Montel-Raum
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Der mathematische Begriff Montel-Raum bezeichnet eine spezielle Klasse lokalkonvexer Räume. Ihren Namen tragen sie nach dem Satz von Montel aus der Funktionentheorie. Viele lokalkonvexe Räume aus der Theorie der Distributionen sind Montelräume.
Definition[Bearbeiten]
Ein lokalkonvexer Raum heißt Montel-Raum, wenn er quasitonneliert ist und der Abschluss jeder beschränkten Menge kompakt ist.
Beispiele[Bearbeiten]
- Ein normierter Raum ist genau dann Montelraum, wenn er endlich-dimensional ist.
- Ist <math>G\subset {\mathbb C}</math> ein Gebiet und ist <math>H(G)</math> der Raum der holomorphen Funktionen auf G mit den Halbnormen <math>\textstyle p_K(f) := \sup_{z\in K}|f(z)|</math>, wobei <math>K\subset G</math> die kompakten Teilmengen von G durchläuft, so hat nach dem Satz von Montel jede in <math>H(G)</math> beschränkte Menge einen kompakten Abschluss. Da <math>H(G)</math> als Fréchet-Raum auch quasitonneliert ist, erweist sich <math>H(G)</math> als Montel-Raum.
- Sei <math>\Omega\subset {\mathbb R}^n</math> offen und <math>{\mathcal E}(\Omega)</math> der Raum der beliebig oft differenzierbaren Funktionen <math>f\colon\Omega\rightarrow {\mathbb R}</math> mit den Halbnormen <math>\textstyle p_{K,m}(f) := \sup_{|\alpha|\le m}\sup_{x\in K}|D^\alpha f(x)|</math>, so ist <math>{\mathcal E}(\Omega)</math> ein Montel-Raum. Dabei wurde für <math>\alpha=(\alpha_1,\ldots,\alpha_n)</math> die Multiindex-Schreibweise verwendet.
- Sei <math>\Omega\subset {\mathbb R}^n</math> offen und <math>{\mathcal D}(\Omega)\subset {\mathcal E}(\Omega)</math> der Unterraum der beliebig oft differenzierbaren Funktionen mit einem kompakten Träger in <math>\Omega</math>. Für kompaktes <math>K\subset \Omega</math> sei <math>{\mathcal D}_K(\Omega)</math> der Raum der Funktionen mit Träger in K mit der von <math>{\mathcal E}(\Omega)</math> induzierten Teilraumtopologie. Dann gibt es eine feinste lokalkonvexe Topologie auf <math>{\mathcal D}(\Omega)</math>, die alle Einbettungen <math>{\mathcal D}_K(\Omega) \subset {\mathcal D}(\Omega)</math> stetig macht. <math>{\mathcal D}(\Omega)</math> mit dieser Topologie ist der Raum der Testfunktionen und ist ein Beispiel für einen nicht-metrisierbaren Montel-Raum.
- Sei <math>{\mathcal S}({\mathbb R}^n)</math> der Raum aller Funktionen <math>f \colon {\mathbb R}^n \rightarrow {\mathbb R}</math>, für die alle Suprema <math>\textstyle p_{k,m}(f) := \sup_{|\alpha|\le k}\sup_{x\in {\mathbb R}^n} |(1+|x|^2)^m D^\alpha f(x)|</math> endlich sind. Dabei wurde wieder von der Multiindex-Schreibweise Gebrauch gemacht. Der Raum <math>{\mathcal S}({\mathbb R}^n)</math> mit den Halbnormen <math>\{p_{k,m};\,k,m\in{\mathbb N}_0\}</math> heißt Raum der schnell fallenden Funktionen und ist ein Montel-Raum.
- Vollständige quasitonnelierte Schwartz-Räume sind Montel-Räume.
- Jeder lokalkonvexe Raum mit der feinsten lokalkonvexen Topologie, das heißt mit der von allen absolutkonvexen, absorbierenden Mengen als Nullumgebungsbasis erzeugten Topologie, ist ein Montel-Raum.
Eigenschaften von Montelräumen[Bearbeiten]
- Montel-Räume sind reflexiv und daher tonneliert.
- Montel-Räume sind quasivollständig, d. h. jedes beschränkte Cauchy-Netz konvergiert. Es gibt unvollständige Montel-Räume.
- Direkte Produkte (mit der Produkttopologie) und direkte Summen (mit der Finaltopologie) von Montel-Räumen sind wieder Montel-Räume.
- Im Allgemeinen sind weder abgeschlossene Unterräume noch Quotienten von Montel-Räumen wieder Montel-Räume.
- Ist E ein Montel-Raum, so auch der starke Dualraum E'. Insbesondere sind also die in der Distributionstheorie auftretenden Räume <math>{\mathcal E}'(\Omega)</math>, <math>{\mathcal D}'(\Omega)</math> und <math>{\mathcal S}'({\mathbb R}^n)</math> Montel-Räume.
Quellen[Bearbeiten]
- Klaus Floret, Joseph Wloka: Einführung in die Theorie der lokalkonvexen Räume (= Lecture Notes in Mathematics. Bd. 56, ISSN 0075-8434). Springer, Berlin u. a. 1968, doi:10.1007/BFb0098549.
- H. H. Schaefer: Topological Vector Spaces, Springer, 1971 ISBN 0-387-98726-6
- H. Jarchow: Locally Convex Spaces, Teubner, Stuttgart 1981 ISBN 3-519-02224-9
- R. Meise, D. Vogt: Einführung in die Funktionalanalysis, Vieweg, 1992 ISBN 3-528-07262-8