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Riesen-Lorchel

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Riesen-Lorchel
Datei:Gyromitra gigas 85397.jpg

Riesen-Lorchel (Discina gigas)

Systematik
Unterabteilung: Echte Schlauchpilze (Pezizomycotina)
Klasse: Pezizomycetes
Ordnung: Becherlingsartige (Pezizales)
Familie: Giftlorchelverwandte (Discinaceae)
Gattung: Discina
Art: Riesen-Lorchel
Wissenschaftlicher Name
Discina gigas
(Krombh.) Eckblad

Die Riesen-Lorchel (Discina gigas<ref name=":2">Xin-Cun Wang, Zhu-Liang Yang, Shuang-Lin Chen, Tolgor Bau, Tai-Hui Li, Lin Li, Li Fan, Wen-Ying Zhuang: Phylogeny and Taxonomic Revision of the Family Discinaceae ( Pezizales, Ascomycota ). In: Microbiology Spectrum. Band 11, Nr. 3, 15. Juni 2023, ISSN 2165-0497, doi:10.1128/spectrum.00207-23, PMID 37102868, PMC 10269896 (freier Volltext) – (asm.org [abgerufen am 27. September 2024]).</ref>, Syn.: Gyromitra gigas) ist eine Pilzart aus der Familie der Giftlorchelverwandten. Charakteristisch sind die relativ großen Fruchtkörper mit ockerbraunen, lappigen Hüten.

Merkmale[Bearbeiten]

Makroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Der Hut der Riesen-Lorchel wird 8 bis 12 cm hoch und breit, ausnahmsweise kann er auch eine Größe von bis zu 20 cm erreichen.<ref>Frank Moser: Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.Riesenlorchel (Memento des Vorlage:IconExternal vom 15. Oktober 2012 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.natur-lexikon.com. Natur-Lexikon.com. Abgerufen am 26. Juni 2013.</ref> Er besteht aus großen, übereinanderliegenden krausen Lappen mit rundlicher oder knolliger Gesamtform. Die Farbe variiert von hellockerbraun bis olivbräunlich, auch olivgelbe Farbtöne treten auf. Die Hutlappen können am Stiel angewachsen oder nur abwärtsgerichtet sein. Die Innenseite des hohlen Hutes ist weißlich.

Der meist sehr kurze, knollige Stiel kann 3 bis 6 cm hoch und dick sein. Er ist weißlich und an der Oberfläche feinkleiig bis feinfilzig. Die Stielform ist insgesamt unregelmäßig, breitgedrückt, faltig oder grubig. Oft sitzt der Stiel tief in der Erde und ist kaum zu sehen.<ref>Kreisel 1986, S. 378</ref> Er ist innen von Hohlräumen durchzogen.

Das Fleisch ist gelbweiß gefärbt, wachsartig, zerbrechlich und besitzt einen angenehmen Geruch und Geschmack.

Mikroskopische Merkmale[Bearbeiten]

Die Fruchtschicht (Hymenium) befindet sich auf der Oberfläche des Hutes. Die Sporen sind langelliptisch, messen 23–31 × 10–13 μm<ref name=":0">Nicolas van Vooren, Pierre-Arthur Moreau: Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales). 3. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Discina. In: ascomycete.org. Band 1, Nr. 2, 2009, S. 3–13.</ref> und zeigen reif ein unvollständig netziges Ornament, das so deutlich ausgeprägt ist, dass man es auch in Wasser ohne Anfärben erkennen kann.<ref name=":1">Matteo Carbone, Nicolas van Vooren, Vavřinec Klener, Pablo Alvarado: Preliminary phylogenetic and morphological studies in the Gyromitra gigas lineage (Pezizales): Epitypification of Gyromitra gigas and G. ticiniana. In: ascomycete.org. Band 10, Nr. 5, 2018, S. 187–199.</ref> An den Sporenpolen befindet sich je ein stumpfes Anhängsel.<ref name=":0" /> Sie sind hyalin und besitzen im Inneren einen großen und zwei kleinere Öltropfen. In den Asci befinden sich jeweils acht Sporen.

Artabgrenzung[Bearbeiten]

Sehr ähnlich ist Discina ticiniana<ref>Pilzfoum EU: Gyromitra gigas vs. Gyromitra ticiniana. In: www.pilzforum.eu. 2019, abgerufen am 27. März 2020.</ref><ref name=":1" />. Sie wächst nur an Laubholz, vor allem an Eichen- und Buchenholz am Boden, kommt dementsprechend nur in Laubwäldern vor.<ref name=":1" /> Ihre Sporen bleiben lange glatt<ref name=":0" />, zeigen die gleichen Anhängsel wie die von Discina gigas s. str. und bilden reif ebenfalls ein unvollständiges, feines, aber flacheres Netz als Ornament aus, welches aber nur nach Anfärben mit Baumwollblau im Lichtmikroskop erkennbar ist.<ref name=":1" /> Eine sichere Unterscheidung ist durch die Barcoding-Region ITS anhand der DNA-Sequenzen aber möglich.<ref>Xin-Cun Wang, Wen-Ying Zhuang: A three-locus phylogeny of Gyromitra (Discinaceae, Pezizales) and discovery of two cryptic species. In: Mcologia. Band 111, Nr. 1, 2019, S. 69–77, doi:10.1080/00275514.2018.1515456.</ref><ref name=":1" />

Die Frühjahrs-Lorchel (Gyromitra esculenta) besitzt eher rotbräunliche Hutfarben und einen enger und mehr hirnartig gewundenen Hut. Mikroskopisch können beide Arten anhand ihrer Sporen unterschieden werden, da die Sporen der Frühjahrslorchel glatt sind und keine Anhängsel an den Sporenenden ausbilden.<ref>Nicolas van Vooren, Pierre-Arthur Moreau: Essai taxinomique sur le genre Gyromitra Fr. sensu lato (Pezizales). 2. Le genre Gyromitra Fr., sous-genre Gyromitra. In: ascomycete.org. Band 1, Nr. 1, 2009, S. 7–14.</ref> Bei der Zipfel-Lorchel (Discina fastigiata) ist der Hut in nach oben gebogene Zipfel ausgezogen; sie unterscheidet sich außerdem durch ihre Sporenform.

Ökologie und Phänologie[Bearbeiten]

Die Riesen-Lorchel wächst als Saprobiont sowohl an Laub- wie auch an Nadelholz<ref name=":0" /><ref name=":1" />, bevorzugt in West- und Mitteleuropa aber Nadelholz.<ref name=":1" /> Die Pilz kommt oft an vermulmten Stümpfen oder auf vergrabenem Holz, aber auch auf Kahlschlägen vor. Bevorzugt werden lockere, humose Böden. Die Fruchtkörper werden im Frühling von März bis Mitte April gebildet<ref name=":1" />. In Deutschland gilt die Art als selten<ref>Kreisel 1986, S. 378</ref>, in der Roten Liste gefährdeter Arten ist sie in die Kategorie 3 als gefährdet eingestuft.<ref>Gerhardt 2010, S. 628</ref>

Systematik[Bearbeiten]

Die Art wurde lange Zeit zu den Giftlorcheln (Gyromitra) gezählt, bis die Gattung im Jahr 2023 aufgespalten und in 8 Gattungen gesplittet wurde. Für die Verwandtschaftsgruppe um die Riesen-Lorchel wurde die Gattung Discina wiederbelebt, die bereits im Jahr 1849 von Elias Magnus Fries aufgestellt worden war.<ref name=":2" />

Bedeutung; Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Riesen-Lorchel galt bisher als schwach giftig. Sie stand im Verdacht, wie die Frühjahrs-Lorchel (allerdings in geringerer Menge) Gyromitrin zu enthalten, das Vergiftungen des Gyromitra-Typs verursacht.<ref>Pilzverein Augsburg Königsbrunn e. V. Informationen über die Frühjahrs-Lorchel. Abgerufen am 26. Juni 2013.</ref> Eine Studie aus dem Jahr 2021 kam nach jahrelangen epidemiologischen Untersuchungen eines Hotspots der Charcot-Krankheit (Amyotrophe Lateralsklerose, ALS) in den französischen Alpen zu dem Schluss, dass der wiederholte Verzehr von Giftlorchelverwandten und insbesondere der Riesen-Lorchel der wichtigste Risikofaktor für ALS in der Gemeinde sei.<ref name="lagrange2021"> </ref> 2024 revidierten die Autoren jedoch ihre Einschätzung, dass die Riesen-Lorchel für das vermehrte Auftreten der Erkrankung verantwortlich sei, da die Proben aus Frankreich erneut untersucht und als Giftlorcheln im engeren Sinne (Gyromitra s. str.) identifiziert wurden (nämlich als Gyromitra esculenta und Gyromitra venenata).<ref name=":3">Emmeline Lagrange, Marie-Anne Loriot, Nirmal K. Chaudhary, Pam Schultz, Alden C. Dirks, Claire Guissart, Timothy Y. James, Jean Paul Vernoux, William Camu, Ashootosh Tripathi, Peter S. Spencer: Corrected speciation and gyromitrin content of false morels linked to ALS patients with mostly slow-acetylator phenotypes. In: eNeurologicalSci. Band 35, 1. Juni 2024, ISSN 2405-6502, S. 100502, doi:10.1016/j.ensci.2024.100502, PMID 38770222, PMC 11103407 (freier Volltext) – (elsevier.com [abgerufen am 18. November 2024]).</ref>

Vier Proben der Riesen-Lorchel aus Deutschland wurden hinsichtlich eines möglichen Gyromitrin-Gehaltes untersucht. In keiner dieser Proben konnte Gyromitrin nachgewiesen werden. Die Riesen-Lorchel wäre demnach ungiftig.<ref name=":3" />

Nachweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Ewald Gerhardt: BLV Pilzführer. 5. Auflage. BLV, München 2010, ISBN 978-3-8354-0644-5, S. 628.
  • Edmund Michael, Bruno Hennig, Hanns Kreisel: Handbuch für Pilzfreunde. Band 2. Nichtblätterpilze (Basidiomyzeten ohne Blätter, Askomyzeten). 3. Auflage. Fischer, Jena 1986, ISBN 3-437-30347-3, S. 378.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Riesenlorchel (Gyromitra gigas) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Gyromitra gigas. In: Funghi in Italia / funghiitaliani.it. Abgerufen am 26. Juni 2013 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value), Fotos und mikroskopische Aufnahmen der Riesen-Lorchel).