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Stollen (Tunnelbau)

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(Weitergeleitet von Richtstollen)

Als Stollen bezeichnet man im Tunnelbau begehbare unterirdische Gänge, die entweder waagerecht oder leicht geneigt sind.<ref name= "Quelle 1" /> Der Begriff Stollen wird abgeleitet von dem althochdeutschen Wort stollo, was so viel wie Stütze oder Pfeiler bedeutet.<ref name= "Quelle 2" />

Grundlagen[Bearbeiten]

Der Stollen- und Tunnelbau wurde in seinen Anfängen vom Bergbau abgeleitet, später hat sich eine eigene technische Wissenschaft gebildet.<ref name= "Quelle 1" /> Beim Tunnelbau werden zur Erstellung des eigentlichen Tunnels auch weitere unterirdische Hohlräume erstellt. Diese können als Hilfsbauwerk für den Tunnel fungieren.<ref name= "Quelle 3" /> Ihre Aufgaben sind dabei recht unterschiedlich.<ref name= "Quelle 2" /> Es gibt Stollen, die der Erkundung des Baugrundes dienen,<ref name= "Quelle 1" /> andere Stollen werden benötigt, um seitliche Zugänge zur geplanten Tunnelstrecke zu schaffen und so die Möglichkeit eines Zwischenangriffes zu haben. Wiederum andere Stollen dienen zur Bewetterung des Tunnels während der Bauphase.<ref name= "Quelle 3" /> Erstellt werden die jeweiligen Stollen mittels unterschiedlicher Tunnelbauverfahren und Methoden.<ref name= "Quelle 4" /> Stollen haben in der Regel nur eine Öffnung zur Tagesoberfläche.<ref name= "Quelle 3" /> Stollen haben, im Vergleich zum Tunnel, einen kleineren Querschnitt.<ref name= "Quelle 6" /> Dieser liegt, je nach Verwendungszweck, zwischen vier<ref name= "Quelle 4" /> und 30 Quadratmetern.<ref name= "Quelle 6" />

Verschiedene Stollen[Bearbeiten]

Je nach Verwendungszweck gibt es unterschiedlich bezeichnete Stollen.<ref name= "Quelle 5" /> Es gibt Richtstollen,<ref name= "Quelle 2" /> Zugangsstollen,<ref name= "Quelle 5" /> Schrägstollen<ref name= "Quelle 6" />, Verbindungsstollen<ref name= "Quelle 2" /> und Belüftungsstollen.<ref name= "Quelle 6" />

Richtstollen[Bearbeiten]

Richtstollen, auch als Pilotstollen bezeichnet, werden zur Erkundung der tiefer liegenden Bereiche genutzt.<ref name="Quelle 3" /> Sie dienen der Untersuchung der geologischen Verhältnisse, der Wasserführung und der Standfestigkeit<ref group="ANM" name="Anm. KlBBL." /> des Gebirges. Über Richtstollen lassen sich felsmechanische Untersuchungen durchführen. Über ihn erhält der Tunnelbauer Erkenntnisse über die Verformung und Spannungsumlagerung im Gebirge. Außerdem lässt sich das Gebirge über einen Richtstollen entwässern.<ref name="Quelle 1" /> Kommt es bei der Auffahrung des Tunnels auf dem letzten Streckenabschnitt zu Querabweichungen, so können diese mittels eines Richtstollens korrigiert werden.<ref name="Quelle 2" /> Richtstollen können im Firstbereich des Tunnels erstellt werden, dann bezeichnet man sie als Firststollen. Werden Richtstollen im Sohlenbereich des Tunnels erstellt bezeichnet man sie als Sohlstollen. Der Sohlstollen ist dabei der bevorzugte und vorteilhaftere Stollen, da bei dieser Bauweise die Gleise für das Baumaterial mitverlegt werden können. Außerdem lassen sich so die Ausbruchsmassen leichter in die Förderwagen verladen und abfördern.<ref name="Quelle 7" /> Richtstollen, die im seitlichen unteren Bereich des Tunnelquerschnittes angelegt werden, nennt der Tunnelbauer Seitenstollen. Richtstollen die im seitlichen oberen Bereich angelegt werden, bezeichnet man als Kämpferstollen.<ref name="Quelle 6" />

Richtstollen sollten einen Mindestquerschnitt von vier Quadratmetern haben. Bei dieser Größe kann ein Tunnelbauer noch bequem aufrecht gehen. Bei standfestem Gebirge können Richtstollen auch mit einem Querschnitt von neun Quadratmetern erstellt werden.<ref name="Quelle 4" /> Es gibt die Möglichkeit, ein oder zwei Richtstollen für einen Tunnel aufzufahren. In der Regel beginnt der Tunnelbauer jedoch mit zwei Richtstollen. Diese werden von den Tunnelenden aus aufgefahren.<ref name="Quelle 7" /> Der Richtstollen wird so aufgefahren, dass er dem Tunnel um etwa 200 Meter vorauseilt. Dadurch kommt es zu keiner gegenseitigen Behinderung der einzelnen Baukolonnen. Außerdem kann man dadurch wesentlich besser auf etwaige Schwierigkeiten, die aufgrund der Gebirgsbeschaffenheit entstehen, reagieren.<ref name="Quelle 4" />

Sonstige Stollen[Bearbeiten]

Zugangsstollen, auch als Fensterstollen bezeichnet, sind Stollen, die während der gesamten Tunnelerstellung dem Zugang von Personen dienen. Außerdem dienen sie zur Versorgung des Tunnels mit Geräten und Material.<ref name= "Quelle 5" /> Als Schrägstollen bezeichnet der Tunnelbauer Stollen, die eine Neigung von größer 10 Grad bis maximal 45 Grad haben.<ref name= "Quelle 2" /> Belüftungsstollen dienen der Luftzufuhr im Tunnel. Sie werden parallel zum eigentlichen Tunnel aufgefahren.<ref name= "Quelle 6" /> Werden Versuchsstollen außerhalb des Tunnelquerschnittes aufgefahren und dienen diese nur zur Erkundung, so kann man sie auch als Belüftungsstollen und zur Ableitung des Stollenwassers nutzen.<ref name= "Quelle 7" /> Belüftungsstollen können auch als Servicetunnel dienen.<ref name= "Quelle 6" />

Erstellung[Bearbeiten]

Die Erstellung eines Stollens erfolgt auf unterschiedliche Art und Weise. Kleinere Stollen mit einem Querschnitt von bis zu neun Quadratmetern werden ohne besondere Hilfsmittel erstellt.<ref name= "Quelle 4" /> Diese Stollen werden je nach Umgebungsgestein bergmännisch aufgefahren.<ref name= "Quelle 3" /> Stollen mit größerem Querschnitt werden mit den unterschiedlichen Tunnelbaumethoden erstellt.<ref name= "Quelle 7" /> Bei diesen Stollen kommen Hilfsmittel wie Bohrwagen und Gerüste zum Einsatz.<ref name= "Quelle 4" /> Die Neigung des Stollens liegt in der Regel unter zehn Grad.<ref name= "Quelle 2" /> Als Ausbaumaterial kommen Tübbinge, Gebirgsanker und Spritzbeton zum Einsatz. Die Stärke der Wandung richtet sich dabei nach dem Verwendungszweck des Stollens.<ref name= "Quelle 5" /> Bei Stollen, die längerfristig standhaft erhalten bleiben müssen, muss der Tunnelbauer bei der Erstellung des Stollens darauf achten, dass dieser entsprechend ausgeführt wird.<ref name= "Quelle 1" />

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references>

<ref name= "Quelle 1">Wolfgang R. Dachroth: Handbuch der Baugeologie. 3. erweiterte und überarbeitete Auflage. Mit 439 Abbildungen und 113 Tabellen, Springer Verlag Berlin Heidelberg, Berlin Heidelberg 2002, ISBN 978-3-642-62537-4, S. 18, 457–458.</ref> <ref name= "Quelle 2">Michael Möser, Jochen Quade, Eberhard Baumann, Hans-Peter Otto, Gerhard Müller, Harald Schlemmer, Hans Werner: Handbuch Ingenieurgeodäsie. Ingenieurbau, Wichmann Verlag, 2006, ISBN 978-3-87907-296-5, S. 204–206.</ref> <ref name= "Quelle 3">Gerhard Girmscheid: Baubetrieb und Bauverfahren im Tunnelbau. Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2008, ISBN 978-3-433-01852-1, S. 10, 54, 30.</ref> <ref name= "Quelle 4">Walter Zanoskar: Stollen- und Tunnelbau. Eine Einführung in die Praxis des modernen Felshohlbaues, Zweite neubearbeitete Auflage, Springer-Verlag, Wien 1964, S. 2–5.</ref> <ref name= "Quelle 5">Gerhard Girmscheid: Bauprozesse und Bauverfahren des Tunnelbaus. 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, Verlag Ernst & Sohn, Berlin 2013, ISBN 978-3-433-03047-9, S. 398–399.</ref> <ref name= "Quelle 6">Dimitrios Kolymbas: Geotechnik-Tunnelbau und Tunnelmechanik. Springer Verlag, Berlin Heidelberg New York 1998, ISBN 978-3-540-62805-7, S. 3–4, 26, 47.</ref> <ref name= "Quelle 7">K. Szechy: Tunnelbau. Springer Verlag, Wien New York 1969, S. 47, 48, 210, 211, 515, 516, 547, 572–574.</ref>

</references>

Anmerkungen[Bearbeiten]

<references group="ANM">

<ref group="ANM" name="Anm. KlBBL.">Mit dem Begriff Standfestigkeit wird die Fähigkeit von Gesteinsschichten beschrieben, einen bestimmten Zeitraum um einen nicht unterstützten unterirdischen Hohlraum ohne Zerstörung stehen zubleiben. (Quelle: Walter Bischoff, Heinz Bramann, Westfälische Berggewerkschaftskasse Bochum: Das kleine Bergbaulexikon.)</ref>

</references>