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al-Mudschaidil

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Al-Mudschaidil (arabisch المجيدل, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)) ist ein ehemaliges palästinensisches Dorf im Norden des heutigen Israel in erhöhter Lage mit Blick auf die Jesreelebene. Seine Bewohner wurden 1948 während des Palästinakriegs von den Streitkräften des neugegründeten Staates Israel vertrieben und ihre Häuser wenig später zerstört. Die zu Flüchtlingen gewordenen Palästinenser wurden an der Rückkehr in ihren Ort gehindert, dessen Ruinen heute von der 1952 auf ehemaligem Dorfland gegründeten und seitdem stark gewachsenen israelischen Stadt Migdal haʿEmeq überbaut sind. Nur die Friedhöfe und Kirchen am Ort blieben erhalten und von Nachfahren ehemaliger Einwohner, wie neuzugezogenen Christen erhalten und genutzt.

Geschichte[Bearbeiten]

In den 1880er Jahren gehörte al-Mudschaidil zum Safad Kaza (arabisch قضاء صفد, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value) ‚Qadi-Bezirk Zfat‘), selbst ein Teil des Sandschaks Sidon, einem Sandschak (Osmanisches Reich) im Vilâyet Beirut, der Provinz des Osmanischen Reichs, die weite Teile des heutigen Libanons umfasste. Die Reislamisierung der Levante durch die Mamluken (Ende des 13. Jahrhunderts bis 1516 Herren der Levante) überstanden insbesondere in den Bergen des Libanons und Galiläas viele kleine Kirchengemeinden. Al-Mudschaidil, das über die Zeit mehrheitlich von Muslimen bewohnt wurde, hatte gleich zwei Kirchengemeinden, eine griechisch-orthodoxe (Eigennomenklatur: rum-orthodoxe) und eine römisch-katholische.

Seit den 1850er Jahren interessierten kirchlich engagierte russische Orthodoxe sich für orthodoxe arabische Christen, ihre Glaubensbrüder, und deren Situation im Osmanischen Reich. Als Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow 1888 als Gründungspräsident der russischen Kaiserlichen Orthodoxen Palästina-Gesellschaft (IPPO) Teile der osmanischen Provinzen Mutesarriflik Jerusalem und Vilâyet Beirut bereiste, kam er auch nach al-Mudschaidil. Wie vielerorts in ihrem Ursprungsgebiet hatten Christen unter muslimischer Herrschaft keine oder baulich und / oder räumlich unzureichende Bethäuser, weshalb der Großfürst der orthodoxen Kirchengemeinde Geld spendete, sich ein adäquates Gotteshaus zu bauen.<ref name="Tserkov' v Migdal' kha-Emeke 2006">NN, “Вандалы осквернили церковь в Мигдаль ха-Эмеке” (9. Juni 2006), auf: Народ – это мы с вами; abgerufen am 12. August 2025.</ref><ref name="Pappe 2006 p153">Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153. ISBN 1-85168-467-0.</ref> Der Bau der St. Nikolauskirche begann 1894 und wurde 1896 abgeschlossen.<ref name="Tserkov' v Migdal' kha-Emeke 2006" /><ref name="Russ. Prawosl. Tserkow">“Вандалы разгромили русскую церковь в Святой Земле” (9. Juni 2006), auf: Русская Православная Церковь; abgerufen am 11. August 2025.</ref> Patriarch Gerassimos I., bemüht um Dämpfung des russischen Einflusses, öffnete die Kirche auch Christen anderer Konfessionen.<ref name="Pappe 2006 pp153seq." /> Sein Nachfolger Patriarch Damianos I. von Jerusalem stellte sicher, dass das Kirchengebäude als Dorfschule bereitstand,<ref name="Tserkov' v Migdal' kha-Emeke 2006" /><ref name="Pappe 2006 pp153seq.">Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153seq. ISBN 1-85168-467-0.</ref> zu einer Zeit als kaum osmanische Kinder zur Schule gehen konnten. Die Kapelle des Franziskanerinnenkonvents Erzengel Gabriel am Ort wurde erst 1903/1904 erbaut.

Der osmanische Versuch im Ersten Weltkrieg auf Seiten der Mittelmächte, den Suezkanal zu blockieren, endete schließlich mit der Niederlage und Auflösung des Osmanischen Reiches. Den osmanisch eröffneten Sinaifeldzug trieben siegreiche Gegenvorstöße der Egyptian Expeditionary Force (EEF) der Triple Entente vom ägyptischen Sinai immer weiter nordostwärts über die osmanische Grenze ins Mutesarriflik Jerusalem.<ref>Alex Carmel ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), Geschichte Haifas in der türkischen Zeit 1516-1918 [תּוֹלְדֹוֹֹת חֵיפָה בִּיְמֵי הַתּוּרְכִּים, Haifa: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), 1969; dt.], Clara Zellermeyer (Übs.), Wiesbaden: Harrassowitz, 1975, (=Abhandlungen des Deutschen Palästinavereins; Bd. 3), S. 149. ISBN 3-447-01636-1.</ref>

Bis September 1918 waren die Kampfhandlungen fern al-Mudschaidils. Die Einnahme des Vilâyets Beirut durch Entente-Streitkräfte leitete die Neuaufteilung des Gebiets ein. Ihren Vorstellungen entsprechend teilten Briten und Franzosen die Levante neu auf und gliederten 1918 die südlichen zwei Drittel Galiläas vom osmanischen Libanon um in die Occupied Enemy Territory Administration South (OETA South), die dann 1920/1922 als Völkerbundsmandat für Palästina auch amtlich namentlich an die römische Bezeichnung aus dem Jahre 135 anschloss.

Laut Zensus von 1922 lebten etwa 150 Griechisch-Orthodoxe in al-Mudschaidil, neben mehr als 40 anderen Christen und 817 Muslimen, zusammen 1.009 Menschen am Ort.<ref>J. B. Barron (Kompil.), Palestine – Report and Abstract of the Census of 1922, Datenerhebung am 23. Oktober 1922, Government of Palestine (Hrsg.), Jerusalem: Greek Convent Press, 1923, Table XI ‹Populations by Districts and Sub-districts (Northern District): Sub-district of Nazareth›, S. 40.</ref> Die stabile Wirtschaftsentwicklung Palästinas zur Mandatszeit ermöglichte erstmals den Bau einer Moschee, der Moschee al-Huda (مَسْجِدُ الْهُدَىٰ, DMG {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Multilingual:153: attempt to index field 'data' (a nil value)), erbaut 1930 mit modernem Wassersammelsystem, das Regen vom Dach in eine Zisterne leitete,<ref name="Pappe 2006 p153">Ilan Pappe, The Ethnic Cleansing of Palestine, London und New York: Oneworld, 2006, S. 153. ISBN 1-85168-467-0.</ref> und die Einrichtung von Schulen, segregiert nach Geschlechtern. Gemäß dem Zensus 1931 war die Einwohnerzahl auf 1.241 angewachsen, davon 1.044 Muslime und 197 Christen, deren Zahl kaum gewachsen war.<ref name="Biblewalks 20170429">NN, “Migdal Haʿemek” (29. April 2017), auf: BibleWalks 500+ sites; abgerufen am 15. August 2025.</ref> Im Jahr 1945 hatte al-Mudschaidil 1900 palästinensische Einwohner, davon 1640 Muslime und 190 Christen,<ref name="Emmett 1995 p157">Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. Chicago: University of Chicago Press, 1995; S. 157.</ref> und zwar griechisch-orthodoxe, von denen allerdings einige zum Protestantismus konvertiert waren.<ref>Alex Carmel: “Activities of the European Powers in Palestine, 1799–1914”. In: Asian and African Studies, Bd. 19, Nr. 1 S. 70.</ref>

Im Juli 1948 zog Israel im Rahmen der »Operation Deqel« (»Palme«) seine Truppen in Galiläa zusammen, und zwischen 15. und 18. Juli fiel unter anderem al-Mudschaidil. Da das Schicksal der Palästinenser von Haifa, das die meisten arabischen Nichtjuden schon im Bürgerkrieg zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern auf höheren Befehl unter Androhung von Repressalien des Arabischen Höheren Komitees verließen,<ref>Jamal al-Hussayni, Präsident des AHC, sagte in der Sitzung zum Auszug nichtjüdischer Araber aus Haifa in der UNO am 23. April 1948: „Die Araber wollten sich nicht einem Waffenstillstand unterwerfen, der Schande gebracht hätte, und zogen es vor, ihre Wohnungen aufzugeben, ihre Habseligkeiten und alles, was sie auf dieser Welt besaßen, und die Stadt zu verlassen. Das haben sie tatsächlich getan.“ (Vgl. im englischen Original: “The Arabs did not want to submit to a truce which would have brought shame upon them, as they rather preferred to abandon their homes, their belongings, and everything they possessed in this world, and leave the town. This is in fact what they did.”), United Nations / Nations Unies, “287th meeting/287ème séance” (23. April 1948), in: Security Council Official Records / Conseil de Securité Procès-verbaux officiels, Nr. 62, Jg. 3 (1948), S. 14.</ref> und das Massaker von Deir Yasin unter der Bevölkerung bekannt war, waren viele Bewohner von al-Mudschaidil bereits vor der israelischen Eroberung nach Nazareth geflüchtet,<ref>Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 41.</ref> vor allem Frauen und Kinder.<ref>Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.</ref>

Datei:Mujeidel.jpg
Luftbild al-Mu­dschaidils mit Nikolauskirche weitläufig ummauert am rechten Rand des Dorfes, 1949

Die arabischen Führer im Lande, wie die mit ihnen verbündeten arabischen Nachbarstaaten, lehnten die von der UNO im November 1947 vorgeschlagene Teilung des Mandatsgebiets ab, vereinbarten aber auch keine andere Aufteilung des Landes, sondern setzten allein auf ihr Waffenglück bei der territorialen Regelung. Gleich am 15. Mai 1948, am Tag nach Gründung Israels, rückten die Armeen der Nachbarländer ein, um den Krieg um Israels Unabhängigkeit zu eröffnen. Das ausbleibende Waffenglück beließ den arabischen Kämpfern Palästinas und ihren Verbündeten am Ende 22 % des Mandatsgebiets. Al-Mudschaidil kam an Israel.

Bewohner al-Mudschaidils standen bei Israelis im Verdacht mit der Armee des heiligen Krieges unter dem wehrmachtgeschulten Libanesen Fawzi al-Qawuqǧi zusammenzuarbeiten.<ref name="Allon 20181015" /> Die israelischen Nachrichtendienste lieferten den kämpfenden israelischen Einheiten je Bulletins über die Orte, denen sie sich näherten, bezüglich eingetretener Ereignisse und des bisherigen Verhaltens der Einwohner gegenüber jüdischen Palästinensern, damit sie einschätzen könnten, ob sie eher mit friedlicher Haltung oder feindlich-gewalttätiger Handlung rechnen müssen. Das Bulletin zu al-Mudschaidil enthielt die Sache des vermissten Soldaten Menachem Goldstein, Motorradkurier und Verbindungsoffizier der Golani-Brigade, der am 28. Juni 1948 während einer seiner Missionen vom Hauptquartier aus auf der Landstraße (heute 73) zwischen Sarid und Ginneigar verschwunden war.<ref name="Allon 20181015">Eli Allon ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)” (15. Oktober 2018), auf: News1; abgerufen am 16. August 2025.</ref>

Am 15. Juli 1948, im Zuge der Operation Deqel, drang das 13. Bataillon der Golani-Brigade in al-Mudschaidil ein und nahm es ohne nennenswerten Widerstand ein, denn es war weithin menschenleer.<ref name="Allon 20181015" /> Die meisten Bewohner waren ins nahe Yafa al-Nasiriyya und weiter nach Nazareth geflohen.<ref name="Kanīsat al-Raʿiyyat al-Rūsiyya 20190806">Pressestelle des Patriarchats Jerusalem, “غبطة البطريرك يترأس خدمة القداس الالهي في كنيسة الرعية الروسية”, auf: Πατριαρχεῖον Ἱεροσολύμων; abgerufen am 11. August 2025.</ref> Wie sich erwies, flohen sie wohl in Erwartung von gefährlichen Unannehmlichkeiten. Sofort nach der Eroberung des Dorfes sprengten israelische Truppen zehn Häuser »als Warnung«.<ref name="Emmett 1995 p43">Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. Chicago: University of Chicago Press, 1995; S. 43.</ref> Israelische Truppen fanden Goldsteins Leiche am 21. Juli in einer Grube in der Umgebung und erfuhren von befragten arabischen Kriegsgefangenen und Bewohnern, dass er durch eine von Milizionären aus al-Mudschaidil gelegten Mine schwer verletzt worden war.<ref name="Allon 20181015" /> Die Milizionäre hatten ihn ins Dorf geschleppt, wo sie ihn unter schwerer Folter ermordet hatten.<ref name="Allon 20181015" />

Jene Bewohner al-Muschaidils, die geblieben waren, wurden Richtung Nazareth vertrieben;<ref>Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 41.</ref> die Soldaten vertrieben – so wie an vielen anderen Orten – die gesamte Bevölkerung des Dorfes.<ref>Rosemarie M. Esber: Under the Cover of War. The Zionist Expulsion of the Palestinians. Arabicus, 2008; S. 349; Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.</ref> In den folgenden Wochen sprengten die israelischen Truppen auch die übrigen Häuser des Dorfes.<ref name="Emmett 1995 p43" /> Der Jüdische Nationalfonds forstete später die geschaffene Wüstung wie in vielen anderen eingeebneten Dörfern mit Kiefern auf,<ref>Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Fayard, 2008.</ref> um einen Wald über das ehemalige Dorf wachsen zu lassen.<ref>Šejla Haračić: “Memoricide. A Punishable Behavior?” In: Confronting the Past. European Experiences, Vjeran Pavlaković, Davor Pauković, Višeslav Raos (Hrsg.). CPI, 2012; S. 249.</ref>

Die griechisch-orthodoxe Nikolauskirche am Ort sowie die dem Erzengel Gabriel geweihte Klosterkapelle der römisch-katholischen Franziskanerinnen wurden wie üblich als Betstätten von der Zerstörung ausgespart.<ref name="Emmett 1995 p157" /> Weiter beließen die israelischen Streitkräfte die Moschee, die Friedhöfe und einige andere Gebäude, während sie ehemalige Bewohner, die Versuche starteten zurückzukehren, daran hinderten.<ref name="Allon 20181015" /><ref>Chad F. Emmett: Beyond the Basilica. Christians and Muslims in Nazareth. University of Chicago Press, 1995; S. 45.</ref> Im August stießen israelische Truppen auf mehrere Gruppen palästinensischer Frauen, Flüchtlinge, die auf ihren eigenen Feldern arbeiteten. Nach Angaben eines israelischen Offiziers gaben sie zuerst Warnschüsse ab und schossen dann auf die zurückgekehrten Flüchtlinge und töteten so auch einzelne. Der verantwortliche Offizier gab nochmals den Befehl, die Flüchtlinge an der Rückkehr zu hindern.<ref>Benny Morris: 1948. A History of the First Arab-Israeli War. Yale University Press, 2008; S. 303; Benny Morris: The Birth of the Palestinian Refugee Problem Revisited. Cambridge University Press, 2004.</ref>

Mehr als die Hälfte der Einwohner, die in Nazareth Zuflucht gefunden hatten, flohen später weiter in den Libanon, nach Syrien und ins Westjordanland,<ref name="Humphries Bd.19 20060900 p18" /> das dann 1950 Teil Jordaniens wurde. Dort wurden die Flüchtlinge als Jordanier gleichberechtigte Bürger, nicht aber in anderen arabischen Bruderländern, wie Libanon oder Syrien, wo Palästina-Flüchtlinge als Staatenlose in prekären Umständen belassen wurden. Christen aus al-Mudschaidil blieben meist als Binnenflüchtlinge im israelischen Nazareth. Zur gleichen Zeit pressten arabische Staaten ihre jüdischen Staatsbürger zur Ausreise oder vertrieben sie, doch ihr zurückgelassenes Vermögen erhielten nicht Flüchtlinge aus Palästina, sondern zog der jeweilige Fiskus der arabischen Staaten ein.

Im Jahre 1950 bot die israelische Regierung nach einer Intervention von Papst Pius XII. den christlichen Binnenflüchtlingen die Möglichkeit, nach al-Mudschaidil zurückzukehren, doch diese lehnten es ab, ohne ihre muslimischen Nachbarn wieder in das Dorf zu ziehen.<ref>Dominique Vidal und Sébastien Boussois: Comment Israël expulsa les Palestiniens (1947–1949). Paris: Éditions de l’Atelier, 2009; S. 213; Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Paris: Fayard, 2008.</ref> So blieben die Christen aus al-Mudschaidil Binnenflüchtlinge in Nazareth und beließen ihre Kirchen verwaist. Eine der vielen aus Nationalismus verpassten Chancen. Die Kustodie des Heiligen Landes sorgte dennoch dafür, dass das Franziskanerinnenkonvent nicht aufgegeben wurde, sondern stets bewohnt blieb. Die Klosterkapelle dient heute auch einer römisch-katholischen Gemeinde messianischer Juden.

Binnenflüchtlinge konnten später nur besuchsweise an ihre alten Wohnorte zurückkehren. Die Palästina-Flüchtlinge im Ausland, wie in Jordanien (bis 1994), Libanon oder Syrien, konnten ihr ehemaliges Dorf nicht mehr besuchen, da diese Staaten Israels Existenz nicht anerkannten, also mit Israel keinen Frieden schlossen, keinen Reiseverkehr aufnahmen, sondern nur bis auf weiteres 1949 einen Waffenstillstand vereinbarten, um Israel militärisch beseitigen zu können, wenn sie die Gelegenheit dazu gekommen sehen würden (wie 1973).

Alles von Flüchtlingen und Vertriebenen zurückgelassene Vermögen übernahm der israelische staatliche Treuhänder über das zurückgelassene Vermögen.<ref>Auf {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value). Die Amtsbezeichnung wechselte mit dem neuen Gesetz von 1950 zu Treuhänder für Habe Abwesender. Vgl. Arnon Golan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), שִׁינּוּי מֶרְחֲבֵי - תּוֹצְאַת מִלְחָמָה: הַשְּׁטָחִים הָעַרְבִיִּים לַשְׁעָבַר בִּמְדִינַת יִשְׂרָאֵל 1948–1950, {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (Hrsg.), Beʾer Scheva: {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), 2001, S. 14seqq.</ref> Mit dem Gesetz über die Habe Abwesender,<ref>Vgl. {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) (20. März 1950), in: סֵפֶר הָחֻקִּים, Nr. 37/ב März 1950.</ref> das die Knesset am 20. März 1950 beschloss,<ref name="Yazbak 2010 p40">Mahmoud Yazbak, “The Islamic Waqf in Yaffa and the Urban Space”, in: Makan: Adalah’s journal for Land Planning and Justice, Bd. 2 (2010) ‹The Right to a Spatial Narrative›, S. 23–46, hier S. 40.</ref> wurden jene Araber, die während der bewaffneten Konflikte ihre Häuser und gegebenenfalls Ländereien verlassen hatten, entschädigungslos enteignet, einerlei wo die Abwesenden waren.<ref>Das galt also nicht nur für Palästina-Flüchtlinge außerhalb Israels, sondern auch für schätzungsweise 31.000 Binnenflüchtlinge unter den 156.000 arabischen Israelis (also knapp 20 %), die in Israel an anderen als ihren Herkunftsorten Zuflucht gefunden hatten. Vgl. Jalal Al-Husseini, “Jordan and the Palestinians”, in: Atlas of Jordan: History, Territories and Society, Myriam Ababsa (Hrsg.), Paris: Presses de l’Ifpo, 2014, S. 230–245, hier Abs. 1. ISBN 2-35-159438-X.</ref>

Um die vielen geflüchteten Menschen unterbringen zu können, reichten leerstehende Häuser arabischer Palästina-Flüchtlinge nicht, weshalb Israel Maʿebbarot ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); Pl. Maʿəbbarōt) gründete. Ziel war allerdings nicht, ihr Flüchtlingsdasein zu verstetigen, darüber hätten ja Generationen aussichtslos ihr Leben verwarten müssen, sondern sie an neuer Stätte heimisch zu machen. Etwa anderthalb Kilometer westlich des geschleiften al-Mudschaidils entstand ab 1953 das neue Migdal haʿEmeq.<ref name="Raʿanan 20220216">Siwah Raʿanan ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)” (16. Fe­bruar 2022), auf: שמתי לב; abgerufen am 16. August 2025.</ref> Erste Menschen, die 1953 feste Unterkünfte in Migdal haʿEmeq bezogen, kamen aus der Maʿebbarat Schimron ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), nördlich der Zomet Nahalal gelegen und 1958 geschlossen) und der Maʿebbarat Beit Scheʿarim ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value) nördlich des Moschavs gleichen Namens und Ramat Jischais gelegen und 1954 geschlossen) zu denen Neueinwanderer aus China (Mandschurei, Harbin, Magdan und Tianjin) und dem Iran hinzustießen. Migdal haʿEmeq wurde Entwicklungsstadt. Die Entwicklung der neuen, zunächst rein jüdischen Stadt Migdal haʿEmeq an der Stelle al-Mudschaidils hatte laut Witt Raczka zwei Ziele: erstens ganz allgemein die Judaisierung Galiläas, und zweitens konkreter, das weitere Wachstum der nahegelegenen rein israelisch-arabischen Stadt Nazareth nach Süden zu verhindern.<ref>Witt Raczka: Unholy Land. In Search of Hope in Israel/Palestine. Rowman & Littlefield, 2015; S. 46.</ref>

Da das eingeebnete al-Mudschaidil zunächst noch außerhalb der bebauten Flächen Migdal haʿEmeqs lag, begann der Jüdische Nationalfonds die Wüstung ab 1962 aufzuforsten. Dachverbände schwedischer jüdischer Gemeinden stifteten zu Ehren König Gustav VI. Adolfs von Schweden anlässlich seines 80. Geburtstags 1962 den Jaʿar haMelech Gustav haSchischi ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)),<ref name="JTA 2015">“Jewish Community in Stockholm Honors Swedish King on 80th Birthday”. auf: Jewish Telegraphic Agency, 15. November 1962, abgerufen am 15. August 2025 (Lua-Fehler in Modul:Multilingual, Zeile 153: attempt to index field 'data' (a nil value)).</ref> wozu der Nationalfonds die Wüstung ausersehen hatte. In Gegenwart des schwedischen Botschafters Hugo Tamm und des Finanzministers Gunnar Sträng wurde die Aufforstung feierlich begonnen, die Beteiligten pflanzten eigenhändig erste Bäumchen.<ref>Vgl. TV-Bericht zum Beginn der Aufforstung, in: Jerusalem Cinemathèque – Israel Film Archive; abgerufen am 15. August 2025.</ref> Durch die rasche Integration der Flüchtlinge entwuchsen die meisten schnell dem Bittstellerdasein als Transferempfänger.

Betagte palästinensische Flüchtlinge aus al-Mudschaidil lebten als arabische Israelis zum Großteil auch 2025 in Nazareth.<ref>Witt Raczka: Unholy Land. In Search of Hope in Israel/Palestine. Rowman & Littlefield, 2015; S. 157–159.</ref> Als ihr wachsender Wohlstand sie befähigte, Mittel für den Unterhalt der verwaisten Nikolauskirche aufzubringen, begannen sie und manche ihrer Nachfahren 1994 von Nazareth aus die Kirche wiederherzurichten.<ref>“تواريخ أخرى” (2016), auf: Πατριαρχεῖον Ἱεροσολύμων; abgerufen am 14. August 2025.</ref> Es gab Versuche, ihre Traditionsliebe politisch aufzuladen, was ihren Zielen nicht dienlich war, weshalb die Enthusiasten 1999 einen Verein gründeten, den sie im Vereinsregister eintragen ließen, in der Satzung ihr Anliegen definierten und mit zuständigen Behörden und der interessierten Öffentlichkeit in Kontakt und ins Gespräch traten.<ref name="Humphries Bd.19 20060900 p18">Isabelle Humphries (إيزابيــل همفريــز), “كنيســـة المجيــدل..أجـــراس العـــودة فلتقـــرع بقلم ”, in: حق العودة , Bd. 19 (September 2006) ‹اقتلاعُ يجابهه صمود: التهجير الداخلي للفلسطينيين ›, S. 18; abgerufen am 11. August 2025.</ref> Die über die Jahre verfallene Moschee al-Mudschaidils wurde 2003 abgerissen<ref>Ilan Pappe: Le nettoyage ethnique de la Palestine. Paris: Fayard, 2008.</ref> und an ihrer Stelle wurde ein Einkaufszentrum errichtet.<ref>Marshall J. Breger, Yitzhak Reiter, Leonard Hammer (Hrsg.): Sacred Space in Israel and Palestine. Religion and Politics. London: Routledge, 2013; S. 76.</ref>

Das Werk der Vereinsmitglieder führte 2004 zur erneuten Kirchweihe St. Nikolais durch Metropolit Kyriakos von Nazareth.<ref name="Migdal' a-Emeke razgromlen pravoslavnyy khram 20060613">“В еврейском поселении Мигдаль а-Эмеке разгромлен православный храм” (13. Juni 2006), auf: Πравославный • Ru; abgerufen am 12. August 2025.</ref> Später führte der Verein Sophia ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)<ref>Vollständig lautet der Name {{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value), die 2007 mit Sitz in Haifa gegründet wurde.</ref>) die Restaurierung mittels Spendengeldern fort. Europäischstämmige christliche Orthodoxe zählen 30.000 bis 40.000 (2016) Personen in Israel,<ref>David Neuhaus, “Division and Hope in the Holy City: The Role of Christians in the Israel/Palestine Conflict”, Vortrag gehalten am 24. Oktober 2016 im Rahmen der jährlichen Peace Lecture am St. George’s College, Jerusalem; abgerufen am 22. November 2023.</ref> die als Teil der etwa 300.000 meist russischsprachigen Nichtjuden als Angehörige mit der ʿAlijjah von etwa 770.000 jüdischen und jüdischstämmigen, meist russischsprachigen ehemaligen Sowjetbürgern (1989–1995) gefolgt von noch einmal 130.000 Personen gleichen Hintergrunds bis 2007 nach Israel gekommen waren.<ref name="Recht">Danny Recht ({{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)), “{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value)”, auf{{Modul:Vorlage:lang}} Modul:Vorlage:lang:103: attempt to index field 'wikibase' (a nil value); abgerufen am 21. November 2023.</ref> Sie dient heute für Gottesdienste, die von christlich orthodoxen Einwanderern und deren getauften Nachfahren sowie Arbeitsmigranten aus Bulgarien und Rumänien besucht werden.<ref>Church of St. Nicolay, Webseite der Organisation St. Nicholas Center, abgerufen am 1. März 2018 (englisch)</ref>

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: al-Mudschaidil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • al-Mujaydal auf der Webseite der israelischen Nichtregierungsorganisation Zochrot, abgerufen am 1. März 2018 (englisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references responsive />

Koordinaten: 32° 40′ 40″ N, 35° 14′ 31″ O

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