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Kartoffelboviste

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Kartoffelboviste
Datei:2009-09-03 Scleroderma citrinum Pers 55647 crop.jpg

Dickschaliger Kartoffelbovist (Scleroderma citrinum)

Systematik
Klasse: Agaricomycetes
Unterklasse: Agaricomycetidae
Ordnung: Steinpilzartige (Boletales)
Unterordnung: Sclerodermatineae
Familie: Kartoffelbovistverwandte (Sclerodermataceae)
Gattung: Kartoffelboviste
Wissenschaftlicher Name
Scleroderma
Pers.

Die Kartoffel- oder Hartboviste (Scleroderma) sind eine Pilzgattung aus der Familie der Kartoffelbovistverwandten. Das Äußere der Fruchtkörper lässt eine Verwandtschaft zu den Bovisten und Stäublingen vermuten, tatsächlich aber zählen sie zu den Steinpilzartigen. Früher wurden die Sclerodermataceae auch zusammen mit den Wettersternen in die eigene Ordnung Sclerodermatales gestellt. Die Vertreter der Gattung sind giftig. Gering dosiert wurden die Kartoffelboviste auch schon zur Fälschung von Echten Trüffeln in Lebensmitteln eingesetzt.

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die oberirdischen und mehr oder weniger kugelig-knolligen Gebilde sind teils durch derbe Myzelstränge scheinbar gestielt. Die einfache, derbe Außenhaut ist glatt oder anliegend schuppig beschaffen und zerfällt bei Reife vom Scheitel her. Sie ist gelb oder braun gefärbt, die Gleba im Inneren ist bereits unreif dunkel gefärbt, ein Capillitium ist nicht vorhanden.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die braunen Sporen haben eine kugelige Form und sind deutlich netzförmig oder stachelig ornamentiert. Sie trennen sich bereits früh von den Basidien und werden anschließend von Nährhyphen versorgt, um vor allem das Ornament aufzubauen.

Arten[Bearbeiten]

Die Gattung umfasst weltweit etwa 30 Arten.<ref name="Kirk2008" /> In Europa kommen rund zehn Arten vor bzw. sind dort zu erwarten:<ref name="Strittmatter2008" />

Kartoffelboviste (Scleroderma) in Europa 
Deutscher Name Wissenschaftlicher Name Autorenzitat
Leopardenfell-, Getupfter oder Gefelderter Kartoffelbovist Scleroderma areolatum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Ehrenberg 1818
Netzsporiger, Gelbflockiger oder Rotbräunlicher Kartoffelbovist Scleroderma bovista Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fries 1829
Zwiebel-Kartoffelbovist Scleroderma cepa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Persoon 1801 : Persoon 1801
Dickschaliger Kartoffelbovist Scleroderma citrinum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Persoon 1801 : Persoon 1801
Scleroderma franceschii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Macchione 2000
Mittelmeer-Kartoffelbovist Scleroderma meridionale Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Demoulin & Malençon 1971 ('1970')
Starkwurzelnder Kartoffelbovist Scleroderma polyrhizum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(J.F. Gmelin 1792 : Persoon 1801) Persoon 1801
Scleroderma septentrionale Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Jeppson 1998
Braunwarziger Hartbovist (u. a. auch als Dünnschaliger Kartoffelbovist bezeichnet) Scleroderma verrucosum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Bulliard 1780 : Persoon 1801) Persoon 1801

Ökologie[Bearbeiten]

Die Scleroderma-Arten sind Mykorrhizabildner mit verschiedenen Laub- und Nadelbäumen.

Systematik[Bearbeiten]

Mit einigen ebenfalls als Boviste bezeichneten Arten aus der Familie der Stäublingsverwandten (Lycoperdaceae) sind die Kartoffelboviste nicht näher verwandt, die ähnlichen Fruchtkörper sind durch konvergente Evolution in Anpassung an relativ trockene Standorte entstanden.

