Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht
| Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) | |
|---|---|
| Kategorie: | Forschungseinrichtung |
| Träger: | Ruhr-Universität Bochum |
| Bestehen: | 1988 |
| Art der Forschung: | interdisziplinäre Friedens- und Konfliktforschung |
| Fächer: | u. a. Rechtswissenschaft, Sozialwissenschaft, Kulturwissenschaft, Geowissenschaft |
| Leitung: | Pierre Thielbörger |
| Mitarbeiter: | ca. 25 (einschließlich Hilfskräfte) |
| Website: | https://www.ifhv.de |
Das Institut für Friedenssicherungsrecht und Humanitäres Völkerrecht (IFHV) ist ein interdisziplinäres Forschungsinstitut für Friedens- und Konfliktforschung an der Ruhr-Universität Bochum. Es gilt als eines der führenden europäischen Einrichtungen zur Erforschung humanitärer Krisen (Humanitarian Studies).<ref>Global Hunger Index 2025: 20 Years Of Tracking Progress: Time To Recommit To Zero Hunger. 21. Oktober 2025, abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das IFHV ist Mitglied im Netzwerk für Friedens- und Konfliktforschung NRW, zusammen mit dem INEF, bicc u. a.<ref>Profil der Friedens- und Konfliktforschung NRW – friedenkonflikt-nrw.de. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
Die Forschung des IFHV konzentriert sich auf die Ursachen humanitärer Krisen, ihre rechtlichen Rahmenbedingungen davor, währenddessen (Humanitäres Völkerrecht und Menschenrechte) und danach sowie die Auswirkungen von Krisen auf Menschen, Gesellschaft und Institutionen.<ref>Institute for International Law of Peace and Armed Conflict. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
Das IFHV ist u. a. dafür bekannt<ref>Monja Stolz: Weltrisikobericht 2025: Immer mehr Menschen von verheerenden Überschwemmungen betroffen. In: Die Zeit. 24. September 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 7. Juni 2026]).</ref><ref>Bericht der Welthungerhilfe: Doppelt so viele Menschen leiden unter Hungersnot wie noch 2023. In: Der Spiegel. 9. Oktober 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 7. Juni 2026]).</ref> den WeltRisikoBericht<ref name=":0">ck: WeltRisikoBericht. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> und den Welthunger-Index<ref name=":1">Global Hunger Index 2025: 20 Years Of Tracking Progress: Time To Recommit To Zero Hunger. 21. Oktober 2025, abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> herauszugeben.
Geschichte[Bearbeiten]
Das IFHV wurde im Jahr 1988 auf Initiative von Knut Ipsen<ref>Jens Wylkop (jwy): Die RUB trauert um Knut Ipsen. Newsportal – Ruhr-Universität Bochum, 28. März 2022, abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>, dem damaligen Rektor der Ruhr-Universität Bochum, mit dem Ziel gegründet, internationale Konflikte zu erforschen und Lösungsansätze für diese Konflikte zu entwickeln.
Seit 2014 wird das Forschungsinstitut von dem Rechtswissenschaftler Pierre Thielbörger als geschäftsführender Direktor geleitet.<ref>Prof. Dr. Pierre Thielboerger. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
Forschung[Bearbeiten]
Die am IFHV durchgeführte Forschung ist interdisziplinär; der Schwerpunkt des Forschungsansatzes ist dabei rechtswissenschaftlicher und sozialwissenschaftlicher Natur. Aufgrund der Interdisziplinarität ist das Forschungsinstitut als zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Ruhr-Universität Bochum keiner Fakultät zugeordnet.<ref>RUB: Zentrale wissenschaftliche Einrichtungen. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
Aktuelle<ref>Research Projects. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> und ehemalige<ref>Past Research Projects. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Forschungsunternehmungen des IFHV umfassen:
- Fragen des internationalen und des nicht-internationalen bewaffneten Konflikts; z. B. das Recht auf Wasser in bewaffneten Konflikten, Schutz vulnerabler Gruppen, asymmetrische und technologisierte Kriegsführung, aktuelle Entwicklungen des ius ad bellum, Völkerstrafrecht sowie Konfliktvermeidung und Genozid-Prävention.
- Fragen des globalen Menschenrechtsschutzes; z. B. die menschenrechtliche Verantwortung von Unternehmen, das Menschenrecht auf Wasser und das Menschenrecht auf Land, Zwangsmigration, Klimawandel und Menschenrechte, Minderheitenrechte und des Rechts auf Selbstbestimmung.
- Fragen und aktuelle Herausforderungen der Humanitären Hilfe; z. B. Probleme internationaler Organisationen bei der Durchführung humanitärer Hilfsoperationen, Schutz vulnerabler Gruppen in der Humanitären Hilfe und Stärkung und Einbindung lokaler Akteure.
Organisation[Bearbeiten]
Die Forschung am IFHV ist in drei Forschungsbereiche, sog. Research Clusters organisiert<ref>Have a look at our research strategy. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>:
- Menschenrechte und Humanitäre Hilfe (Human Rights and Humanitarian Protection)
- Gewaltsame Unruhen und Vertreibung (Violent Disruptions and Forced Migration)
- Governance und Management von humanitären Krisen (Humanitarian Governance and Management)
Personen[Bearbeiten]
Das IFHV beschäftigt derzeit etwa 25 wissenschaftliche und studentische Mitarbeiter und betreut etwa 20 Doktoranden.<ref>Team. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Zu den assoziierten Mitgliedern gehören die Generalanwältin beim Europäischen Gerichtshof Stéphanie Laulhé Shaelou sowie die umstrittene<ref>Golnaz Esfandiari: Visit To Iran By Controversial UN Rapporteur Provokes Concerns. In: Radio Free Europe/Radio Liberty. 13. Mai 2022 (rferl.org [abgerufen am 6. Juni 2026]).</ref> UN-Sonderberichterstatterin zu den negativen Auswirkungen einseitiger Zwangsmaßnahmen Alena Douhan.
Folgende Professoren sind aktuell in die Arbeit des Forschungsinstituts involviert:
- Pierre Thielbörger (IFHV und Juristische Fakultät);
- Dennis Dijkzeul (IFHV);
- Hans-Joachim Heintze (IFHV);
- Katrin Radtke (IFHV);
- Christian Gudehus (Fakultät für Sozialwissenschaft);
- Markus Kaltenborn (Juristische Fakultät);
- Margit Fauser (Fakultät für Sozialwissenschaft);
- Stefan Huster (Juristische Fakultät);
- Sabine Swoboda (Juristische Fakultät);
- Benjamin Bechtel (Geographisches Institut);
- Valerie Graw (Geographisches Institut).
Lehre[Bearbeiten]
Das Lehrangebot des Forschungsinstituts gliedert sich in akademische Lehre und praktische Ausbildung.
Akademisches Lehrangebot[Bearbeiten]
Das IFHV unterhält zwei Postgraduiertenstudiengänge<ref>NOHA Master. Abgerufen am 7. Juni 2026.</ref><ref>EMA Master. Abgerufen am 7. Juni 2026.</ref> und die Lehre für die Studierenden der Fakultäten<ref>Elective Course Humanitarian Action. Abgerufen am 7. Juni 2026.</ref><ref>Schwerpunktbereich 4 – Juristisches Hauptstudium. Abgerufen am 7. Juni 2026.</ref> der Ruhr-Universität Bochum.
International Humanitarian Action Master (NOHA)[Bearbeiten]
Das IFHV ist Mitglied im European University Network on Humanitarian Assistance (NOHA), einer internationalen Vereinigung von Universitäten mit dem Ziel, die fachliche Qualifikation im Bereich der humanitären Hilfe durch Förderung der humanitären Werte im Hochschulwesen zu verbessern.<ref name=":2">NOHA Story. NOHA Network on Humanitarian Action – International Association of Universities, abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Die Ruhr-Universität Bochum ist durch das IFHV neben der Université d’Aix-Marseille, der Universidad de Deusto, der Université catholique de Louvain und der University of Oxford eines der Gründungsmitglieder des Netzwerkes.<ref name=":2" /> Das Joint Master’s Degree Programme in International Humanitarian Action wurde 1993 ins Leben gerufen.<ref name=":2" /> Die beteiligten europäischen Partneruniversitäten waren im Jahr 2026 (in alphabetischer Reihenfolge):<ref>NOHA Master’s Programme. NOHA Network on Humanitarian Action – International Association of Universities, abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
- L’Università ta’ Malta (Malta);
- Rijksuniversiteit Groningen (Niederlande);
- Ruhr-Universität Bochum (Deutschland);
- Universidad de Deusto (Spanien);
- Université d’Aix-Marseille (Frankreich);
- University College Dublin (Irland);
- Uniwersytet Warszawski (Polen);
- Uppsala universitet (Schweden).
Der NOHA-Master hat den Status eines Erasmus-Mundus-Programms, sodass die Europäische Union herausragende Drittstaatsangehörige durch die Vergabe von Stipendien fördert.<ref>Search. Erasmus+, abgerufen am 7. Juni 2026.</ref>
Human Rights and Democratisation Master (E.MA)[Bearbeiten]
Ferner ist die Ruhr-Universität Bochum durch das IFHV Mitglied des weltweiten Universitätsnetzwerkes Global Campus of Human Rights.<ref>Master in Human Rights in Europe (EMA) | Global Campus. 2. September 2024, abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> In diesem Rahmen bietet das Forschungsinstitut als eines von 43 Universitäten die Lehre für die Studierenden des European Master’s Programme on Human Rights and Democratisation (E.MA) an.
Praktische Ausbildung[Bearbeiten]
Neben der akademischen Lehre umfasst das Lehrangebot am IFHV auch die praktische Ausbildung von Personal in der Humanitären Hilfe.
academy for humanitarian action (aha)[Bearbeiten]
Das IFHV ist neben dem Kompetenzzentrum Humanitäre Hilfe der Fachhochschule Münster Gründungsmitglied der academy for humanitarian action (aha), einer Einrichtung zur Weiterbildung von Praktikern in der Humanitären Hilfe.<ref>About Us. In: AHA Trainings. Abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Das Angebot erfolgt zusammen mit dem NGO-Verband Verband Entwicklungspolitik und Humanitäre Hilfe (VENRO). In diesem Rahmen kooperiert das IFHV auch mit Aktion Deutschland Hilft.<ref>Aktion Deutschland Hilft-Bündnis deutscher Hilfsorganisationen: Unser Partner IFHV. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref>
EU Aid Volunteers[Bearbeiten]
Das IFHV unterrichtet seit 2022 Freiwillige des Europäischen Solidaritätskorps im Rahmen des von der europäischen Kommission finanzierten<ref>Volunteer for opportunities in humanitarian aid - European Commission. Abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> EU Aid Volunteers Programm.<ref>PuntoSud Academy | The European Voluntary Humanitarian Aid Corps. Abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Die Ausbildung erfolgt in Kooperation mit humanitären Hilfsorganisationen, u. a. der Internationalen Föderation der Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaften.<ref>Red Cross joins EU Aid Volunteers initiative. IFRC, 16. April 2019, abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Veröffentlichungen[Bearbeiten]
Das Forschungsinstitut unterhält eine Reihe regelmäßig erscheinender wissenschaftlicher Publikationsserien, die sich sowohl grundsätzlichen Themen als auch aktuellen Fragestellungen der Humanitarian Studies und des humanitären Völkerrechts widmen.
Humanitäres Völkerrecht (HuV)[Bearbeiten]
Die Zeitschrift Humanitäres Völkerrecht – Informationsschriften (HuV–I) wurde von 1988 bis 2017 gemeinsam mit dem Generalsekretariat des Deutschen Roten Kreuzes im Verlag des Deutschen Roten Kreuzes herausgegeben.<ref>Humanitäres Völkerrecht – Informationsschriften. 23. Dezember 2023, abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Seit 2018 erscheint sie als Humanitäres Völkerrecht (HuV) bzw. Journal of International Law of Peace and Armed Conflict (JILPAC) in alleiniger Herausgeberschaft des IFHV im Berliner Wissenschaftsverlag (BWV).<ref>Humanitäres Völkerrecht. Abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> Sie ist die führende deutsche Fachzeitschrift für Forschung im Bereich des humanitären Völkerrechts, der Menschenrechte und des Friedenssicherungsrechts.
Die Friedens-Warte[Bearbeiten]
Seit 2020 ist der geschäftsführende Direktor, Pierre Thielbörger, zusammen mit Andreas von Arnauld, Claus Kreß, Michael Staack und Johannes Varwick Mitherausgeber der Friedens-Warte. Die Friedens-Warte wurde 1899 vom Friedensnobelpreisträger Alfred H. Fried gegründet und ist die älteste Zeitschrift im deutschsprachigen Raum für Fragen der Friedenssicherung und der internationalen Organisation.<ref>Die Friedens-Warte. Abgerufen am 6. Juni 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Bofaxe[Bearbeiten]
Die Policy Briefs des IFHV, die Bofaxe (Bochumer Faxe), widmen sich seit 1988 aktuellen Ereignissen, die einen Bezug zum Recht des bewaffneten Konfliktes haben.<ref>Bofaxe - up-to-the minute news in international law. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Sie bieten sowohl Experten als auch Nachwuchswissenschaftlern die Möglichkeit, ihre forschungsbasierte Einschätzung zu völkerrechtlichen Entwicklungen in knapper Form zu veröffentlichen. Seit 2019 unterhält das IFHV eine Kooperation mit dem Völkerrechtsblog, wo die Bofaxe parallel-veröffentlicht werden.<ref>New Collaboration between Völkerrechtsblog and Ruhr University Bochum’s Institute for International Law of Peace and Armed Conflict (IFHV). In: Völkerrechtsblog. 5. März 2019 (voelkerrechtsblog.org [abgerufen am 6. Juni 2026]).</ref>
IFHV Working Papers[Bearbeiten]
Seit 2011 geben das IFHV und die Ruhr-Universität Bochum eine Working Papers-Reihe (IFHV Working Papers) heraus.<ref>IFHV Working Papers. Abgerufen am 6. Juni 2026.</ref> Diese bietet Wissenschaftlern die Möglichkeit, eine größere Leserschaft auf ihre akademische Arbeit zu humanitären Fragestellungen aufmerksam zu machen.
WeltRisikoBericht[Bearbeiten]
Seit 2018 gibt das IFHV in Zusammenarbeit mit dem Bündnis Entwicklung Hilft (BEH) den WeltRisikoBericht (WorldRiskReport) heraus.<ref name=":0" /> Die jährlichen Ausgaben des WeltRisikoBerichts thematisieren je ein Schwerpunktthema mit Bezug zu Katastrophenrisikomanagement und werden auf Deutsch und Englisch herausgegeben. Der Bericht enthält den WeltRisikoIndex, welcher für 193 Länder weltweit das Risiko ermittelt, dass aus einem extremen Naturereignis eine Katastrophe wird.
Welthunger-Index[Bearbeiten]
Seit 2024 gibt das IFHV zudem in Zusammenarbeit mit der Welthungerhilfe und Concern Worldwide den Welthunger-Index (Global Hunger Index, GHI) heraus.<ref name=":1" /> Der jährlich im Oktober erscheinende Bericht beschreibt die Verbreitung von Hunger und Unterernährung in einzelnen Ländern und misst sowohl Fortschritte als auch Misserfolge im globalen Kampf gegen den Hunger.
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website
- European University Network on Humanitarian Assistance (NOHA)
- WeltRisikoBericht
- Welthunger-Index
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />