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Prozession

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Blutritt in Weingarten (um 1865)
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Buddhistische Prozession in Seoul

Eine Prozession (von lateinisch procedere „vorrücken, voranschreiten“) ist ein religiöses Ritual, bei dem eine Menschengruppe einen nach bestimmten Regeln geordneten feierlichen Umzug oder Umgang, meist zu Fuß, vollzieht. Im säkularen Bereich entsprechen ihr Festzug, Parade, Trauerzug, Demonstration.

Merkmale[Bearbeiten]

Eine Prozession wird definiert als ein „liturgisches Ab- und Umschreiten“ als „kollektive Gebärde einer Kultgemeinde“, die als Kulthandlung regelmäßig wiederkehrt. Bei einer Wallfahrt stehen dagegen nicht der Vorgang des Schreitens und der Weg, sondern das Ziel im Vordergrund, in der Regel ein Heiligtum.<ref>Wolfgang Brückner: Kulturtechniken. Nonverbale Kommunikation, Rechtssymbolik, Religio carnalis. Würzburg 2000, zitiert bei: Dieter J. Weiß: Prozessionsforschung und Geschichtswissenschaft. In: Jahrbuch für Volkskunde N.F. 27 (2004), S. 63–79, hier S. 63f., Anm. 5.</ref> Der ungeordnete Zustrom zu einer Gnadenstätte wurde (im Gegensatz zur geordneten Prozession bzw. Wallfahrt) auch als Geläuf (mittelhochdeutsch gelauf) bezeichnet (Der Obrigkeit war „großes gelauf“, etwa im Jahr 1476 zum Pfeifer von Niklashause, suspekt).<ref>Wolfgang Schneider: Volkskultur und Alltagsleben. In: Ulrich Wagner (Hrsg.): Geschichte der Stadt Würzburg. 4 Bände, Band I-III/2, Theiss, Stuttgart 2001–2007, Band 1 (2001): Von den Anfängen bis zum Ausbruch des Bauernkriegs. ISBN 3-8062-1465-4, S. 491–514 und 661–665, hier: S. 493 f. und 660.</ref>

Prozessionen werden seit der Antike in vielen Religionen praktiziert. Kennzeichen einer Prozession sind:

  • Beteiligung einer konkreten Gruppe von Gläubigen
  • bestimmter, festgelegter Prozessionsweg
  • religiöse Dimension der Handlung
  • gegebenenfalls Mitführen von Kultgegenständen wie Schrein oder Monstranz
  • Festelemente wie Singen
  • nach Gruppen geordnetes Gehen.<ref>Lena Krull: Prozessionen in Preußen. Katholisches Leben in Berlin, Breslau, Essen und Münster im 19. Jahrhundert. Würzburg 2013, S. 15. </ref>
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Mimetische Prozession: Passionsprozession in Stuttgart-Bad Cannstatt

Grundtypen[Bearbeiten]

Man unterscheidet bei den Prozessionen Grundtypen, deren Aspekte sich häufig überschneiden:

Sonderformen[Bearbeiten]

Sonderformen der Prozession sind:

  1. abendliche Lichterprozessionen, bei denen die Prozessionsteilnehmer Kerzen tragen, häufig an Wallfahrtsorten oder aus Anlass von Festwochen oder Festoktaven
  2. die in Oberschwaben, Tirol, im Schwarzwald, im Bayerischen Wald, in der Lausitz und in der Schweiz verbreiteten Reiterprozessionen (Blutritt in Weingarten, Antlassritt, Kötztinger Pfingstritt, das sorbische Osterreiten, im Rheinland der Gymnicher Ritt, in der Schweiz der Auffahrtsumritt am Fest Christi Himmelfahrt<ref>Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.luzern.com: Auffahrtsumritt (Memento des Vorlage:IconExternal vom 15. September 2016 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.luzern.com</ref>).
  3. die Echternacher Springprozession
  4. Schiffsprozessionen, z. B. auf dem Chiemsee, dem Staffelsee in Seehausen, auf dem Rhein die Mülheimer Gottestracht in Köln-Mülheim und auf der Mosel in Treis-Karden.

Ablauf und Gestaltung[Bearbeiten]

Während einer Prozession können Litaneien, Psalmen oder Hymnen gebetet oder gesungen werden. Prozessionen werden oft von Blasmusikkapellen oder anderen Musikgruppenbegleitet. Diese intonieren Kirchenlieder oder Prozessionsmärsche, die die Andacht fördern und das gemeinsame Gehen erleichtern sollen. Die Straßenränder und Häuser sind häufig mit Fähnchen, frischen Zweigen und Blumen geschmückt. Mancherorts werden auf dem Prozessionsweg kunstvolle Blumenteppiche gelegt. Früher waren auch „Triumphbögen“ über dem Weg üblich, heute noch als „Ehrenpforte“ in Mardorf bei Amöneburg in Hessen.<ref>Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten. Lebendige Bräuche im ganzen Jahr, Freiburg-Basel-Wien 1998, ISBN 3-451-27702-6, 341</ref>

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Hakkafot, Prozession mit den Torarollen in Ofra (2011)
Datei:Mülheim-Kärlich, Fronleichnam 2014 - Kirchstraße (2014-06-19 Sp).jpg
Fronleichnamsprozession in Mülheim-Kärlich (2014)
Buddhistische Vesakh-Prozession in Indonesien

Judentum[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Simchat Tora, das „Fest der Torafreude“ am letzten Tag der Feiertage nach dem Laubhüttenfest, begehen Juden mit einer Prozession mit den Torarollen, den Hakkafot, die siebenmal durch die Synagoge zieht. Die Träger der Torarollen wechseln, es sollen sich möglichst alle beteiligen, da die Tora der ganzen Gemeinde anvertraut ist (Vorlage:Bibel/Link). Bei der Prozession wird gesungen und getanzt. Am Schluss wird der Segen des Mose über das Volk (Vorlage:Bibel/Link) gelesen und der Lobpreis (Beraka) gesprochen, und die erste Torarolle wird in die vier Ecken der Synagoge geschwenkt („vor den Augen von ganz Israel“, Vorlage:Bibel/Link).<ref>Guido Fuchs: Fronleichnam. Ein Fest in Bewegung. Regensburg 2006, S. 89 f.</ref>

Christentum[Bearbeiten]

Hinduismus und Buddhismus[Bearbeiten]

Vorlage:Hinweisbaustein Auch in den asiatischen Religionen, wie z. B. dem Hinduismus oder Buddhismus, sind Prozessionen ein wichtiger Teil des religiösen Lebens.

Geschichte[Bearbeiten]

Griechenland[Bearbeiten]

Prozessionen waren wichtige Teile mehrerer antiker Kulte. Das bekannteste Beispiel ist die Panathenäen-Prozession von Athen auf die Akropolis.

Rom[Bearbeiten]

Die in festgelegter Reihenfolge der Beteiligten durchgeführte Pompa zu Beginn von Zirkusveranstaltungen (pompa circensis) oder Theateraufführungen (pompa theatri) war seit dem 1. Jahrhundert v. Chr. fester Bestandteil des öffentlichen Lebens. Ebenso gab es Trauerzüge (pompa funebris) bei Begräbnisfeierlichkeiten. Kaiserliche Triumphzüge (pompa triumphalis) bildeten einen wichtigen Teil des politischen Lebens des Dominats. Im Osten wurden sie seit dem Ende des 4. Jahrhunderts selten, öffentliche Auftritte des Kaisers fanden nun vor allem in der Rennbahn, dem byzantinischen Äquivalent des Fußballstadions, statt.

Christlicher Osten[Bearbeiten]

Den christlichen Autoren galten die heidnischen Prozessionen (pompae) als heidnische Sitte, der man wegen des Kaiser- und Vielgötterkultes als gläubiger Christ fernzubleiben hätte (siehe pompa diaboli). Zu Ostern fand jedoch in christlichen Gemeinden seit spätestens dem 4. Jh. eine Prozession an der Grabeskirche in Jerusalem statt. Prozessionen gab es auch bei der Überführung von Reliquien, wie Johannes Chrysostomos etwa für 398 und 403 (Phokas von Pontos) beschreibt. Die Teilnehmerzahl solcher Prozessionen war ein wichtiger Anhaltspunkt für die Stärke innerkirchlicher Fraktionen. Eine reiche Ausstattung konnte die Anziehung der jeweiligen Glaubensrichtung durchaus stärken. Auch die Überführung der Reliquien des Chrysostomus 438 war von einer Prozession begleitet.

626 fand eine Prozession um die Mauern von Konstantinopel statt, um einen Angriff der Awaren und Perser abzuwehren, angeführt von dem Patriarchen Sergios (610–638), der eine Ikone mit dem Abbild Christi trug. Seit dem Beginn des 9. Jh. wurde bei solchen Prozessionen der Mantel der Gottesmutter aus der Kirche Theotokos in den Blachernen mitgeführt.

Unter dem Patriarchen Timothäus sind für Konstantinopel ab 511 durch Theodor Lektor regelmäßige wöchentliche Prozessionen nachgewiesen, in diesem Falle zu der Kirche Theotokos Chalkoprateia.

Spätantike[Bearbeiten]

Um 470 hielt Mamertus, wie es durch einen Brief von Sidonius Apollinaris belegt ist, eine Prozession in Vienne ab, die vermutlich um die Stadtmauern führte. Die erste schriftlich belegte Prozession in Rom fand 590 unter der Leitung von Gregor dem Großen nach Santa Maria Maggiore statt und sollte die Pest abwehren.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Monographien und Aufsätze[Bearbeiten]

  • Sabine Felbecker: Die Prozession. Historische und systematische Untersuchungen zu einer liturgischen Ausdruckshandlung. (= Münsteraner theologische Abhandlungen 39) Altenberge 1995, ISBN 978-3893751143 (743 S.).
  • Peter Kritzinger: The Cult of Saints and Religious Processions in Late Antiquity and the Early Middle Ages. In: Sarris Peter u. a. (Hrsg.): An Age of Saints? Brill, Leiden 2011, S. 36–48.
  • Lena Krull: Prozessionen in Preußen. Katholisches Leben in Berlin, Breslau, Essen und Münster im 19. Jahrhundert. Ergon Verlag, Würzburg 2013, ISSN 2195-1306, ISBN 978-3-89913-991-4 (Religion und Politik, Bd. 5).
  • Stéphane Verhelst: Les processions du cycle annuel dans la liturgie de Jérusalem. In: Bollettino della Badia Greca di Grottaferrata III s. 11 (2014) 217–253.
  • Dieter J. Weiß: Prozessionsforschung und Geschichtswissenschaft. In: Jahrbuch für Volkskunde, N.F. 27 (2004), S. 63–79.

Lexikonartikel[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Processions – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wiktionary: Prozession – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

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