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ATIB Union

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Türkisch-islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich
Avusturya Türk İslam Kültür ve Sosyal Yardımlaşma Birliği
(ATIB Union)
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Gründung 1990/1991
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Gründer Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)
Sitz Wien
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Nachfolger Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)
Zweck Koordinierung der religiösen, sozialen und kulturellen Tätigkeiten der angeschlossenen türkisch-islamischen Moscheegemeinden
Vorsitz Aziz Altınel
Geschäftsführung Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)
Eigentümer Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)
Umsatz Lua−Fehler in Modul:Wikidata. Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 274: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Lua-Fehler in Modul:Wikidata, Zeile 1703: attempt to index field 'wikibase' (a nil value))
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Mitglieder über 62 Vereine
mit rd. 115.000 Mitgliedern<ref name="ATİB">[1]; abgerufen am 29. Juni 2026</ref>
Website atib.at

Die Türkisch-Islamische Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich, kurz: ATIB Union, wurde im Jahre 1991 in Wien als bundesweiter Dachverband, für eine bestmögliche Kooperation, Koordinierung und Unterstützung ihrer Mitgliedsvereine, gegründet.

Die ATIB Union zählt mit seinen rund 62 eigenständigen Mitgliedsvereinen österreichweit zu den mitgliederstärksten Organisationen in religiöser, sozialer und kultureller Hinsicht und ist somit eines der wichtigsten zivilgesellschaftlichen Einrichtungen in der Republik Österreich.

Die ATIB Union und ihre Zweigvereine agieren nach folgenden Grundsätzen:

Die ATIB Union handelt ausschließlich im Einklang nach den österreichischen Verfassungs- und Grundrechten. Die demokratischen Werte, die Freiheit eines jeden, sowie die Gleichberechtigung aller Menschen sind entscheidende Attribute für die Arbeit der ATIB Union.

Darüber hinaus versteht sich die ATIB Union als überparteiliche und profit-unabhängige Zivilgesellschaft, die durch soziale, kulturelle und religiöse Aktivitäten einen Beitrag für eine plurale Gesellschaft schaffen will. In diesem Sinne führen die ATIB Vereine ihre Aktivitäten ehrenamtlich aus.

Der Interreligiöser Dialog mit anderen Religionsgemeinschaften, zur Schaffung von mehr Toleranz und gegenseitigem Verständnis, ist ein wichtiger Arbeitsbereich der ATIB Union. Um das friedliche Miteinander zu leben und zu fördern legt die Union großen Wert auf Kooperationen mit österreichischen, wie aber auch europäischen Zivilgesellschaften und Institutionen.

Nicht zuletzt ist die Unterstützung und Fortbildung von Jugendlichen in sozialen, kulturellen, sportlichen und erzieherischen Bereichen und die Schaffung der dafür erforderlichen Voraussetzungen und Einrichtungen ein wichtiger Arbeitsbereich der ATIB Union.

Kritik[Bearbeiten]

ATIB steht seit Jahren wegen seiner Nähe zur türkischen Regierungspartei AKP und als „der österreichische Arm des Amtes für Religiöse Angelegenheiten der türkischen Regierung“ in der Kritik.<ref>Stefan Kaltenbrunner: Interview: Der neue IGGiÖ-Präsident und der Einfluss des türkischen Vereins Atib. 20. Juni 2016 (kurier.at [abgerufen am 18. April 2018]).</ref> Als die Evolutionstheorie aus den türkischen Lehrplänen gestrichen wurde, kritisierte ATIB zunächst diese Entscheidung, nahm die Kritik auf Druck der Türkei jedoch umgehend wieder zurück.<ref>Bilal Baltaci: Muslime-Chef Olgun lehnt nach Protest die Evolutionstheorie doch ab. 21. Juli 2017 (kurier.at [abgerufen am 18. April 2018]).</ref>

Auch wird die Verhinderung der Integration durch ATIB kritisiert, da der Verein Moslems in der Durchsetzung islamischer Hardliner-Positionen etwa im Schulumfeld bestärken würde.<ref>Evelyn Peternel: Wenn Papa das Kopftuch anschafft. 6. April 2018 (kurier.at [abgerufen am 18. April 2018]).</ref> Aus einer Nachmittagsschule für Korankurse des Vereins in Wien-Brigittenau wurden Bilder publik, die neunjährige Mädchen mit einem Kopftuch zeigen.<ref>Karl Oberascher, Johanna Kreid, Yvonne Widler: Die islamischen Schattenschulen. 3. März 2017 (kurier.at [abgerufen am 18. April 2018]).</ref>

Im Mai 2018 wurde bekannt, dass ein vom „Bildungs- und Forschungsinstitut Nokta“, einem Unterverein von ATIB, betriebener Kindergarten seit 2009 nach einem türkisch-nationalistischen und islamistischen Konzept unterrichtete. Konkret wurden Kindern „türkische Wertvorstellungen sowie die türkische Kultur altersgerecht vermittelt“. Das pädagogische Konzept des Kindergartens war der Magistratsabteilung 11 (Amt für Jugend und Familie) bekannt und wurde erst im Jahr 2017 auf deren Verlangen geändert.<ref>Neue Vorwürfe gegen einen Atib-Kindergarten in Wien. 5. Mai 2018 (kurier.at [abgerufen am 7. Mai 2018]).</ref>

Kriegsspiele[Bearbeiten]

