Kleines Knabenkraut
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| Kleines Knabenkraut | ||||||||||||
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| Datei:Orchis morio plants.jpg
Kleines Knabenkraut (Anacamptis morio) in der Unterart subsp. morio | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Anacamptis morio | ||||||||||||
| (L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase |
Das Kleine Knabenkraut<ref name="FloraWeb" /> (Anacamptis morio Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase, Synonym: Orchis morio Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L.), auch Salep-Knabenkraut, Satyrion, Stendelwurz oder Narrenkappe sowie kurz Knabenkraut genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung der Hundswurzen (Anacamptis) innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae).
Beschreibung und Phänologie[Bearbeiten]
Vegetative Merkmale[Bearbeiten]
Das Kleine Knabenkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 8 bis 50 Zentimetern erreicht. Die meist in einer grundständigen Rosette stehenden Laubblätter sind lanzettlich, meist spitz, gelegentlich auch mit abgerundeter Spitze, 3 bis 10 Zentimeter lang und etwa 1 bis 2 Zentimeter breit. Der Stängel ist kräftig, etwas kantig und nach oben hin violett überlaufen.
Generative Merkmale[Bearbeiten]
Der Blütenstand ist meist reichblütig. Die zwittrigen Blüten sind zygomorph und dreizählig. Die Blütenfarben sind überwiegend purpurrot, können aber auch nahezu weiß sein. Das mittlere Kelchblatt und die Kronblätter bilden einen Helm. Die seitlichen Kelchblätter besitzen ein auffälliges, grünes Linienmuster und stehen etwas ab. Die Lippe ist bis 10 Millimeter lang und 16 Millimeter breit, schwach bis mäßig dreilappig. Die Seitenlappen sind flach ausgebreitet oder nach hinten geschlagen. Die Lippenbasis ist heller mit dunkleren Punkten oder Strichmuster. Der zylindrische Sporn ist aufwärts gebogen und – je nach Unterart – kürzer als der Fruchtknoten oder so lang wie der Fruchtknoten.
Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 36.<ref name="Oberdorfer2001" />
Ökologie[Bearbeiten]
Das Kleine Knabenkraut ist blütenökologisch eine Scheinsaftblume, weil im Sporn kein Nektar enthalten ist. Da das Kleine Knabenkraut selbststeril ist, kann sie ohne Bestäubung der Blüten keine Samen bilden. Das Kleine Knabenkraut zählt zu den ersten Pflanzenarten, die auf einer Wiese blühen. Es erscheint bereits Ende April, im Mittelmeerraum bereits ab März.
Verbreitung, Standorte und Gefährdung[Bearbeiten]
Durch die Vielgestaltigkeit der Orchis morio-Gruppe ist das Verbreitungsgebiet schwer abzugrenzen. Das Kleine Knabenkraut ist ein europäisches Florenelement. Orchis morio im engeren Sinne ist in Europa, Nordafrika, Vorderasien bis zum Iran und Kaukasien verbreitet. Sein Areal erstreckt sich nordwärts bis England, Skandinavien und bis zum Baltikum; das südliche Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Portugal und nordwestliche Afrika über Kreta bis zur Türkei.<ref name="Aichele2000" />
Im Tiefland Mitteleuropas tritt es vereinzelt auf und steigt in den Alpen kaum über Höhenlagen von 1500 Metern. In den Allgäuer Alpen steigt es am Bayerstettener Köpfle bei Nesselwang bis in eine Höhenlage von 1170 Metern auf.<ref name="Dörr-Lippert" /> Nach Baumann und Künkele hat die Art folgende Höhengrenzen: Deutschland 20–1130 Meter, Frankreich 0–1800 Meter, Schweiz 260–1950 Meter, Liechtenstein 430–1500 Meter, Österreich 120–1600 Meter, Italien in den Alpen 1–1900 Meter, Slowenien 10–1490 Meter, Europa 0–1950 Meter Meereshöhe.<ref name="BaumannKünkele1998" />
Das Kleine Knabenkraut gedeiht am besten auf stickstoffarmem, schwach saurem oder leicht basischem Wiesenboden, der nicht dauernd trocken sein sollte.<ref name="Aichele2000" /> Es kommt auf Magerrasen, mitunter auch auf Trockenrasen, mäßig feuchten Wiesen, trockeneren Bereichen von Feuchtwiesen und lichten Wäldern vor. Es braucht ungedüngte Standorte. Es besiedelt in Mitteleuropa Halbtrockenrasen und einschürige Trockenwiesen ebenso wie einschürige, kurzrasige feuchte Wiesen.<ref name="Aichele2000" /> Es ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Mesobromion, kommt aber auch in trockenen Gesellschaften der Verbände Arrhenatherion oder Molinion vor.<ref name="Oberdorfer2001" />
An seinen Standorten tritt es zuweilen in größeren, mäßig dichten, individuenreichen Beständen auf.<ref name="Aichele2000" /> In der Nordhälfte Deutschlands hat das Kleine Knabenkraut nur noch sehr wenige Standorte. In der Nordhälfte Deutschlands sind weit mehr Vorkommen erloschen als in Süddeutschland. Durch Düngung wurden viele Standorte in Fettwiesen umgewandelt und daher vernichtet.<ref name="Aichele2000" /> Die Art ist in Deutschland durch die BArtSchV besonders geschützt.<ref name="Schmeil und Fitschen2024" />
Das Kleine Knabenkraut ist eine Orchidee, die im 19. Jahrhundert noch sehr häufig war. Sie verträgt kaum Düngung, toleriert diese aber zumindest zeitweise noch etwas mehr als beispielsweise das Brand-Knabenkraut.
Um auf die Gefährdung dieser Orchidee hinzuweisen, wurde das Kleine Knabenkraut vom Arbeitskreis Heimischer Orchideen (AHO) in Deutschland im Jahr 1991 zur Orchidee des Jahres gewählt.
Wie andere Erdorchideen auch ist das Kleine Knabenkraut in Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens gelistet. Trotzdem werden zur Herstellung von Salep große Mengen der Knollen aus der Natur entnommen und auch innerhalb der EU illegal verkauft. Durch das Ausgraben der Wurzelteile wird die Pflanze zerstört, was teilweise zu Bestandsrückgängen führt.<ref>Handel mit Salep in Köln. Abgerufen am 8. Juni 2024.</ref>
Schutzmaßnahmen[Bearbeiten]
Im Unteren Mühlviertel führten Naturschützer 2010 und 2011 Notverpflanzungen von 600 Individuen durch, weil ihr Standort vor der Zerstörung stand. Auf den Umpflanzungsflächen und anderen Standorten riss man mit Gartenkrallen den Boden auf, um Keimbedingungen zu verbessern, streute Samen aus, bedeckte sie mit Erde und drückte die Erde an. Diese Arbeiten waren, je nach Standort, teils erfolgreich.<ref>Franz Kloibhofer: Neue Standorte für das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio) im Unteren Mühlviertel. In: ÖKO-L. Heft 4, Linz 2021, S. 26–30 (Vorlage:ZOBODAT).</ref>
Hybriden[Bearbeiten]
Das Kleine Knabenkraut (Anacamptis morio) hybridisiert mit nahe verwandten Arten wie dem Schmetterlings-Knabenkraut (Anacamptis papilionacea), Sumpf-Knabenkraut (Anacamptis palustris) und der Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis).
Systematik[Bearbeiten]
Die Erstveröffentlichung erfolgte unter dem Namen (Basionym) Orchis morio durch Carl von Linné.<ref name="WCSP" /> Das Artepitheton morio leitet sich vom griechischen Wort moros für Narr ab. Die Ähnlichkeit des oberen Teils der Blüte mit einer Narrenkappe dürfte dafür eine Erklärung sein.
Seit 1997 wird das Kleine Knabenkraut als Anacamptis morio Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase der Gattung Anacamptis zugeordnet.<ref name="WCSP" />
Man kann folgende Unterarten unterscheiden:<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Anacamptis morio Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase subsp. morio: Sie kommt in Europa vor und wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 2000 Metern Meereshöhe.<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Albanisches Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. albanica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Gölz & H.R.Reinhard) Kreutz, Syn.: Orchis albanica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gölz & H.R.Reinhard): Es kommt in Albanien und vielleicht auch in Montenegro in küstennahen Kiefernwäldern vor in Höhenlagen zwischen 0 und 1500 Metern Meereshöhe.<ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Südkaukasisches Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. caucasica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(K.Koch) H.Kretzschmar, Eccarius & H.Dietr., Syn.: Orchis morio subsp. caucasica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(K.Koch) E.G.Camus): Es kommt von der Balkanhalbinsel bis zum nördlichen Iran vor und wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 1300 Metern Meereshöhe.<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Dreiknollen-Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. champagneuxii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Barnéoud) H.Kretzschmar, Eccarius & H.Dietr., Syn.: Orchis morio subsp. champagneuxii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Barnéoud) E.G.Camus, Orchis champagneuxii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Barnéoud): Es kommt in Marokko, Algerien, Portugal, Spanien und Frankreich in Höhenlagen zwischen 0 und 1500 Metern Meereshöhe vor.<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Langsporniges Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. longicornu Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Poir.) H.Kretzschmar, Eccarius & H.Dietr., Syn.: Orchis morio subsp. longicornu Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Poir.) Kreutz, Orchis longicornu Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Poir.): Es kommt von westlichen Mittelmeerraum bis Sizilien vor und wächst in Höhenlagen zwischen 0 und 2000 Metern Meereshöhe.<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Südfranzösisches Kleines Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. picta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Loisel.) Jacquet & Scappat., Syn.: Orchis morio subsp. picta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Loisel.) K.Richt., Orchis picta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Loisel., Anacamptis picta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Loisel.) R.M.Bateman): Es kommt in Portugal, Spanien, Frankreich, Korsika und Italien in Höhenlagen zwischen 0 und 500 Metern Meereshöhe vor.<ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" /> Vorkommen in Algerien sind fraglich.<ref name="WCSP" />
- Syrisches Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. syriaca Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(E.G.Camus) H.Kretzschmar, Eccarius & H.Dietr., Syn.: Orchis morio subsp. syriaca Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.E.G.Camus, Anacamptis syriaca Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(E.G.Camus) R.M.Bateman, Pridgeon & M.W.Chase): Es kommt von der südlichen Türkei bis Israel und in Zypern in Höhenlagen zwischen 0 und 1300 Metern Meereshöhe vor.<ref name="WCSP" /><ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
- Tlemcen-Knabenkraut (Anacamptis morio subsp. tlemcenensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Batt.) Kreutz, Syn.: Orchis morio subsp. tlemcenensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Batt.) E.G.Camus, Orchis longicornu f. tlemcenensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Batt.): Es kommt im nordwestlichen Algerien und im nördlichen Marokko in der Phrygana und in lichten Eichenwäldern in Höhenlagen zwischen 700 und 1000 Metern Meereshöhe vor.<ref name="BaumannKünkeleLorenz2006" />
Quellen[Bearbeiten]
Literatur[Bearbeiten]
- Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
- Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="Aichele2000"></ref> <ref name="FloraWeb">Kleines Knabenkraut auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum</ref> <ref name="Oberdorfer2001">Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5, Seite 279–280.</ref> <ref name="Dörr-Lippert">Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 364.</ref> <ref name="WCSP">Vorlage:WCSP</ref> <ref name="BaumannKünkele1998">Helmut Baumann, Siegfried Künkele: Orchidaceae. In: Oskar Sebald u. a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 1. Auflage. Band 8, Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8, Seite 377.</ref> <ref name="BaumannKünkeleLorenz2006">Helmut Baumann, Siegfried Künkele, Richard Lorenz: Orchideen Europas mit angrenzenden Gebieten. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2006, ISBN 978-3-8001-4162-3, Seite 223–233.</ref> <ref name="Schmeil und Fitschen2024">Gerald Parolly: Anacamptis. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage. Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024. ISBN 978-3-494-01943-7. S. 178.</ref> </references>
Weblinks[Bearbeiten]
- Kleines Knabenkraut. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland.
- Vorlage:BIB
- Thomas Meyer: Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben)
- Verbreitungskarten
- Verbreitungskarte für Deutschland. In: Floraweb.
- Schweiz (AGEO)
- Verbreitung auf der Nordhalbkugel nach: Eric Hultén, Magnus Fries: Atlas of North European vascular plants 1986, ISBN 3-87429-263-0
- Regionales
- Die Orchideen der Rhön: Anacamptis morio Kleines Knabenkraut
- Orchideen der Südsteiermark Orchis morio Kleines Knabenkraut
- [[[:Vorlage:IUCN/Weblink]] Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:IUCN“ ist nicht vorhanden.] in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2013.2. Eingestellt von: H. Rankou, 2011. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple.
- AGEO Schweiz: Orchis morio
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