Seelilien und Haarsterne
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| Seelilien und Haarsterne | ||||||||||||
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| Datei:Crinoid in West Rota caldera (expl0043 5114735036).jpg
Eine rezente, gestielte Seelilie in der Caldera eines submarinen Vulkans. | ||||||||||||
| Zeitliches Auftreten | ||||||||||||
| Kambrium bis heute | ||||||||||||
| 513 bis 0 Mio. Jahre | ||||||||||||
| Fundorte | ||||||||||||
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| Systematik | ||||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||||
| Crinoidea | ||||||||||||
| Miller, 1821 |
Seelilien und Haarsterne (Crinoidea von Altgr. κρίνος ‚Lilie‘) gehören zum Stamm der Stachelhäuter (Echinodermata) und sind damit verwandt mit Seeigeln und Seesternen. In der Systematik werden die Seelilien und Haarsterne mit etwa 620 Arten allen anderen heutigen Stachelhäutern (Eleutherozoa) als Schwestergruppe Pelmatozoa gegenübergestellt.
Die Systematik ist unsicher. Alle heutigen Seelilien und Haarsterne werden zur Unterklasse Articulata gezählt. Diese wird, je nach Quelle, in zwei bis fünf Ordnungen unterteilt. Oft werden Cirrentragende (Isocrinida) und Cirrenlose Seelilien (Millericrinida) unterschieden. Einigkeit besteht nur darin, dass die Haarsterne (Comatulida), die nicht sessil leben und heute die Masse der überlebenden Arten stellen, eine eigene Ordnung bilden.
Es gibt nur noch etwa 25 gestielte, sessil lebende Gattungen, die meist in der Tiefsee bis 6000 Meter leben und mit einer maximalen Höhe von einem halben Meter wesentlich kleiner bleiben als ihre ausgestorbenen Verwandten.
Merkmale[Bearbeiten]
Die meisten Seelilienarten sind mit einem Stiel am Meeresboden befestigt und tragen am oberen Ende einen mit Plattenkränzen aufgebauten Kelch, der den Weichkörper des Tieres schützt. Vom Kelchrand aus verzweigen sich zunächst fünf Arme (fünfstrahlige Symmetrie). Durch weitere Teilung der Armbasen entstehen 10- oder auch 20-armige Kronen. Mit Hilfe von fiederartigen Armansätzen (Pinnulae) wird Plankton gefiltert und in den Mund befördert. Die Kelchdecke wird Tegmen genannt.<ref>Crinoid Morphology. Webseite des University of California Museum of Paleontology (englisch, abgerufen am 5. Februar 2016)</ref>
Alle Seelilien und Haarsterne ernähren sich, indem sie fressbare Partikel mit ihren gefiederten Armen aus dem vorbeiströmenden Wasser filtern.
Systematik[Bearbeiten]
Die Seelilien und Haarsterne werden derzeit in fünf Unterklassen unterteilt:
- Flexibilia †
- Articulata
- Bourgueticrinida
- Haarsterne (Comatulida) Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.A. H. Clark, 1908
- Paracomatulidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hess, 1951
- Paracomatula Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hess, 1951
- Paracomatulidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hess, 1951
- Cyrtocrinida
- Encrinida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Matsumoto, 1929 †
- Ainigmacrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn, 1988 †
- Anigmacrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn, 1988 †
- Dadocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lowenstam, 1942 †
- Carnallicrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn, 2004 †
- Dadocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.von Meyer, 1847 †
- Encrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Dujardin & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hupé, 1862 †
- Cassianocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Laube, 1862 †
- Chelocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.von Meyer, 1835 †
- Encrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Lamarck, 1801 †
- Zardinicrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn, 2004 †
- Traumatocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Mu, 1949 †
- Traumatocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Wöhrmann, 1889 †
- Vostocovacrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Yeltysheva & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Polyarnaya, 1886 †
- Ainigmacrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn, 1988 †
- Holocrinida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Jaekel, 1918
- Holocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Jaekel, 1918
- Eckicrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gluchowski, 1993
- Holocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Wachsmuth & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Springer, 1886
- Moenocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hildebrand, 1926 †
- Tollmannicrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Klikushin, 1992
- Holocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Jaekel, 1918
- Hyocrinida
- Isocrinida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Severts-Doreck, 1952
- Eocomatulidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Simms, 1988
- Isocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gislén, 1924
- Pentacrinitidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gray, 1842
- Millericrinida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Severts-Doreck, 1952
- Bangtoupocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stiller, 2000
- Bangtoupocrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stiller 2000
- Silesiacrinus Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Hagdorn & Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Gluchowski, 1993
- Bangtoupocrinidae Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Stiller, 2000
- Roveacrinida Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Peck, 1943 †
- Saccocomidae †
- Saccocoma Die Seite Vorlage:Person/styles.css hat keinen Inhalt.Agassiz, 1836 †
- Saccocomidae †
- Cladida †
- Disparida †
- Camerata †
Fossile Crinoiden[Bearbeiten]
Die Seelilien treten seit dem Ordovizium auf und leben, mit Ausnahme der Haarsterne (Comatulida), heute nur noch im Tiefseebereich südlich des Äquators („Lebende Fossilien“).
Während der Mittleren Trias (Muschelkalk) trat die Seelilie im mitteleuropäischen Flachmeerbereich (Germanisches Becken) so massenhaft auf, dass sie gesteinsbildend wurde (Trochitenkalk).
Neben den festsitzenden Formen kommen auch frei schwimmende Seelilien vor. Während des Schwarzen Jura (Lias) gab es z. B. aufgrund der lebensfeindlichen Verhältnisse (Sauerstoffmangel) in tieferen Meeresbereichen nur frei schwimmende Seelilien. Sie lebten entweder in Kolonien, an Treibhölzer angeheftet oder als Einzeltiere.
Eine weitere Gruppe, die Bojen-Seelilien (Scyphocriniten), war im oberen Silur und unteren Devon (also vor etwa 400 Millionen Jahren) weit verbreitet. Die schönsten Funde von Scyphocrinites elegans stammen aus Marokko bei Erfoud. Neben den Kelchen fanden sich kugelartige Gebilde (Lobolithen) mit einem Durchmesser von 10 cm und mehr, ursprünglich gasgefüllte „Bojen“, an welchen die Stiele mit den Kelchen nach unten hingen. Die Bojen-Seelilien von Marokko gehören zu den merkwürdigsten Entwicklungen von Seelilien überhaupt. Wie sich die Bojen aus ursprünglich kleinen Wurzeln herausgebildet haben, ist noch Gegenstand der Forschung.
Die größte Seelilienkolonie, die weltweit je gefunden und präpariert wurde, ist im Urwelt-Museum Hauff in Holzmaden ausgestellt. Sie ist 18 m × 6 m groß. Sie wuchs an einem zwölf Meter langen Treibholz fest und stammt aus dem Schwarzen Jura (Unteres Toarcium) von Holzmaden.
Fundorte[Bearbeiten]
Versteinerungen von Seelilien sind in den Randgebieten des Höhenzugs Elm im weichen Elmkalkstein zu finden, besonders ausgeprägt in Erkerode (in der Mitte des Höhenzugs kam durch Erosionen der härtere, untere Kalkstein zum Vorschein). Vor allem fand man die Art Encrinus liliiformis mit ihrer gedrungenen, robusten Krone. In jüngster Zeit konnten im Elm ganze Muschel-Seelilien-Lebensgemeinschaften nachgewiesen werden, die eng umgrenzte, riffartige Gebilde darstellten. Die Sammlung Klages (Königslutter) besitzt mehrere hundert Exemplare, darunter eine große Steinplatte mit 16 Seelilienkronen und Stielen bis zu 70 cm Länge.
Eines der klassischen Fundgebiete von vollständig erhaltenen Encrinus liliiformis ist die Umgebung von Crailsheim. Die Trochitenbänke sind hier besonders mächtig und bestehen lagenweise fast nur aus den Trochiten dieser Art. Exemplare aus der Crailsheimer Umgebung befinden sich in vielen Museen.
Im Land Salzburg, in den Adneter Steinbrüchen, sind im Roten Knollenkalk der Sorte Motzen Marmor zahlreiche Seelilien-Einsprenglinge zu finden, diese treten als Kalkspatfüllungen von Seelilien-Stielgliedern und Nadeln von Seeigeln in Erscheinung.<ref>Katrin Hauer, Christian F. Uhlir: Adneter Marmor. Entstehung, Material, Abbau, Geschichte und seine Bedeutung als Kulturerbe. Verlag Books on Demand, Norderstedt 2011, S. 18.</ref>
Volksglaube und Brauchtum[Bearbeiten]
Besonders verbreitet sind Trochiten, die versteinerten Stielglieder der Seelilien, die sich aus den kalkigen Crinoiden-Skeletten bildeten. Bereits in der Steinzeit wurde der Trochitenkalk zu Halsketten verarbeitet. Dies war naheliegend, denn die röhrenartigen Trochiten ummantelten den Nervenkanal der Tiere. In der vorchristlichen Zeit wurde u. a. in Mitteleuropa bei fossilen Trochiten der ehemalige Nervenkanal wieder freigebohrt und die einzelnen Glieder zu einer Halskette aufgefädelt. Bei den Germanen galten die Trochiten als Zeichen der Tapferkeit. Diese Bedeutung blieb lange erhalten. Im Zuge der Christianisierung musste die Bevölkerung ihre Trochiten (Bonifatiuspfennige, Wichtelpfennige oder Hexengeld) abgeben. Noch 1714 fand man Trochiten unter den Bezeichnungen „Asteros sphragis“, „Asterias Gesneri“, „Lapis crucis“, „Oculum belli“, „Oculum mundi“ und „Asteria gemma“<ref>Othenio Abel: Die vorweltlichen Tiere in Märchen, Sage und Aberglaube. Gustav Fischer, Jena 1923, S. 58 (archive.org).</ref> in Apotheken als Heilmittel gegen verschiedenen Krankheiten, wie Epilepsie, Melancholie, giftige Tiere, Nasenbluten, Schwindel und Nierenleiden. Ferner sollten sie die Tapferkeit fördern, die Nachgeburt erleichtern und dem Besitzer ein langes Leben bescheren.
Bestimmte Fossilien von Crinoiden wie auch solche von vielarmigen Schlangensternen (Ophiuroidea) wurden in einer Vergangenheit, als diese versteinerten Formen bei ihren Betrachtern noch Schrecken erregen konnten, als „Medusenhaupt“ bezeichnet. Die meeresbewohnende Medusa aus der griechischen Mythologie ließ durch den bloßen Anblick ihres von Schlangenhaar bedeckten Kopfes Menschen zu Stein werden.<ref>Helmut Hölder: Naturgeschichte des Lebens. 2. Auflage. Springer-Verlag, Berlin, Heidelberg, New York 1989, S. 153.</ref>
Fossile Erscheinungsformen[Bearbeiten]
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Fossile Seelilienkronen
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Stielglied von Holocrinus dubius auf der Oberfläche der Oberen Schaumkalkbank des Unteren Muschelkalks
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Teil eines Stiels von Seirocrinus sp. aus dem Unteren Jura, Unteres Pliensbachium
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Adneter Motzen-Marmor, Österreich
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Bruchstück eines Adneter Motzen-Marmors, Österreich
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Trochitenkalk, gefunden bei Erkerode am Westrand des Elm
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Bojen-Seelilien-Versteinerung aus Marokko im naturhistorischen Museum in Basel
Literatur[Bearbeiten]
- Janina F. Dynowski, James H. Nebelsick, Adrian Klein und Anita Roth-Nebelsick: Computational Fluid Dynamics Analysis of the Fossil Crinoid Encrinus liliiformis (Echinodermata: Crinoidea). In: PLoS ONE. Band 11 (5): e0156408, doi:10.1371/journal.pone.0156408
- Hans Hagdorn: Triassic: the crucial period of post-Palaeozoic crinoid diversification. In: Swiss J Palaeontol., 130, 2011, S. 91–112
- Hans Hess, William I. Ausich, Carlton E. Brett, und Michael J. Simms: Fossil Crinoids. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-52440-7
Weblinks[Bearbeiten]
- The Paleobiology Database: Crinoidea
- Tree of Life web project: Crinoidea
- Palæos: Class Crinoidea
- Nova Southeastern University: Introduction to living Crinoids
Einzelnachweise[Bearbeiten]
<references />