Reissnerfaser
Die Reissnerfasern (auch: Reissner-Faden; nach Ernst Reißner) sind eine fadenförmige, faserige, bei Wirbeltieren vorkommende Glykoproteinstruktur im ZNS. Ihr Verlauf beginnt oral am Organum subcommissurale durchzieht Aquädukt, vierten Ventrikel und Zentralkanal, um im Ventriculus terminalis zu enden.<ref name="innereMedizin">R. Jung, Rudolf Brun, Peter E. Becker, Eberhard Bay: Handbuch der inneren Medizin. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-94610-3, S. 611. (online)</ref> Ihr Verlauf bei Fischen ist ähnlich.<ref name="Regenbogenforelle">Volker Blüm, Juan Casado, Jens Lehmann, Eva Mehring: Farbatlas der Histologie der Regenbogenforelle: Begleitheft mit Einführung in die makroskopische Anatomie der Regenbogenforelle. Einführung in die Gewebelehre. Färbevorschriften. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-73960-6, Tafel XV. (online)</ref> Sie entstehen am Organum subcommissurale aus einem Sekret, das von entsprechend umgebildeten Ependymzellen in den Liquor abgegeben wird. Die darin enthaltenen Glykoproteine breiten sich mit dem Fluss des Liquors entsprechend faserig nach kaudal aus.<ref>J. Peiffer, J. M. Schröder, W. Paulus: Neuropathologie: Morphologische Diagnostik der Krankheiten des Nervensystems und der Skelettmuskulatur. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-642-59371-0, S. 26ff. (online)</ref><ref>María F. Guiñazú, Hans G. Richter, Esteban M. Rodríguez: Bovine floor plate explants secrete SCO-spondin. In: Cell and Tissue Research. Mai 2002. doi:10.1007/s00441-002-0511-5</ref>
Die Funktion der Reissnerfasern ist unklar.<ref name="innereMedizin" /><ref name="Regenbogenforelle" /><ref name="Encyclopedia" /> Möglicherweise leiten sie neurosomatische Reize zum Organum subcommissurale, oder haben eine mechanische Funktion (ihre kapillare Wirkung könnte die Zirkulation von Kolloiden im Zentralkanal fördern).<ref name="innereMedizin" /> Beim angeborenen Wasserkopf sind sie geschädigt.<ref name="Encyclopedia">Robert B. Daroff, Michael J. Aminoff: Encyclopedia of the Neurological Sciences. Academic Press, 2014, ISBN 978-0-12-385158-1. (online)</ref>
Ihre Anfärbbarkeit entspricht der von elastischen Fasern.<ref name="innereMedizin" /> Sie lassen sich bei Fischen durch Aldehyd-Fuchsin anfärben.<ref name="Regenbogenforelle" /> Die als Grundsubstanz der Reissnerfasern angetroffenen Glykoproteine werden auch SCO-Spondin (SCO ist die Abkürzung für subcommissural organ, die englische Bezeichnung für das Organum subcommissurale) bezeichnet. Diese zählen zu den Non-Thrombospondin-Proteinen.<ref>S. Gobron, I. Creveaux, R. Meiniel, R. Didier, B. Dastugue, A. Meiniel: SCO-spondin is evolutionarily conserved in the central nervous system of the chordate phylum. In: Neuroscience. 88(2), Jan 1999, S. 655–664. PMID 10197783.</ref>
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />