Pietro Micca
Pietro Micca (bürgerlich Pierre Micha; * 6. März 1677 in Sagliano bei Biella; † 30. August 1706 in Turin) war ein italienischer Soldat des piemontesischen Heeres. Während der Schlacht von Turin im Spanischen Erbfolgekrieg zündete er in einem Minengang eine Sprengladung, um einen französischen Einbruch in die Festung von Turin zu verhindern.
Belagerung von Turin[Bearbeiten]
Nach monatelangen Belagerungskämpfen gelang es französischen Einheiten in der Nacht vom 29. auf den 30. August 1706 im Vorfeld der Festung in einen der unterirdischen Minengänge einzudringen, wo sie versuchten eine schwere Tür aufzubrechen, um dann weiter in die Zitadelle vorzudringen. Micca bewachte diese Tür zusammen mit einem Kameraden.
Da den beiden klar wurde, dass sie einen französischen Durchbruch nicht verhindern konnten, beschlossen sie, ein in der Nähe befindliches Fass mit 20 kg Schießpulver in die Luft zu sprengen, um so den unterirdischen Gang zum Einsturz zu bringen. Da keine genügend lange Zündschnur zur Verfügung stand, schickte Micca seinen Kameraden weg. Er soll zu ihm gesagt haben:
„Verschwinde schleunigst von hier! Ich werde die Mine in Brand setzen und so meine Stadt und mein Land retten. Richte dem Gouverneur aus, er soll an meine Frau und meine Kinder denken.“
Danach versuchte Pietro Micca noch zu flüchten, jedoch ohne Erfolg. Seine Leiche fand man knapp 30 Meter vom Ort der Sprengung entfernt.
Unter anderem durch seine Tat scheiterte die französische Belagerung der Festung. Nach der Schlacht von Turin mussten sich die Franzosen ganz aus dem Piemont zurückziehen.
Zugunsten seiner Witwe wurde auf deren Bitte hin am 26. Januar 1707 folgendes Dekret erlassen: „Se. K. H. von dem durch den Gatten der Bittstellerin geleisteten Dienste in Kenntniß gesetzt, und mit deren Armuth Mitleid hegend, befiehlt dem obersten Kriegszahlamt der Suplikantin ihr Leben hindurch täglich zwei Rationen Brot zu gewähren.“<ref name="18490718BLU">Pietro Micca. In: Blätter für literarische Unterhaltung, 18. Juli 1849, S. 4 (online bei ANNO).</ref> Allerdings erhielt die Familie zusätzlich jedes Mal „angemessene Unterstützung“, wenn sie sich „an die Gnade der Souveraine“ wandte.<ref name="18490718BLU" />
Ehrungen[Bearbeiten]
- Im Jahre 1841 ließ Karl Albert als regierender König von Sardinien ein Denkmal für Pietro Micca im Arsenal von Turin errichten.<ref>Vermischte Nachrichten. Pietro Micca. In: Mährisch-Ständische Brünner Zeitung, 29. Juli 1841, S. 6 (online bei ANNO).</ref>
- 1862 brachte eine Mailänder Spielkartenfabrik ein Kartenspiel heraus, in dem einer der vier Buben durch Pietro Micca dargestellt wurde (die anderen wurden durch Masaniello, Balilla sowie Garibaldi repräsentiert).<ref>Verschiedenes. In Mailand. In: Innsbrucker Nachrichten, 26. März 1862, S. 4 (online bei ANNO).</ref>
- Am 4. Juni 1874 wurde in der Zitadelle von Turin eine Statue von Pietro Micca enthüllt.<ref>Tagesneuigkeiten. In: Grazer Zeitung. Morgenblatt, 12. Juni 1864, S. 2 (online bei ANNO).</ref>
- Während der Weltausstellung Mailand 1906 wurde anlässlich des 200. Jahrestages der Heldentat ein Fest begangen.<ref>Kleine Zeitung. Eindrücke von der Mailänder Ausstellung. In: Die Zeit, 22. September 1906, S. 6 (online bei ANNO).</ref>
- In Turin gibt es heute das Pietro-Micca-Museum, in dem auch die Belagerung und die Schlacht von Turin dargestellt wird.
- Der italienische Regisseur Aldo Vergano drehte 1938 einen Spielfilm mit dem Titel Pietro Micca.
- Die italienische Marine benannte verschiedene Schiffe und U-Boote nach Micca:
- Die Pietro Micca (Bj. 1876), ein Torpedo-Zerstörer der Lampo-Klasse
- Die Pietro Micca (Bj. 1895), heute Museumsschiff
- Die Pietro Micca (Bj. 1917) ein U-Boot der Micca-Klasse
- Die Pietro Micca (Bj. 1935) ein Minenleger-U-Boot (Einzelschiff)
Literatur[Bearbeiten]
- Armando Tallone: Micca, Pietro. In: Enciclopedia Italiana. Band 23: Messie–Mss. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 1934.
- Micca, Pietro. In: Dizionario di Storia, Rom 2010.
- Paola Bianchi: Micca, Pietro. In: Mario Caravale (Hrsg.): Dizionario Biografico degli Italiani (DBI). Band 74: Messi–Miraglia. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2010.
Weblinks[Bearbeiten]
- Micca, Pietro. In: Enciclopedia on line. Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom. Vorlage:Abrufdatum
- Mit einem Pulverfass sprengte er die Franzosen in die Luft – und sich
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Micca, Pietro |
| KURZBESCHREIBUNG | Soldat des piemontesischen Heeres |
| GEBURTSDATUM | 6. März 1677 |
| GEBURTSORT | Sagliano bei Biella |
| STERBEDATUM | 30. August 1706 |
| STERBEORT | Turin |