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Rücktransport

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(Weitergeleitet von Pullbackbündel)

In verschiedenen Teilgebieten der Mathematik bezeichnet man als Rücktransport<ref>Otto Forster: Riemannsche Flächen (= Heidelberger Taschenbücher 184). Springer, Berlin u. a. 1977, ISBN 3-540-08034-1. S. 62 (Englisch: Lectures on Riemann Surfaces (= Graduate Texts in Mathematics 81). Corrected 2nd printing. ebenda 1991, ISBN 3-540-90617-7).</ref> oder Pullback (auch: Zurückziehung, Rückzug) Konstruktionen, die ausgehend von einer Abbildung <math>f\colon X\to Y</math> und einem Objekt <math>E</math>, das in irgendeiner Weise zu <math>Y</math> gehört, ein entsprechendes, „entlang von <math>f</math> zurückgezogenes“ Objekt für <math>X</math> liefern; es wird häufig mit <math>f^*E</math> bezeichnet.

Das duale Konzept heißt meist Pushforward.

In der Kategorientheorie ist Pullback eine andere Bezeichnung für das Faserprodukt. Das duale Konzept wird hier Pushout, cokartesisches Quadrat oder Fasersumme genannt.

Motivation: Der Rücktransport einer glatten Funktion[Bearbeiten]

Sei <math>f \colon M \to N</math> ein Diffeomorphismus zwischen glatten Mannigfaltigkeiten und sei <math>\psi \colon N \to \R</math> eine glatte Funktion auf <math>N</math>. Dann ist der Rücktransport von <math>\psi</math> bezüglich <math>f</math> definiert durch

<math>f^*\colon C^\infty(N) \to C^\infty(M)</math> mit <math>(f^*(\psi))(x) = \psi(f(x))\,.</math>

Der Rücktransport <math>f^*\psi</math> ist also eine glatte Funktion <math>M \to \R</math>.

Schränkt man die Funktion <math>\psi</math> auf eine offene Teilmenge <math>U \subset N</math> ein, so erhält man ebenso eine glatte Funktion auf <math>f^{-1}(U) \subset M</math>. Der Rücktransport ist also ein Morphismus zwischen den Garben der glatten Funktionen von <math>N</math> und <math>M</math>.

Der Rücktransport eines Vektorbündels[Bearbeiten]

Seien <math>M</math> und <math>N</math> topologische Räume, <math>\pi_E \colon E \to N</math> ein Vektorbündel über <math>N</math> und <math>f \colon M \to N</math> eine stetige Abbildung. Dann ist das zurückgezogene Vektorbündel <math>\pi_{E'} \colon E' \to M</math> definiert durch

<math>E' := \{(x,e) \in M \times E | f(x) = \pi(e)\}</math>

zusammen mit der Projektion <math>\pi_{E'}(x,e) := x</math>.<ref name=hatcher18>Allen Hatcher: Vector Bundles & K-Theory. Version 2.1, May 2009, S. 18 online (PDF; 1,11 MB).</ref>

Es kann nun gezeigt werden, dass es einen Vektorbündelhomomorphismus <math>f_*</math> gibt, so dass das Diagramm

<math>\begin{array}{rcl}

E' & \stackrel{f_*}{\longrightarrow} & E\\ \pi_{E'} \big\downarrow & & \big\downarrow \pi_E\\ M & \stackrel{f}{\longrightarrow} & N \end{array}</math> kommutiert.<ref name=hatcher18 /> Somit ist das zurückgezogene Vektorbündel ein Spezialfall eines Faserproduktes. Für einen fixierten Punkt <math>p \in M</math> ist <math>f_*|_p</math> eine lineare Abbildung zwischen Vektorräumen, daher gibt es eine duale Abbildung <math>f^*|_p \colon E^*_{f(p)} N \to (E')^*_p</math>. In diesem Kontext wird das zurückgezogene Vektorbündel <math>E'</math> auch mittels <math>f^*E</math> notiert und man nennt es auch Pullbackbündel von <math>E</math> bezüglich <math>f</math>.

Zurückgezogene Schnitte in Vektorbündeln[Bearbeiten]

Datei:SmoothPullback-01.png
Schema eines Pullbacks am Beispiel der Kotangentialbündel

Im Bereich der Differentialgeometrie werden meist glatte Mannigfaltigkeiten anstatt beliebiger topologischer Räume <math>M</math> und <math>N</math> betrachtet. Dann wird auch zusätzlich gefordert, dass die Abbildung <math>f \colon M \to N</math> und das Vektorbündel differenzierbar sind. Betrachtet man die entsprechenden Tangentialräume anstatt beliebiger Vektorbündel, so ist die Abbildung <math>f_*</math> der Pushforward von <math>f</math> und die zurückziehende Abbildung <math>f^* \colon T^*_{f(p)}N \to T^*_p M</math> ist die duale Abbildung.<ref name="Lee136">John M. Lee: Introduction to Smooth Manifolds (= Graduate Texts in Mathematics 218). Springer-Verlag, New York NY u. a. 2003, ISBN 0-387-95448-1, S. 136.</ref>

Ist <math>\omega \in \Gamma(N,E)</math> ein Schnitt im Vektorbündel <math>E</math>, so ist <math>f^*\omega \in \Gamma(M,f^*E)</math> der zurückgezogene Schnitt, der durch

<math>(f^*\omega)_p = \omega_{f(p)}</math>

für alle <math>p \in M</math> gegeben ist.

Rücktransport bestimmter Schnitte in Vektorbündeln[Bearbeiten]

Im vorigen Abschnitt wurde der Rücktransport eines Schnitts in einem Vektorbündel definiert. In diesem Abschnitte werden konkrete Instanzen solcher Rücktransporte von Schnitten aufgeführt. Dazu sind in diesem Abschnitt <math>M</math> und <math>N</math> glatte Mannigfaltigkeiten und <math>f \colon M \to N</math> eine glatte Abbildung.

Glatte Funktionen[Bearbeiten]

Die Menge <math>C^\infty(M)</math> der glatten Funktionen <math>\psi \colon N \to \R</math> kann auf natürliche Weise mit dem Vektorraum <math>\Gamma^\infty(N,N \times \R)</math> der glatten Schnitte im Vektorbündel <math>\textstyle \coprod_{p \in M} \R \cong N \times \R</math> identifiziert werden.<ref>John M. Lee: Introduction to Smooth Manifolds (= Graduate Texts in Mathematics 218). Springer-Verlag, New York NY u. a. 2003, ISBN 0-387-95448-1, S. 111.</ref> Entsprechend kann der Rücktransport einer glatten Funktion <math>(f^*(\psi))(x) = \psi(f(x))</math> auch als Rücktransport eines glatten Schnittes des Vektorbündels <math>M \times \R</math> aufgefasst werden.

1-Formen[Bearbeiten]

Der Pushforward von <math>f</math> entspricht gerade der äußeren Ableitung von <math>f</math>, was ein Vektorbündelhomomorphismus vom Tangentialraum <math>TM</math> in den Tangentialraum <math>TN</math> ist. Der duale Operator <math>f^*</math> ist somit ein Bündelhomomorphismus vom Kotangentialbündel <math>T^*N</math> in das Kotangentialbündel <math>T^*M</math>.

Sei <math>\alpha</math> ein glatter Schnitt in <math>T^*N</math>, was per Definition eine 1-Form ist. Dann gilt für den Rücktransport von <math>\alpha</math>

<math> (f^*\alpha)_p(X) = \alpha_{f(p)}(df_p(X))</math>

für ein <math>p \in M</math>.<ref name=Lee136 />

Differentialformen[Bearbeiten]

Da die Menge der Differentialformen ein Vektorbündel bildet, kann man den Rücktransport einer Differentialform untersuchen.

Ist <math>f\colon M\to N</math> eine differenzierbare Abbildung und <math>\omega \in \Gamma(N, \Lambda^k(T^*N))</math> eine k-Form auf <math>N</math>, so gilt für die auf <math>M</math> zurückgezogene Differentialform <math>f^*\omega</math> die Gleichung

<math>(f^*\omega)_p(X_1, \ldots , X_k) = \omega_{f(p)}(f_{*p}X_1, \ldots ,f_{*p}X_k)</math>

für Tangentialvektoren <math>X\in T_pM</math> im Punkt <math>p\in M</math> gegeben.<ref>John M. Lee: Introduction to Smooth Manifolds (= Graduate Texts in Mathematics 218). Springer-Verlag, New York NY u. a. 2003, ISBN 0-387-95448-1, S. 303.</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • R. Abraham, Jerrold E. Marsden, T. Ratiu: Manifolds, tensor analysis, and applications (= Applied mathematical sciences 75). 2. Auflage. Springer, New York NY u. a. 1988, ISBN 0-387-96790-7.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />