Die Hantzschsche Pyrrolsynthese (Hantzsch’sche Pyrrolsynthese), auch bekannt als die Hantzsch-Pyrrolsynthese, ist eine Namensreaktion der organischen Chemie. Sie wurde nach dem deutschen Chemiker Arthur Hantzsch (1857–1935) benannt, der sie im Jahre 1890 veröffentlichte.<ref name="Wang_1326">Z. Wang: Comprehensive Organic Name Reactions and Reagents, 3 Volume Set. John Wiley & Sons, Hoboken, New Jersey 2009, ISBN 978-0-471-70450-8, S. 1326–1327.</ref> Sie dient zur Synthese von Pyrrol und dessen Derivaten.<ref>A. Hantzsch: Neue Bildungsweise von Pyrrolderivaten. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band23, Nr.1, 1890, S.1474–1476, doi:10.1002/cber.189002301243.</ref><ref name="Uhl_230">W. Uhl, A. Kyriatsoulis: Namen- und Schlagwortreaktionen in der Organischen Chemie. 5., durchges. Auflage, Springer Fachmedien, Wiesbaden 1984, ISBN 978-3-663-02003-5, S. 230–232.</ref><ref>F. Feist: Studien in der Furan- und Pyrrol-Gruppe. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft. Band35, Nr.2, 1902, S.1537–1544, doi:10.1002/cber.19020350263.</ref>
Während der Synthese reagieren β-Ketoester (schwarz) mit einem Amin (blau) und anschließend unter Schließung eines Ringes mit einem α-Halogenketon (grün) zu einem Pyrrolderivat:
Zu Beginn reagiert der β-Ketoester 1 mit einem primären Amin über mehrere Zwischenstufen zu einem Enamin2. Dann greift das Enamin im Zuge einer nucleophilen Substitution das α-Halogenketon an und ein Halogenid wird abgespalten. Dieses Halogenid spaltet ein Wasserstoff vom Stickstoff 3 ab und verlässt die Reaktion als Halogenwasserstoff (hier als HX dargestellt). Damit ist ein Imin4 entstanden, dessen Imingruppe im nächsten Schritt gedreht wird 5. Es folgt eine Isomerisierung des Imins zum Enamin-Tautomer6. Dann wird das Kohlenstoffatom der Carbonylgruppe6 von der Aminogruppe angegriffen und damit der Fünfring7 geschlossen. Nach der Umlagerung eines Protons7 wird Wasser aus dem Molekül 8 abgespalten. Es entsteht das Produkt 9 in Form eines Pyrrolderivats.<ref name="Wang_1326" /><ref name="JJLi_283">J. J. Li: Name Reactions. A Collection of Detailed Reaction Mechanisms. 3., erweiterte Auflage, Springer-Verlag, Berlin/Heidelberg 2006, ISBN 978-3-540-30030-4, S. 283–284.</ref>
Anstelle der drei ursprünglichen Edukte kann die Reaktion auch zwischen einem Enamin des β-Ketoester und einem α-Halogenketon durchgeführt werden. Außerdem kann die Reaktion durch die Wahl der Edukte dazu benutzt werden Indol- bzw. Carbazolderivate zu synthetisieren.<ref name="Wang_1326" /> So reagieren beispielsweise o-Aminoacetophenon und Chloracetophenon zu 2-Benzoyl-3-methylindol:<ref name="Wang_1326" /><ref>C. D. Jones, T. Suarez: Direct synthesis of 2-acylindoles. In: J. Org. Chem.Band37, Nr.23, 1972, S.3622–3623, doi:10.1021/jo00796a012.</ref>