Zum Inhalt springen

Polei-Minze

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
(Weitergeleitet von Poleiminze)

Vorlage:Hinweisbaustein Die Seite Vorlage:Taxobox/styles.css hat keinen Inhalt.

Polei-Minze
Datei:Mentha pulegium.jpg

Polei-Minze (Mentha pulegium)

Systematik
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Nepetoideae
Tribus: Mentheae
Untertribus: Menthinae
Gattung: Minzen (Mentha)
Art: Polei-Minze
Wissenschaftlicher Name
Mentha pulegium
L.

Die Polei-Minze<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> (Mentha pulegium) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Minzen (Mentha) innerhalb der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Sie ist in Eurasien und Nordafrika weitverbreitet.

Trivialnamen[Bearbeiten]

Neben dem Trivialnamen Polei-Minze werden auch Polei (älter auch Poley und Polley)<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 442 (Anmerkungen zu poley).</ref> oder Flohkraut (früher auch Flöhkraut<ref>„Adelung“ in Grammatisch-Kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart (Ausgabe letzter Hand, Leipzig 1793–1801), Band 1.</ref>) verwendet. Der seit mittelhochdeutscher Zeit bestehende Pflanzenname „Polei“ (insbesondere für das Kraut von Mentha pulegium<ref>Irmgard Bitsch: Ernährungsempfehlungen in mittelalterlichen Quellen und ihre Beurteilung aus heutiger Sicht. In: Trude Ehlert (Hrsg.): Haushalt und Familie in Mittelalter und früher Neuzeit. Vorträge eines interdisziplinären Symposions vom 6.–9. Juni 1990 an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn. Mit einem Register von Ralf Nelles. Thorbecke, Sigmaringen 1991, ISBN 3-7995-4156-X, S. 129–136, hier: S. 130.</ref> gebraucht) beruht auf althochdeutsch polaia/poleige/pulei und ist entlehnt von gleichbedeutend lateinisch pulegium.<ref>Friedrich Kluge, Alfred Götze: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache. 20. Auflage. Hrsg. von Walther Mitzka. De Gruyter, Berlin / New York 1967; Neudruck („21. unveränderte Auflage“) ebenda 1975, ISBN 3-11-005709-3, S. 558.</ref><ref>Bernhard Schnell: Der deutsche „Macer“: Vulgatfassung. Mit einem Abdruck des lateinischen Macer floridus ‘De viribus herbarum’ kritisch herausgegeben. Niemeyer, Tübingen 2003 (= Texte und Textgeschichte. Würzburger Forschungen. Band 50), ISBN 3-484-36050-X, S. 395 (pulegium Mentha pulegium L.)</ref><ref>Vgl. auch Otto Beßler: Prinzipien der Drogenkunde im Mittelalter. Aussage und Inhalt des Circa instans und Mainzer Gart. Mathematisch-naturwissenschaftliche Habilitationsschrift, Halle an der Saale 1959, S. 216 (Polegium – poley, Pulegium – paleyge [poleye] […] – pulege, pulegium regale, veltcumele).</ref>

Weitere Sprachen:

  • Englisch: English pennyroyal, European pennyroyal, grows-in-the-ditch, mint pennyroyal, mosquito plant, penny royal, pennymint, pennyroyal, penny-royal, pennyroyal mint, peppermint, pudding grass, squaw mint<ref name="CABI" />
  • Spanisch: menta, poleo<ref name="CABI" />
  • Portugiesisch: poejo, hortelã-miúda, menta-miúda, poejo-das-hotas. poejo-real<ref name="CABI" />
  • Französisch: menthe pouliot, pouliot<ref name="CABI" />
  • Italienisch: Menta puleglio, pulegio<ref name="CABI" />

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:Mentha pulegium4.jpg
Zahlreiche zygomorphe Blüten stehen in einem Scheinquirl beisammen
Datei:Mentha pulegium sl12.jpg
Stängel und Blüten
Datei:Mentha pulegium sl31.jpg
Sie vermehrt sich vegetativ durch oberirdische Ausläufer.
Datei:Mentha pulegium sl22.jpg
Zygomorphe Blüte im Detail
Datei:Mentha pulegium sl25.jpg
Scheinquirl mit abgeblühten Blüten. Der Kelch ist innen dicht behaart.
Datei:Mentha pulegium sl28.jpg
Haltbarer Kelch und Klausen
Datei:Nsr-slika-397.png
Illustration

