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Postgeschichte des Großherzogtums Berg

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Die Postgeschichte des Großherzogtums Berg umfasst die Entwicklung des Postwesens im Großherzogtum Berg von 1806 bis 1813. In dieser Zeit wurde die zuvor von der Thurn-und-Taxis-Post geprägte Postorganisation im bergischen Gebiet durch eine staatliche, nach französischen Vorbildern aufgebaute Postverwaltung ersetzt. Die bergische Post stand im Zusammenhang der napoleonischen Neuordnung des rechtsrheinischen Raums, der Verwaltungspolitik im Rheinbund und der Überwachung der gegen Großbritannien gerichteten Kontinentalsperre. Nach dem Zusammenbruch der napoleonischen Herrschaft endete die großherzoglich bergische Post 1813; 1816 ging das Postwesen in den preußisch gewordenen Gebieten auf die preußische Postverwaltung über.<ref name="Laux" /><ref name="Winterscheid" />

Geschichte[Bearbeiten]

Entstehung und Übernahme der Post[Bearbeiten]

Im März 1806 trat König Maximilian Joseph von Bayern das Herzogtum Berg an den französischen Kaiser Napoleon ab. Dieser setzte seinen Schwager Joachim Murat als Herrscher über Berg und Kleve ein. Im Juli 1806 wurde das Gebiet zum Großherzogtum erhoben und in den Rheinbund einbezogen.<ref name="Laux" />

Die bisherige Postorganisation im Herzogtum Berg beruhte auf der Thurn-und-Taxis-Post. Nach der napoleonischen Neuordnung wurde das Postwesen im bergischen Gebiet einer staatlichen Verwaltung unterstellt. Sitz der zentralen Verwaltung war Düsseldorf, die Hauptstadt des Großherzogtums.<ref name="Laux" /><ref name="MuenzbergTOC" />

Datei:Grossherzogtum Berg Staatssiegel AGE V22 1807.jpg
Staatssiegel des Großherzogtums Berg, 1807

Gebietsveränderungen und Ausweitung[Bearbeiten]

Mit der Erhebung zum Großherzogtum waren mehrere Gebietsveränderungen verbunden. Nach dem Frieden von Tilsit und den anschließenden Neuordnungen wurden dem Großherzogtum 1808 unter anderem die Grafschaft Mark mit Lippstadt, die ehemalige Reichsstadt Dortmund, Teile des Fürstbistums Münster, die Grafschaften Tecklenburg und Lingen sowie die Stifte beziehungsweise Abteien Essen, Elten und Werden zugeschlagen. Die Festungsstadt Wesel wurde dagegen als rechtsrheinischer Brückenkopf in das französische Kaiserreich eingegliedert. 1808 erreichte das Großherzogtum seine größte Ausdehnung.<ref name="Laux" />

Die Erweiterungen veränderten auch das Postgebiet. Für die postgeschichtliche Forschung sind neben dem Kerngebiet des Großherzogtums besonders die Postverhältnisse in Hamburg, Bremen und Lübeck sowie die späteren Übergänge an das Generalgouvernement Berg und an Preußen wichtig.<ref name="MuenzbergTOC" />

Datei:Berg 1810.jpg
Karte des Großherzogtums Berg um 1810

Organisation[Bearbeiten]

Das bergische Postwesen wurde in der napoleonischen Zeit rechtlich vereinheitlicht. Das amtliche Gesetz-Bulletin des Großherzogthums Berg enthält ein Dekret vom 25. Februar 1809 über die Organisation der reitenden, fahrenden und Extraposten im Großherzogtum. Das Dekret bestimmte, dass der Dienst der Briefposten in allen der bergischen Postverwaltung untergeordneten Postämtern einheitlich sein sollte; die Brieftaxe wurde nach Entfernung und Gewichtsprogression berechnet.<ref name="Postdekret1809" />

Bei den bergischen Postanstalten wurde zwischen Postämtern und Postexpeditionen unterschieden. Die einschlägige postgeschichtliche Literatur führt hierzu auch Verzeichnisse der Postanstalten, Stempel und Portofreiheiten auf.<ref name="MuenzbergTOC" />

Ein besonderes Problem bildete das ältere Münz- und Währungssystem des Herzogtums Berg und der hinzugekommenen Gebiete. In der napoleonischen Verwaltungszeit wurden französische Regelungen und Bezeichnungen zunehmend maßgeblich; im Postwesen wirkten sich Währungs- und Entfernungsvorschriften unmittelbar auf die Berechnung von Gebühren aus.<ref name="Postdekret1809" />

Fahrpost[Bearbeiten]

Die Fahrpost umfasste die Beförderung von Personen, Paketen und größeren Sendungen. Das Dekret vom 25. Februar 1809 regelte neben der Briefpost auch die reitenden, fahrenden und Extra-Posten im Großherzogtum. Es behandelte damit die Organisation von Poststationen, Posthaltern, Personenbeförderung und den zugehörigen Gebühren.<ref name="Postdekret1809" />

In der Forschung zum bergischen Postwesen werden die Postkurse und Postanstalten des Großherzogtums sowie der Übergang von älteren Thurn-und-Taxis-Strukturen zu einer staatlichen Verwaltung besonders hervorgehoben.<ref name="MuenzbergTOC" />

Briefpost[Bearbeiten]

Datei:Lingen brief.jpg
Brief aus der bergischen Zeit

Die Briefpost lief über feste Postkurse und die daran angeschlossenen Postanstalten. Für einfache Briefe regelte das Dekret vom 25. Februar 1809 die Berechnung nach Entfernung und Gewicht. Für besondere Sendungsarten wie Warenproben, Zeitungen und eingeschriebene Briefe bestanden eigene Gebührenregelungen; auch Fragen der Portofreiheit wurden in der postgeschichtlichen Literatur gesondert behandelt.<ref name="Postdekret1809" /><ref name="MuenzbergTOC" />

Auflösung und Übergang an Preußen[Bearbeiten]

1810 wurde der nördliche Teil des Großherzogtums im Zusammenhang mit der Verschärfung der Kontinentalsperre abgetrennt und dem französischen Kaiserreich zugeschlagen. Dadurch verlor das Großherzogtum einen erheblichen Teil seines Gebiets und damit auch bisheriger Postverbindungen und Posteinrichtungen.<ref name="Laux" />

Nach der Völkerschlacht bei Leipzig wurde das Großherzogtum Berg von alliierten Truppen besetzt. Am 15. November 1813 wurde es formell aufgelöst und als Generalgouvernement Berg unter preußische Verwaltung gestellt.<ref name="Laux" /> Das Postwesen ging zunächst zeitweise wieder an Thurn und Taxis. Zum 1. Juli 1816 gingen die Thurn-und-Taxis'schen Posteinrichtungen im sogenannten Überrheingebiet, im ehemaligen Großherzogtum Berg und in weiteren an Preußen gefallenen Gebieten auf die preußische Postverwaltung über.<ref name="Winterscheid" />

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Werner Münzberg: Das Großherzogtum Berg 1806–13. Seeshaupt 1982 (= Leitfaden zur Postgeschichte und Briefkunde. Band IV). Inhaltsverzeichnis bei der Deutschen Nationalbibliothek.
  • Charles Schmidt: Le grand-duché de Berg (1806–1813). Étude sur la domination française en Allemagne sous Napoléon Ier. Paris 1905 (Digitalisat). Deutsche Ausgabe: Das Großherzogtum Berg 1806–1813. Eine Studie zur französischen Vorherrschaft in Deutschland unter Napoleon I. Herausgegeben von Burkhard Dietz und Jörg Engelbrecht. Bergischer Geschichtsverein, Wuppertal 1999 (= Bergische Forschungen. Band 27).
  • Bettina Severin-Barboutie: Französische Herrschaftspolitik und Modernisierung. Verwaltungs- und Verfassungsreformen im Großherzogtum Berg (1806–1813). Oldenbourg, München 2008, ISBN 978-3-486-58294-9 (Digitalisat).
  • Theo Winterscheid: Das Ende der Thurn und Taxis-Post, Gründung der Norddeutschen Bundespost. In: Post- und Telekommunikationsgeschichte. 1993/1, S. 7–18.

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Großherzogtum Berg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Laux">Stephan Laux: Großherzogtum Berg. In: Portal Rheinische Geschichte. Landschaftsverband Rheinland, 8. September 2016, abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> <ref name="Postdekret1809">N.° XI. Decret, die Organisation der reitenden, fahrenden und Extraposten im Großherzogthum betreffend. In: Gesetz-Bulletin des Großherzogthums Berg. Gesetze, welche dem 3ten November 1809 vorgehen. Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf, 25. Februar 1809, abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> <ref name="MuenzbergTOC">Inhaltsverzeichnis zu: Werner Münzberg: Das Großherzogtum Berg 1806–13. In: Deutsche Nationalbibliothek. Abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> <ref name="Winterscheid">Das Ende der Thurn und Taxis-Post, Gründung der Norddeutschen Bundespost. In: DGPT. Deutsche Gesellschaft für Post- und Telekommunikationsgeschichte, abgerufen am 17. Mai 2026.</ref> </references>

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