Ad gentes
Ad gentes (AG) heißt, nach seinen Anfangsworten, das Dekret über die missionarische Tätigkeit der Kirche, das vom Zweiten Vatikanischen Konzil formuliert und am 7. Dezember 1965 von Papst Paul VI. promulgiert wurde.
Entstehung[Bearbeiten]
Bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil war in der Missionstheologie das Verständnis von „Mission“ noch von den zwei „klassischen“ Missionsenzykliken mitgeprägt:
- Sancta Dei civitas, die Missionsenzyklika von Papst Leo XIII. über die Missionsgesellschaften vom 3. Dezember 1880
- Maximum illud, die Missionsenzyklika von Papst Benedikt XV. vom 30. November 1919
Da nach diesem Verständnis die Theologie der Missionen insbesondere die Kirchen in den „klassischen“ Missionsgebieten anging, also die Kirche in Afrika, in Asien und in großen Teilen Lateinamerikas, ist es nicht verwunderlich, dass sich die dort tätigen und die den Missionsorden angehörenden Konzilsväter immer wieder in die Konzilsdebatten einbrachten.<ref>Norman Tanner: Kirche in der Welt: Ecclesia ad extra. In: Giuseppe Alberigo (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959–1965), Band 4: Günther Wassilowsky (Hrsg. der deutschen Ausgabe): Die Kirche als Gemeinschaft, September 1964 – September 1965. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz / Peeters, Leuven 2006, ISBN 3-7867-2526-8, S. 313–448, hier S. 313–395.</ref> Das Panafrikanische Sekretariat erarbeitete einen Entwurf mit dem Titel Reflexions au sujet de contenu d’un schéma „De missionibus“.<ref>Riccardo Burigana, Giovanni Turbanti: Zwischen den Sitzungsperioden. Vorbereitung des Konzilsabschlusses. In: Giuseppe Alberigo: (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959–1965), Band 4: Günther Wassilowsky (Hrsg. der deutschen Ausgabe): Die Kirche als Gemeinschaft, September 1964 – September 1965. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz / Peeters, Leuven 2006, S. 531–726, hier S. 680.</ref> Über die Theologie hinaus stellten die afrikanischen, die asiatischen und die lateinamerikanischen Bischöfe in den Generalkongregationen und in den Konzilskommissionen die Fragen, die in der Praxis der Mission aufkamen.<ref>Peter Hünermann: Die letzten Wochen des Konzils. In: Giuseppe Alberigo (Hrsg.): Geschichte des Zweiten Vatikanischen Konzils (1959–1965), Band 5: Günther Wassilowsky (Hrsg. der deutschen Ausgabe): Ein Konzil des Übergangs, September – Dezember 1965. Matthias-Grünewald-Verlag, Ostfildern / Peeters, Leuven 2008, ISBN 978-3-7867-2639-5, S. 423–558, hier S. 506–509.</ref>
Missionsgrundsatz[Bearbeiten]
Im Dekret wird festgestellt, dass die pilgernde Kirche ihrem Wesen nach missionarisch sei. Diese Zielbestimmung entspringt der quellhaften Liebe, dem Liebeswollen des Vaters und dem Plan Gottes für das Heil des Menschengeschlechtes (vgl. AG Nr. 9). Missionarische Tätigkeit sei nichts anderes und nichts Geringeres als Kundgabe oder Epiphanie und Erfüllung des Planes Gottes in der Welt und ihrer Geschichte, in der Gott durch die Mission die Heilsgeschichte sichtbar vollzieht (Vergl. AG Nr. 9). Einen ganz deutlich missionarischen Akzent erhält das Dekret durch die Aufforderung:
„Zur Völkerwelt gesandt, soll die Kirche ‚das allumfassende Sakrament des Heils’ sein.“
Damit wird die grundlegende Bestimmung der Kirche aus Lumen gentium (vergl. LG Nr. 48) für die Missionstheologie aufgenommen. Die Missionsarbeit und Evangelisation ist eine Aufgabe, die das Bischofskollegium mit dem Nachfolger Petri an der Spitze unter dem Beten und Mitwirken der ganzen Kirche zu erfüllen hat (vgl. AG Nr. 6).
Folgetexte[Bearbeiten]
Das im Dekret Ad gentes erreichte neue Verständnis von „Mission“ ging unter anderem in die folgenden päpstlichen Lehrschreiben ein:
- Evangelii nuntiandi, das apostolische Schreiben von Papst Paul VI. über die Evangelisation in der Welt von heute vom 8. Dezember 1975
- Redemptoris missio, die Enzyklika von Papst Johannes Paul II. über die fortlaufende Gültigkeit des missionarischen Auftrages vom 7. Dezember 1990
Literatur[Bearbeiten]
- Rafael Luciani, Juan Miguel Espinoza Portocarrero: Das Dekret „Ad gentes“. Beiträge zum konziliaren Prozess und zur Rezeption auf dem Kontinent. In: Sandra Arenas, Carlos Schickendantz (Hrsg.): Das Zweite Vatikanische Konzil in Lateinamerika und der Karibik. Verlag Herder, Freiburg 2025, S. 579–606.
Weblinks[Bearbeiten]
Fußnoten[Bearbeiten]
<references />
Vorlage:Klappleiste/Anfang Konstitutionen: Dei verbum | Gaudium et spes | Lumen gentium | Sacrosanctum Concilium
Dekrete: Ad gentes | Apostolicam actuositatem | Christus Dominus | Inter mirifica | Optatam totius | Orientalium Ecclesiarum | Perfectae caritatis | Presbyterorum ordinis | Unitatis redintegratio
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