Erscheinungsbild und Blatt[Bearbeiten]

Die Polei-Minze ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 10 bis 30, selten bis zu 50 oder gar 90 Zentimetern erreicht.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC1994" /><ref name="FoPakistan" /><ref name="CABI" /> Sie besitzt unter- und oberirdische Ausläufer,<ref name="BiolFlor" /> die kahl bis kurz verstreut behaart sind.<ref name="FloraWeb" /> Die Ausläufer besitzen schuppenförmige Blätter.<ref name="FoC1994" /> Die oberirdischen Pflanzenteile sind häufig rot überlaufen. Die Pflanzenteile riechen scharf aromatisch.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> Der niederliegende bis meist aufsteigende<ref name="FloraWeb" /><ref name="FoPakistan" /> und verzweigte, vierkantige<ref name="FloraSA" /> Stängel ist zerstreut behaart bis fast kahl.<ref name="InfoFlora" /><ref name="CABI" /> Pflanzenteile, die unter der Wasseroberfläche wachsen, sind kahl.<ref name="CABI" /> Die Internodien sind länger als die Laubblätter.<ref name="FoC1994" />

Die gegenständig am Stängel angeordneten Laubblätter sind in Blattstiel und -spreite gegliedert.<ref name="FloraWeb" /><ref name="FoPakistan" /> Der Blattstiel ist bei einer Länge von 1 bis 6 Millimetern relativ kurz.<ref name="FloraSA" /> Die einfache, krautige Blattspreite ist bei einer Länge von nur 0,8 bis 1,3, selten bis zu 3 Zentimetern sowie einer Breite von 5 bis 7 (3 bis 10) Millimetern eiförmig bis schmal-elliptisch, elliptisch bis länglich-eiförmig oder eiförmig-kreisförmig und in Richtung gerundeter Spreitenbasis verschmälert und mit stumpfem oberen Ende.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC1994" /><ref name="FoPakistan" /> Die hell-grüne<ref name="FloraWeb" /> Blattspreite ist von einem oder zwei bis drei Paaren<ref name="FloraWeb" /> bogiger Fiedernerven durchzogen und an der Unterseite flaumig behaart, mit Öldrüsen. Der Blattrand ist undeutlich gezähnt oder gekerbt bis annähernd ganzrandig.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC1994" /> Nach oben hin werden die Laubblätter fortlaufend kleiner.<ref name="FoPakistan" /><ref name="CABI" />

Blütenstand, Blüte und Frucht[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht Mai bis September, in der Schweiz und Deutschland von Juli bis September.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /> In den Achseln der obersten Blattpaare, die einen deutlichen Abstand voneinander aufweisen stehen in 5 bis 15, selten bis zu 18 Scheinquirlen, die bei einem Durchmesser von 10 bis 15 Millimetern fast kugelig sind, je 10 bis 30 Blüten zusammen.<ref name="InfoFlora" /><ref name="FoC1994" /><ref name="FoPakistan" /> Die Tragblätter der Scheinquirle sind den Stängelblättern ähnlich und knapp doppelt so lang wie die Blüten. Die Deckblätter sind sitzend und kürzer als die Scheinquirle.<ref name="FoC1994" /><ref name="CABI" /> Der aufrecht ausgebreitete Blütenstiel ist 2 bis 3 Millimeter lang.<ref name="FoC1994" /><ref name="FoPakistan" />

