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Torusantenne

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Datei:Parabel+torus.png
Entstehung eines Parabolspiegels (links) im Vergleich zu einer Torusantenne (rechts)
Datei:Aerial view of clear AFS site, Official photograph BMEWS Project by C. Henry, 5 July 1962, Photographic Services, Riverton, NJ, BMEWS, clear as negative no. A-3945. - Clear Air Force HAER AK-30-A-96.jpg
Radar AN/FPS-50 in Alaska
Datei:Simulsat 8779623253 2fc9757142 o.jpg
Torusantenne mit Gehäuse für mehrere Primärantennen

Eine Torusantenne ist eine Parabolantenne, bei der die für den Reflektor formgebende Parabel nicht um die Achse der Hauptstrahlrichtung gedreht worden ist, sondern um eine Achse, die dazu senkrecht steht. Es entsteht somit ein kreisbogenförmiger Reflektor.

Technische Beschreibung[Bearbeiten]

Die Richtcharakteristik (und in der Folge der Antennengewinn) für jede Sende-/Empfangseinrichtung beruhen nur auf einem kleinen Bereich der Reflektoroberfläche. Die Größe dieser Fläche wird durch die Richtcharakteristik der Primärstrahler (meist Hornstrahler) begrenzt. Die effektive Antennenfläche ist für den jeweiligen Kanal kleiner als eine annähernd ovale Parabolantenne mit einem Durchmesser etwa der kleineren Dimension der Torusantenne. Gemessen an der Gesamtfläche ist die Antennenapertur eher gering.<ref>Merrill Skolnik: Radar Handbook, Third Edition McGraw-Hill Professional, 2008, ISBN 978-0-07-148547-0 (online PDF, S. 554., abgerufen am 19. Mai 2016)</ref> In der Summe wird jedoch eine Mehrfachausnutzung der Reflektorfläche erzielt, da sich die einzelnen Bereiche überlappen können. Da statt eines Brennpunktes eine Brennlinie erzeugt wird, sind die Verluste durch Aberration etwas größer als bei einer Parabolantenne.

Im Gegensatz zu einer Parabolantenne mit Multifeedhalterung wird bei der Torusantenne keine der Positionen für die Primärstrahler bevorzugt.

Anwendungen im Radar und zur terrestrischen Übertragung[Bearbeiten]

In den 1950er-Jahren wurde von den US-Streitkräften das Radarsystem AN/FPS-50 beschafft, bei dem Torusantennen zur Frühwarnung vor ballistischen Raketen verwendet worden sind. Die Radare arbeiteten anfangs im UHF-Bereich und nach einer Umrüstung im L-Band. Die Reflektoren sind 50 m hoch und 120 m lang, wobei nur ein halber Parabelbogen gebildet wird und sich die Linie der Brennpunkte dicht über der Erdoberfläche befindet. Durch die annähernde Verdreifachung der Frequenz erhielten die Torusantennen nach der Umrüstung eine sehr viel höhere Effizienz. Die 80 Primärstrahler wurden auf verschiedene Positionen nebeneinander montiert. Damit wurde ein Seitenwinkelbereich von 40° pro Antenne abgedeckt. Das Radar war eines der letzten, bei dem eine Richtungsschwenkung mit feststehenden Torusantennen durchgeführt wurde.<ref>Dokumentation BMWES auf www.globalsecurity.org</ref>

Für die terrestrische Übertragung im Ultrakurzwellen-Bereich noch erhalten ist eine in den 1960er-Jahren nach diesem Prinzip erstellte Antennenanlage der ehemaligen Kabelkopfstelle in Cressey (Kalifornien), mit der Fernsehsignale aus der rund 160 km entfernten Region San Francisco empfangen wurden.<ref>Koordinaten 37° 25′ 39″ N, 120° 39′ 3″ W

 {{#coordinates:37,4275|−120,65083333333|
   |dim=
   |globe=
   |name=Cressey, GE Cablevision
   |region=US-CA
   |type=landmark
  }}</ref> Zehn etwa 27 Meter hohe, in einem rund 110 m langen Kreisbogen aufgestellte Türme tragen horizontal gespannte Metalldrähte und bilden so den Reflektor.<ref>Neil McLain: Broadband networks part 29. In: SBE Chapter 24 Newsletter. März 1999, S. 6. (Die Seite Vorlage:Webarchiv/styles.css hat keinen Inhalt.online PDF (Memento des Vorlage:IconExternal vom 23. Oktober 2007 im Internet Archive)  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.sbe24.org, abgerufen am 19. Mai 2016)</ref>

Anwendung zur Satellitenkommunikation[Bearbeiten]

Datei:Torus antenna.svg
Gleichzeitiger Empfang mehrerer Satelliten
Datei:Torus satellite dish.jpg
Fernsehempfangsantenne mit mehreren LNB
Datei:Antenne-toroidale.jpg
Antenne mit toroidalem Subreflektor, der die Phasenunterschiede am Reflektorrand teilweise kompensiert und damit eine höhere Effizienz erzielt

Torusantennen werden heutzutage verwendet, um im Mikrowellenbereich mit nur einer Antenne gleichzeitig Verbindungen mit mehreren geostationären Satelliten zu halten. Zu diesem Zweck werden sie mit mehreren Primärantennen ausgerüstet, die auf unterschiedliche Bereiche des torusförmigen Reflektors gerichtet sind (Multifeed).

Eine rund 80 m breite Antenne dieses Typs befindet sich seit etwa 1987 in der Anlage Owidiopol-2 bei Welykodolynske in der Ukraine.<ref>Koordinaten 46° 19′ 45″ N, 30° 32′ 26″ E

 {{#coordinates:46,329166666667|30,540555555556|
   |dim=
   |globe=
   |name=Owidiopol-2
   |region=UA-51
   |type=landmark
  }}</ref> Später wurden solche Antennen in verschiedenen Ländern von der NSA errichtet, um die Kosten für die Überwachung der Satellitenkommunikation zu reduzieren.<ref>Desmond Ball, Duncan Campbell, Bill Robinson, Richard Tanter: Expanded communications satellite surveillance and intelligence activities utilising multi-beam antenna systems. NAPSNet Special Report, 28. Mai 2015</ref> Ebenfalls verwendet werden diese Antennen von Kabelnetzbetreibern.<ref>Multiple-beam antennas. The New York Times, 13. August 1981.</ref>

Kleinere Torusantennen existieren auch im Bereich der Unterhaltungselektronik, um mit nur einem unbeweglichen Reflektor die Signale mehrerer Fernsehsatelliten empfangen zu können. Diese Empfangsantennen können auch mit einem Sekundärreflektor ausgestattet sein, der nach dem Prinzip einer Cassegrain-Antenne arbeitet und ebenfalls toroidal geformt ist. Damit können die notwendigen Abstände zwischen den LNBs vergrößert werden, so dass auch dicht nebeneinander liegende Satellitenpositionen bedient werden können. Beide Reflektoren sind derart aufeinander abgestimmt, dass eine höhere Effizienz ermöglicht wird.<ref>auf Englisch {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) genannt, siehe: Constantine A. Balanis: Antenna Theory. Analysis and Design. John Wiley & Sons, New York 2005, ISBN 0-471-66782-X, S. 895 (in Online-PDF S. 852, abgerufen am 18. Mai 2016)</ref>

Literatur[Bearbeiten]

  • Alan G. P. Boswell: The parabolic torus reflector antenna. In: Marconi Review. 41, 1978, S. 237–248.
  • Biao Du, Edward K. N. Yung, Ke-Zhong Yang, Shun-Shi Zhong: Design of multibeam parabolic torus reflector antennas. In: Microwave and Optical Technology Letters. 27, 5, 2000, S. 343–347.
  • Kenneth S. Kelleher: A new wide-angle microwave reflector. In: Tele-Tech & Electronic Industries. 12, 6, 1953, S. 98–99, 168–169.
  • Yahya Rahmat-Samii, Reflector Antenna Developments: A Perspective on the Past, Present and Future, 2015, IEEE Antennas and Propagation Magazine, Band 57, Ausgabe 2, ISSN 1045-9243, S. 85–95.

Weblinks[Bearbeiten]

Wiktionary: Torusantenne – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
Commons: Torusantennen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />