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Alexander Berghaus

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Datei:Berghaus Alexander 4428s.jpg
Alexander Berghaus (2015)

Alexander Berghaus (* 9. Januar 1952 in Leverkusen) ist ein deutscher Otorhinolaryngologe und war Inhaber des Lehrstuhls für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU). Sein Spezialgebiet ist die ästhetische und rekonstruktive Kopf-Hals-Chirurgie.

Leben[Bearbeiten]

Berghaus studierte 1970–1976 Humanmedizin an der Universität des Saarlandes in Homburg, der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn und an der Freien Universität Berlin. 1978 nach der Medizinalassistentenzeit erfolgte die Approbation als Arzt. Anschließend arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Hals-Nasen-Ohren-Klinik des Klinikums Steglitz (Benjamin Franklin) der FU Berlin. 1981 wurde er an der FU Berlin zum Dr. med. promoviert mit einer Arbeit über die Entwicklung der Methoden zur physiologischen Wertbestimmung von Digitalispräparaten.<ref></ref> 1981–83 erfolgten Auslandsaufenthalte zur rekonstruktiven Kopf-Hals-Chirurgie in Lausanne, Chicago und New York. 1983 erhielt Berghaus die Anerkennung als Facharzt für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. 1986 wurde er leitender Oberarzt an der HNO-Klinik des Klinikums Steglitz, FU Berlin. 1986 wurde er an der FU Berlin habilitiert und 1990 dort Professor (Klinikum Steglitz). Von 1993 bis 2003 war Berghaus Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenkrankheiten, Gesichts- und Halschirurgie und Inhaber des Lehrstuhls für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. 1994 war er dort Studiendekan der Medizinischen Fakultät und 1996–98 Prodekan. Von 2003 bis zum Eintritt in den Ruhestand 2017 war er Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde am Klinikum der Universität München und Inhaber des Lehrstuhls für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde an der LMU München.

Wissenschaftliche Schwerpunkte[Bearbeiten]

In seiner Habilitationsarbeit (1986) hat sich Berghaus mit der Entwicklung eines prothetischen Trachealersatzes sowie von Ohrmuschelgerüsten aus porösem Polyethylen (PE) für die rekonstruktive Chirurgie beschäftigt.<ref name="B1">A. Berghaus: Porous polyethylene in reconstructive head and neck surgery. In: Arch Otolaryngol Head Neck Surg. 111, 1986, 1985, S. 154–160.</ref><ref name="B2">A. Berghaus: Poröses Polyethylen in der rekonstruktiven Kopf-Hals-Chirurgie. (Porous polyethylene in the reconstructive head and neck surgery.) Hippokrates, Stuttgart 1988, ISBN 3-7773-0898-6.</ref> Solche PE-Gerüste haben sich im Laufe der Folgejahre als Alternative zum bereits etablierten autogenen Rippenknorpel für die Ohrrekonstruktion bei Mikrotie und anderen Ohrdeformitäten entwickelt und finden international Anwendung.<ref name="B4">T. Braun, S. Gratza, S. Becker, I. Schwentner, K. Stelter, M. Patscheider, A. Berghaus, J. M. Hempel: Auricular reconstruction with porous polyethylene frameworks: outcome and patient benefit in 65 children and adult. In: Plastic and Reconstructive Surgery. 126(4), 2010, S. 1201–1212.</ref><ref name="B5">T. Braun, J. M. Hempel, A. Berghaus: Developmental disorders of the ear in children and adolescents – conservative and surgical treatment options. In: Dtsch Arztebl Int. 111(6), 2014, S. 92–97.</ref> Seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Implantate für die Kopf-Hals-Chirurgie hat Berghaus 1992 in einem Hauptreferat für die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde zusammenfassend dargestellt.<ref name="B3">A. Berghaus: Implantate in der Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie. (Implants in otorhinolaryngology, head and neck surgery.) In: Arch. Otorhinolaryngol. Suppl. I, 1992, S. 52–95.</ref> Ferner entwickelte Berghaus als Alternative zu den etablierten starren Goldimplantaten erstmals flexible Platin-Ketten-Implantate (Deutsches Patent zusammen mit Thomas Schrom) für die Rehabilitation der Oberlidfunktion bei Fazialisparese (sogenanntes „Lid-loading“).<ref name="B12">A. Berghaus, K. Neumann, T. Schrom: The platinum chain: a new upper-lid implant for facial palsy. In: Arch Facial Plast Surg. 5(2), 2003, S. 166–170.</ref> Auch im Rahmen der Rhinochirurgie hat Berghaus die Verwendung von Implantatmaterialien untersucht.<ref name="B6">A. Berghaus, K. Stelter: Alloplastic Materials in Rhinoplasty. In: Curr Opin Otolaryngol Head Neck Surg. 14, 2006, S. 270–277.</ref><ref name="B7">K. Stelter, S. Strieth, A. Berghaus: Porous polyethylene implants in revision rhinoplasty: chances and risks. In: Rhinology. 45(4), 2007, S. 325–331.</ref> Im Zusammenhang mit seinem besonderen Interesse für die Rhinoplastik hat er kontinuierlich an der Neu- und Weiterentwicklung operativer Techniken und der instrumentellen Ausstattung gearbeitet (Instrumente für die Rhinoplastik; deutsche und internationale Patente).<ref name='B13"'>A. Berghaus: New Instruments for Rhinoplasty: Operating Mirror and Alar Guiding Set. In: Plastic and Reconstructive Surgery. 117(7), 2006, S. 2224–2225.</ref>

Seit 1982 hat sich Berghaus verstärkt für die Ablösung der klassischen Tracheotomie durch das epithelisierte "Vogelnest"-Tracheostoma (Tracheostomie) eingesetzt und dessen Vorteile im Film und in Veröffentlichungen deutlich gemacht.<ref name="B9">A. Berghaus, M. Handrock, R. Matthias: Unser Konzept bei Anlage und Verschluß eines Tracheostoma. (Our concept in tracheostomy and its closure). In: HNO. 32, 1984, S. 217–220.</ref> Für die Fragestellung der chirurgischen Stimmanhebung bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen hat Berghaus 1993 mit der modifizierten Cricothyroidopexie (Erhöhung der Spannung der Stimmbänder) eine erfolgreiche und risikoarme Operationstechnik in Deutschland propagiert, die seither zunehmend Anwendung findet.<ref name="B11">K. Neumann, C. Welzel, A. Berghaus: Operative voice pitch raising in male-to-female transsexuals. In: Eur J Plast Surg. 25, 2002, S. 209–214.</ref>

Als in vielfacher Hinsicht vorteilhaften Zugang zur frontalen und zentralen Schädelbasis hat Berghaus 1987 das sog. ‚Midfacial degloving‘ in Deutschland eingeführt, wie es in USA bereits praktiziert wurde.<ref name="B10">A. Berghaus: Midfacial degloving. In: HNO. 38, S. 7–11.</ref> Auf dem Gebiet der Onkologie / Onkochirurgie hat Berghaus 1993 gemeinsam mit Wolfgang Draf im Hauptreferat „Tumoren und Chirurgie der frontalen Schädelbasis“ für die Deutsche HNO-Gesellschaft die Übersichtsdarstellung der hier vorkommenden Tumoren übernommen.<ref name="B8">W. Draf, A. Berghaus: Tumoren und Pseudotumoren ("tumorähnliche Läsionen") der frontalen Schädelbasis, ausgehend von der Nase, den Nasennebenhöhlen und dem Nasenrachenraum (einschließlich der operativen Zugangswege). (Tumors and pseudotumors („tumor like lesions“) of the frontal skull base, originating from the nose, the nasal cavity and the nasopharynx (including surgical approaches).) In: Arch Oto-Rhino-Laryngol. Suppl I, 1993, S. 105–186.</ref> Neben der Rhinoplastik ist ein weiterer Schwerpunkt seines Interesses die Ohrmuschelkorrektur, hier vor allem auch die als schwierig geltende Nachkorrektur bei unbefriedigendem Resultat einer Erstoperation.<ref name="B14">A. Berghaus, T. Braun, J. M. Hempel: Revision Otoplasty - How to Manage the Disastrous Result. In: Archives of Facial Plastic Surgery. 14(3), 2012, S. 205–210.</ref> 1996 veröffentlichte Berghaus mit den Koautoren Gerhard Rettinger und Gerhard Böhme ein Lehrbuch der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, das sich durch breite Darstellung der Thematik und neuartige didaktische Gestaltung hervorhob.<ref name="B15">A. Berghaus, G. Rettinger, G. Böhme: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. (= Duale Reihe). Hippokrates Verlag, Stuttgart 1996, ISBN 3-7773-0944-3.</ref>

