Canapé
Canapés oder Kanapees, auch Schnittchen,<ref name="DWDS" /> in Österreich bzw. der Schweiz auch Brötchen<ref>Gut aufgelegt mit Canapé-Rezepten migusto.migros.ch, 6. November 2025.</ref><ref>Ronald M. Filkas: Brötchen, Semmel, Schrippe, Weck: Wie sage ich’s richtig? In: Setzfehler. 28. Februar 2017, abgerufen am 22. Dezember 2025.</ref> oder Brödle<ref>Juliane Beier: Wecken, Semmel oder Brötchen? Wir erklären die Bezeichnungen. In: Bäckerei Eckert. 29. April 2024, abgerufen am 22. Dezember 2025.</ref> genannt, sind in der gehobenen Küche mundgerecht geschnittene Vorspeisen oder Appetithäppchen, die aus der klassischen französischen Küche stammen. Es handelt sich meist um in Stücke geschnittene, belegte Brotscheiben, die so klein sind, dass sie leicht in einem oder zwei Bissen zu essen sind.<ref>Andrew F. Smith (Hrsg.): The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press, Oxford 2007, S. 89. Zitat: they can be easily eaten in one or two bites by guests who are standing and holding drinks.</ref> Canapés werden daher ohne Besteck serviert (Fingerfood). Sie gehören zu den Speisen, die traditionell bei Empfängen und Cocktail-Partys gereicht werden.<ref>Was sind „Canapés“? – Definition und Herkunft stuttgarter-zeitung.de, 15. November 2022.</ref>
Cocktailhappen und Sandwiches zählen nicht zu den Canapés.<ref name=":1">Herrmann, F. Jürgen: Lehrbuch für Köche. Handwerk und Technik, Hamburg 1999, ISBN 3-582-40055-7, S. 280–281.</ref>
Etymologie[Bearbeiten]
Das Wort canapé bedeutet im Französischen ursprünglich „Sofa“. Im 18. Jahrhundert wurde das Wort mit dieser Bedeutung ins Deutsche entlehnt.<ref name="DWDS">Kanapee im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache.</ref> In der Bedeutung „Sofa“ ist das Wort Kanapee im Deutschen kaum noch gebräuchlich.<ref>Kanapee auf duden.de, siehe Anmerkung zum Gebrauch bei Bedeutung 1.</ref>
Französisch canapé lässt sich über Mittellateinisch canapeum auf Lateinisch conopeum zurückführen und dies weiter auf Griechisch κωνωπεῖον kōnōpeĩon. Das griechische Wort bezeichnet ein Mückennetz oder ein mit einem Mückennetz überzogenes Himmelbett.<ref name="DWDS" />
Innerhalb des Französischen entwickelte sich Ende des 18. Jahrhunderts<ref>FAQs: sandwiches auf foodtimeline.org, Abschnitt Canapes (englisch).</ref> die übertragene Bedeutung in der Gastronomie. Sie ging von der Vorstellung aus, dass die Zutaten für den Belag auf den Brotscheiben wie auf einem Sofa sitzen.<ref name="Ayto" /> Im Englischen tauchte das französische Fremdwort erstmals in einem Kochbuch von 1890 auf.<ref name="Ayto">John Ayto: The Diner’s Dictionary: Word Origins of Food and Drink. OUP, Oxford 2012, ISBN 978-0-19-964024-9 (online), S. 59.</ref> Wenig später gelangte es mit dieser Bedeutung vom Englischen ins Deutsche.<ref name="DWDS" /> Duden empfiehlt – unabhängig von der Bedeutung – die eingedeutschte Schreibweise Kanapee.<ref>Kanapee auf duden.de.</ref>
Herstellung[Bearbeiten]
Canapés werden in der Gastronomie in verschiedenster Weise angerichtet:
- kleine Scheiben von Brot, viereckig oder rund ausgestochen, oder Mini-Baguette<ref name=":1" /> (auch entrindetes Toastbrot, Pumpernickel oder Cracker<ref>Andrew F. Smith (Hrsg.): The Oxford Companion to American Food and Drink. Oxford University Press, Oxford 2007, S. 89.</ref>)
- dünn bestrichen mit Butter oder Gewürzbutter (Zitrone und Salz – eventuell andere Variationen)<ref name=":1" />
- dünn belegt mit Fisch, Krusten-, Weich- und Schalentieren, gebratenem Fleisch (z. B. Roastbeef) oder gekochtem Fleisch (z. B. Vitello tonnato), Käse, Wurstwaren, Speck, Schinken, diversen Aufstrichen (Liptauer, Kräuteraufstriche). Der Belag wird exakt auf die Größe der Unterlage zugeschnitten.
- mit maximal 3–4 Garnituren: Kräuter (z. B. Petersilie), Gemüse (z. B. in Scheiben geschnittene Gewürzgurken, Silberzwiebeln, Radieschen), Obst, Wachteleier, Kaviar u. v. m.
- Frisch gezupfte Blattsalate können auf den Aufstrich gelegt werden
- In besonderen Fällen werden die Canapés auch mit Aspik dünn überzogen<ref name=":1" />
International[Bearbeiten]
Spanien[Bearbeiten]
In Spanien sind in schlechten Zeiten die Bocadillos entstanden (halbiertes und belegtes Baguette-Brot, z. B. mit Queso, Jamon oder Tomate oder auch mehreren Belägen kombiniert). Aus diesen sind die Montaditos hervorgegangen (kleine Bocadillos). Meist werden sie mit 2 bis 4 Zutaten belegt, z. B. Chorizo, Ziegenkäse und Orangenmarmelade. Die Montaditos sind ähnlich den Pintxos: Hier stecken Spieße in einer kleinen Brotscheibe und halten die Zutaten zusammen.<ref>Elke Förster: Bocadillos – spanische Sandwiches für jede Tageszeit. In: snackconnection. 20. Januar 2025, abgerufen am 26. Februar 2026.</ref><ref>Siegbert Mattheis: Was sind baskische Pintxos? Und was hat Rita Hayworth damit zu tun? In: Ambiente Mediterran. 4. Februar 2024, abgerufen am 26. Februar 2026.</ref>
USA[Bearbeiten]
Das Land, in dem die Canapés den größten Zuspruch fanden, waren die Vereinigten Staaten, wo sie gemeinsam mit den Cocktailpartys in den 1920er und 1930er Jahren populär wurden und wo daraufhin Dutzende Bücher mit Canapé-Rezepten auf dem Markt erschienen. Das erste, das sich ausschließlich mit Canapés befasste, war Rachel Bell Maidens The Canapé Book (New York 1934).<ref>The Oxford Encyclopedia of Food and Drink in America. Band 1. Oxford University Press, Oxford 2013, S. 289.</ref>
Weitere Länder[Bearbeiten]
- Argentinien: canapés<ref>canapé de argentina - 1.133 recetas caseras. Cookpad Inc., abgerufen am 5. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Dänemark: Smørrebrød, oft fantasievoll belegte Butterbrote<ref>Max Bergmann: Smörrebröd - Rezepte und Tipps. lecker, online, abgerufen am 26. Februar 2026.</ref>
- im Vereinigten Königreich auch open sandwiches<ref>Camilla: Ploughman's Open Sandwich. In: Fab Food 4 All. 3. November 2014, abgerufen am 5. März 2026 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref>
- Schweiz: Hauptsächlich Canapé, aber auch Brötli, beleiti Brötli oder auch belegte Brötchen<ref name="ammon" />
- Schweden: Kanapé<ref>Eel canapes (Ål kanapeer). Swedish Food, 2026, abgerufen am 5. März 2026.</ref>
- Tschechien: Chlebíčky oder kanapky<ref>Obložené chlebíčky za dob socialismu vypadaly úplně jinak. Na tyto varianty 99 % Čechů zapomnělo. Centrum.cz, 2026, abgerufen am 5. März 2026.</ref>
Literatur[Bearbeiten]
- Rachida Amhaouche: Canapés und andere herzhafte Knabbereien. Aus dem Französischen von Daniela Caesar. Ed. Chaaraoui, Casablanca 2009, ISBN 978-9954-1-3099-5.
- Constance Borde, Sheila Malovany-Chevallier: Sandwiches & Canapés. Kubik RvR, Kehl 2005, ISBN 3-938265-15-9.
- Christine Smith: Canapés: kleine Köstlichkeiten für Genießer. Aus dem Englischen von Oliver Stroh. Bauer, Bad Wiessee 2004, ISBN 3-936440-53-0.
- James Beard: Hors D’Oeuvre and Canapés, with a Key to the Cocktail Party. M. Barrows and Company, New York 1940. Neuauflage: James Beard’s Hors D’Oeuvre & Canapés. James Beard Library of Great American Cooking. Running Press, Philadelphia 1999, ISBN 0-7624-0664-X.
Weblinks[Bearbeiten]
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references> <ref name="ammon"> Brötchen. In: Ulrich Ammon, Rhea Kyvelos (Hrsg.): Variantenwörterbuch des Deutschen: die Standardsprache in Österreich, der Schweiz und Deutschland sowie in Liechtenstein, Luxemburg, Ostbelgien und Südtirol. Walter de Gruyter, 2004, ISBN 3-11-016574-0, S. 139. </ref> </references>