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Natternköpfe

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Natternköpfe
Datei:Illustration Echium vulgare0.jpg

Gewöhnlicher Natternkopf (Echium vulgare), Illustration

Systematik
Asteriden
Euasteriden I
Familie: Raublattgewächse (Boraginaceae)
Unterfamilie: Boraginoideae
Tribus: Lithospermeae
Gattung: Natternköpfe
Wissenschaftlicher Name
Echium
L.

Die Natternköpfe (Echium), auch als Natterköpfe bezeichnet, sind eine Pflanzengattung innerhalb der Familie der Raublattgewächse (Boraginaceae). Die Gattung umfasst etwa 65 Arten. Der Gattungsname leitet sich von den auffallenden Griffeln ab, die am Ende wie Schlangenzungen gespalten sind. In Mitteleuropa sieht man am häufigsten den blau blühenden Gewöhnlichen Natternkopf (Echium vulgare).

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Echium boissieri Rosettefistyear 25July2009 Mengibar.jpg
Blattrosette von Echium boissieri im ersten Jahr

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Mediterrane und mitteleuropäische Echium-Arten sind ein- bis zweijährige oder ausdauernde krautige Pflanzen, die je nach Art Wuchshöhen von bis zu 1 Meter erreichen.<ref name="FloraIbérica2012" /> Auf Madeira, den Kapverden und den Kanarischen Inseln kommen auch viele verholzende, strauchförmige Arten vor.<ref name="FloraIbérica2012" /> Oberirdische Pflanzenteile sind meist borstig behaart.<ref name="FoC1995" />

Die wechselständigen Laubblätter besitzen eine einfache Blattspreite.<ref name="FoC1995" />

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Datei:Echium vulgare flowerdiagram.png
Blütendiagramm von Echium vulgare
Datei:Echium judaeum.JPG
Zygomorphe Blüten von Echium judaeum

Die endständigen Blütenstände sind Wickel mit Tragblättern. Es sind meist Blütenstiele vorhanden.<ref name="FoC1995" />

Die zwittrigen Blüten sind fünfzählig mit doppelter Blütenhülle (Perianth) und im Gegensatz zu den Blüten der meisten anderen Boraginaceae deutlich zygomorph. Die fünf an ihrer Basis verwachsenen Kelchblätter vergrößern sich etwas bis zur Fruchtreife und neigen sich dann zusammen. Die fünf blauen, purpur- bis rosafarbenen Kronblätter sind röhrig oder glockenförmig verwachsen mit meist kurzer Kronröhre und ungleich großen Kronzipfeln. Die ungleichen Staubblätter besitzen lange, dünne Staubfäden und relativ kleine, längliche Staubbeutel. Zwei Fruchtblätter sind zu einem vierfächerigen oberständigen Fruchtknoten verwachsen. Der dünne Griffel ist oben zweiästig mit jeweils einer kleinen, kopfigen Narbe.

Die Klausenfrucht zerfällt in vier Teilfrüchte. Die Teilfrüchte (Klausen) sind meist braun, gerade, eiförmig bis schmal-eiförmig, warzig oder glatt.<ref name="FoC1995" />

Datei:Tajinaste de La Gomera - panoramio - Canarina.jpg
Echium acanthocarpum
Datei:Echium asperrimum habitusCanadaCalatrava.jpg
Echium asperrimum
Datei:Echium auberianum LC0202.jpg
Blauer Teide-Natternkopf (Echium auberianum)
Datei:Echium brevirame LC0411.jpg
Echium brevirame
Datei:Echium callithyrsum.JPG
Blütenstand von Echium callithyrsum
Datei:Echium candicans JPG02.jpg
Blütenstände des Madeira-Natternkopfs (Echium candicans)
Datei:Echium decaisnei - habit.jpg
Echium decaisnei
Datei:Echium gentianoides LC0410.jpg
Echium gentianoides
Datei:Echium-hierrense 0071.jpg
Blütenstand des Hierro-Natternkopfs (Echium hierrense)
Datei:Santiago-Echium hypertropicum (1).JPG
Echium hypertropicum
Datei:Echium italicum kz5.jpg
Italienischer Natternkopf (Echium italicum)
Datei:Echium nervosum k1.jpg
Prächtiger Natternkopf (Echium nervosum)
Datei:Echium plantagineum kz4.JPG
Wegerichblättriger Natternkopf (Echium plantagineum)
Datei:Echium webbii (Puntallana) 01.jpg
Blütenstände von Webbs Natternkopf (Echium webbii)
Datei:Tajinaste rojo.jpg
Wildprets Natternkopf (Echium wildpretii)

Systematik und Verbreitung[Bearbeiten]

Die Gattung Echium wurde durch Carl von Linné 1753 in Species Plantarum, Tomus I, Seite 139 und 1754 in Genera Plantarum, 5. Auflage, Seite 68 aufgestellt.

Die Gattung Echium gehört zur Tribus Lithospermeae in der Unterfamilie Boraginoideae innerhalb der Familie Boraginaceae.

Arten, Unterarten und ihre Verbreitung[Bearbeiten]

Die meisten der etwa 65 Echium-Arten kommen in Europa, Vorderasien und Nordafrika vor.<ref name="Euro+Med" /> 28 Arten sind Endemiten auf Madeira, den Kanaren und den Kapverden.<ref name="Hansen1993" /> Mehrere Arten gelten als invasive Neophyten beispielsweise in Nordamerika<ref name="USDA" /> und Australien.<ref name="Forcella1986" />

Europa, Mittelmeerraum, Orient[Bearbeiten]

Makaronesische Endemiten[Bearbeiten]

Die Entwicklung der Natternköpfe auf den makaronesischen Inseln setzte vermutlich kurz nach der Entstehung der Inseln ein, im Fall von Fuerteventura und Lanzarote also etwa vor 19 Millionen Jahren. Die Entwicklung der 25 endemischen Arten der Gattung Echium erfolgte durch adaptive Radiation und Vikarianz (Trennung von Populationen durch die Entwicklung geographischer oder ökologischer Barrieren) aus einer einzigen, aus der Mittelmeerregion stammenden Ursprungsart, die Echium decaisnei auf Gran Canaria ähnlich gewesen sein dürfte. Im Unterschied zu den kurzlebigen Echium-Arten im Mittelmeerraum entwickelten sie sich wegen des ausgeglichenen Klimas auf den makaronesischen Inseln zu ausdauernden, verholzenden Sträuchern.<ref name="FloraIbérica2012" />

Madeira[Bearbeiten]
Kanaren[Bearbeiten]
Kapverden[Bearbeiten]

Auf den Kapverdischen Inseln gibt es etwa drei bis zu 2 Meter hohe Arten,<ref name="Romeiras2007" /> die alle wegen der rauen Textur der Blätter im Volksmund língua de vaca („Kuhzunge“) genannt werden:

Ausgeschlossene Arten[Bearbeiten]

Die folgende Art wird seit 2000 der anderen Gattung Pontechium zugeordnet:

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="FoC1995"> Gelin Zhu, Harald Riedl, Rudolf V. Kamelin: Echium. In: </ref> <ref name="FloraIranica"> Harald Riedl: Boraginaceae. In: Karl Heinz Rechinger (Hrsg.): Flora Iranica. Band 48. Graz 1967, S. 213–215. </ref> <ref name="Forcella1986"> F. Forcella, J. T. Wood, S. P. Dillon: Characteristics distinguishing invasive weeds within Echium (Bugloss). In: Weed Research. Band 26, Nr. 5, 1986, S. 351–364, doi:10.1111/j.1365-3180.1986.tb00718.x. </ref> <ref name="Hansen1993"> Alfred Hansen, Per Sunding: Flora of Macaronesia. Checklist of vascular plants. In: Sommerfeltia. 4. Auflage. Band 17, 1993, S. 1–295. </ref> <ref name="Böhle-Hilger2000"> </ref> <ref name="Bacchetta2000"> </ref> <ref name="Valdés2007"> Benito Valdés: Notas sobre el género Echium L. In: Lagascalia. Band 27, 2007, S. 53–71 (PDF-Datei). </ref> <ref name="Romeiras2007"> Maria M. Romeiras, Helena C. Cotrim, Maria C. Duarte, Maria S. Pais: Genetic diversity of three endangered species of Echium L. (Boraginaceae) endemic to Cape Verde Islands. In: Biodiversity and Conservation, Volume 16, Issue 2, Springer 2007, S. 547–566. doi:10.1007/s10531-006-6734-0 </ref> <ref name="FloraIbérica2012"> Benito Valdés: Echium L. In: Santiago Castroviejo, C. Andrés, M. Arista, M. P. Fernández Piedra, M. J. Gallego, P. L. Ortiz, C. Romero Zarco, F. J. Salgueiro, S. Silvestre, Alejandro Quintanar (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas Vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Volume XI. Gentianaceae – Boraginaceae. Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 2012, ISBN 978-84-00-09415-7, S. 413–446 (floraiberica.es [PDF; 619 kB]). </ref> <ref name="Graham2021"> Rachael E. Graham, J. Alfredo Reyes-Betancort, Mark A. Chapman, Mark A. Carine: Inter-island differentiation and contrasting patterns of diversity in the iconic Canary Island sub-alpine endemic Echium wildpretii (Boraginaceae). In: Systematics and Biodiversity, Volume 19, Issue 5, 2021, S. 507–525. doi:10.1080/14772000.2021.1877847 PDF. </ref> <ref name="Euro+Med"> Benito Valdés, 2011: Boraginaceae. Datenblatt Echium In: Euro+Med Plantbase - the information resource for Euro-Mediterranean plant diversity. </ref> <ref name="USDA"> USDA Plant Profile: Echium. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Natternköpfe (Echium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Weiterführende Literatur[Bearbeiten]

  • Uta-Regina Böhle, Hartmut H. Hilger, W. F. Martin: Island colonization and evolution of the insular woody habit in Echium L. (Boraginaceae). In: Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America, Volume 93, Issue 21, 1996, S. 11740–11745. doi:10.1073/pnas.93.21.11740