Die zwittrigen oder eingeschlechtigen Blüten sind zygomorph und fünfzählig mit doppelter Blütenhülle. Die fünf 2,5 bis 3 Millimeter langen Kelchblätter sind aus zwei Drittel bis vier Fünftel ihrer Länge zu einer etwa 1,5, selten bis zu 2 Millimetern langen röhrig-glockenförmigen Kelchröhre verwachsen.<ref name="FoC1994" /><ref name="FoPakistan" /> Der Kelch schwach zweilippig (darin unterscheidet sich diese Art von allen anderen Mentha-Sippen, bei denen der Kelch in mehr oder weniger gleichen fünf Kelchzähnen endet)<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /> mit zehn deutlichen Nerven.<ref name="FoC1994" /> Außen ist der Kelch dicht und kurz behaart mit Drüsen. Die Kelchoberlippe endet in drei Kelchzähnen.<ref name="FoC1994" /> Ihre Kelchzähne sind bei einer Länge von etwa 1 Millimeter schmal lanzettlich-dreieckig.<ref name="FoC1994" /> Der oberste Kelchzahn ist größer als die anderen. Die Kelchunterlippe endet in zwei Kelchzähnen.<ref name="FoC1994" /> Ihre Kelchzähne sind bei einer Länge von etwa 1,5 Millimetern spatelförmig.<ref name="FoC1994" /> Die fünf ungleichen Kelchzähne sind bewimpert. Die rosa- bis purpurfarbene und selten weiße<ref name="FloraWeb" /> Krone wird im Verlauf der Anthese oft heller.<ref name="CABI" /> Die 4,5 bis 7 (4 bis 8) Millimeter lange Blütenkrone endet in vier bei einer Länge von etwa 1,5 Millimetern etwa gleich langen,<ref name="InfoFlora" /> verkehrt-eiförmigen oder länglichen Kronzipfeln.<ref name="FoC1994" /> Die etwa 3 Millimeter lange Kronröhre hat innen einen leichten Haarkranz und ist an ihrem oberen Ende kaum ohne Übergang ausgesackt.<ref name="FoC1994" /> Es sind vier fast gleiche Staubblätter vorhanden, die die Blütenkrone überragen.<ref name="FloraSA" /><ref name="CABI" /> Die im Kronschlund inserierten, kahlen Staubfäden sind gekrümmt. Die vier fertilen Staubbeutel sind 0,4 Millimeter lang. Der Fruchtknoten ist kahl.<ref name="FoC1994" /> Auf dem dicken Diskus befindet sich ein vierlappiger, oberständiger, zweikammeriger Fruchtknoten.<ref name="FloraSA" /><ref name="CABI" /> In jeder Fruchtknotenkammer sind zwei Samenanlagen vorhanden.<ref name="CABI" /> Der zwischen den Fruchtknotenlappen stehende, dünne Griffel endet in zwei ungleiche, relativ kurzen Griffelästen mit Narbengewebe.<ref name="FloraSA" /><ref name="CABI" />

Der Kelch verlängert sich bis zur Fruchtreife<ref name="FoPakistan" /> und ist durch einen Haarkranz verschlossen. Die Klausenfrucht zerfällt in vier Klausen.<ref name="FoPakistan" /> Die hell-braunen Klausen sind bei einer Länge von selten 0,5 bis, meist 0,7 bis 0,8 Millimetern sowie einem Durchmesser von etwa 0,3 Millimetern mehr oder weniger kugelig, eiförmig bis länglich<ref name="CABI" /> und glatt oder grubig punktiert<ref name="InfoFlora" />.<ref name="FoPakistan" />

Chromosomensatz[Bearbeiten]

Die Chromosomengrundzahl beträgt x = 10; es wurden mehrere Ploidiestufen ermittelt mit Chromosomenzahlen von 2n = 20, aber auch 10, 30 oder 40.<ref name="FloraWeb" /><ref name="InfoFlora" /><ref name="BiolFlor" /><ref name="Oberdorfer2001" /><ref name="IPCN" />

Ökologie[Bearbeiten]

Bei der Polei-Minze handelt es sich um einen helomorphen, mesomorphen Hemikryptophyten.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" /> Sie wurzelt an den Knoten der Stängel und an den Ausläufern und kann sich so vegetativ vermehren und ausbreiten.<ref name="CABI" /> Die Polei-Minze ist auch ein Ausläuferpionier.

