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Aldabra-Schnecke

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Aldabra-Schnecke
Datei:Rhachistia aldabrae shell.png

Abbildung eines Gehäuses von Rhachistia aldabrae in der Erstbeschreibung 1898

Systematik
Ordnung: Lungenschnecken (Pulmonata)
Unterordnung: Landlungenschnecken (Stylommatophora)
Überfamilie: Enoidea
Familie: Cerastidae
Gattung: Rhachistia
Art: Aldabra-Schnecke
Wissenschaftlicher Name
Rhachistia aldabrae
von Martens, 1898

Die Aldabra-Schnecke (Rhachistia aldabrae) ist eine landlebende Schnecke aus der Unterordnung der Landlungenschnecken (Stylommatophora). Sie ist auf dem zur Republik Seychellen gehörenden Aldabra-Atoll heimisch. Nachdem seit 1997 keine lebenden Exemplare der Art mehr gefunden worden waren, wurde sie 2007 als „mit 95-prozentiger Wahrscheinlichkeit“ ausgestorben betrachtet.<ref name="Gerlach 2007"/> Im August 2014 wurden mehrere lebende Aldabra-Schnecken, darunter auch Jungtiere, von einem Team der Seychelles Islands Foundation auf der an der Nordwestecke des Atolls liegenden Insel Malabar (Middle Island) entdeckt.<ref name="Seychelles Island Foundation 2014"/>

Merkmale[Bearbeiten]

Das Gehäuse ist länglich, abgerundet konisch und dickschalig. Seine Länge beträgt ungefähr 2 cm. Die Schnecke besitzt sieben nur schwach gewölbte Windungen, deren Durchmesser zur Mündung hin stetig zunimmt. Die Mündung ist schmal birnförmig, nur wenig schief stehend.<ref name="Martens 1898"/> Die letzte Windung ist unterhalb des größten Umfanges braun, oberhalb sind ein breites oder zwei schmälere schwarzbraune Bänder zu sehen. Die Nahtbinde der letzten zwei bis drei Windungen ist rosafarben bis lila. Die oberen Windungen sind schwärzlich bis dunkelviolett gefärbt, gegen die Mitte hin indigo oder „trüb bläulich“ wie es Eduard von Martens beschreibt.

Verbreitung[Bearbeiten]

Die Aldabra-Schnecke ist auf dem zur Republik Seychellen gehörenden Aldabra-Atoll endemisch. Sie war bis 1976 regelmäßig auf den zum Atoll gehörenden Inseln Picard, Malabar, Polymnie, Esprit und Grande Terre aufzufinden. Auf Grande Terre war sie zu Beginn des 20. Jahrhunderts sogar sehr häufig.<ref name="Smith 1909"/><ref name="van Brugge 1975"/> Nach 1976 wurden nur noch zwei Exemplare entdeckt, und zwar 1986 und 1997 auf der Insel Picard. Erst im August 2014 konnten bei einer Bestandsaufnahme einiger selten besuchter Teile der Insel Malabar wieder adulte und juvenile Tiere beobachtet werden.<ref name="IUCN-News 2014"/>

Lebensweise[Bearbeiten]

Über die Lebensweise und ökologischen Ansprüche der Aldabra-Schnecken ist wenig bekannt. Dementsprechend konnten über die Ursachen für den Rückgang der Populationen nur Vermutungen angestellt werden. Da Aldabra im Jahr 1982 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen wurde und unter strengem Naturschutz steht, gibt es keine Gefährdung durch Abholzung oder Besiedelung. Ein Zusammenhang mit dem zunehmenden Ausbleiben der Niederschläge auf dem Atoll durch den Klimawandel und die daraus resultierenden langen Trockenperioden auf den Inseln wurde angenommen.<ref name="Gerlach 2007"/>

Nach dem Auffinden mehrerer Aldabra-Schnecken auf der Insel Malabar können Untersuchungen über das Verhalten und die Ernährung der Schnecken angestellt werden. Sie leben auf Büschen und in gemischter Vegetation nahe der Küste, so dass angenommen wird, dass sie keine speziellen Ansprüche an die Pflanzenwelt ihres Habitats stellen. Verwandte Arten der Gattung Rhachistia auf nahe gelegenen Inseln oder auf dem afrikanischen und dem asiatischen Festland weiden die Algenrasen auf Pflanzen ab. Sie haben eine relativ hohe Nachkommenschaft und leben mehrere Jahre.<ref name="Gerlach 2007"/> Es wird angenommen, dass die Aldabra-Schnecke wegen ihrer letztlich geringen Größe in feuchten Mulden und Erdspalten die Trockenperioden überleben konnte.<ref name="IUCN-News 2014"/>

Systematik und Taxonomie[Bearbeiten]

Datei:Rhachistia aldabrae type description.pdf
Erstbeschreibung in den Mitteilungen aus der Zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde in Berlin 1898

Rhachistia aldabrae wurde 1898 von Eduard von Martens als Bulimius (Rhachis) Aldabrae erstmals beschrieben. Die Erstbeschreibung in den Mitteilungen aus der Zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde in Berlin entstand nach einem Gehäuse, das von August Brauer von seiner Reise auf die Seychellen in den Jahren 1894 bis 1895 mitgebracht worden war.<ref name="Martens 1898"/>

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references> <ref name="Gerlach 2007">J. Gerlach: Short-term climate change and the extinction of the snail Rhachistia aldabrae (Gastropoda: Pulmonata). Biology Letters, 3, 5, S. 581–584, Royal Society, 2007 PDF doi:10.1098/rsbl.2007.0316</ref> <ref name="Seychelles Island Foundation 2014">Extinct snail re-discovered at Aldabra Atoll. Seychelles Island Foundation, 2014</ref> <ref name="IUCN-News 2014">Extinct snail re-discovered in Seychelles. IUCN News vom 5. September 2014, abgerufen am 17. September 2014</ref> <ref name="Smith 1909">M. Smith: The land Mollusca on Aldabra. The Nautilus, 23, 5, S. 69–70, Oktober 2009 Faksimile</ref> <ref name="van Brugge 1975">A. C. van Brugge: Streptaxidae from Aldabra Island, Western Indian Ocean. Bulletin of the British Museum (Natural History), 28, 5, S. 157–175, 17. September 1975 Faksimile, S. 171</ref> <ref name="Martens 1898">Eduard von Martens & Carl Arend Friedrich Wiegmann: Land- und Süßwasser-Mollusken der Seychellen nach den Sammlungen von Dr. Aug. Brauer. Mitteilungen aus der Zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde in Berlin, 1, S. 1–94, 1898, S. 28 (Erstbeschreibung)</ref> </references>

Literatur[Bearbeiten]

  • Eduard von Martens & Carl Arend Friedrich Wiegmann: Land- und Süßwasser-Mollusken der Seychellen nach den Sammlungen von Dr. Aug. Brauer. Mitteilungen aus der Zoologischen Sammlung des Museums für Naturkunde in Berlin, 1, S. 1–94, 1898, S. 28 (Erstbeschreibung)

Weblinks[Bearbeiten]