Chalifa Haftar
Chalifa Belqasim Haftar Alferjani (arabisch خليفة بلقاسم حفتر الفرجاني, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value); geboren am 7. November 1943 in Adschdabiya) ist ein mit der libyschen Regierung in Tripolis rivalisierender Militärmachthaber und Defacto-Herrscher über Ostlibyen.<ref>Oxford Analytica: Haftar will retain personal control in east Libya. In: Expert Briefings. 13. Juli 2023, ISSN 2633-304X, doi:10.1108/OXAN-DB280469.</ref><ref>https://researchbriefings.files.parliament.uk/documents/CBP-10103/CBP-10103.pdf</ref> Der Offizier war während der Herrschaft Muammar al-Gaddafis in den 1980er-Jahren Kommandeur im libysch-tschadischen Grenzkrieg. Nach seiner Gefangennahme 1987 ließ Gaddafi ihn fallen. Er wurde von den USA befreit, siedelte dorthin über, erhielt die amerikanische Staatsbürgerschaft und diente einige Jahre lang der CIA.<ref>General Haftar: Ein skrupelloser Machtmensch, SRF, HeuteMorgen, 20. Januar 2020</ref><ref name="hottinger">Neuer starker Mann?, Arnold Hottinger, journal21.ch, 26. Dezember 2017</ref> 2011 beteiligte er sich am Sturz Gaddafis. Seit Mai 2014 ist er militärischer Befehlshaber der Libysch-nationalen Armee der in Tobruk residierenden libyschen (Gegen-)Regierung des Abgeordnetenrates und steht seit September 2014 im Rang eines Feldmarschalls.<ref>ex_admin: Tobruk's HoR promotes Khalifa Haftar to a Marshal following capture of oil ports. In: Libyan Express. 15. September 2016, abgerufen am 12. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Regierung unter Ägide Haftars kontrollierte zu dieser Zeit den Großteil Libyens mit Ausnahme der Region Tripolis unter der Government of National Accord (GNA) und insbesondere zahlreiche Ölquellen. Haftar ist eine der Schlüsselfiguren im zweiten Libyschen Bürgerkrieg und erhält militärische Unterstützung verschiedener Länder u. a. durch russische Söldner der „Gruppe Wagner“<ref>Jok/dpa in Spiegel online: Russische Söldner kämpfen laut Uno in Libyen gegen die Regierung. Spiegel online, abgerufen am 26. Mai 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> und zuvor Söldner um Erik Prince.<ref>Erik Prince, fondateur de la société Blackwater, louerait ses services en Libye. In: RFI. 17. Januar 2017, abgerufen am 15. Januar 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Im November 2021 kündigte Chalifa Haftar seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl im Dezember 2021 an, bevor sie auf unbestimmte Zeit verschoben wurde.
Leben[Bearbeiten]
Von 1964 bis 1966 studierte er an der Militärakademie in Bengasi. Anschließend wurde er an der Frunse-Militärakademie in der Sowjetunion sowie in Ägypten weiter ausgebildet<ref>Khalifa Haftar ist ein schillernder Warlord mit mächtigen Freunden, Ulrich Schmid, NZZ, 29. April 2019</ref>.
Am 1. September 1969 beteiligte sich Chalifa Haftar am erfolgreichen Putsch Gaddafis<ref>tagesschau.de: Eskalation in Libyen - der General und die Macht. Abgerufen am 5. April 2019.</ref> gegen König Idris von Libyen. Anschließend machte er Karriere in der libyschen Armee.<ref name="tagesschau 23.5.14">Peter Steffe, Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Der General, der plötzlich wieder da war ( vom 23. Mai 2014 im Internet Archive), tagesschau.de vom 23. Mai 2014.</ref> Im Range eines Obersts fungierte Haftar als einer der Kommandeure der libyschen Interventionstruppen im Tschad.<ref name="taz 18.5.14">Portrait Chalifa Haftar: Aus Virginia nach Bengasi, die tageszeitung vom 18. Mai 2014.</ref>
Im Dienst der CIA[Bearbeiten]
Ab Anfang 1987 wurden die libyschen Truppen im Tschad zurückgedrängt.<ref>Schwieriges Gelände, Der Spiegel Heft 14/1987 vom 30. März 1987.</ref> Während der Kämpfe zwischen libyschen Truppen, tschadischen Rebellen, tschadischen Regierungstruppen und tschadischen Verbündeten (Franzosen, Zairer, US-Amerikaner) geriet Haftar im März 1987 bei der Schlacht um Wadi Dum in Gefangenschaft – wobei nicht vollkommen klar ist, ob er sich ergeben musste oder übergelaufen war. Insgesamt gerieten bis zu 2.000 libysche Soldaten in tschadische Gefangenschaft.<ref>Robin Leonard Bidwell: Dictionary of Modern Arab History, S. 111f. ("Libyan intervention in Chad"). Routledge, New York 1998</ref><ref>Munzinger-Archiv: Libyen-Chronik 1988 - IH-Zeitarchiv 46/89, Seite 41</ref> Aus diesen libyschen Kriegsgefangenen formten die US-Amerikaner ab 1987 auf tschadischem Gebiet eine Anti-Gaddafi-Truppe unter dem Namen Libysche Nationalarmee (LNA), die als bewaffneter Arm der Nationalen Front für die Rettung Libyens dienen sollte.<ref name="tagesschau 23.5.14" /><ref>Bodo Harenberg (Hrsg.): Aktuell '92, Seite 538 (Libyen). Harenberg Lexikon-Verlag. Dortmund 1991</ref><ref name="Bidwell">Robin Leonard Bidwell: Dictionary of Modern Arab History, S. 299f. ("National Front for the Salvation of Libya"). Routledge, New York 1998</ref> Es gibt unterschiedliche Angaben darüber, wie viele der libyschen Kriegsgefangenen sich dieser Front angeschlossen hatten. Nach dem Sturz des tschadischen Regimes evakuierten die USA im Dezember 1990 Haftar mit angeblich 350 Mann aus dem Tschad<ref name="Bidwell" /><ref name="L68">Munzinger-Archiv: Libyen-Chronik 1991 - IH-Zeitarchiv 46/93, Seite 68f.</ref>, im Mai 1991 erhielten diese dann Asyl in den USA. Demgegenüber wurden 250 Kriegsgefangene freigelassen und kehrten nach Libyen zurück.<ref name="L68"/> Anderen Angaben zufolge waren (zunächst) nur 220 libysche Söldner in die USA ausgeflogen worden<ref name="L64">Munzinger-Archiv: Libyen-Chronik 1990 - IH-Zeitarchiv 46/93, Seite 64</ref><ref>Munzinger-Archiv: Tschad-Chronik 1990 - IH-Zeitarchiv 19/91, Seite 39</ref>, während zwischen 400 und 500 Kriegsgefangene freigelassen wurden und nach Libyen zurückkehrten.<ref>Mario von Baratta (Hrsg.): Fischer Weltalmanach 1992, Seite 178 (Tschad). Fischer Taschenbuch Verlag, Frankfurt am Main 1991</ref><ref>Neue Zürcher Zeitung vom 7. Dezember 1990: Idriss Déby - Tschads unbekannter Held</ref><ref>Munzinger-Archiv: Zeitgeschehen Dezember 1990 - IH-Zeitarchiv 4/91, Seite 1.</ref> Haftar wurde US-Staatsbürger und arbeitete einige Jahre lang für die CIA. In Libyen wurde er in Abwesenheit zum Tode verurteilt<ref name="hottinger" />. Aus dem US-amerikanischen Exil unterstützte er 1996 einen erfolglosen Umsturzversuch gegen Gaddafi.<ref name="tagesschau 23.5.14"/>
Aufstand gegen Gaddafi[Bearbeiten]
Er kehrte 2011 nach Libyen zurück und unterstützte den Aufstand gegen Gaddafi. Dort kommandierte er die Bodentruppen in der Kyrenaika. Nach dem Oberkommandierenden Abd al-Fattah Yunis und dem Generalstabschef galt er als der dritte Mann in der Hierarchie der Rebellen<ref name="hottinger" />. Nach Yunis' Ermordung und dem Sturz Gaddafis im arabischen Frühling sollte Chalifa Haftar 2011 als Oberkommandant die Streitkräfte seines Landes neu organisieren<ref name="hottinger" />. Diese Aufgabe wurde ihm aber nach kurzer Zeit entzogen.<ref name="SPON 19. Mai 14">Chaos in Libyen: Abtrünniger General lässt Parlament stürmen, Spiegel Online vom 19. Mai 2014.</ref> Die von ihm kontrollierten Sintan-Brigaden wendeten sich gegen islamistische Tendenzen.<ref name="SPON 19. Mai 14"/> Am 18. Mai 2014 griffen Einheiten der Brigaden das Parlament an und besetzten es, zogen sich dann aber in von ihnen kontrollierte Gebiete um den Flughafen von Tripolis zurück.<ref name="SPON 19. Mai 14"/> Zur gleichen Zeit lief eine zwei Tage zuvor gestartete Operation der Milizen Haftars gegen islamistische Gruppen in Bengasi.<ref>Abtrünniger Ex-Militär säubert Libyen auf eigene Faust, Focus vom 19. Mai 2014.</ref> Regierung, Parlament und Armee Libyens warfen Haftar in einer gemeinsamen Erklärung einen Putschversuch vor.<ref>Libysche Regierung wirft früherem General Haftar Putschversuch vor, Die Welt vom 19. Mai 2014.</ref> Der Kommandeur der Spezialkräfte der libyschen Armee und die Truppen auf dem Luftwaffenstützpunkt in Tobruk schlossen sich Haftar am 19. Mai 2014 an.<ref> Revolte in Bengasi und Tripolis: Libyen steht vor neuem Bürgerkrieg, Spiegel Online vom 20. Mai 2014.</ref>
Bürgerkrieg[Bearbeiten]
Am 2. März 2015 berief ihn das (ost-)libysche Repräsentantenhaus in Tobruk zum Oberbefehlshaber der Streitkräfte Libyens.<ref>International anerkanntes Parlament ernennt Armeechef, Neue Zürcher Zeitung, 2. März 2015</ref> Laut Artikel 8 der Zusatzbestimmungen zum Libyschen Politischen Abkommen, das am 17. Dezember 2015 in Skhirat (Marokko) unterzeichnet wurde und sofort in Kraft trat, ging der militärische Oberbefehl auf den durch das Abkommen geschaffenen Präsidialrat über; die Position des Oberbefehlshabers musste neu besetzt werden. Die Umsetzung dieser Bestimmung ist in Libyen weiterhin umstritten, nachdem das Repräsentantenhaus am 25. Januar 2016 dem Politischen Abkommen nur mit einem Vorbehalt gegen Artikel 8 zustimmte.<ref>UNSMIL Press Releases. In: unsmil.unmissions.org. Abgerufen am 19. Juni 2016.</ref> Russland wünschte für Haftar eine führende Rolle in Libyen und wollte ihm Waffen liefern, sobald die Sanktionen aufgehoben würden.<ref>Vorlage:Cite book/Name: [Internetquelle: archiv-url ungültig Russia Urges Libya Leadership Role for UN-Defying Military Chief.] , archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am Vorlage:Cite book/URL (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).Vorlage:Cite book/URLVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung2Vorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/MeldungVorlage:Cite book/Meldung</ref><ref>Russland schickt offenbar Spezialkräfte Richtung Libyen, Die Zeit, 14. März 2017</ref><ref>Christina Hebel und Christoph Sydow: Libyscher General Haftar: Putins Wüstenfuchs. In: Der Spiegel, 20. März 2017. Zuletzt abgerufen am 19. Januar 2020.</ref> Auf politischer Seite wandte sich die östliche „Zentralbank“ schon 2015 an Russland und erhielt aus dessen Druckereien innerhalb dreier Jahre 9,7 Milliarden Libysche Dinar.<ref>Ulrich Schmid: General Haftars russische Geldpresse auf Seite 2 in der NZZ vom 24. November 2018</ref> Auf dem Rückweg von einem Militäreinsatz in Syrien ankerte ein russischer Verband um den Flugzeugträger Admiral Kusnezow vor der ostlibyschen Küste. Dort wurde Haftar an Bord der Admiral Kusnezow genommen, wo er eine Videokonferenz mit dem russischen Verteidigungsminister Sergei Kuschugetowitsch Schoigu abhielt.<ref>Russischer Flugzeugträger auf dem Rückweg aus dem Mittelmeer, der Standard, 17. Januar 2017</ref> 2017 reiste der General einige Male nach Moskau, wo er neben Schoigu auch den Außenminister Sergei Wiktorowitsch Lawrow traf.<ref>Ulrich Schmid: Moskau bricht eine Lanze für Haftar</ref> Neben Russland und Saudi-Arabien gelten vor allem Ägypten und die Vereinigten Arabischen Emirate, beide entschiedene Gegner aller Spielarten des Islamismus,<ref name="hottinger" /> als engste Verbündete Haftars, welche ihn mit Waffen und Streitkräften unterstützen. So unterhalten die Vereinigten Arabischen Emirate einen Luftstützpunkt in Ostlibyen mit AT-802-Flugzeugen sowie chinesischen Chengdu-Wing-Loong-Drohnen.<ref>U.S.-Made Airplanes Deployed in Libya's Civil War, in Defiance of U.N. Time Magazine 9. Mai 2017</ref> Von Haftar ist keine Zusammenarbeit mit Islamisten zu erwarten. Auch Frankreich gilt als indirekter Unterstützer Haftars. Die Franzosen erwarteten von ihm eine wirksame Bekämpfung der Dschihadisten des IS, welche Haftar auch leistete. In Libyen wie auch international wurde diese Unterstützung immer wieder kritisiert.<ref>Libye: entre la France et le maréchal Haftar, trois ans d’entraide. 19. April 2019, abgerufen am 12. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Möglich wäre, dass er damit auch die Unterstützung der USA gewänne.<ref>«Haftar verkörpert die Hoffnung auf ein souveränes Libyen». In: NZZ, 19. September 2017.</ref>
Im Juli 2017 gab Haftar bekannt, die islamistische Miliz Ansar al-Scharia besiegt und Bengasi erobert zu haben.<ref>Ulrich Schmid: Haftar feiert Eroberung Benghasis. Der Warlord im Osten Libyens verkündet einen Sieg über die Islamisten. In: Neue Zürcher Zeitung vom 7. Juli 2017, S. 7.</ref> Im September waren nur noch einzelne Straßenzüge vom IS kontrolliert. Deren Rückeroberung ist wegen versteckter Sprengsätze gefährlich. Die Polizei, die für zwei Jahre nicht zu sehen gewesen war, zeigt wieder Präsenz.<ref>Wiedergeburt von Benghasi: Wo die Terrormiliz IS vor wenigen Wochen noch herrschte, NZZ, 18. September 2017</ref>
Im August 2017 drohte er der italienischen Marine, deren Kriegsschiffe zu bombardieren, nachdem die italienischen Streitkräfte begonnen hatten, zugunsten as-Sarradschs zu intervenieren und in Tripolis und Misrata Stützpunkte zu errichten. As-Sarradschs Regierung wird von den Milizen aus Misrata sowie von den Muslimbrüdern, der Türkei und Katar unterstützt.<ref name="hottinger" /><ref>Haftar instructs bombing Italian warships requested-by Fayez al Sarraj, al Alarabya 3. August 2017</ref>
Die militärischen Organisationen Haftars ersetzen zivile Strukturen in den von ihm kontrollierten Gebieten durch Militärs.<ref>Krieg in Libyen: Der Warlord rüstet zum Marsch auf Tripolis, NZZ, 4. Oktober 2017</ref> Zugleich werden seinen Truppen Massenhinrichtungen vorgeworfen.<ref>Massengrab in Libyen entdeckt Faz.</ref> Gleichzeitig wurden seine Truppen immer wieder Opfer von Massakern durch die Streitkräfte as-Sarradschs.<ref>Rival Libyan Regimes Are Busy Slaughtering Each Other</ref>