Blütenökologisch handelt es sich um kleinblütige Trichterblumen, die duften und völlig verborgenen Nektar bilden.<ref name="FloraWeb" /> Die Geschlechtsverteilung ist gynodiözisch oder gynomonözisch.<ref name="FloraWeb" /> Neben proterandrischen<ref name="BiolFlor" /> Zwitterblüten gibt es auch weibliche Blüten mit verkümmerten Staubblättern.<ref name="FloraWeb" /> Als Bestäuber fungieren Dipteren, auch Apoiden und Coleopteren. Die Polei-Minze ist fakultativ xenogam, es erfolgt meist Fremdbefruchtung und Selbstbestäubung ist die Ausnahme.<ref name="FloraWeb" /> Es liegt Selbstkompatibilität vor, also führt Selbstbefruchtung erfolgreich zum Samenansatz.<ref name="FloraWeb" /><ref name="BiolFlor" />

Die Bruchfrucht zerfällt in vier einsamige, geschlossen bleibende Teilfrüchte.<ref name="FloraWeb" /> Diasporen sind die Klausen.<ref name="BiolFlor" /> Die Diasporen werden durch Wasser ausgebreitet (Hydrochorie).<ref name="FloraWeb" />

Vorkommen und Gefährdung[Bearbeiten]

Die Polei-Minze ist von Makaronesien über Europa und den Mittelmeerraum bis Nordafrika und Westasien, den Kaukasusraum und Zentralasien weitverbreitet.<ref name="POWO" /><ref name="GRIN" /> Es gibt Fundortangaben für Cabo Verde, die Kanarischen Inseln, die Azoren, Madeira, Marokko, Tunesien, nördliches Algerien, nördliches Libyen, Ägypten, Israel, Libanon, Syrien, nördliches Äthiopien, Zypern, die Türkei, den nördlichen Iran, Georgien, Ciskaukasien, Armenien, Aserbaidschan, Turkmenistan, das südwestliche Kasachstan, das Vereinigte Königreich, Irland, Gibraltar, Portugal, die Balearen, Andorra, Spanien, Frankreich, Korsika, Sardinien, Sizilien, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, Polen, die ehemalige Tschechoslowakei, das ehemalige Jugoslawien, Belgien, die Niederlande, Ungarn, den europäischen Teil Russlands, Moldawien, Albanien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, Kreta, die Ukraine und die Krim.<ref name="GRIN" /> In Europa ist sie ein meridionales bis subtemperates, ozeanisches Florenelement. Die Polei-Minze tritt selten in Mitteleuropa am Unterlauf von Elbe und Weser, am Mittel- und Niederrhein, an der Mosel, der Donau von Regensburg bis Wien, im Burgenland, in der Steiermark, am Alpenfuß und im Gebiet des Genfersees auf.<ref name="Aichele2000" /> Sie kommt in Deutschland besonders in den Hauptstromtälern vor und ist ansonsten selten bis zerstreut.<ref name="Rothmaler1987" /> Die Polei-Minze kommt in der Schweiz im südlichen Tessin und sehr vereinzelt im Jura sowie Mittelland vor.<ref name="InfoFlora" />

In vielen Gebieten der Welt, beispielsweise in der Neuen Welt, Teilen Asiens, Mosambik, Réunion, Australien sowie Neuseeland, ist Mentha pulegium ein Neophyt.<ref name="GRIN" /><ref name="CABI" /> Als invasive Pflanzenart gilt Mentha pulegium in den australischen Bundesstaaten Victoria, Western Australia. South Australia sowie New South Wales.<ref name="CABI" />

Die Polei-Minze ist in der Roten Liste der gefährdeten Pflanzenarten Deutschlands 1996 in die Kategorie 2 = „stark gefährdet“ eingetragen, aber in der Roten Liste nach Metzing et al. 2018 erfolgte eine Verbesserung der Einstufung in die Kategorie 3 = „gefährdet“. Begründet wurde dies, dass der Rückgang dieser seltenen nur mäßig ist und in den norddeutschen Flusstälern einige Populationen stabil sind.<ref name="FloraWeb" /> In den meisten deutschen Bundesländern ist sie stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht.<ref name="FloraWeb" /> In der Schweiz gilt die Polei-Minze als EN = „Stark gefährdet“.<ref name="InfoFlora" />