Projektkoordination, Mitgliedschaft in Verbundprojekten (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 2001–2003 „Einsatz von nichtresorbierbaren Trägern für das Tissue Engineering von Chondrozyten im Rahmen der Entwicklung eines Hybrid-Systems“ (Kultusministerium Land Sachsen-Anhalt)
  • 2000–2002 „Untersuchung an Zellkulturen zum Einsatz von Natriumperoxodisulfat in der Strahlentherapie“ (Kultusministerium Sachsen-Anhalt)
  • 2000–2001 „Elektronenmikroskopische und immunelektronenmikroskopische Studie zur Innervation der Drüsen der Nasenschleimhaut des Menschen“ (DFG)
  • 1999–2001„Verbesserung des Einsatzverhaltens von funktionellen Prothesen im pharyngo- trachealen Bereich durch chemische und mechanischen Werkstoffoptimierung“ (Kultusministerium Land Sachsen-Anhalt)
  • 1999–2001 „Entwicklung von Funktionswerkstoffen für das Lasersintern in der Medizintechnik“ (Kultusministerium Land Sachsen-Anhalt)
  • 1999 Patent: Platinkettenimplantat für das Oberlid bei Fazialisparese. Deutsches Patentamt Nr. DE00001974 1342C 1
  • 1998 „Entwicklung von Platinkettenimplantaten für das Oberlid bei Fazialisparese“, Industrieprojekt<ref name="AB CV">Alexander Berghaus CV (PDF; 157 kB)</ref>

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

  • 2014 Verdienstmedaille der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie
  • 2010 Honor Award, American Academy of Oto-Rhino-Laryngology, Head-and-Neck-Surgery (AAO-HNS)
  • 1986 Hans-von-Seemen-Preis der Deutschen Gesellschaft für Plastische und Wiederherstellungschirurgie
  • 1984 Silver Medal, Wissenschaftliche Filmpräsentation, HNO-Weltkongress in Miami, Fl, USA<ref name="AB CV" />

Mitgliedschaften und Funktionen in nationalen und internationalen Wissenschaftsgesellschaften[Bearbeiten]

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Die Entwicklung der Methoden zur physiologischen Wertbestimmung von Digitalispräparaten (= Abhandlungen zur Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften). Dissertation an der Freien Universität Berlin 1981 und Matthiesen Verlag, Husum 1982, ISBN 3-7868-4042-3.
  • mit Gerhard Rettinger und Gerhard Böhme: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde (= Duale Reihe). Hippokrates, Stuttgart 1996, ISBN 3-7773-0944-3.
  • mit Kerstin Neumann und Cornelia Welzel: Operative Stimmerhöhung bei Mann-zu-Frau-Transsexuellen. Eine Übersicht der Ergebnisse mit eigener Technik. In: HNO. Bd. 51 (2003), H. 1, S. 30–37, doi:10.1007/s00106-002-0654-4 (PDF).

Weblinks[Bearbeiten]

Commons: Alexander Berghaus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

<references /> Vorlage:Navigationsleiste HNO-Ordinarien der Ludwig-Maximilians-Universität

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