Deutsches Fotomuseum
Das Deutsche Fotomuseum im agra-Park (Leipzig / Markkleeberg) war ein Kamera- und Fotomuseum.
Das Museum war von seinem Bestand an Fotografien (70.000) im deutschen Raum her nur vergleichbar mit dem Fotomuseum München, enthielt jedoch im Gegensatz zu diesem auch ca. 3.000 Kameramodelle aus drei Jahrhunderten, beginnend mit den Anfängen der Fotografie ca. 1850.<ref name="faz">Das Kabinett ist erwachsen geworden In Frankfurter Allgemeine Zeitung (online) vom 30. August 2013, abgerufen am 16. Mai 2017.</ref>
Geschichte[Bearbeiten]
Der Fotograf Peter Langner (1946–1994) sammelte über Jahrzehnte hinweg alte Kameras, oft mit historischen Fotos im „Beifang“. Daraus entstand noch zu Zeiten der DDR eine Privatsammlung, die ab 1989 in einem notdürftig renovierten Fachwerkhaus in Mölkau im Osten Leipzigs auch für Besucher zur Besichtigung freigegeben war. Aufgrund der Bestimmungen in der DDR durfte eine Privatsammlung nicht Museum genannt werden, daher bezeichnete Langner sein Museum als „Kabinett“. Nach der Wende wurde das Privatkabinett umbenannt in Kamera- und Fotomuseum Leipzig. Nach dem Tode Langners wurde das Museum von seiner Witwe Kerstin Langner zusammen mit dem mit ihm befreundeten Andreas J. Mueller weiter betrieben<ref name="fotoinch">Fotohistory.ch besuchte das Deutsche Fotomuseum in Leipzig auf fotointern.ch vom 26. Mai 2014, abgerufen am 6. September 2019. </ref> – der Fokus verlagerte sich von Kameras auf historische Fotografien und teils auf künstlerische zeitgenössische Fotodarstellungen. Es kam zu 90 Sonderausstellungen wechselnder Künstler bis 2013. Mit der Zeit erreichte das kleine Museum in Leipzig-Mölkau eine überregionale Bekanntheit.<ref name="faz" />
Auf lediglich 160 m² Ausstellungsfläche wurden Dutzende an Fotos und ca. 150 Kameras gezeigt. Im Jahr 2013 zog das Museum in das flächenmäßig größere Gebäude mit zunächst 1.300 m²<ref name="blogpd">„Deutsches Fotomuseum in Markkleeberg Eröffnung am 27. AUGUST 2013 um 13Uhr“ auf photographiedepot.de vom 26. August 2013, abgerufen am: 18. August 2019. </ref> (gebaut 1997) im agra-Park um, in dem es am 27. August 2013 eröffnet wurde.<ref name="dtfotom9">Deutsches Fotomuseum. Abgerufen am 18. August 2019.</ref> Am 15. November 2014 wurde die Erweiterung des Museums um die neuen Räume für die Sonderausstellungen eröffnet<ref name="dtfotom9" /> und damit die Fläche auf ca. 1.500 m² vergrößert.<ref name="stmklbg">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Deutsches Fotomuseum Markkleeberg ( des Vorlage:IconExternal vom 18. März 2018 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf markkleeberg.de abgerufen am: 18. August 2019</ref>
Nach dem Umzug und der Wiedereröffnung im August 2013 wurde das Museum jährlich von ca. 20.000 fotografisch Interessierten besucht.<ref name="sputnika">Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Deutsches Fotomuseum: Wie man ein Special Interest-Angebot erfolgreich vermarktet ( des Vorlage:IconExternal vom 6. September 2019 im Internet Archive) Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. auf sputnika.de vom 2. Oktober 2015, abgerufen am 6. September 2019.</ref> 2025 beschloss der Stadtrat von Markkleeberg, den Mietvertrag mit dem Museum zu kündigen.<ref>Anja Falgowski: Warum ein Museum schließen muss. In: mz.de. Mitteldeutsche Verlags- und Druckhaus GmbH, 11. September 2026, abgerufen am 28. September 2026.</ref>
Profil[Bearbeiten]
Das Deutsche Fotomuseum befand sich im Leipziger Raum an der Wiege der Deutschen Fotoindustrie, auch der erste deutsche Lehrstuhl für Fotografie bestand in Leipzig. Entsprechend groß (ca. 3.000) war der Bestand an historischen Kameras. Blickfang des Fotomuseums war gleich im Foyer die hölzerne 2,50 Meter große Reprokamera des Leipziger Kameraherstellers Hoh & Hahne vom Ende des 19. Jahrhunderts. Ein kleinerer Fokus lag bei den dazugehörigen Verfahren der Fotografie, von der Physik und Optik über die Chemie hin zu Fotopapieren und Belichtungsverfahren, um Fotos aus Szenerien herstellen zu können. Auch das wurde im Deutschen Fotomuseum dargestellt – zusammen mit den Kameras vor allem im Rahmen der Dauerausstellung „Fotofaszination“. In dieser Dauerausstellung wurden ca. 800 Exponaten auf ca. 1.500 m² Fläche gezeigt, davon rund 500 Fotografien (inklusive der zwei Sonderausstellungen) und ca. 300 Kameras.<ref name="sputnika" />
Ein besonderer Schwerpunkt waren die erstellten Fotos, von denen das Museum mehr als 70.000 besitzt, daher auch der Name Fotomuseum. Fotos sind sowohl Dokumentationen ihrer jeweiligen Zeit als auch Zeugnisse künstlerischen Wirkens. Vor allem die frühen Fotografen lichteten nicht nur die Personen und Szenen ihrer Zeit ab, sondern verstanden sich als Künstler ähnlich dem Maler oder Zeichner. Gern wurden u. a. erotische Szenen dargestellt und Porträts von Personen oder Aufnahmen von Gebäuden erstellt. Die zeitgeschichtliche Dimension ist immer wieder zu erkennen, wenn man mittels Fotos Ursache und Wirkung gegenüberstellt. Zum Beispiel, wenn man durch Krieg zerstörte Ruinen sieht – und zugleich sehen kann, wie sie vor dem Krieg aussahen. Fotos wirken wie ein ausgelagertes Gedächtnis von Generationen. All das wurde im Fotomuseum dargestellt, sowohl in der Dauerausstellung als auch in immer neuen Sonderausstellungen. Dabei wurden nicht nur historische, sondern auch zeitgenössische Fotos gezeigt.
Gebäude[Bearbeiten]
Das Gebäude besteht aus einer großen Rotunde mit drei Etagen, die aufgrund der Aufgänge an das Solomon R. Guggenheim Museum, New York City erinnert.<ref name="sputnika" /> Die Rotunde hat einen Außendurchmesser von ca. 30 Metern und ist bis zur Kuppelspitze ca. 15 Meter hoch. Über spiralförmige Rampen sind die zwei oberen Etagen barrierefrei erreichbar. Die Dachkonstruktion wird durch acht große Säulen getragen und im Dach befindet sich ein achteckiges Fenster, welches für ausreichend Licht im Gebäude sorgt.<ref name="enk-loc">Angaben z. T. von enk-location.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 6. September 2019; abgerufen am 18. August 2019. Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.</ref>
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spiralförmige Rampen als Aufgänge zu den beiden Obergeschossen
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Eingangsbereich Erdgeschoss, darüber die beiden oberen Etagen
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Fotoatelier um 1900 (1. Etage)
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Kameratechnik des 20. Jahrhunderts (2. Etage)
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großes achteckiges Dachfenster
Ausstellungen[Bearbeiten]
1837
Die Dauerausstellung „Fotofaszination“ präsentierte die Entwicklung der Fotografie in insgesamt 15 Abteilungen. Dabei wurden die Fotografien im Wesentlichen auf den spiralförmigen Aufgängen gezeigt, während die Fototechnik auf den einzelnen Ebenen der Etagen dargestellt war. Im Erdgeschoss begann die Dauerausstellung mit den vier Abteilungen: „Laterna Magica, 1800 – 1850“ (die Vorläufer der Fotografie), „Die Erfindung der Fotografie, 1839 – 1850“, „Reisefotografie, 1850 - 1900“ (mit der kompletten Ausrüstung eines Reisefotografen) und „Stereofotografie – die dritte Dimension, 1850 – 1900“. Die Geburtsstunde der Fotografie wurde vom Fotomuseum auf den 19. August 1839 datiert, also auf den Tag, an dem die von Louis Daguerre und Joseph Nicéphore Niépce entwickelte fotografische Technik erstmals der Öffentlichkeit in Paris vorgestellt wurde. Im Aufstieg zum ersten Obergeschoss wurden im „Zeitstrahl Fotografie“ Fotografien aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts gezeigt. In der ersten Etage wurde die Dauerausstellung mit den folgenden vier Abteilungen fortgesetzt: „Entwicklung der Kameratechnik, 1850 – 1900“, „Fotosalon 1900“, „Entwicklung der Farbfotografie, 1900 – 1936“ und „Historische Dunkelkammer, 1850 – 1950“ (u. a. mit technische Ausrüstung, Zubehör und Chemikalien). Im Aufstieg zur zweiten Etage wurde im „Zeitstrahl Fotografie, 1900 – 2000“ die Geschichte der Fotografie u. a. zu den Themen „Entdeckung des Alltags“ und „Fotografie der Nachkriegszeit in Ost und West“ gezeigt. In der zweiten Etage wurde die Dauerausstellung mit weiteren fünf Abteilungen abgeschlossen: „Moderne Kleinbildkameras, 1920 – 2000“, „Analoge und digitale Fotografie, 1970 – 2000“, „Fotografie aus der DDR“ (Peter Langner, aus der Serie „Verbotene Fotos“, Leipzig 1976), „Fotografie nach der Wende“ (Wolfgang Zeyen, Leipzig 1994) und „Fotografie der Gegenwart“ (mit Fotos von Thomas Karsten und Olaf Martens).<ref name="dtfotom3">Deutsches Fotomuseum - Dauerausstellung. Abgerufen am 2. September 2019.</ref>
Von 1989 bis 2019 wurden im Fotomuseum insgesamt 150 Sonderausstellungen zu Themen der zeitgenössischen und historischen Fotografie gezeigt.<ref name="dtfotom1">Deutsches Fotomuseum - Home. Abgerufen am 2. September 2019.</ref> So wurde zum Beispiel aus Anlass der 180-jährigen Geschichte der Fotografie und des 30. Geburtstages des Deutschen Fotomuseums eine Sonderausstellung "Die schönsten Plakate" gezeigt.<ref name="dtfotom153">Deutsches Fotomuseum Sonderausstellung "180 Jahre Fotografie - 30 Jahre Fotomuseum" abgerufen am 6. September 2019. </ref><ref name="lvz13062019">"30 Jahre Fotogeschichte in Mölkau und Markkleeberg" Artikel vom 13. Juni 2019 in der Leipziger Volkszeitung abgerufen am 6. September 2019. </ref>
Fotografien[Bearbeiten]
Die hier gezeigten Bilder weichen zum Teil in Ausschnitt und Tonung von denen im Deutschen Fotomuseum ausgestellten Fotos ab. Sie bieten aber einen Eindruck über die Vielzahl an historischen Aufnahmen des Museums<ref name="dtfotom4">Deutsches Fotomuseum – 19. Jahrhundert. Abgerufen am 5. September 2019.</ref>, von denen in der Dauerausstellung rund 400 zu sehen waren. In den zwei Sonderausstellungen wurden jeweils ca. 50 Fotografien gezeigt.<ref name="sputnika" />
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Emil Rabending, Kaiserin Elisabeth von Österreich (Sissi), Wien 1867
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Emil Rabending, Clara Schumann
Frankfurt am Main, um 1880 -
Giorgio Sommer
Briefschreiber mit seinem Straßenstand, Neapel 1886 -
Wilhelm von Gloeden
Glaukus, Taomina um 1895 -
Nicola Perscheid – Max Klinger, Leipzig 1899
Kameras[Bearbeiten]
In der Dauerausstellung "Fotofaszination" wurden auf drei Etagen rund 300 Kameras präsentiert.<ref name="sputnika" /> Die Kombination aus Geschichte der Fotografie und historischer Entwicklung der Kameratechnik in einem Fotomuseum war in Deutschland einmalig.
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Reisekamera ca. Ende 19. Jahrhundert (Erdgeschoss)
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Atelierkameras, Neues Görlitzer Kamerawerk, 1900 – 1920 (1. Etage)
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Contax III mit Fernrohr (Zeiss Ikon, Dresden 1936) (2. Etage)
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"Beplasca"-Stereokamera, VEB Belca Werk, Dresden 1953 (Erdgeschoss)
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"Praktisix"-Spiegelreflexkamera VEB Kamerawerke Niedersedlitz, Dresden 1956 (2. Etage)
Weblinks[Bearbeiten]
- Offizielle Website des Deutschen Fotomuseums
- Deutsches Fotomuseum auf der Website der Stadt Markkleeberg
- Sachsen. Deutsches Fotomuseum vor dem Aus am 13. November 2025 auf tagesschau.de
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
Koordinaten: 51° 17′ 9,6″ N, 12° 22′ 40,5″ O
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