Sie ist in Mitteleuropa auf die kolline Höhenstufe beschränkt. Sie steigt hier nur bis zu Höhenlagen von etwa 500 Metern.<ref name="HegiGams1964" /> In der spanischen Sierra Nevada erreicht sie aber sogar Höhenlagen von 1700 Metern.<ref name="HegiGams1964" /> Sie gedeiht in Lagen mit wintermildem Klima.<ref name="Aichele2000" /> Die Polei-Minze besiedelt auf feuchten Wiesen, an Fluss- und Seeufern, verfestigte Ufer sowie Nassstellen an unbefestigten Wegen.<ref name="Aichele2000" /> Sie kommt auf nährstoffreichen, kalkarmen, humosen, eher sandigen Tonböden vor und ist salzertragend. Sie ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Verbands Agropyro-Rumicion, kommt aber auch in Zwergbinsengesellschaften (Isoeto-Nanojuncetea) oder in überweideten Cynosurion-Gesellschaften vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Ellenberg sind: Lichtzahl 8 = Halblicht- bis Volllichtpflanze, Temperaturzahl 7 = Wärmezeiger, Kontinentalitätszahl 3 = See- bis gemäßigtes Seeklima zeigend, Feuchtezahl 7 = Feuchtezeiger, Feuchtewechsel = Überschwemmung zeigend, Reaktionszahl 7 = Schwachbasenzeiger, Stickstoffzahl 7 = Stickstoffreichtum zeigend, Salzzahl 1 = salzertragend, aber meist keinen oder geringen Salzgehalt zeigend, Schwermetallresistenz = nicht schwermetallresistent.<ref name="FloraWeb" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 3 (halbschattig), Reaktionszahl R = 4 (neutral bis basisch), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 4 (nährstoffreich), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch), Salztoleranz 1 = tolerant.<ref name="InfoFlora" />

Taxonomie[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Mentha pulegium erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus II, S. 577.<ref name="Linné1753" /><ref name="Tropicos" /><ref name="POWO" /> Das Artepitheton pulegium ist von pulex für „Floh“ abgeleitet und bezieht auf die Verwendung gegen Flöhe. Synonyme für Mentha pulegium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. sind: Calamintha fenzlii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Vis., Melissa pulegium Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Griseb., Mentha aromatica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Salisb. nom. superfl., Mentha pulegium subsp. vulgaris Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) Briq., Mentha pulegium var. vulgaris Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) Briq., Minthe pulegia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) St.-Lag., Pulegium vulgare Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill., Mentha albarracinensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Pau, Mentha aucheri Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Pérard, Mentha daghestanica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boriss., Mentha erinoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heldr., Mentha exigua Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L., Mentha gibraltarica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Willd., Mentha hirtiflora Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Opiz ex Heinr.Braun, Mentha montana Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lowe ex Benth., Mentha numidica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Poir., Mentha pulegioides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dumort., Mentha pulegium var. cacocea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Topitz, Mentha pulegium subsp. cephalonia Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Heinr.Braun) Kokkini, Mentha pulegium var. cotorensis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Topitz, Mentha pulegium var. erecta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Mill.) Briq., Mentha pulegium var. eriantha Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.DC., Mentha pulegium subsp. erinoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Heldr.) Kokkini, Mentha pulegium var. exigua Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(L.) Nyman, Mentha pulegium subsp. gibraltarica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Willd.) Briq., Mentha pulegium var. gibraltarica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Willd.) Batt., Mentha pulegium var. gigantea Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lej. & Courtois, Mentha pulegium var. heterophylla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boenn., Mentha pulegium var. hirsuta Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Briq., Mentha pulegium var. hirtiflora Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heinr.Braun, Mentha pulegium var. humifusa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lej. & Courtois, Mentha pulegium var. hyperiantha Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Briq., Mentha pulegium var. microphylla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Friv., Mentha pulegium var. prostrata Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Timb.-Lagr., Mentha pulegium var. pubescens Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Boenn., Mentha pulegium var. pulegioides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Dumort.) Halácsy, Mentha pulegium var. strongylophylla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Topitz) Topitz, Mentha pulegium var. subtomentella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Heinr.Braun) Topitz, Mentha pulegium var. thymoides Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Topitz, Mentha pulegium var. tomentella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Hoffmanns. & Link) Cout., Mentha pulegium subsp. tomentosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Sm.) Nyman in Consp., Mentha pulegium var. villosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Benth., Mentha subtomentella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heinr.Braun, Mentha subtomentella var. ceplaloniae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heinr.Braun, Mentha subtomentella var. humillima Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Heinr.Braun, Mentha subtomentella var. microphylla Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Friv.) Heinr.Braun, Mentha tomentella Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hoffmanns. & Link, Mentha tomentosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Sm., Mentha tomentosa var. villosa Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Benth., Micromeria dalmatica Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Fenzl nom. illeg., Micromeria fenzlii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Regel, Micromeria maritima Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Yild., Sadikoglu & M.Keskin, Pulegium aromaticum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gray, Pulegium aromaticum var. album Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gray, Pulegium aromaticum var. erectum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gray, Pulegium daghestanicum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Boriss.) Holub, Pulegium erectum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mill., Pulegium micranthum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Claus, Pulegium tomentellum Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.C.Presl, Satureja fenzlii Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Vis.) K.Malý, Thymus bidentatus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stokes.<ref name="POWO" />

