Moses & Taps
Moses & Taps (Eigenschreibweise MOSES & TAPS) sind ein Künstlerkollektiv<ref name="Wertical_Interview">Wertical Interview MOSES & TAPS 2013. In: ilovegraffiti.de. 16. Januar 2013, abgerufen am 18. September 2016.</ref> aus dem Genre der Urban-Art, die vor allem öffentlich wegen ihrer Graffiti auf Wänden und Zügen bekannt sind. Daneben sind sie regelmäßig bei Ausstellungen in deutschen und internationalen Galerien sowie Museen vertreten.
Beschreibung[Bearbeiten]
Moses und Taps sind ursprünglich die Pseudonyme zweier Einzelpersonen, deren künstlerische Karrieren unabhängig voneinander 1994 begonnen haben.<ref name="Goldenhands-Infotext">Beschreibung von Moses & Taps zur Ausstellung „Corporate Identity“ (englisch)</ref> Seit dem Jahr 2007 arbeitet Moses mit dem Künstler Taps zusammen.<ref name=":0">Nils Müller: Interview zur Ausstellung TOPSPRAYER EXPRESS. Wertikal Magazin, 16. März 2013, abgerufen am 11. Oktober 2016.</ref><ref name="HAZ_Phantom_Moses">Ein Phantom namens Moses In: Hannoversche Allgemeine Zeitung. 6. Oktober 2015, abgerufen am 16. August 2016.</ref> Im selben Jahr gründeten sie das Künstlerkollektiv Topsprayer und begannen damit, ihre Kryptonyme untereinander zu tauschen. Inzwischen arbeiten so eine unbestimmte Anzahl von Personen unter den Pseudonymen Moses und Taps.<ref name="Wertical_Interview" /><ref name=":0" /> Da viele Arbeiten des Kollektivs im öffentlichen Raum nicht genehmigt und somit illegal sind, soll so die Zuordnung der Werke zu Einzelpersonen und damit auch die Strafverfolgung erschwert werden.
Publikationen[Bearbeiten]
Im Jahr 2011 erschien das Erstlingswerk Moses & Taps – International Topsprayer im Publikat Verlag. Im Rahmen des Buchprojekts tauschten Moses und Taps in Zusammenarbeit mit einer Vielzahl weiterer Graffitikünstler über einen Zeitraum von 1000 Tagen untereinander die Pseudonyme und beschädigten durch Beschmieren weltweit 1000 Züge. Mittlerweile in vierter Auflage ist es das meistverkaufte Buch im Themenfeld Graffiti.<ref>Moses und Taps: International Topsprayer. Hrsg.: Publikats Verlag- und Handels GmbH & Co. KG. 1000. Auflage. 2011, ISBN 978-3-939566-35-9, S. 288.</ref>
Im April 2014 veröffentlichten Moses & Taps den Bildband Same Same, der sich ihren Throw-Ups und deren räumlichem Kontext widmet.<ref>Good Guy Boris: Same Same – Book by Moses & Taps • The Grifters Journal. In: The Grifters Journal. 21. September 2015, abgerufen am 21. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Anlässlich der Einladung zur Rose Béton Biennale 2019 im französischen Toulouse erschien gemeinsam mit dem Fotografen Edward Nightingale im selben Jahr das auf 300 Exemplare limitierte Buch Mementum Mori.<ref>Edward Nightingale – Memento Mori. Abgerufen am 21. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im März 2020 erschien mit Moses & Taps – Graffiti Avantgarde eine umfangreiche Monografie der Künstler.<ref>Graffiti Avantgarde – Das neue Buch von MOSES & TAPS. Abgerufen am 21. September 2020.</ref>
Werke (Auszug)[Bearbeiten]
2010 erzielten Moses & Taps breite Aufmerksamkeit, als sie mit Farbe und dem Nachbau eines Öffnungstasters eine täuschend echt wirkende Attrappe einer Tür auf ein Fenster eines Zuges der S-Bahn Hannover malten.<ref>Rudolf Klöckner: S-Bahn Fake-Tür. Urbanshit, 16. November 2010, abgerufen am 11. Oktober 2016.</ref>
2011 kritisierten sie den Ausverkauf von Urban Art im Buch International Topsprayer; indem sie 76 Dollarnoten in Form des Wortes Sellout an eine Hamburger S-Bahn klebten.<ref>SELLOUT. Abgerufen am 10. Mai 2017.</ref><ref>MOSES & TAPS: International Topsprayer. Hrsg.: Markus Christl. Publikat, ISBN 3-939566-35-7, S. 3.</ref>
Ende April 2015 erzielte die Aktion The Wall, bei der Moses & Taps die Tür einer Hamburger S-Bahn zumauerten, ein internationales Medienecho.<ref name="abendblatt_mauer">SoKo Graffiti glaubt: Das sind die S-Bahn-Maurer in Hamburger Abendblatt, 17. November 2015, abgerufen am 4. September 2016.</ref> In einem Interview im Hamburger Abendblatt stellten sie daraufhin „die Sinnhaftigkeit einer Strafverfolgung (…) für das Errichten einer Mauer“ infrage.<ref name="abendblatt_druck">Christoph Heinemann: Hamburger S-Bahnmaurer: „Den Druck hat doch die Polizei“. In: abendblatt.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.</ref> Durch den Ausfall des Zuges soll ein Schaden von „mehreren 10.000 Euro“ entstanden sein.<ref>BPOL-HH: Unbekannte Täter mauern Wagentür einer S-Bahn zu – Hamburger Bundespolizei hat Ermittlungen aufgenommen. In: presseportal.de. 29. April 2015 (Online).</ref> Hierzu merkten sie im genannten Interview an, dass das erste Mal auch „unkritischere Geister (…) die absurd veranschlagte Schadenssumme von ‚mehreren Zehntausend Euro‘ infrage gestellt.“ haben.<ref name="abendblatt_druck" /> Tatsächlich zeigte eine später anonym veröffentlichte interne Abrechnung, dass sowohl der Deutschen Bahn als auch der Bundespolizei bereits vor Veröffentlichung des Videos bekannt war, dass der Ausfallschaden nur einen Bruchteil der von ihnen behaupteten Summe betrug.<ref>Was eine zugemauerte S-Bahn-Tür die Deutsche Bahn kostet – und was die DB behauptet, was die kostet | Das Kraftfuttermischwerk. In: kraftfuttermischwerk.de. Abgerufen am 7. Januar 2017.</ref><ref>Christoph Heinemann: S-Bahn-Maurer richteten geringen Schaden an. In: Hamburger Abendblatt. Zeitungsgruppe Hamburg GmbH, 19. Januar 2017, abgerufen am 10. September 2017.</ref>
Im Rahmen der Ausstellung „ViralVandals“ im Jahr 2017 im Museum MU in Eindhoven errichteten Moses & Taps als eine selbstironische Anspielung auf die Kommerzialisierung von Urban Art einen voll ausgestatteten und verkaufsbereiten Souvenirshop mit Werbeartikeln.<ref>MU | #ViralVandals. Abgerufen am 5. Mai 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Im Oktober 2018 erzielte die Leinwandarbeit „Das kann ich auch“ aus dem Jahre 2013 bei einer Versteigerung im Pariser Auktionshaus Artcurial einen Verkaufspreis von 11.700 €.<ref>Search & Stop Collecting from Banksy to Ryden | Vente n°3904 | Lot n°27 | Artcurial. Abgerufen am 6. November 2018 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
In Zusammenarbeit mit dem Schweizer Uhrenhersteller Swatch gestalteten Moses & Taps im Frühjahr 2019 eine Armbanduhr.<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.IMAGE OF GRAFFITI ( vom 29. März 2019 im Internet Archive)</ref>
Serielle Arbeiten[Bearbeiten]
Corporate Identity[Bearbeiten]
Moses & Taps Corporate Identity dient als konzeptionelles Bindeglied und Gestaltungsgrundlage zwischen verschiedenen Werkserien. Ihr visueller Teil besteht neben der Verwendung einer exklusiven Hausschrift vornehmlich aus den dargestellten Farben gelb und cyan in Zusammenspiel mit den Kontrastfarben schwarz und weiß. Die Farben gelb und cyan ersetzen jeweils einen der beiden Namensbestandteile des Kollektivs. Auf Grund vorangegangener Namenswechsel wird dabei keine Farbe einem Pseudonym zugeordnet<ref>Torkel Sjöstrand: Moses & Taps – In the Darkness of Illegality. In: Dokument Press (Hrsg.): Underground Production. Nr. 44. Dokument Press, 2011, S. 64.</ref>. Eigennamen wie Werk- oder Ausstellungstitel werden mit den hochgestellten Buchstaben „TM“ signiert. Das hochgestellte Trademark-Zeichen TM persifliert die konventionelle Bedeutung als unregistrierte Warenmarke und greift die Namen Taps und Moses auf.<ref>Ausstellungstext CORPORATE IDENTITY. 10. März 2016, abgerufen am 18. September 2016.</ref> Neben einer Erhöhung des Wiedererkennungswerts soll durch die Corporate Identity vor allem auch eine einfache und personenunabhängige Reproduzierbarkeit gewährleistet werden.
Splash[Bearbeiten]
Als kritische Antwort auf Selbstzensur und inhaltlichen Stillstand entfernen sich Moses & Taps zusehends von den strikten Darstellungsregeln des Graffiti. Mit der seit dem Jahre 2010 entwickelten Serie Splash verzichten sie auf die übliche gegenständliche Wiedergabe von Buchstaben und figurativen Elementen. Stattdessen bringen sie Farbspraydosen zur kontrollierten Explosion und lassen so abstrakte, vielschichtige Farbwolken entstehen. Leinwandarbeiten dieser Serie stellten sie bislang in mehreren internationalen Einzelausstellungen aus.<ref>Interview zur Ausstellung §PLASH. 2015, abgerufen am 11. Oktober 2016 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
Image of Graffiti[Bearbeiten]
Die Werkreihe Image of Graffiti greift die Ästhetik von in Graffitimanier entfremdeten, farbenfrohen Buchstaben auf und spielt mit dem Versuch des Betrachters, in den abstrahierten Fragmenten die Darstellung eines Wortes dechiffrieren zu können.<ref>widewalls: Moses and Taps bring EUROPA to Kolly Gallery. In: WideWalls. (widewalls.ch [abgerufen am 10. Mai 2017]).</ref><ref>Kolly Gallery Moves to Paris for the Swiss Chocolate Pop-Up Exhibition. In: Street Art Graffiti News. 14. April 2017 (antheamissy.com [abgerufen am 10. Mai 2017]).</ref>
Flickwerk[Bearbeiten]
Die Serie Flickwerk besteht aus Fragmenten von Leinwänden, die, nachträglich vernäht, ein collagenartiges Gesamtbild formen. Im Jahr 2015 zeigten Moses & Taps Arbeiten dieser Serie im Rahmen einer gleichnamigen Einzelausstellung in San Francisco.<ref>886Geary.com. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 15. Mai 2017; abgerufen am 10. Mai 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref><ref>dpa: Berliner Street Art gibt's jetzt im Museum. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 1. März 2017.</ref>
Strafverfolgung[Bearbeiten]
Laut einem Artikel der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung aus dem Jahr 2015 glaubt die Ermittlungsgruppe Graffiti der Polizei Niedersachsen und der Bundespolizei, zumindest einen Verdächtigen benennen zu können, der das Pseudonym Moses ursprünglich genutzt haben soll. Da sich bislang keiner der Vorwürfe belegen ließ, wurden die Verfahren eingestellt. Laut derselben Quelle soll der ursprüngliche Moses im Jahre 2015 nach Hamburg verzogen sein.<ref name="HAZ_Phantom_Moses" /> In einem Interview mit dem Magazin Backspin aus dem Jahre 2006 wird allerdings angegeben, dass Moses bereits zu diesem Zeitpunkt in Hamburg gelebt hat.<ref>Mark Todt: Moses – Auf den Namen kommt es an. In: Niko Hüls (Hrsg.): Backspin. Nr. 72. Backspin, Hamburg 1. Februar 2006.</ref> Dieselbe Information findet sich im biografischen Teil der Veröffentlichung International Topsprayer aus dem Jahre 2011.
Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]
- 2012 – Teilnahme an „Achtung: Asphaltkultur – German Graffiti Avantgarde“, Goethe-Institut, Bangalore, Indien<ref>Germany and India Infinite Opportunities: Achtung: Asphaltkultur – German Graffiti Avantgarde. In: www.germany-and-india.com. 7. Januar 2017, archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Januar 2017; abgerufen am 7. Januar 2017 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2013 – Teilnahme an „Galeria Autonomica“, Münchner Stadtmuseum<ref>Galeria Autonomica » Galeria Autonomica im Museum. In: galeria-autonomica.de. Archiviert vom Vorlage:IconExternal (nicht mehr online verfügbar) am 7. Januar 2017; abgerufen am 7. Januar 2017.</ref>
- 2014 – Teilnahme an „Nightshot“, Benaki-Museum, Athen, Griechenland<ref>Public Art Festival: Multiformity. In: publicartfestival.gr. Abgerufen am 7. Januar 2017.</ref>
- 2015 – Teilnahme an „Fairy Tales“, Museum of Contemporary Art, Taipei, Taiwan<ref>New project: Public art project with the Taipei Museum of Contemporary Art – Public Delivery. In: Public Delivery. 27. April 2015 (publicdelivery.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).</ref>
- 2015 – Teilnahme an „Bundeskunsthall of Fame“ der Bundeskunsthalle in Bonn<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Ausstellung „Bundeskunsthall of Fame“ ( vom 15. September 2016 im Internet Archive)</ref>
- 2016 – Teilnahme an „Millerntor Gallery“, Hamburg<ref>Moses & Taps. In: The Grifters Journal. (thegrifters.org [abgerufen am 7. Januar 2017]).</ref>
- 2020 – Teilnahme an der Manifesta 13, Musée Regards de Provence, Marseille, Frankreich<ref>Local Heroes. Marseille & Berlin – Manifesta 13 | Musée Regards de Provence. Abgerufen am 21. September 2020 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- 2026 – Teilnahme an „Under the Milky Way. Abstraktion, Autonomie und post-vandalische Tendenzen in der Kunst der Gegenwart“, Kunstverein Hannover.<ref>Under the Milky Way. In: Kunstverein Hannover. Abgerufen am 10. April 2026.</ref>
Weblinks[Bearbeiten]
- Literatur von und über Moses & Taps im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Interview mit Moses und Taps im Hamburger Abendblatt
- Fotos von Graffiti von Moses und Taps bei flickr
- Sprayaktionen von Moses & Taps bei Urbanshit
- Interview mit Moses und Taps auf thegrifters.org (englisch), deutsche Übersetzung
- Filmreportage Sprayern auf der Spur des NDR vom 30. September 2015, 28:32 Minuten
- Radioreportage Graffiti in NRW (3): NRW und die bemalten Züge von Moses & Taps des WDR 5 vom 27. Juli 2016, 6:17 Minuten
- Filmreportage Illegal, legal, museal: Moses & Taps bei Westart, WDR vom 25. September 2017, 29:59 Minuten
Einzelnachweise[Bearbeiten]
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