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Kaliumhexacyanidoferrat(II)

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Strukturformel
3 Kalium-Ion Struktur von Kaliumhexacyanoferrat
Allgemeines
Name Kaliumhexacyanidoferrat(II)
Andere Namen
Summenformel K4[Fe(CN)6]
Kurzbeschreibung

gelbliche Kristalle<ref name="GESTIS" />

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer
EG-Nummer 237-722-2
ECHA-InfoCard 100.034.279
PubChem 9605257
ChemSpider 20162028
Wikidata [[:d:Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)|Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1492: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)]]
Eigenschaften
Molare Masse 368,34 g·mol−1 (wasserfrei)
Aggregatzustand

fest

Dichte

1,85 g·cm−3 (wasserfrei)<ref name="GESTIS">Eintrag zu Kaliumhexacyanoferrat(II) in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFAVorlage:Abrufdatum (JavaScript erforderlich)</ref>

Schmelzpunkt

bei ca. 70 °C Kristallwasserabgabe des Trihydrats<ref name="GESTIS" />

Löslichkeit
  • leicht in Wasser (337 g·l−1 bei 20 °C, wasserfrei)<ref name="GESTIS" />
  • leicht in Wasser (289 g·l−1 bei 20 °C, Trihydrat)<ref name="GESTIS" />
Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung<ref name="GESTIS" />
keine GHS-Piktogramme

H- und P-Sätze H: keine H-Sätze
P: keine P-Sätze<ref name="GESTIS" />
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa).

Kaliumhexacyanidoferrat(II) ist ein Salz mit der Konstitutionsformel K4[Fe(CN)6]. Es handelt sich um eine Komplexverbindung in der Gruppe der Cyanide. Es wird auch als Kaliumferrocyanid, Gelbes Blutlaugensalz oder Gelbkali bezeichnet. Man findet noch häufig die Bezeichnung Kaliumhexacyanoferrat(II) nach älterer Nomenklatur der IUPAC. Es ist in Wasser und Aceton gut, in Ethanol und Diethylether nicht löslich.

Vorkommen[Bearbeiten]

In der Natur kommt Kaliumhexacyanidoferrat(II) als das sehr seltene Mineral Kafehydrocyanit vor.

Herkunft des Namens[Bearbeiten]

Der Name Blutlaugensalz rührt von der Darstellungsweise durch Alchemisten her. Sie erhitzten Blut mit Knochen, Horn und anderen proteinhaltigen Substanzen in Gegenwart von Eisenspänen und Pottasche. Der Rückstand wurde mit Wasser ausgelaugt. Daraus kristallisierte anschließend, je nachdem, wie viel Luft man beim Erhitzen zuließ, ein gelbes (Gelbes Blutlaugensalz) oder rotes Salz (Rotes Blutlaugensalz) aus.

Herstellung[Bearbeiten]

Es wurde erstmals 1752 von Pierre-Joseph Macquer aus Berliner Blau und Kalilauge hergestellt und diente umgekehrt häufig zur Produktion von Berliner Blau.

Hergestellt wird Kaliumhexacyanidoferrat(II) aus einer Eisen(II)-Salzlösung und Kaliumcyanid.<ref>Karl A. Hofmann: Anorganische Chemie. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-663-14240-9, S. 676.</ref> Es enthält dann Kristallwasser und liegt als K4[Fe(CN)6] · 3 H2O (Kaliumhexacyanidoferrat(II)-Trihydrat) vor. Oberhalb von 60 °C gibt es das Kristallwasser wieder ab und geht in ein farbloses Pulver über, bei 100 °C ist es wasserfrei.

<math>\mathrm{Fe^{2+} + 6 \ CN^- \rightleftharpoons [Fe(CN)_6]^{4-}} \quad\quad K_A = \mathrm{\frac{[[Fe(CN)_6]^{4-}]}{[Fe^{2+}] \cdot [CN^-]^6}} = 10^{35}</math>

Die thermische Beständigkeit liegt bei 200 °C.<ref>W. Wolski, B. Porawski: Thermische Zersetzung des Kaliumhexacyanoferrats (II). In: Journal of Thermal Analysis and Calorimetry. Band 9, Nr. 2, 1976, S. 181–190, doi:10.1007/BF01909381.</ref>

Verwendung[Bearbeiten]

Datei:Potassium-ferrocyanide-trihydrate-sample.jpg
Kaliumhexacyanidoferrat(II)

In der Analytik wird das Salz zum Nachweis von Eisen(III)-Ionen verwendet. In Lösung erhält man bei Zugabe von FeIII-Ionen zunächst lösliches Berliner Blau, K[FeIIIFeII(CN)6], durch einen Überschuss fällt unlösliches Berliner Blau aus, Fe4[FeII(CN)6]3. Diese Reaktionen dienen zum Nachweis von Eisen(III)-Ionen:

<math>\mathrm{4 \ Fe^{3+} + 3 \ [Fe^{+II}(CN)_6]^{4-} \longrightarrow {Fe^{+III}[Fe^{+III}Fe^{+II}(CN)_6]}_{3}}</math>

Aus Kaliumhexacyanidoferrat(II) lässt sich durch Oxidation mit Wasserstoffperoxid oder Chlor Kaliumhexacyanidoferrat(III) herstellen.

Es ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff der Bezeichnung E 536 ausschließlich für die Verwendung in Kochsalz und Kochsalzersatz als Rieselhilfe zugelassen.<ref>Richard Göttlich, Siegfried Schindler, Parham Rooshenas: Chemisches Grundpraktikum im Nebenfach. Pearson Deutschland, 2011, ISBN 978-3-86894-030-5, S. 68.</ref> Bei der Herstellung von Wein wird es in der sogenannten Blauschönung eingesetzt, indem es Trübungen durch Metallverbindungen ausfällt.<ref>Adolf Rapp: Weinanalytik. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-70784-1, S. 42.</ref>

Kaliumhexacyanidoferrat wird ebenfalls zum Einsatzhärten von ansonsten schlecht härtbaren Stählen verwendet. Kaliumhexacyanidoferrat wird bei Kontakt mit dem rotglühenden Werkstück flüssig und gibt seinen Kohlenstoff an das Werkstück ab. Die Oberfläche wird dadurch aufgekohlt und härtbar.

Toxikologie[Bearbeiten]

Unter Normalbedingungen ist das Hexacyanidoferrat(II)-Ion ein stabiler Komplex und ist ungiftig.<ref name="GESTIS" /> Es wird unverändert über den Harn ausgeschieden.<ref>Karlheinz Lohs, Peter Elstner, Ursula Stephan: Fachlexikon Toxikologie. Springer-Verlag, 2008, ISBN 978-3-540-27337-0, S. 118.</ref>

In Gegenwart einer starken Säure kommt es zur Zerstörung des Komplexes, hierbei bilden die freigesetzten Cyanid-Ionen gasförmige Blausäure.<ref>GESTIS-Stoffdatenbank. Abgerufen am 5. September 2026.</ref> Die Einwirkung von Sonnenlicht oder Kunstlicht im UV- oder sichtbaren Bereich führt zur photolytischen Abspaltung von Cyanid-Liganden, wobei die Cyanid-Ionen in Lösung übergehen. Der Effekt ist vom pH-Wert der Lösung abhängig und kann durch Titandioxid als Katalysator beschleunigt werden.<ref name=":0">Carlos Antonio Pineda Arellano, Susana Silva Martínez: Effects of pH on the degradation of aqueous ferricyanide by photolysis and photocatalysis under solar radiation. In: Solar Energy Materials and Solar Cells. Band 94, Nr. 2, 1. Februar 2010, S. 327–332, doi:10.1016/j.solmat.2009.10.008.</ref> Der pH-Wert beeinflusst dabei die Speziierung des freigesetzen Cyanids. Im neutralen Milieu liegt es als flüchtige Blausäure vor, während es bei stark basischen Bedingungen als gelöstes Cyanid-Ionen vorliegt.<ref name=":0" />

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />