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Gletscher-Hahnenfuß

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Gletscher-Hahnenfuß
Datei:Ranunculus glacialis (habitus).jpg

Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis)

Systematik
Ordnung: Hahnenfußartige (Ranunculales)
Familie: Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae)
Unterfamilie: Ranunculoideae
Tribus: Ranunculeae
Gattung: Hahnenfuß (Ranunculus)
Art: Gletscher-Hahnenfuß
Wissenschaftlicher Name
Ranunculus glacialis
L.

Der Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) ist eine Pflanzenart aus der Gattung Hahnenfuß (Ranunculus) innerhalb der Familie der Hahnenfußgewächse (Ranunculaceae). Der Gletscher-Hahnenfuß ist die am höchsten steigende Blütenpflanze der Alpen.

Beschreibung[Bearbeiten]

Datei:166 Ranunculus glacialis.jpg
Illustration
Datei:Ranunculus glacialis 02.JPG
Ranunculus glacialis mit roten Blüten
Datei:Ranunculus glacialis.jpg
Habitus und weiße Blüten

Vegetative Merkmale[Bearbeiten]

Der Gletscher-Hahnenfuß ist eine überwinternd grüne, ausdauernde, krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 5 bis 20 Zentimetern erreicht. Die Pflanzenteile sind meist kahl.

Die Laubblätter sind am Grund gestielt. Die handförmigen Blattspreiten sind glänzend, fleischig und haben drei bis fünf grob stumpfzähnige Blattlappen. Die Stängelblätter sind sitzend und weniger tief geteilt mit lanzettlichen Blattzipfeln.

Generative Merkmale[Bearbeiten]

Die Blütezeit reicht von Juli bis August.

Die zwittrige Blüte ist bei einem Durchmesser von etwa 3 Zentimetern radiärsymmetrisch. Krone und Kelch fallen beim Verblühen nicht ab und bleiben bis zur Fruchtreife erhalten – im Gegensatz zu allen anderen Hahnenfuß-Arten. Ein rostbraunes Indument überzieht die Außenseite der Kelchblätter. Die Farbe der Blütenkronblätter wechselt von zuerst weiß über rosafarben bis dunkelrot.

Die Gletscher-Hahnenfuß ist diploid und die Chromosomenzahl beträgt 2n = 16.<ref name="AFE" />

Ökologie[Bearbeiten]

Der Gletscher-Hahnenfuß ist ein Hemikryptophyt. Er wächst oft im Schutz von Eisüberhängen, die wie ein Glashaus wirken, wodurch er zu einer der am höchsten aufsteigenden Pflanzen werden konnte. Beim Gletscher-Hahnenfuß handelt es sich um eine der physiologisch am besten untersuchten Alpenpflanzen.

Diese Pflanzenart braucht zwei bis drei Vegetationsperioden, bevor sie Blüten bilden kann. Trotz der extrem frostgefährdeten Standorte weisen die glänzend grünen Blätter keine sichtbaren Klimaanpassungen auf. Möglicherweise beruht dies auf einer Frostresistenz des Protoplasmas.

Bei Temperaturen unter −2,6 Grad Celsius können alle Pflanzenteile einfrieren, ohne dass das Pflanzenexemplar abstirbt. Dies gelingt dank ungewöhnlich großen Räumen zwischen den Gewebezellen und stark elastischen Zellwänden, die es zulassen, dass die Zellen beim Gefrieren entwässert werden und schrumpfen.<ref>Bernd Eberhart: Der Phönix aus dem Eis. In: Science Notes, 12. April 2024.</ref> In ungünstigen Sommern werden die Reservestoffe aus den Blättern wieder in die Wurzeln zurückverlagert und bereits gebildete Knospen wieder abgebaut.

Die meist homogamen Blüten werden durch Fliegen bestäubt.<ref name="Düll2011" />

Die Früchte sind flache, geflügelte Nüsschen, die sich als Segelflieger und Adhäsionshafter ausbreiten; daneben erfolgt eine Bearbeitungsausbreitung beispielsweise durch Schneefinken.<ref name="Düll2011" />

Der Gletscher-Hahnenfuß ist wie alle Hahnenfußarten giftig.

Vorkommen[Bearbeiten]

Verbreitung[Bearbeiten]

Der Gletscher-Hahnenfuß kommt in Europa, im nordöstlichen Asien, in Alaska, Grönland und Spitzbergen vor. In Europa gibt es Fundortangaben für Spanien, Frankreich, Italien, die Schweiz, Österreich, Deutschland, Polen, die frühere Tschechoslowakei, Rumänien, Island, Norwegen, Schweden, Finnland und Russland.

Vor allem in der zentralen Kette der Alpen wie auch in den Pyrenäen, Karpaten, in Skandinavien und der Arktis bis Alaska und Grönland<ref name="GRIN" /> ist diese Art vertreten. In den Alpen werden kalkarmer Schutt, Moränen, Geröll und nackter Fels in Höhenlagen von 2300 m bis 4275 m (Finsteraarhorn) bevorzugt. Der Gletscher-Hahnenfuß ist damit die am höchsten steigende Blütenpflanze der Alpen. Er erreicht am Matterhorn eine Höhenlage von 4200 Meter, am Schreckhorn 3600 Meter.<ref name="DamboldtZimmermann1974" /> In den Allgäuer Alpen steigt er in Bayern am Linkerskopf bis zu einer Höhenlage von 1950 bis zu 2450 Metern auf und kommt dort zusammen mit der Kriech-Nelkenwurz (Geum reptans) vor.<ref name="Dörr-Lippert2001" />

Standort[Bearbeiten]

Der Gletscher-Hahnenfuß gedeiht auf sickerfrischen, nährstoffarmen und kalkarmen, mehr oder weniger rohen, lockeren, zum Teil bewegten Silikatschuttböden. Er ist eine Charakterart der Ordnung Androsacetalia alpinae und kommt gern zusammen mit dem Alpen-Säuerling (Oxyria digyna) vor.<ref name="Oberdorfer2001" />

Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 3+w (feucht aber mäßig wechselnd), Lichtzahl L = 5 (sehr hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 1 (alpin und nival), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 4 (subkontinental).<ref name="InfoFlora" />

Systematik[Bearbeiten]

Die Erstveröffentlichung von Ranunulus glacialis erfolgte 1753 durch Carl von Linné in Species Plantarum, Tomus I, Seite 553.

Je nach Autor gibt es etwa zwei Unterarten:

  • Ranunculus glacialis subsp. camissonis Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.(Schltdl.) Hultén: Sie kommt vom nordöstlichen Asien bis Alaska vor. Das Epitheton ehrt den Dichter und Naturforscher Adelbert von Chamisso, der sie in Ostasien gesammelt hatte.
  • Ranunculus glacialisDie Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.L. subsp. glacialis: Sie kommt in Europa und in Grönland vor.

Quellen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Xaver Finkenzeller: Alpenblumen. Erkennen & bestimmen, Mosaik-Verlag, München 2002, ISBN 3-576-11482-3.
  • Wolfgang Adler, Karl Oswald, Raimund Fischer: Exkursionsflora von Österreich. Hrsg.: Manfred A. Fischer. Ulmer, Stuttgart/Wien 1994, ISBN 3-8001-3461-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="InfoFlora"> Asperugo procumbens L. In: Info Flora, dem nationalen Daten- und Informationszentrum der Schweizer Flora. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="GRIN"> Skriptfehler: Ein solches Modul „Vorlage:GRIN“ ist nicht vorhanden. im Germplasm Resources Information Network (GRIN), USDA, ARS, National Genetic Resources Program. National Germplasm Resources Laboratory, Beltsville, Maryland. Abgerufen am Vorlage:FormatDateSimple. </ref> <ref name="Oberdorfer2001"> </ref> <ref name="AFE"> Jaakko Jalas, Juha Suominen: Atlas florae europaeae. Band 8: Nymphaeaceae to Ranunculaceae. Helsinki 1989, ISBN 951-9108-07-6, S. 194. </ref> <ref name="Düll2011"> Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Portrait. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1. </ref> <ref name="Dörr-Lippert2001"> Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, IHW, Eching 2001, ISBN 3-930167-50-6, S. 550. </ref> <ref name="DamboldtZimmermann1974"> Jürgen Damboldt, Walter Zimmermann: Familie Ranunculaceae. In: Gustav Hegi: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. 2. Auflage. Band III, Teil 3, S. 299–300. Verlag Carl Hanser, München 1974. </ref> </references>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Gletscher-Hahnenfuß (Ranunculus glacialis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien