Marie Urfus
Marie Urfus, verheiratete Marie (auch: Maria) Moissi, (* 12. März 1874 in Teplitz, Österreich-Ungarn, als Maria Anna Franziska Urfus<ref>Pfarre Teplice, Geburtsbuch 1872–1875, fol. 175 (online abrufbar auf den Seiten des Staatlichen Gebietsarchivs Litoměřice).</ref>; † 3. Mai 1943 in Berlin<ref>Landesarchiv Berlin, Sterberegister Standesamt Wilmersdorf, Nr. 1192/1943 (kostenpflichtig abrufbar auf Ancestry.com).</ref>) war eine österreichische Theaterschauspielerin.
Leben[Bearbeiten]
Maria Urfus war die Tochter eines österreichischen Finanzrates und Landesinspektors. Sie hatte eine Schwester.<ref>Vgl. Bernhard Reich: Im Wettlauf mit der Zeit. Henschelverlag, 1970, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.). Vermutlich handelte es sich bei dieser Schwester um die Schauspielerin Helene Urfus, die in zahlreichen Theaterprogrammen neben Alfred Breiderhoff genannt wird. Vgl. etwa die von der Universität Düsseldorf gesammelten Theaterzettel auf digital.ub.uni-duesseldorf.de.</ref>
Nach einer Prüfung vor Direktor Angelo Neumann trat sie, ohne dramatischen Unterricht erhalten zu haben, 1894 in den Verband der Prager Theater ein, wo sie als „Raphael“ im „Faust“ debütierte. Zunächst sang sie am Neuen deutschen Theater kleinere Opernpartien<ref>Neuer Theateralmanach für das Jahr 1895. Berlin 1895.</ref>, später trat sie in Schauspielrollen am Deutschen Landes-Theater auf.<ref>Zahlreiche Treffer im Prager Tagblatt ab Februar 1894 (ANNO-Suche).</ref> Vom Direktor gefördert, erzielte sie große Erfolge. 1899 wechselte sie ans Kaiser-Jubiläums-Stadttheater in Wien.<ref>Neues Wiener Journal vom 13. Mai 1899, S. 6.</ref> Im September 1901 wurde sie ans Hofburgtheater engagiert, das sie 1904 wieder verließ. Von 1904 bis 1907 war sie schließlich am Berliner Lessing-Theater tätig<ref>Nachweise im Neuen Theater-Almanach, Jahrgang 1900 bis 1907.</ref>
Im Juni 1910 heiratete sie in England Alexander Moissi (1879–1935).<ref>Thomas Blubacher: Alexander Moissi. In: Andreas Kotte (Hrsg.): Theaterlexikon der Schweiz. Band 2, Chronos, Zürich 2005, ISBN 3-0340-0715-9, S. 1257 f. </ref><ref>Alexander Moissi in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum. </ref> Im Herbst 1913 gründete sie in Berlin die „Schauspielschule Maria Moissi“, an der auch ihr Mann unterrichtete.<ref>Berliner Tageblatt vom 8. Juli 1913, S. 25 (online).</ref> Die Ehe mit Moissi wurde 1918 geschieden.<ref name="books-240aAQAAIAAJ-">Rüdiger Schaper: Moissi.. Argon Verlag, 2000, ISBN 978-3-87024-513-9, S. 134 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Moissi unterstützte Urfus nach der Scheidung finanziell, wie er es auch schon bei deren Schwester gehalten hatte, die nach dem Tod Alfred Breiderhoffs in Bedrängnis geraten war.<ref name="Reich">Bernhard Reich: Im Wettlauf mit der Zeit. Henschelverlag, 1970, S. 163 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
Zu ihren Schülerinnen gehörten Dorothea Wieck und Olga Wojan.<ref name="books-LaNJAAAAQBAJ-3508">Hartmut Menzer: Zahlentheorie. Oldenbourg Verlag, 2010, ISBN 978-3-486-71148-6, S. 3508 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Kontakte lassen sich ferner nachweisen zu Elisabeth Bergner<ref>Diese schrieb in einem Brief vom 4. Februar 1922: „Frau Moissi findet ebenso wie ich [...]“; vgl. Alexandra Caruso: Erica Tietze-Conrat. Böhlau Verlag Wien, 2015, ISBN 978-3-205-79545-2, S. 156 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> und Else Lasker-Schüler, in deren Interesse sie im Mai 1933 mit Gottfried Benn telefoniert haben soll.<ref name="books-YhcJvTctr0AC-PR5-IA5">Holger Hof: Gottfried Benn - der Mann ohne Gedächtnis. Klett-Cotta, 2011, ISBN 978-3-608-10215-4 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref> Den Brief, den sie nach diesem Telefonat an die Dichterin schrieb, schickte sie aus Berlin ab.<ref name="books-x539-kC-YCkC-356">Sigrid Bauschinger: Else Lasker-Schüler. Wallstein Verlag, 2013, ISBN 978-3-835-30682-0, S. 356 (eingeschränkte Vorschau in der Google-BuchsucheSkriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GoogleBook“ ist nicht vorhanden.).</ref>
1943 starb Marie Urfus im Alter von 69 Jahren im Martin-Luther-Krankenhaus (Berlin) an den Folgen eines Schlaganfalls.<ref>Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Sterbeurkunde Nr. 1192 vom 4. Mai 1943.</ref> Ihr Grab befindet sich auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 35 D, Reihe 1, Nr. 30).<ref>Marie Urfus Moissi in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum. </ref>
Ihre Tochter Beatrice Moissi (später Beate von Molo; * 1906 München; † 1998),<ref>Beate Moissi von Molo in der Datenbank Find a GraveVorlage:Abrufdatum. </ref> begann als Diseuse<ref>Neues Wiener Tagblatt vom 1. Januar 1936, S. 12 (online bei ANNO).</ref>, wurde später Theaterleiterin und Regisseurin<ref>Beate von Molo bei spiegelonline.de</ref> und heiratete 1942 den Filmeditor Conrad von Molo.<ref>Standesamt Berlin-Wilmersdorf, Heiratsurkunde Nr. 339 vom 31. März 1942.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Urfus Marie. In: Ludwig Eisenberg: Großes biographisches Lexikon der Deutschen Bühne im XIX. Jahrhundert. Verlag von Paul List, Leipzig 1903, S. 1061 (Textarchiv – Internet Archive).
- Moissi-Urfus, Marie. In: Wilhelm Kosch: Deutsches Theater-Lexikon. 2. Band. Kleinmayr, Klagenfurt 1960, S. 1505 f.
Weblinks[Bearbeiten]
- Marie Urfus bei The Ibsen Stage Performance Database der Universität Oslo
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Urfus, Marie |
| ALTERNATIVNAMEN | Moissi, Marie; Urfus, Maria Anna Franziska (Geburtsname) |
| KURZBESCHREIBUNG | österreichische Theaterschauspielerin |
| GEBURTSDATUM | 12. März 1874 |
| GEBURTSORT | Teplitz |
| STERBEDATUM | 3. Mai 1943 |
| STERBEORT | Berlin |