Giftigkeit und Verwendung[Bearbeiten]

Ätherisches Öl[Bearbeiten]

Die Polei-Minze gilt in allen Pflanzenteilen als wenig giftig bis giftig.<ref name="Roth2012" />

Hauptwirkstoffe sind das in ihr mit 1 bis 2 % enthaltene ätherische Öl, das zu 80 bis 94 % Pulegon enthält neben Piperiton, Limonen und anderen Bestandteilen.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" />

Vergiftungserscheinungen sind Würgen, Erbrechen, Blutdrucksteigerung, zentrale, narkoseartige Lähmung, nach größeren Dosen Tod durch Atemlähmung. Vergiftungen wurden nach dem Gebrauch der Droge als Abortivum bekannt. Für die Giftwirkung dürfte das Pulegon verantwortlich sein.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" />

Vergiftungserscheinungen mit tödlichem Ausgang wurden nach Anwendung des ätherischen Öls als Abtreibungsmittel wiederholt beschrieben.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" /> In der Antike wurde das Mittel als Methode zur Empfängnisverhütung und Abtreibung eingesetzt.<ref>Robert Jütte: Geschichte der Empfängnisverhütung. München 2003, S. 68 f.</ref>

Das ätherische Öl zeigt eine gewisse insektizide Wirkung und soll Flöhe vertreiben können.<ref name="Roth2012" /> Als Abwehrmittel gegen Insekten, insbesondere gegen Flöhe, genießt die Polei-Minze als Streukraut einen besonderen Ruf.<ref name=":0">Dr. med. Nonnenmacher, Elke Löbel, Frank Meyer: Polei-Minze: Vorkommen, Inhaltsstoffe & Medizinische Verwendung. In: MedLexi.de. 12. März 2024, abgerufen am 13. Juni 2024.</ref> Das Artepitheton pulegium ist vom lateinischen Wort pulex für Floh abgeleitet.<ref>Poleiminze. In: wildfind.com. Roswitha Fuchs, abgerufen am 13. Juni 2024.</ref>

Datei:Medievalpreg.jpg
Darstellung aus dem 13. Jahrhundert: Eine Mischung mit der Polei-Minze wird vorbereitet für die Anwendung bei einer Schwangeren

Poleiminzenkraut[Bearbeiten]

Als Droge dient das Poleiminzenkraut. Wirkstoffe sind: Das ätherische Öl mit 15 bis 90 % Pulegon als Hauptbestandteil, neben Menthon und Piperiton Menthol, Lamiaceen-Gerbstoffe und Flavonoide.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" />

Anwendungen: Poleiminzenkraut und (der daraus gepresste) Poleiminzensaft<ref>Gundolf Keil: Die „Cirurgia“ Peters von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes (= Forschungen zur Geschichte der Stadt Ulm. Band 2). Stadtarchiv, Ulm 1961 (zugleich Philosophische Dissertation Heidelberg 1960: Peter von Ulm. Untersuchungen zu einem Denkmal altdeutscher Fachprosa mit kritischer Ausgabe des Textes), S. 442 (poleysaft).</ref> wurden früher in der Heilkunde vor allem gegen Verdauungsbeschwerden mit Blähungen und Koliken, Leber- und Gallenbeschwerden und beim Ausbleiben der Monatsblutung verwendet.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" /> Zu den Hauptanwendungsgebieten gehören trotz ihrer bekannten Toxizität immer noch Menstruations- und Verdauungsbeschwerden. Auch bei Kopfschmerzen, leichten Atemwegsinfektionen, Fieber und rheumatischen Erkrankungen wird das Kraut angewendet. Eine schmerzlindernde, desinfizierende und entzündungshemmende Wirkung wird angenommen.<ref name=":0" />

Da inzwischen leberschädigende Wirkungen aufgrund des Pulegongehalts bekannt wurden, wird heute von dem Gebrauch der Droge als Tee abgeraten (vor allem in der Schwangerschaft), lediglich die Anwendung als Gewürz ist vertretbar.<ref name="Roth2012" /><ref name="Schönfelder2011" />

Die Polei-Minze wird nur noch wenig in der Küche verwendet, weil sie einen sehr strengen Geschmack hat. In Portugal ist sie als Gewürz unter dem Namen Poejo jedoch noch verbreitet.<ref>Portu: Die Poleiminze in der Algarve-Küche? In: Portu.ch. M. Köberle, 19. Oktober 2023, abgerufen am 13. Juni 2024.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Ramón Morales: Mentha. In: Santiago Castroviejo, Ramón Morales, Alejandro Quintanar, Francisco José Cabezas, Antonio José Pujadas, Santos Cirujano (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas Vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Vol. XII. Verbenaceae – Labiatae – Callitrichaceae. Real Jardín Botánico, CSIC, Madrid 2010, ISBN 978-84-00-09041-8, Mentha pulegium, S. 339–340 (floraiberica.es [PDF]).
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur – Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Heinrich Marzell: Wörterbuch der deutschen Pflanzennamen. Band 3. S. Hirzel, Leipzig 1943, S. 162.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Polei-Minze (Mentha pulegium) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="BiolFlor"> Polei-Minze. In: BiolFlor, der Datenbank biologisch-ökologischer Merkmale der Flora von Deutschland. </ref> <ref name="FloraWeb"> Mentha pulegium L., Polei-Minze auf FloraWeb.deVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="InfoFlora"> Mentha pulegium L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Tropicos"> Mentha pulegium bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="IPCN"> Mentha pulegium bei Tropicos.org. In: IPCN Chromosome Reports. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="FoPakistan"> Mentha pulegium bei Tropicos.org. In: Flora of Pakistan. Missouri Botanical Garden, St. LouisVorlage:Abrufdatum </ref> <ref name="Aichele2000"> </ref> <ref name="Roth2012"> Lutz Roth, Max Daunderer, Kurt Kormann: Giftpflanzen – Pflanzengifte. Vorkommen, Wirkung, Therapie, allergische und phototoxische Reaktionen. Mit Sonderteil über Gifttiere. 6., überarbeitete Auflage, Sonderausgabe. Nikol, Hamburg 2012, ISBN 978-3-86820-009-6. </ref> <ref name="Schönfelder2011"> Ingrid Schönfelder, Peter Schönfelder: Das Neue Handbuch der Heilpflanzen, Botanik Arzneidrogen, Wirkstoffe Anwendungen. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-440-12932-6. </ref> <ref name="Rothmaler1987"> </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="POWO"> Datenblatt Mentha pulegium bei POWO = Plants of the World Online von Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew: Kew Science. </ref> <ref name="FoC1994"> Xi-wen Li, Ian C.Hedge: Lamiaceae. In: Wu Zheng-yi, Peter H.Raven (Hrsg.): Flora of China, Volume 17: Verbenaceae through Solanaceae, Science Press und Missouri Botanical Garden Press, Beijing und St. Louis, 1994, ISBN 0-915279-24-X. Mentha pulegium Linnaeus, S. 239 - textgleich online wie gedrucktes Werk. </ref> <ref name="HegiGams1964"> Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 1. Auflage, unveränderter Textnachdruck Band V, Teil 4. Verlag Carl Hanser, München 1964. S. 2339–2341. </ref> <ref name="Linné1753"> Carl von Linné: Species Plantarum, Tomus II, 1753, S. 577. eingescannt bei biodiversitylibrary.org. </ref> <ref name="FloraSA"> Mentha pulegium bei Electronic Flora of South Australia species Fact Sheet = FloraSA. </ref> <ref name="CABI"> Datenblatt Mentha pulegium bei CABI Compendium. </ref> </references>

Vorlage:Hinweis Seiten-Koordinaten

Vorlage:Hinweisbaustein