Bedeutung[Bearbeiten]

Toxikologie[Bearbeiten]

Der Verzehr von Kartoffelbovisten kann zu Verdauungsbeschwerden wie Erbrechen und Bauchschmerzen führen, akute Brechdurchfälle können ebenfalls auftreten (gastrointestinales Syndrom).<ref>Helmut Schubothe: Pilzvergiftungen. In: Ludwig Heilmeyer (Hrsg.): Lehrbuch der Inneren Medizin. Springer-Verlag, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1955; 2. Auflage ebenda 1961, S. 1214 f., hier: S. 1214 (Satanspilzvergiftung).</ref> Zudem können Schweißausbrüche sowie niedriger Blutdruck mit Schwindel, Kollaps, möglicherweise bis zur Bewusstlosigkeit auftreten. Die Giftwirkung kann schon 30 bis 45 Minuten nach der Pilzmahlzeit auftreten.<ref name="toxinfo" /> Auch Sehstörungen, Missempfindungen, Krämpfe und rauschartige Zustände sind nach dem Konsum von Kartoffelbovisten jedenfalls in einzelnen Fällen aufgetreten.<ref name="Kiessling" />

Welche Stoffe für die Giftwirkung von Kartoffelbovisten verantwortlich sind, ist nicht bekannt.<ref name="toxinfo" />

Namensherkunft[Bearbeiten]

Das Aussehen der rundlichen, gelb-bräunlichen Fruchtkörper erinnert an Kartoffelknollen, was der Gattung den Namen „Kartoffelboviste“ einbrachte. Bei dem zweiten Namen „Hartboviste“ handelt es sich um die Kurzform von „Hartschalboviste“. Er nimmt auf die beständige, harte Außenhülle Bezug. „Hartboviste“ könnte aber auch auf das feste Fleisch hindeuten, ehe die Fruchtkörper im Inneren zu Sporenpulver zerfallen.<ref name="Kunze2012" />

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • German Josef Krieglsteiner (Hrsg.), Andreas Gminder, Wulfard Winterhoff: Die Großpilze Baden-Württembergs. Band 2: Ständerpilze: Leisten-, Keulen-, Korallen- und Stoppelpilze, Bauchpilze, Röhrlings- und Täublingsartige. Ulmer, Stuttgart 2000, ISBN 3-8001-3531-0.
  • Heinrich Dörfelt, Gottfried Jetschke (Hrsg.): Wörterbuch der Mycologie. 2. Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg/Berlin 2001, ISBN 3-8274-0920-9.
  • Josef Breitenbach, Fred Kränzlin (Hrsg.): Pilze der Schweiz. Beitrag zur Kenntnis der Pilzflora der Schweiz. Band 2: Heterobasidiomycetes (Gallertpilze), Aphyllophorales (Nichtblätterpilze), Gastromycetes (Bauchpilze). Mykologia, Luzern 1986, ISBN 3-85604-020-X.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Kiessling"> Rosemarie Kießling: Eine Vergiftung mit Scleroderma Verrucosum (Bull.) Pers. 1801. In: Website der Deutschen Gesellschaft für Mykologie. Abgerufen am 13. Januar 2014. </ref> <ref name="Kirk2008"> Paul M. Kirk, Paul F. Cannon, David W. Minter, J.A. Stalpers: Dictionary of the Fungi. 10th edition Auflage. CABI Europe, Wallingford, Oxfordshire (UK) 2008, ISBN 978-0-85199-826-8 (784 S.). </ref> <ref name="Kunze2012"> Andreas Kunze: Kartoffelboviste oder Hartboviste? Die Crux mit den deutschen Pilznamen. In: Der Tintling. Band 78, Nr. 5, 2012, ISSN 1430-595X, S. 7–10. </ref> <ref name="Strittmatter2008"> Eric Strittmatter: Die Gattung Scleroderma. In: Fungiworld.com. 13. Juni 2008, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 23. Januar 2013; abgerufen am 4. August 2012. </ref> <ref name="toxinfo"> Gemeiner Kartoffelbovist. In: Pilzdatenbank des Giftnotrufs München. Abgerufen am 14. Januar 2014. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Kartoffelboviste (Scleroderma) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien