Gossensaß
| Gossensaß | ||||||||
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Italienische Bezeichnung: Colle Isarco | ||||||||
| Blick auf Gossensaß in Richtung Südost | ||||||||
| Staat | Italien | |||||||
| Region | Trentino-Südtirol | |||||||
| Provinz | Südtirol (BZ) | |||||||
| Gemeinde | Brenner | |||||||
| Koordinaten | 46° 56′ N, 11° 27′ O
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| Höhe | 1098 m s.l.m. | |||||||
| Einwohner | 1.150 () | |||||||
| Demonym | Gossensaßer | |||||||
| Telefonvorwahl | 0472 | CAP | 39041 | |||||
Gossensaß (italienisch Colle Isarco) ist der Hauptort der Marktgemeinde Brenner und das erste Dorf südlich des Brennerpasses in Südtirol (Italien). Gossensaß liegt im Wipptal auf 1098 m s.l.m. nördlich der Stadt Sterzing sowie am Ausgang des Richtung Westen abzweigenden Pflerschtals. Die Fraktion hat rund 1150 Einwohner und wird vom Eisack durchflossen, der nahe dem Dorfzentrum auf den Pflerscher Bach trifft.
Geschichte[Bearbeiten]
Der Name Gossensaß kommt möglicherweise von Gotzen, was Knappen bedeutet und Saß, was Sitz, Wohnsitz bedeutet. Andere interpretieren den Namen Gossensaß als „Gotensitz“. Nach einer anderen Theorie bezeichnete der Name ursprünglich den Sitz eines bajuwarischen Sippenoberhauptes namens Gozzo<ref>Josef Rampold: Eisacktal, Südtiroler Landeskunde in Einzelbänden, Band 5, Bozen 1977, Athesia, S. 50.</ref>.
Das Dorf wurde 1204 das erste Mal urkundlich als „Gozzensaze“ erwähnt.<ref>Franz Huter (Bearb.): Tiroler Urkundenbuch. Die Urkunden des Vinschgaus und des deutschen Etschlandes. Band I/2. Innsbruck: Wagner 1949, Nr. 740. Dazu Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte. Band 1. Bozen: Athesia 1991. ISBN 88-7014-634-0. S. 133.</ref> Im Gesamturbar Graf Meinhards II. von 1288 wird landesfürstlicher Besitz „ze Gozzensaz“ verzeichnet.<ref>Oswald Zingerle: Meinhards II. Urbare der Grafschaft Tirol (= Fontes rerum Austriacarum. 2. Abt., Band 45/1). Wien: Tempsky 1890, Abschn. X, Nr. 59.</ref> Zu dieser Zeit lebten hier nur Bauern und Handwerker. Anfang des 15. Jahrhunderts fand man im benachbarten Pflerschtal Eisen- und Silbererz. Dies lockte viele Bergleute aus ganz Europa nach Gossensaß. Die erste Blütezeit von Gossensaß hat damit begonnen. Die Bürger von Gossensaß kamen durch das Silber und das Eisen zu großem Wohlstand. Zu Ehren der Schutzpatronin der Bergleute wurde die Barbarakapelle mit einem aufwändigen und teuren Flügelaltar gebaut. Sie fand ihren Platz neben der Pfarrkirche, welche dem Hl. Georg geweiht war. Ende des 16. Jahrhunderts war jedoch der Großteil der Erze aufgebraucht und Gossensaß und Pflersch versanken wieder in Bedeutungslosigkeit.
Anfang des 19. Jahrhunderts begann die zweite Blütezeit mit dem Nobeltourismus. In Brennerbad, nördlich von Gossensaß fand man warme Thermalwasserquellen, die Zachariasquellen. In Gossensaß wurden Nobelhotels – wie das Grandhotel Gröbner und das Palasthotel (Wielandhof) – gebaut, um den Tourismus zu fördern. Das Grandhotel Gröbner brannte 1945 nach einer Explosion von amerikanischer Munition vollständig ab, das Palasthotel hat erst 2004 nach fast 40-jährigem Dornröschenschlaf seine Tore wieder für Gäste geöffnet.
Der wohl bekannteste Gast war der Schriftsteller Henrik Ibsen. Gossensaß wurde neben Meran zu einem der wichtigsten Kurorte für Touristen. Im Jahr 1908 wurde Gossensaß vom österreichischen Kaiser Franz Joseph I. zur Marktgemeinde erhoben.
Die Nobeltouristenzeit dauerte bis zum Ersten Weltkrieg und der Teilung Tirols. Dann begann die Zeit des Faschismus unter italienischer Herrschaft. Im Jahr 1929 wurde die zuvor eigenständige Gemeinde Gossensaß mit den Nachbargemeinden Brenner und Pflersch zur heutigen Gemeinde Brenner mit Sitz in Gossensaß zusammengelegt.<ref name=comunebrennero>Website der Gemeinde Brenner</ref>
Aus der Zeit des Faschismus stammt ein am nördlichen Ortsrand gelegenes italienisches Beinhaus. Das Denkmal ist wegen seines Symbolgehaltes umstritten, zumal keiner der dort beigesetzten Soldaten des Ersten Weltkrieges vor Ort gefallen war. Die hierher umgebetteten Gebeine stammten aus verschiedenen, zum Teil auch weit entfernten Soldatenfriedhöfen. Zudem finden sich im Ort und in der näheren Umgebung zahlreiche Befestigungsanlagen des Vallo Alpino, die zwischen 1938 und 1942 entstanden und zu einem geringen Teil nach 1945 fertiggestellt wurden.
Von November 1944 bis Mai 1945 bestand in Gossensaß ein KZ-Außenlager des Durchgangslagers Bozen.<ref>Giuseppe Paleari, Carla Giacomozzi: Historische Forschungsarbeit anhand mündlicher Quellen: Der Fall der Außenlager des Durchgangslagers Bozen. (PDF) In: gemeinde.bozen.it. Archiviert vom Vorlage:IconExternal am 16. Februar 2015; abgerufen am 16. September 2026.</ref> In den letzten Kriegswochen 1945 schlug der Befehlshaber der Sicherheitspolizei und des SD in Italien, SS-Gruppenführer Wilhelm Harster, im Ort sein Quartier auf.<ref>Gerald Steinacher: Dolmetscher, Spione und Mörder: Südtiroler im Sicherheitsdienst des Reichsführers SS in Italien 1943–45. In: Geschichte und Region / Storia e Regione. Nr. 22/1 (2013), S. 123–124.</ref> Am 4. Mai 1945 trafen sich in Gossensaß und am Brenner die Truppen der 5. und 7. US-Armee.<ref>4. Mai 1945: Treffen der 5. und 7. US-Armeen in Gossensaß und am Brenner. In: uibk.ac.at. Universität Innsbruck Institut für Zeitgeschichte, abgerufen am 17. September 2026.</ref>
Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam der Tourismus nicht wieder in Schwung. Seit dem Bau der A22 bestimmt der Gossensaß-Viadukt das Ortsbild.
Kultur[Bearbeiten]
Sehenswert in Gossensaß ist die barocke Pfarrkirche, ursprünglich eine Filialkirche der Marienpfarrkirche Sterzing. Die ältere Kirche zum Hl. Georg, der 1456 der Brixner Bischof Nikolaus von Kues ein Ablassprivileg erteilte<ref>Johannes Helmrath, Thomas Woelki (Hrsg.): Acta Cusana. Quellen zur Lebensgeschichte des Nikolaus von Kues. Band II, Lieferung 4. Felix Meiner Verlag, Hamburg 2018. ISBN 978-3-7873-3344-8, S. 1247, Nr. 4788.</ref>, wurde 1750 teilweise abgerissen. Der Tiroler Franz de Paula Penz wurde Baumeister der neuen Kirche. Sie wurde 1769 fertiggestellt und ist der „Maria unbefleckte Empfängnis“ geweiht. Die Deckenfresken sind ein Werk von Matthäus Günther (1751) aus Augsburg. Gleich neben der Pfarrkirche findet sich die zweigeschoßige Barbara-Kapelle (erbaut um 1510) mit ihrem spätgotischen Flügelaltar. Erbaut wurde sie von Lienhard Pfarrkircher, der Flügelaltar kommt von der bayrisch-salzburgischen Donauschule und zwar von Matthias Stöberl von Sterzing (?) um 1490 (Öl auf Holz, je 58,5 × 45 cm). Im Untergeschoß befindet sich eine Gruft, welche als Totenkapelle fungiert.
Weitere Sehenswürdigkeiten sind die alten Knappenhäuser mit den Erzstufen oberhalb der Haustore sowie das Ibsenmuseum im Rathaus.
Die Ortschaft erfuhr eine Erwähnung in einem Schüttelreim in Wendelin Überzwerchs Buch „Aus dem Ärmel geschüttelt“:
<poem style="margin-left:2em;"> Ein Auto fuhr durch Gossensaß, Und kam in eine Soßengass, So dass die ganze Gassensoß Sich über die Insassen goss. </poem>
Der Sage nach stammt Wieland der Schmied, eine Gestalt der germanischen Heldensage, aus Gossensaß.
Wirtschaft[Bearbeiten]
Früher war der Ort ein wichtiger Rastplatz. Um den Brennerpass zu überwinden, wurden hier den Wagen zusätzliche Zugtiere vorgespannt. Aufgrund der Nutzung der Silbergruben im 15. und 16. Jahrhundert erlebte der Ort eine wirtschaftliche Blüte, welche nach dem Niedergang des Bergbaus nicht mehr erreicht wurde, auch nicht als Anfang des 19. Jahrhunderts die Zeit des Nobeltourismus anbrach. 1867 wurde der Bahnhof Gossensaß der Brennerbahn eröffnet. Der Tourismus spielt vor allem im Winter eine große Rolle. Der Ort profitiert heutzutage sehr von dem kleinen, nur wenige Minuten entfernten Skigebiet Ladurns. Im Gegensatz dazu wurde das Skigebiet Hühnerspiel direkt in Gossensaß 1991 stillgelegt.
Verkehr[Bearbeiten]
Gossensaß wird von der SS 12, der Radroute 1 „Brenner–Salurn“ und der Brennerbahn, die hier am Bahnhof Gossensaß eine Zugangsstelle bietet, durchquert. Die A22 überquert die Ortschaft durch den Gossensaß-Viadukt.
Bildung[Bearbeiten]
In Gossensaß gibt es eine Grundschule und eine Mittelschule für die deutsche Sprachgruppe, sowie eine Grundschule für die italienische Sprachgruppe.
Gemeindepartnerschaft[Bearbeiten]
Mit Seefeld in Oberbayern besteht eine Gemeindepartnerschaft.
Persönlichkeiten[Bearbeiten]
- Wolfgang Gröbner (* 1899 in Gossensaß; † 1980), österreichischer Mathematiker
- Karl Schadelbauer (* 1903 in Gossensaß; † 1972), österreichischer Mediziner, Historiker und Archivar
Siehe auch[Bearbeiten]
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />