Knicks (Geste)
Gemälde La révérence
von William Adolphe Bouguereau
Der Knicks, also das leichte Einknicken beider Knie, ist eine ritualisierte Geste, die einer anderen, meist ranghöheren Person Achtung oder Verehrung bedeuten soll. Nach den Regeln der Etikette knicksen im Allgemeinen nur Mädchen und Frauen; die dem Knicks entsprechende männliche Handlung ist der „Diener“.
Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten]
Seinen Ursprung hat der Knicks wohl in der antiken Praxis, als Zeichen der Hochachtung vor jemandem auf die Knie zu fallen (so bei Homer und Apuleius bezeugt).<ref>Entsprechende Ausdrücke im Altgriechischen sind „γνύξ“ [gnyx] („auf das Knie / auf die Knie“), „γνὺξ ἐριπεῖν“ [gnyx eripein] („auf das Knie / die Knie sinken“) und „γνύ-πετος“ [gny-petos] („in die Knie sinkend“). Für „das Knie“ steht üblicherweise „γόνυ“ [gony]. (W. Gemoll: Griech.-Dt. Schul- und Handwörterbuch, München / Wien 1954, S. 174).</ref> Die daraus abgeleitete Höflichkeitsform des Knickses ist auf weibliche Personen beschränkt.
Knicks und „Diener“ gehören zum europaweit verbreiteten klassischen Repertoire der zeremoniellen Höflichkeitsetikette. Noch bis in die 1960er Jahre hinein waren sie in Deutschland und Österreich auch im Bürgertum verbreitet üblich. Während sich der „Diener“ in der abgeschwächten Form als Verbeugung erhalten hat, kommt gegenwärtig der Knicks in der Breite der westlichen Gesellschaft selten vor, etwa indem kleine Mädchen gegenüber Erwachsenen knicksen.
Varianten[Bearbeiten]
Zur Blütezeit der höfischen Kultur im 16. und 17. Jahrhundert unterschied man in Europa den Knicks „en avant“ (beim Eintreten), „en passant“ (im Vorbeigehen) und „en arrière“ (beim Verabschieden).<ref name="welt-1051846">Bitte, wie geht ein Knicks? In: welt.de. 25. Juli 2007, abgerufen am 19. Dezember 2014.</ref>
Neben dem bloßen Beugen der Knie nach vorne (im Grunde eine angedeutete Kniebeuge) gibt es auch die Variante des nach vorne gebeugten rechten Knies in Kombination mit einem hinter den rechten Fuß gesetzten linken Fuß, wobei der linke Fußrücken oder die Schuhspitze den Boden berührt, und dabei nach vorne oder nach außen gebeugtem linken Knie.<ref>Definition: Knicks, duden.de, abgerufen: 26. April 2014</ref> Dabei wird der Rücken gerade gehalten. Zur Betonung dieser Geste kann gegebenenfalls mit einer oder beiden Händen der Rock oder das Kleid leicht angehoben werden. Je nach Kulturkreis findet der Knicks auch vor oder während des Schüttelns der Hand als Zeichen der Begrüßung oder Verabschiedung statt.<ref>Merkel bei Queen Elizabeth II. – Die Kanzlerin macht alles richtig, stuttgarter-zeitung.de, 28. Februar 2014</ref>
Der Knicks heute[Bearbeiten]
In hochadeligen Kreisen wird der Knicks (als „Hofknicks“) noch gegenüber Höherrangigen vollzogen.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Neue Regeln am Hof der Queen: Herzogin Kate muss jetzt immer knicksen ( vom 4. März 2016 im Internet Archive), top.de, 26. Juni 2012</ref> Auch ist der Knicks gelegentlich bei nicht-adeligen Frauen zu sehen, wenn diese mit Vertretern des Hochadels zusammentreffen,<ref>Hofknicks ist Thema im Unterricht. In: Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Funke Mediengruppe, 28. Januar 2014, abgerufen am 1. Mai 2025.</ref><ref>Gotha empfängt Schwedens Königin Silvia, tlz.de, 7. April 2014</ref> beispielsweise gegenüber Mitgliedern der britischen Königsfamilie.<ref name="welt-1051846" /> Auch in anderen europäischen Monarchien oder in Japan ist der Hofknicks vor Mitgliedern der „regierenden Häuser“ üblich. Bis 2003 wurde von den Spielerinnen bei der Siegerehrung der Wimbledon Championships erwartet, vor der königlichen Loge zu knicksen, heutzutage liegt es aber in ihrem Ermessen.<ref>Wimbledon abandons the Royal Box curtsey, telegraph.co.uk, 30. April 2003 (englisch)</ref> Ebenso existiert der Knicks bei Frauen nach wie vor im kirchlichen Milieu gegenüber Geistlichen,<ref name="welt-111863670">Daniel Friedrich Sturm: Gaucks diplomatischer Fingerzeig an Papst Benedikt. In: welt.de. 6. Dezember 2012, abgerufen am 19. Dezember 2014.</ref> wobei dort mitunter auch Männer statt des Dieners einen (angedeuteten) Kniefall vollziehen, beispielsweise gegenüber dem Papst, dann meist verbunden mit dem Kuss des Fischerrings.<ref name="fr-online-22153758">Joachim Frank: Papst-Amtseinführung: Im Vatikan bricht eine neue Ära an. In: fr-online.de. 19. März 2013, abgerufen am 19. Dezember 2014.</ref>
Vorlage:Hinweisbaustein Seit einigen Jahren lassen sich häufiger gelegentliche Wiederaufnahmen des Knickses beobachten, etwa bei (Schul-)Theateraufführungen beim Schlussapplaus oder bei Bällen, bei denen der Knicks von jungen Frauen wieder mehr akzeptiert wird.
Nach wie vor üblich ist der Knicks in asiatischen Gesellschaften (besonders Südkorea und Japan). Studentinnen zum Beispiel praktizieren ihrem Dozenten gegenüber den Knicks, während ihre männlichen Kommilitonen sich explizit verbeugen (anstelle des Handschlags). In Malaysia, Indonesien und Thailand, aber auch in der Türkei ist der Knicks in besonderen Situationen mit einem Handkuss verbunden, der Ehrerbietung und Dankbarkeit ausdrücken soll.
Trivia[Bearbeiten]
Für Aufregung<ref>Kleiner Leitfaden für Knickse und Demutsgesten, bei standard.at</ref> sorgte der Knicks, den die damalige Außenministerin der Republik Österreich Karin Kneissl 2018 bei ihrer Hochzeit vor dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach einem Tanz ehrerbietig als formelle Dankabstattung<ref>Kleiner Leitfaden für Knickse und Demutsgesten, bei standard.at</ref> machte,<ref>Bilder von Kneissl-Knicks vor Putin gingen um die Welt. 19. August 2018, abgerufen am 23. September 2019.</ref> da dies als Putin-Nähe aufgefasst wurde.
Auf einem Missverständnis beruhte hingegen die Aufregung in Klatschpresse und Internetforen, für die Fürstin Charlène von Monaco 2026 beim Staatsbesuch in Madrid sorgte, als sie bei der Begrüßung vor König Felipe VI. und Königin Letizia von Spanien knickste, bevor sie von diesen umarmt und vom König mit Handkuss begrüßt wurde.<ref>Instagram-Film, Spanisches Königshaus, 01.06.2026</ref> Dies wurde teilweise als „protokollarischer Fauxpas“ der Fürstin bezeichnet<ref>Knicks-Fauxpas bei Treffen mit Königin Letizia, GALA, 02.06.2026</ref> oder als spontane, nicht geplante Geste interpretiert. Immerhin handele es sich um die (vermeintlich gleichrangigen) Ehefrauen zweier (vermeintlich gleichrangiger) Staatsoberhäupter, ähnlich einer Begrüßung der Ehefrau eines deutschen Bundespräsidenten. Doch gelten bei Hofe und im Hochadel andere (und ältere) Regeln des Protokolls als unter republikanischen Politikern. Es kommt nicht auf die Gleichrangigkeit der Stellung (in diesem Fall zweier Staatsoberhäupter), sondern auf den Adelsrang an. Fürstinnen haben demgemäß vor Königen und Königinnen (sowie Kaisern und Kaiserinnen) zu knicksen, wie teilweise auch zutreffend kommentiert wurde.<ref>Fauxpas oder goldrichtig? Charlène verwirrt Letizia mit Knicks, in: Bunte, 03.06.2026</ref> Dass auch innerhalb königlicher Familien und sogar im privaten Rahmen der Hofknicks üblich ist, verwunderte etwa Meghan Markle, als sie einen Enkel der britischen Königin heiratete.<ref>Hofknicks-Regeln geändert: Muss Meghan Markle weiter vor Kate Middleton knicksen?, in: Münchner Merkur, 24.10.2022</ref><ref>Sophie von Edinburgh − Kein Knicks mehr vor Meghan, in: FAZ, 14.03.2023</ref> Wer auf der höchsten Stufe der Ehrerbietung steht, bezeugte Königin Sofia von Spanien, eine Katholische Majestät, nur eine Woche nach dem Besuch des monegassischen Fürstenpaars in Madrid, als sie den zum Staatsbesuch angereisten Papst Leo XIV. mit Knicks und Ringkuss begrüßte.<ref>Vor dem Papst knickst sogar die Königin, in: FAZ, 12.06.2026</ref>
Bildergalerie[Bearbeiten]
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Tiefer Knicks mit Anheben des Kleides
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Mädchen knickst vor Elisabeth II. in Brisbane (1954)
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Michelle Obama übt scherzhaft das Knicksen (2010)
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Die Ehefrau des damaligen thailändischen Premierministers Abhisit Vejjajiva (Mitte) knickst vor Hassanal Bolkiah (2009)
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Frauen machen einen Knicks, Herren einen Diener. (Chrysanthemenball in München 1996)
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Pünktchen und der Dackel Piefke üben zu Hause den Knicks und die bettelnde Ansprache von Passanten, ihr Vater versteht nicht, was da vor sich geht (1931)
Literatur[Bearbeiten]
- Meyers Großes Konversations-Lexikon. Bd. 11, Leipzig 1907, S. 171.
- Charlotte Jugel: Knicks und sag danke. Trier: Verlag Kleine Schritte 2000.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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