Abendständchen
Abendständchen ist ein Gedicht von Clemens Brentano aus dem Jahr 1802. Es ist in das Singspiel Die lustigen Musikanten<ref>Quelle, S. 819, 9. Z.v.o.</ref> eingelegt.
Struktur[Bearbeiten]
Das Gedicht besteht aus zwei Strophen. Die Strophenform ist ein Vierzeiler mit weiblich gereimten trochäischen Vierhebern.<ref>Frank, S. 197</ref>
Wortlaut[Bearbeiten]
Hebungen<ref>Hebung: Betonung einer Silbe oder eines Wortes.</ref> sind in der ersten Strophe kursiv gesetzt. Die Schreibung folgt der Frankfurter Brentano-Ausgabe FBA 12.<ref>FBA 12, S. 819</ref>
<poem style="margin-left:2em;"> Hör‘, es klagt die Flöte wieder, Und die kühlen Brunnen rauschen. Golden weh‘n die Töne nieder, Stille, stille, laß uns lauschen!
Holdes Bitten, mild Verlangen, Wie es süß zum Herzen spricht! Durch die Nacht, die mich umfangen, Blickt zu mir der Töne Licht. </poem>
Interpretation[Bearbeiten]
Nach Killy wirke das Gedicht apperzeptiv, so dass die Wand zwischen Natur und Seele durchlässig erscheine. Wenn der Mensch feinfühlig apperzipiere, werde er unter Umständen seiner Grenzen gewärtig. Brentano hebe nun mit seinen Worten jene Grenzen auf. Sinnsuche hinter Brentanos zauberhaften Bildern sei meist vergeblich. So etwas wie Musik erhebe sich zwar aus den Versen, nicht aber Bedeutung.
Rezeption[Bearbeiten]
- Nach Schulz<ref>Schulz, S. 636 unten</ref> artikuliere sich in dem Gedicht der Synästhetiker Brentano.
- Riley<ref>Helene M. Kastinger Riley: Clemens Brentano. Stuttgart 1985, ISBN 3-476-10213-0, S. 89, zweiter Eintrag</ref> und Schultz<ref>Schultz, S. 312.</ref> nennen weiter führende Untersuchungen:
- H. Rüdiger (1952), Albrecht Schöne (Die deutsche Lyrik. Band 2: Von der Spätromantik bis zur Gegenwart. Benno von Wiese (Hrsg.), Düsseldorf 1956, S. 11–18)
- Otto Eberhardt (Anregung 24, München 1978, S. 308–317).
Vertonungen[Bearbeiten]
Johannes Brahms: Drei Gesänge für sechsstimmigen Chor a cappella, op. 42, Nummer 1.<ref>Ursula Wiedenmann: Die musikalische Brentano-Rezeption. In: Kurt Feilchenfeldt, Luciano Zagari: Die Brentano. Eine europäische Familie. Niemeyer, Tübingen 1992, ISBN 978-3-484-67006-8, S. 146–170; hier S. 161.</ref>
Ausgaben[Bearbeiten]
Zitierte Textausgabe
- FBA 12: Hartwig Schultz (Hrsg.): Die lustigen Musikanten. Singspiel. In: Jürgen Behrens (Hrsg.), Wolfgang Frühwald (Hrsg.), Detlev Lüders (Hrsg.): Clemens Brentano. Sämtliche Werke und Briefe. Band 12: Dramen I. W. Kohlhammer, Stuttgart 1982, ISBN 3-17-007043-6, S. 797–877; 970 Seiten.
Digitalisate
- Clemens Brentano: Gedichte. Vorlage:Projekt-gutenberg.org
- [Hör', es klagt die Flöte wieder] In: Clemens Brentano: Werke. Band 1. München [1963–1968], S. 144–145; Vorlage:Zeno.org
Literatur[Bearbeiten]
geordnet nach dem Erscheinungsjahr
- Walther Killy: Clemens Brentano. Abendständchen. In: Karl Hotz (Hrsg.): Gedichte aus sieben Jahrhunderten. Interpretationen. 2. Auflage. C. C. Buchner, Bamberg 1990, ISBN 3-7661-4311-5, S. 80–81; 311 Seiten. Entnommen aus: Walther Killy: Wandlungen des lyrischen Bildes. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1978, S. 55.
- Gerhard Schulz: Die deutsche Literatur zwischen Französischer Revolution und Restauration. Teil 1: Das Zeitalter der Französischen Revolution: 1789–1806. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-00727-9; 763 Seiten.
- Helene M. Kastinger Riley: Clemens Brentano. Stuttgart 1985, ISBN 3-476-10213-0 (Sammlung Metzler, Band 213); 166 Seiten.
- Horst Joachim Frank: Handbuch der deutschen Strophenformen. 2. Auflage. Francke, Tübingen 1993, ISBN 3-7720-2221-9; 885 Seiten.<ref>Die erste Auflage erschien bei Hanser in München.</ref>
- Hartwig Schultz (Hrsg.): Clemens Brentano. 1778–1842 zum 150. Todestag. Peter Lang, Bern 1993, ISBN 3-906750-94-9; 341 Seiten.
Einzelnachweise[Bearbeiten]
„Quelle“ meint die zitierte Textausgabe. <references />