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Bildungs- und Tagungszentrum Springe

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Datei:HVHS Springe.jpg
Bildungs- und Tagungszentrum Springe

Das Bildungs- und Tagungszentrum Springe (HVHS Springe) ist eine Bildungseinrichtung im niedersächsischen Springe am Deister. Die Einrichtung ist als Heimvolkshochschule eine anerkannte Einrichtung der Erwachsenenbildung in Niedersachsen und in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins organisiert.

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung in der Weimarer Republik ab 1925[Bearbeiten]

In den ersten Jahren der Weimarer Republik entwickelten verschiedene hannoversche Gruppen der Sozialistischen Arbeiter-Jugend (SAJ) den Plan, ein eigenes Gruppen- und Bildungshaus einzurichten. Zu diesem Zweck erwarb die SAJ am Stadtrand von Springe auf dem Ebersberg ein größeres Grundstück mit einem vorhandenen Gebäude. Die Mitglieder der SAJ beteiligten sich selbst am Ausbau des Geländes und des Hauses. Sie rodeten Teile des Waldes und legten eine Wasserleitung von einer nahe gelegenen Quelle zum Gebäude. Die erste Ausbauphase konnte 1925 abgeschlossen werden.<ref name=":0">Christian Zett: Aus den Klauen der Nazis befreit. Neue Deister-Zeitung, Springe 1. August 2017.</ref><ref name=":1">Woher wir kommen. Bildungs- und TagungsZentrum HVHS Springe e.V., abgerufen am 17. August 2026.</ref>

Die Einrichtung diente der gemeinsamen Bildung und Freizeitgestaltung der Jugendlichen. Ziel war ein selbstverwaltetes Zusammenleben, das politische und gesellschaftliche Bildung mit gemeinschaftlichen Aktivitäten verband. Ab 1929 trug die Einrichtung den Namen Victor-Adler-Heim, benannt nach dem österreichischen Sozialisten Victor Adler.<ref name=":0" />

Datei:HVHS Springe - Stein der SAJ.png
Felsstein mit der Aufschrift „SAJ“ aus den 1920er Jahren. Die Rückseite trägt eine im Nationalsozialismus angebrachte „BDM“-Aufschrift.

Zur Ausstattung des Geländes gehörte ein Felsbrocken, in den die Buchstaben „SAJ“ eingemeißelt worden waren. Der Stein steht bis heute auf dem Gebäude und verweist auf die Trägerschaft und politische Ausrichtung der Einrichtung.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Zeit des Nationalsozialismus (1933 bis 1945)[Bearbeiten]

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde das Heim gewaltsam besetzt und die SAJ nach einer Enteignung aus der Einrichtung verdrängt. Zuvor wurde der Felsbrocken so gedreht, dass die Aufschrift „SAJ“ nicht mehr sichtbar war. Auf der nun sichtbaren Seite wurde anschließend die Abkürzung „BDM“ für den Bund Deutscher Mädel eingemeißelt.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Das Gebäude wurde zunächst als Jugendlager im Rahmen des Landjahrs und später als Gebietsführerschule der Hitlerjugend genutzt. Ab 1943 wurde das Haus der Landesversicherungsanstalt zur Verfügung gestellt und diente dem Friederikenstift als Ausweichkrankenhaus.<ref name=":0" />

Neubeginn nach 1945[Bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte die SPD die Einrichtung von der Landesversicherungsanstalt zurückkaufen. Ab Januar 1948 wurde das Haus zunächst wieder als Bildungseinrichtung der SPD genutzt. In den folgenden Jahren wurde das Bildungsangebot über die parteiinterne Bildungsarbeit hinaus erweitert, sodass die HVHS heute ausdrücklich nicht mehr nur an die SPD gebunden ist. Es entstanden auch Angebote für Gewerkschaftsaktive und Arbeitnehmende. Seit 1950 besteht die Anerkennung als Heimvolkshochschule. Die Straße in Springe, an der sich die Heimvolkshochschule befindet, wurde in der Nachkriegszeit nach dem Sozialdemokraten Kurt Schumacher benannt.<ref name=":0" />

Von 1951 bis 1954 leitete Erna Blencke die Einrichtung. Die aus dem amerikanischen Exil zurückgekehrte Sozialistin war zuvor im Umfeld des Philosophen Leonard Nelson und des Internationalen Jugend-Bundes tätig gewesen.<ref name=":0" /><ref name=":1" />

Im Jahr 2023 gründete sich mit dem Freundschaftskreis HVHS Springe e.V. ein Förderverein, der die Einrichtung laut eigener Aussage mit „Veranstaltungen, Sachspenden und Ideen“ unterstützt.<ref>Freundschaftskreis HVHS Springe e.V. - Über uns. Abgerufen am 20. September 2026.</ref> Im August 2026 feierte die HVHS Springe ihr 100-jähriges Bestehen.<ref>Stephan Klecha: Bildung bekommt ein Zuhause: Vom SAJ-Heim zur Heimvolkshochschule Springe. 1. Auflage. zuKlampen! Verlag, Springe 2026, ISBN 978-3-9873707-4-8.</ref>

Ausstattung und Personal[Bearbeiten]

An der Heimvolkshochschule Springe arbeiten 44 Mitarbeitende. Dazu gehören fest angestellte Dozierende sowie Beschäftigte in den Bereichen Technik, Hauswirtschaft, Verwaltung und Küche.<ref name=":0" /> Für Teilnehmende mit Kindern kann bei Bedarf eine Kinderbetreuung organisiert werden. Dadurch soll auch Eltern die Teilnahme an mehrtägigen Veranstaltungen und Bildungsangeboten ermöglicht werden.<ref name=":2">Gast sein. Bildungs- und Tagungszentrum HVHS Springe e.V., abgerufen am 17. August 2026.</ref>

Für Übernachtungen stehen 98 Zimmer mit insgesamt 130 Betten zur Verfügung. Zur Einrichtung gehören außerdem gastronomische Angebote und eine eigene Kneipe. Zu den Freizeitangeboten zählen eine Kegelbahn, ein Tischtennisraum, ein Sportplatz, ein Außenschachfeld und eine Sauna.<ref name=":0" /><ref name=":2" /><ref name=":3">HVHS in Springe. Niedersächsischer Landesverband der Heimvolkshochschulen e.V., abgerufen am 17. August 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>

Die HVHS umfasst sechs Gebäude, von denen fünf nach Persönlichkeiten aus der Geschichte der Arbeiterbewegung benannt sind: Victor Adler, Erna Blencke, Otto Brenner, Kurt Schumacher und Anna Zammert. Das sechste Gebäude trägt den Namen „Atrium“.<ref>Willkommen bei uns! Bildungs- und Tagungszentrum HVHS Springe e.V., Springe (hvhs-springe.de [PDF]).</ref>

Bedeutung[Bearbeiten]

Die Heimvolkshochschule Springe zählt jährlich mehr als 1.000 Gäste und Teilnehmende. Sie veranstaltet Tagungen, Seminare und Diskussionsveranstaltungen und richtet sich insbesondere an Personen, die gesellschaftliche, politische oder betriebliche Verantwortung übernehmen oder bereits wahrnehmen. Zu den Zielgruppen gehören unter anderem Mitglieder von Betriebsräten und Jugend- und Auszubildendenvertretungen, Kommunal- und Landesparlamenten, Parteien und Verbänden. Bei der Bildungsarbeit kooperiert die Heimvolkshochschule unter anderem mit der SPD, den Gewerkschaften des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) und dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben.<ref name=":0" /><ref name=":3" /><ref>Bildung bei uns. Bildungs- und Tagungszentrum HVHS Springe e.V., abgerufen am 17. August 2026.</ref>

Bildungsurlaub[Bearbeiten]

Mit der Einführung des Bildungsurlaubsgesetzes in Niedersachsen im Jahr 1975 erweiterten sich die Möglichkeiten der HVHS zur Durchführung von Veranstaltungen der politischen Bildung. Der Bildungsurlaub ermöglicht Arbeitnehmenden die bezahlte Freistellung von der Arbeit zur Teilnahme an anerkannten Bildungsveranstaltungen und wurde damit zu einem wichtigen Instrument der Erwachsenenbildung.<ref>Vom Bildungsurlaub zur Bildungszeit. Bildungs- und Tagungszentrum HVHS Springe e.V., abgerufen am 17. August 2026.</ref><ref>Nadja Billstein: Der Weg zum Bildungsurlaubsangebot - ein steiniger? In: Antje Pabst, Christine Zeuner (Hrsg.): Fünf Tage sind einfach zu wenig. Wochenschau Verlag, Frankfurt am Main 2021, ISBN 978-3-7344-1198-4, S. 197–211.</ref>

Die Bedeutung des Bildungsurlaubs zeigt sich auch in der jüngeren Entwicklung. Im Zeitraum von 2019 bis 2023 wurden in Niedersachsen rund 26.700 Veranstaltungen als Bildungsurlaub anerkannt und rund 193.200 Teilnehmende erfasst. Nach einem pandemiebedingten Rückgang stabilisierte sich die Inanspruchnahme des Bildungsurlaubs bis 2023 wieder nahezu auf dem Niveau vor der Pandemie. Dabei ist die HVHS in Springe eine von 22 Heimvolkshochschulen in Niedersachsen.<ref>Drucksache 19/6679. 16. Bericht der Landesregierung über die Durchführung des NBildUG im Berichtszeitraum 2019 - 2023. Niedersächsischer Landtag, Hannover 3. März 2025, S. 1–4 (aewb-nds.de [PDF]).</ref>

Trivia[Bearbeiten]

In der Bildungsarbeit der Nachkriegszeit wurde die Methodik des Stuhlkreises als Form der gemeinsamen Diskussion und des Lernens eingeführt. Anders als eine Anordnung mit einer klaren Vorderseite und einem hervorgehobenen Platz für die Leitung ermöglicht der Stuhlkreis eine gleichberechtigte Gesprächssituation. Im Selbstverständnis der Einrichtung wird dieser als Element der demokratischen Bildungsarbeit ausdrücklich erwähnt.<ref name=":1" />

Unter Erna Blencke wurde zudem das Sokratische Gespräch als weitere Methode der Bildungsarbeit eingesetzt. Dabei werden philosophische und gesellschaftliche Fragen gemeinsam mit den Teilnehmenden erörtert. Die Leitung übernimmt dabei nicht die Rolle einer ausschließlich wissensvermittelnden Instanz, sondern beteiligt sich am gemeinsamen Erkenntnisprozess.<ref name=":1" />

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Klecha: Bildung bekommt ein Zuhause. Vom SAJ-Heim zur Heimvolkshochschule Springe (1925–2025). zu Klampen Verlag, Springe 2026, ISBN 978-3-98737-074-8.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Koordinaten: 52° 12′ 49,9″ N, 9° 32′ 14,4″ O

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