Anfang November 2017 wurden Haftars in Tripolitanien operierende Streitkräfte in al-ʿAzīzīya<ref>Usama Juwaili and Zintani forces takes Aziziya, Libya Herald 9.11.2017</ref> eingekesselt und zerschlagen. Ermöglicht wurde dies durch ein Überlaufen ihrer Verbündeten, wie Usama al-Dschuwaili-Einheiten. Diese vereinigten sich mit den aus Tripolis ausströmenden Truppen as-Sarradschs.<ref>Haftars ehemalige Mitstreiter richten Waffen gegen ihn Sputnik News, 23. November 2017</ref>
Ende 2017 kam es wieder zu einer Annäherung zwischen Haftar und as-Sarradsch. Ihre beiden Lager stimmten zu, eine gemeinsame Armee zu bilden, welche das Land befrieden, das Milizenwesen beenden und Neuwahlen Ende 2018 ermöglichen soll.<ref>Can Cairo talks succeed in uniting Libya’s divided armed forces?</ref>
Nachdem seine Truppen bereits 2016 die Ölfelder südlich von Sirte erobert hatten, gelang ihm Anfang 2019 auch die Einnahme großer Teile des libyschen Südens mit den größten Ölfeldern des Landes. Hierbei gelang es ihm, mit einer Mischung aus Geld und Sicherheitsversprechen lokale Machthaber weitgehend gewaltfrei an sich zu binden. Zugleich ging er entschlossen gegen Milizen vor, die die lokale Bevölkerung terrorisierten. Dies steigerte sein Popularität im Land.<ref>Haftar hat den libyschen Süden erobert, Ulrich Schmid, NZZ, 5. März 2019</ref> Anfang April 2019 kündigte er einen Angriff auf Tripolis an.<ref>Marsch auf Tripolis: In Libyen droht die Eskalation des Bürgerkrieges, Daniel Steinvorth, NZZ, 5. April 2019</ref>
Anfang April 2019 ließ Chalifa Haftar seine Truppen auf die Hauptstadt Tripolis marschieren. Es kam am 4. April zu Kämpfen mit den Truppen der GNA in den Vororten der Stadt.<ref name="guardian070419">Patrick Wintour und Chris Stephen: „Battle for Tripoli escalates as fighting nears Libyan capital“ The Guardian vom 7. April 2019</ref> Am 15. April 2019 telefonierte Donald Trump mit Chalifa Haftar. In einer offiziellen Stellungnahme des Weißen Hauses erkannten die USA Haftars bedeutende Rolle beim Kampf gegen den Terror und bei der Sicherung der libyschen Ölreserven an.<ref>Reuters: „Airstrikes hit Tripoli as Haftar steps up assault on Libyan capital“ The Guardian vom 21. April 2019</ref> Nach der Eroberung von Gharyan zeigten die GNA erbeutete Javelin-Raketen in den Depots von Haftars LNA. Diese Raketen stammen offenbar aus den USA und wurden wohl 2008 an die Vereinigten Arabischen Emirate verkauft. Reporter werteten die Funde als weiteren Beleg für die Unterstützung der VAE für Haftar.<ref>„Libya's GNA says US missiles found at captured Haftar base“ aljazeera.com 30. Juni 2019</ref>
Am 24. November 2019 traf eine US-Delegation mit Chalifa Haftar zusammen. Ziel war ein Ende der Offensive. Die Delegation äußerte dabei schwere Bedenken gegen russische Einflussnahme „auf Kosten des libyschen Volkes“.<ref>Eric Beech Sandra Maler: U.S. officials meet with Libya’s Haftar amid push to end Tripoli offensive. In: Swissinfo. 26. November 2019, archiviert vom Vorlage:IconExternal; abgerufen am 12. Mai 2023 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Am 6. Januar 2020 nahmen die Milizen Haftars die libysche Hafenstadt Sirte ein.<ref>General Haftar nimmt libysche Küstenstadt Sirte ein. Die Regierungstruppen verloren die Kontrolle über den wichtigen Hafen. In: Der Standard. 7. Januar 2020, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 13. März 2020; abgerufen am 12. Mai 2023.</ref> Haftar lehnte im Januar einen von Russland und der Türkei vorgeschlagenen Waffenstillstand ab. Er verließ Moskau, ohne das Dokument zu unterzeichnen. Nach russischen Pressemeldungen habe ihm ein verbindlicher Zeitplan für die Auflösung von regierungstreuen Gruppen in der Vereinbarung gefehlt.<ref>Libyan warlord Haftar leaves Moscow without signing ceasefire deal theguardian.com</ref> Im April 2020 kündigte er ein im Dezember 2015 getroffenes UNO-Abkommen auf, das die Machtverteilung in Libyen erklärte.<ref>Krieg in Libyen: General Haftar kündigt Uno-Abkommen auf – Der Spiegel – Politik. Der Spiegel, abgerufen am 30. April 2020.</ref>
Als die Libysche Einheitsregierung im Jahr 2021 unter dem Ministerpräsidenten Abdulhamid al-Dbaiba gebildet wurde, umgingen sie Haftars Verbündete, und so stellen Vertraute von Haftar keine Minister. Daraufhin blockierte Haftar, dass die Libysche Einheitsregierung ihre Macht auch im Osten des Landes ausüben kann.<ref>Christian Weisflog: Libyen: Haftar demütigt die neue Einheitsregierung. Seit wenigen Wochen hat Libyen endlich wieder eine Einheitsregierung. Doch sie erweist sich bereits jetzt als Etikettenschwindel. Ministerpräsident Dbaiba musste eine Reise nach Benghasi abbrechen, weil der dortige Warlord sein Veto einlegte. 30. April 2021, abgerufen am 24. Juli 2023.</ref>
Haftar ernannte seinen Sohn Saddam im August 2025 zum stellvertretenden Oberbefehlshaber, was als Anzeichen für dessen Nachfolge gesehen wird. Saddam diente ihm bis dato als Stabschef und war zuvor seit 2016 Brigadekommandeur.<ref>Maltese Herald: Saddam Haftar named Deputy-Commander of the Libyan Army. In: The Maltese Herald. 12. August 2025, abgerufen am 12. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Rezeption[Bearbeiten]
Haftars Ziele
Jonathan Winer, im September 2013 zum State Department’s Special Envoy for Libya and Senior Advisor for MEK Resettlement ernannt<ref>state.gov</ref> und im Amt bis 2016, fast bis zum Ende der zweiten Regierung Obama, schrieb auf Twitter (heute X):
- “Haftar has built patronage networks over a five-year period now strengthened by foreign financial support and military support. His goal has long been to take [the] country by mixture of conquest and acclamation and to end ‘politics’ and replace that with military rule.”<ref>zitiert nach Battle for Tripoli escalates as fighting nears Libyan capital (19. April 2019) </ref>
- (etwa: Haftar hat über einen Zeitraum von fünf Jahren Klientelnetzwerke aufgebaut, die nun durch ausländische Finanzhilfe und militärische Unterstützung gestärkt werden.
- Sein Ziel ist es seit langem, das Land durch eine Mischung aus Eroberung und Akklamation einzunehmen, die „Politik“ zu beenden und sie durch eine Militärherrschaft zu ersetzen.)
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references responsive/>
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Haftar, Chalifa |
| ALTERNATIVNAMEN | Haftar, Chalifa Belqasim (vollständiger Name); خليفة بلقاسم حفتر (arabisch) |
| KURZBESCHREIBUNG | libyscher Militäroffizier |
| GEBURTSDATUM | 7. November 1943 |
| GEBURTSORT | Adschdabiya |
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- Warlord
- Militärperson (Libyen)
- Person im Bürgerkrieg in Libyen 2011
- Person im Libysch-Tschadischen Grenzkrieg
- Immigrant in den Vereinigten Staaten
- Person (Central Intelligence Agency)
- Libyer
- US-Amerikaner
- Geboren 1943
- Mann