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Taubnesseln

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Taubnesseln
Datei:Gefleckte taubnessel.jpg

Gefleckte Taubnessel (Lamium maculatum)

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Taubnesseln
Wissenschaftlicher Name
Lamium
L.

Die Taubnesseln (Lamium) sind eine Pflanzengattung in der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:English botany, or, Coloured figures of British plants (1863) (14764415035).jpg
Illustration der Mittleren Taubnessel (Lamium confertum aus English botany, or, Coloured figures of British plants, 1863)
Datei:Lamium purpureum 1 beentree.jpg
Kelch und unreife Klausenfrucht der Purpurroten Taubnessel (Lamium purpureum)

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Die Taubnessel-Arten sind einjährige bis ausdauernde krautige Pflanzen. Die oberirdischen Pflanzenteile sind mit kegelförmigen Haaren und kleinen, sitzenden Drüsen besetzt. Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfachen Blattspreiten haben eine Netznervatur und sind behaart. Der Blattrand ist stumpf-gekerbt bis grob-gezähnt.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Fünf bis 15 fast sitzende Blüten stehen zusammen in Scheinquirlen mit kurzen Vorblättern. Die Scheinquirle sind mehr oder weniger weit voneinander entfernt. Die Tragblätter der Halbquirle sind laubblattartig.

Die meist zwittrigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Der Kelch ist röhrig bis glockig, fünfnervig und fünfzähnig. Die Kelchzähne sind annähernd gleich lang und pfriemlich. Die Farbe der Blütenkrone ist gelb, weiß, rosa- bis purpurfarben. Die Krone ist zygomorph, vorne bauchig erweitert und deutlich zweilippig. Die Oberlippe ist helmförmig, gewölbt und meist ganzrandig, selten ausgerandet bis zweispaltig. Die Außenseite ist meistens behaart. Die Unterlippe besteht aus einem großen, gestutzten bis zweilappigen Mittelzipfel und zwei seitlichen, kleineren, zahnförmigen bis fehlenden Seitenzipfeln. Es gibt zwei kürzere und zwei längere Staubblätter, die alle fertil sind. Sie sind parallel angeordnet und reichen nicht über die Oberlippe hinaus.

Die Teilfrüchte (Klausen) sind scharf dreikantig, am oberen Ende gestutzt und tragen am Grund ein Elaiosom.

Ökologie[Bearbeiten]

Lamium-Taxa gedeihen als Therophyten oder Hemikryptophyten.

Blütenökologisch handelt es sich um Lippenblumen bzw. Hummelblumen. Die Bestäubung erfolgt durch Hummeln und andere Apoiden. Neben den normalen zwittrigen Blüten gibt es auch rein weibliche oder auch kleistogame Blüten. Bei den meisten Arten ist der Nektar durch einen Haarkranz im Inneren der Krone geschützt. Der Griffel ist länger als die Staubblätter, dies fördert die Fremdbestäubung.

Die Ausbreitung der Teilfrüchte erfolgt durch Ameisen (Myrmekochorie).

Systematik, Botanische Geschichte und Verbreitung[Bearbeiten]

Datei:Weiße Taubnessel im Naturschutzgebiet Schwarzbachtal bei Obercarsdorf.jpg
Weiße Taubnessel (Lamium album)
Datei:Lamium amplexicaule Kaldari 01.jpg
Stängelumfassende Taubnessel (Lamium amplexicaule)
Datei:Lamium orvala 2 RF.jpg
Riesen-Taubnessel (Lamium orvala)
Datei:Lamium tomentosa.jpg
Lamium tomentosum
Datei:Goldnessel (Lamium galeobdolon) 1.jpg
Gewöhnliche Goldnessel (Lamium galeobdolon)
Datei:Galeobdolon argentatum blatt.jpeg
Die invasive Silber-Goldnessel (Galeobdolon argentatum) ist an der markanten Zeichnung ihrer Blätter gut zu erkennen

Die Gattung Lamium wurde durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, 1753, Seite 579 und Genera Plantarum, 5. Auflage, 1754, Seite 252 aufgestellt. Synonyme für Lamium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. sind je nach Auffassung über den Umfang dieser Gattung: Galeobdolon Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Adans. nom. illeg., Lamiastrum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heist. ex Fabr., Lamiella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fourr., Lamiopsis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Dumort.) Opiz, Orvala Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L., Pollichia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Schrank nom. rej. non Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Aiton, Psilopsis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Neck. nom. inval., Wiedemannia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fisch. & C.A.Mey.<ref name="WCSP" /><ref name="Bendiksby2011" />

Die Gattung Lamium gehört zur Tribus Lamieae in der Unterfamilie Lamioideae innerhalb der Familie Lippenblütler (Lamiaceae). Die Gattung Lamium wurde nach morphologischen Merkmalen in Untergattungen gegliedert doch nach molekulargenetischen Untersuchungen sind dies keine natürlichen Verwandtschaftsgruppen.<ref name="Bendiksby2011" />

Die Gattung Lamium umfasst je nach Autor 25 bis 30<ref name="Fischer2008" /> Arten:<ref name="SF"/><ref name="WCSP" />

Die Goldnesseln mit etwa zehn Arten<ref name="Fischer2008"/> (bzw. Kleinarten) werden je nach Bearbeiter als eigene Gattung Galeobdolon<ref name="Fischer2008"/><ref name="SF" /><ref name="FOC" /> bzw. Lamiastrum oder als Untergattung von Lamium (Lamium subg. Galeobdolon) eingestuft. Nach Bendiksby et al. 2011 sind nach molekulargenetischen Untersuchungen, diese Untergattungen keine natürlichen Verwandtschaftsgruppen.<ref name="Bendiksby2011" /> Die von manchen Autoren als Kleinarten der Untergattung Lamium subg. Galeobdolon zusammengestellt wurden Unterarten von Lamium galeobdolon.<ref name="Bendiksby2011" /><ref name="WCSP" /> Hier wird trotzdem noch die andere ältere Auffassung dargestellt. In Mitteleuropa umfasst diese Gruppe folgende Arten:<ref name="SF"/>

Folgende Naturhybriden der Gattung Lamium sind bekannt (Auswahl):<ref name="WCSP" />

  • Lamium ×holsaticum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Prahl = Lamium album × Lamium maculatum: Sie kommt in Europa von Frankreich, Deutschland, Italien und der Schweiz bis Polen, Ungarn und Rumänien vor.
  • Lamium ×schroeteri Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gams = Lamium album × Lamium purpureum: Sie kommt in Frankreich, der Schweiz und Ungarn vor.

Verwendung[Bearbeiten]

Verwendet wird die Weiße Taubnessel (Lamium album), als Kraut oder als Blüte („Flores Lamii“, „Lamii albi flos“). Die Pflanzenteile dienen zur Herstellung von Tee.<ref name="Stoffliste" /> Ein medizinischer Nutzen im Rahmen der Naturheilkunde wird zur Entwässerung (als Diuretikum) angegeben.<ref name="efsa" /> Zur Linderung von Juckreiz werden auch Sitzbäder und Spülungen empfohlen.<ref name="Bäumler" /> Aufgrund ihrer entzündungshemmenden, antibakteriellen und schleimhautschützenden Wirkung wird die Taubnessel in der Volksmedizin zum Beispiel bei Atemwegserkrankungen und Magen-Darm-Beschwerden verwendet.<ref>Steffen Guido Fleischhauer, Jürgen Guthmann, Roland Spiegelberger: Essbare Wildpflanzen 200 Arten bestimmen und verwenden. 17. Auflage. AT Verlag, 2015, ISBN 978-3-03800-886-6, S. 111.</ref>

Geerntet werden die Blätter und Blüten von Mai bis September. Das Unternehmen Weleda hat die Pflanze zeitweise angebaut,<ref name="Straub" /> meist werden aber Wildpflanzen gesammelt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter William Ball: Lamium L. In:
  • Mika Bendiksby, Anne K. Brysting, Lisbeth Thorbek, Galina Gussarova, Olof Ryding: Molecular phylogeny and taxonomy of the genus Lamium L. (Lamiaceae): Disentangling origins of presumed allotetraploids. In: Taxon, Volume 60, Issue 4, 2011, S. 986–1000. doi:10.1002/tax.604004
  • Mika Bendiksby, Lisbeth Thorbek, A.-C. Scheen, C. Lindqvist, Olof Ryding: An updated phylogeny and classification of Lamiaceae subfamily Lamioideae. In: Taxon, Volume 60, 2011, S. 471–484.
  • Yasaman Salmaki, Mika Bendiksby, Günther Heubl: Molecular phylogeny confirms the placement of enigmatic Stachys persepolitana in Lamium (Lamiaceae; subfam. Lamioideae). In: Phytotaxa, Volume 192, Issue 4, 15. Januar 2015, S. 254–266. doi:10.11646/phytotaxa.192.4.3 Volltext-PDF.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Taubnesseln (Lamium) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Taubnessel – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="WCSP"> Rafaël Govaerts, 2003: World Checklist of Selected Plant Families Database in ACCESS: 1-216203. The Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Vorlage:WCSP </ref> <ref name="Fischer2008"> </ref> <ref name="SF"> </ref> <ref name="FOC"> Xi-wen Li, Ian C. Hedge: Lamium. In: textgleich online wie gedrucktes Werk.</ref> <ref name="Bendiksby2011"> Mika Bendiksby, Anne K. Brysting, Lisbeth Thorbek, Galina Gussarova, Olof Ryding: Molecular phylogeny and taxonomy of the genus Lamium L. (Lamiaceae): Disentangling origins of presumed allotetraploids. In: Taxon, Volume 60, Issue 4, 2011, S. 986–1000. doi:10.1002/tax.604004 </ref> <ref name="Celep2017"> Ferhat Celep: Lamium bilgilii (Lamiaceae), a new species from South-western Turkey (Burdur-Muğla). In: Phytotaxa, Volume 312, Issue 2, Juli 2017, S. 263. doi:10.11646/phytotaxa.312.2.9 </ref> <ref name="Schönfelder2008"> Peter Schönfelder, Ingrid Schönfelder: Die neue Kosmos-Mittelmeerflora. Franckh-Kosmos-Verlag Stuttgart 2008. ISBN 978-3-440-10742-3. S. 250. </ref> <ref name="Stoffliste"> Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) (Herausgeber): Stoffliste des Bundes und der Bundesländer, Kategorie „Pflanzen- und Pflanzenteile“. BVL-Report 8.4. Springer Verlag Basel etc 2014, ISBN 978-3-319-05806-1. </ref> <ref name="efsa"> EFSA European Food Safety Authority (editor): Consolidated list of Article 13 health claims. List of references received by EFSA. Part 3 IDs 2001 – 3000. Parma, 5 April 2011. </ref> <ref name="Bäumler"> Siegfried Bäumler: Heilpflanzenpraxis heute. Band 2 Rezepturen und Anwendungen. 2. Auflage 2013, Urban & Fischer Verlag, München, ISBN 978-3-437-57273-9, S. 476. </ref> <ref name="Straub"> Michael Straub: Besonderheiten und Potenziale des ökologischen Anbaus von Arznei- und Gewürzpflanzen. 3. Tagung Arzneipflanzenanbau in Deutschland – mit koordinierter Forschung zum Erfolg. In: Gülzower Fachgespräche, Band 56, ISBN 978-3-942147-36-1, S. 29–56. </ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Jens G. Rohwer: Lamiaceae. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 687.</ref> </references>

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