Im April 2018 wurde bekannt, dass in der Wiener ATIB-Moschee in der Dammstraße im März 2018 Buben im Rahmen einer Nachstellung der Szenen aus der Schlacht von Canakkale in Tarnuniform exerzieren mussten und Mädchen die türkische Flagge schwenkten.<ref>Michaela Reibenwein, Stefanie Rachbauer: Atib-Moschee in Wien: Kinder mussten in Uniform exerzieren. 17. April 2018 (kurier.at [abgerufen am 17. April 2018]).</ref> Dies wurde quer über alle politischen Lager und von der Islamischen Glaubensgemeinschaft scharf kritisiert.<ref>Kinder exerzierten in Tarnuniformen in Wiener Atib-Moschee. In: Die Presse. 17. April 2018 (diepresse.com [abgerufen am 17. April 2018]).</ref> Später wurde bekannt, dass zumindest auch im Jahr 2016 bereits Kriegsspiele mit Kindern stattgefunden hatten. Fotos zeigen Kinder, die tote Soldaten spielen mussten und mit türkischen Fahnen zugedeckt waren.<ref>Atib-Moschee: Kinder mussten als Leichen posieren. In: Die Presse. 18. April 2018 (diepresse.com [abgerufen am 18. April 2018]).</ref>

Ähnliche Veranstaltungen fanden auch in Moscheen des deutschen Schwesterverbands DITIB, der wie ATIB der türkischen Religionsbehörde untersteht, in Deutschland statt. In Herford mussten am 18. März 2018 Kinder in Militäruniformen mit Spielzeuggewehren in der Hand exerzieren, was auch mit einem über WhatsApp verbreiteten Video dokumentiert wurde.<ref>WELT: Herford: Moschee lässt Kinder Krieg spielen – Vorladung vom Bürgermeister. In: Die Welt. 13. April 2018 (welt.de [abgerufen am 18. April 2018]).</ref> Auch aus Moscheen in Mönchengladbach und Ulm wurden Fotos derartiger Kinderkriegsspiele bekannt.<ref>DerWesten – derwesten.de: Kein Einzelfall: Kinder marschieren in Militäruniform durch Ditib-Moschee. 18. April 2018 (derwesten.de [abgerufen am 19. April 2018]).</ref>

Integrationsexperten sehen in diesen bekanntgewordenen Aktivitäten keine Einzelfälle und sprechen von einer Fülle gleicher oder ähnlicher Veranstaltungen, wo Kinder für Propaganda instrumentalisiert würden.<ref>Kinder in Tarnanzügen: „Keine Einzelfälle“. 18. April 2018 (orf.at [abgerufen am 19. April 2018]).</ref> Daher wird auch die Kontrolle ATIBs durch den Verfassungsschutz gefordert.<ref>Güngör: „ATIB gehört vom Verfassungsschutz kontrolliert“. 18. April 2018 (kurier.at [abgerufen am 19. April 2018]).</ref> Das Kultusamt ermittelt wegen des Verdachts des Verstoßes gegen das Islamgesetz in drei Punkten: Verstoß gegen die „positive Einstellung zu Gesellschaft und Staat“, wegen der Behinderung der Entwicklung der Kinder sowie wegen verbotener Finanzierung aus dem Ausland. Als mögliche Konsequenz aus den Verstößen sind Konsequenzen bis hin zur Auflösung des Vereins möglich.<ref>ATIB-Moschee: Kinder mussten als Leichen posieren. 18. April 2018, abgerufen am 2. November 2024.</ref>

ATIB als türkischer Nachrichtendienst[Bearbeiten]

Die österreichische Staatsanwaltschaft ermittelt seit Anfang 2017 nach § 256 des Strafgesetzbuchs (Geheimer Nachrichtendienst zum Nachteil Österreichs) gegen ATIB. Hintergrund ist die angebliche Bespitzelung von Gülen-Anhängern, Kurden und Erdogan-Kritikern in Österreich im Auftrag der türkischen Religionsbehörde Diyanet. Peter Pilz legte in diesem Zusammenhang ein Schreiben des türkischen Religionsattachés in Salzburg vor, das im Namen des Religionsattachés der türkischen Botschaft und ATIB-Präsidenten Fatih Mehmet Karadas an die türkische Religionsbehörde Diyanet übermittelt worden sein soll. Sinngemäß heißt es darin, dass ATIB verdächtige Personen ausgeforscht habe und Maßnahmen gesetzt habe, deren Einfluss in Österreich zu minimieren. Auch bei der deutschen Schwesterorganisation DITIB wird wegen Spionageverdachts ermittelt, im Februar 2017 fanden dort auch Hausdurchsuchungen statt.<ref>Marina Delcheva: Weitere Ermittlungen gegen Moscheendachverband. In: Österreich Politik – Nachrichten – Wiener Zeitung Online. 15. Februar 2017 (tagblatt-wienerzeitung.at [abgerufen am 7. Mai 2018]).</ref>

Im Juni 2018 bestätigte ATIB den Verdacht der Regierung, dass Imame des Vereins rechtswidrig aus dem Ausland finanziert würden.<ref>Tiroler Tageszeitung Online: Maßnahmen der Regierung: ATIB bestätigt Auslandsfinanzierung | Tiroler Tageszeitung Online – Nachrichten von jetzt! In: Tiroler Tageszeitung Online. 8. Juni 2018 (tt.com [abgerufen am 8. Juni 2018]).</ref>

Die geheime nachrichtendienstliche Tätigkeit ATIBs könnte auch zur Auflösung des Vereins führen.<ref>Christian Böhmer: Wie Atib doch noch aufgelöst werden könnte. 28. April 2018 (kurier.at [abgerufen am 7. Mai 2018]).</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Datei:Floridsdorf (Wien) - ATIB-Kulturzentrum Rappgasse.JPG
Kulturzentrum „Rappgasse“ in Wien-Floridsdorf

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references />