, Wilhelm Barthlott: Smallest Angiosperm Genomes Found in Lentibulariaceae, with Chromosomes of Bacterial Size. In: Plant Biology. Band 8, Nr. 6, 2006, S. 770–777, doi:10.1055/s-2006-924101.
</ref>
<ref name="Burkhardt2018">
Lotte Burkhardt: Verzeichnis eponymischer Pflanzennamen. Erweiterte Edition. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin, Freie Universität Berlin, Berlin 2018. (bgbm.org)
</ref>
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Wilhelm Barthlott, Stefan Porembski, Eberhard Fischer, Björn Gemmel: First protozoa-trapping plant found. In: Nature. Band 392, Nr. 6675, 1998, S. 447, doi:10.1038/33037.